© Eric Audras/PhotoAlto/CorbisConsultants schmeißen Leute raus, interessieren sich nur für ihre Karriere und streichen obszöne Gehälter ein - soweit die Klischees. Trotzdem, für viele ist Berater ein Traumjob, ein Selbsterfahrungstrip im Turbotempo. Danach wissen sie, was sie wirklich wollen.
http://www.spiegel.de/karriere/beruf...821628,00.html
Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich mal wieder einen dieser 25jährigen Emporkömlinge kennenlerne, der mir erzählt, dass er oder sie als Managementberater den Leuten zeigt, wie man ein Unternehmen führt ... Selbst natürlich noch nie wirklich IN EINEM Unternehmen gearbeitet und nur von Eliten umgeben!
Aber liebe Managementgötter, eine erfolgreiche Unternehmensführung besteht aus mehr, als nur aus Exceltabellen!
Come on! Ich versuche doch auch nicht meinem Opa was über den Krieg zu erzählen! :D
Mal abgesehen von den absoluten Topberatungen geht wohl keiner wegen dem Einstiegsgehalt in die Beratung. Ich bin selbst bei einer großen IT-Beratung, und wenn ich damals direkt irgendwo in der Industrie angefangen hätte, hätte ich mit Sicherheit mehr bekommen.
Das Problem ist nur, dass dort dann relativ schnell das Ende der Fahnenstange erreicht ist, während man in einer dedizierten Beratung in kurzer Zeit sehr viele unterschiedliche Erfahrungen sammeln kann und dann auch recht schnell eigene Verantwortungsbereiche bekommt. Einer meiner Freunde ist erst kürzlich nach 5 Jahren Beratung in ähnlicher Position bei einem Automobilhersteller, zwar verdient er dort in etwa dasselbe, aber das wird dann auch die nächsten 10 Jahre so bleiben (abgesehen von tariflichen Anpassungen). In der Zeit kann man in der Beratung erheblich mehr erreichen, wenn man sich durchkämpft.
Wenn es einem nur ums Geld geht, dann ist die Beratung sicherlich ein gutes Arbeitsgebiet. Andere Menschen haben ganz andere Ansprüche an eine Stelle. Ihnen reichen Erfahrungen (ein sehr dehnbarer Begriff) nicht. Sie wollen komplexe Probleme lösen und keine halbgaren Lösungsvorschläge - nach dem Motto: Hauptsache, der Kunde ist zufrieden - abliefern. Für solche Menschen wäre die Beratung als Arbeitsgebiet ein Graus.
Geld als (einziger) Anreiz ist mir zu wenig.
Manchen muss man wohl alles erklären.
Wenn der Kunde zufrieden ist, dann heisst das nicht, das Qualität abgeliefert worden ist. Man hat nur das abgeliefert, was der Kunde erwartet bzw. verlangt oder bezahlt hat. Wenn der Kunde kein Fachmann im Bereich des Auftrags ist, dann kann das alles bedeuteten. Und manche Berater nutzen das aus.
Gerade im IT-Bereich wird oftmals schlecht beraten, der Kunde merkt es aber nicht und ist daher zufrieden. D.h. der Kunde ist zufriedengestellt, auch wenn er schlecht beraten worden ist.
Das fällt selten auf, da ein zufriedener Kunde kaum die Beratungsfirma wechselt. Warum auch - aus seiner Sicht besteht dazu kein Grund.
IT-Dienstleister haben mit Unternehmensberatung aber soviel zu tun wie der Catering-Dienstleister, der die Kantine betreibt oder der Gärtner, der die Büropflanzen betreut.
Also, nehmen Sie es mir bitte nicht übel, wenn ich dankend darauf verzichte, mir von Ihnen "alles erklären zu lassen".
Aber den Gedankengang haben Sie verstanden: Aus "Kunde ist zufrieden" folgt nicht "gute Beratung".
Egal in welchem Bereich. Ob nun bei der IT-Beratung oder bei jeder anderen Beratung.
Und genau das stört einige Menschen am Beratungsgeschäft und lässt sie einen grossen Bogen um diese Branche machen. Für das Beratungsgeschäft muss man eben "geboren" sein. Manche Menschen schaffen nach einigen Jahren der Beratung noch den Absprung. Immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer.