Forum


 

Unternehmensberater-Aussteiger: Ich schmeiß hin!

Spitzennoten,*Arbeit in einer Top-Beratungsfirma für ein tolles Gehalt, ackern rund um die Uhr - und nach ein paar Jahren*lassen viele junge Consultants ihren Job sausen. Sie zwickt die Frage: Wofür schufte ich hier eigentlich?*Aus*der Sinnkrise entstehen oft bemerkenswerte Ideen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...776700,00.html
  1. #140

    ...

    Zitat von Aschmersal Beitrag anzeigen
    Naja, Gewinnmaximierung und Überleben hängen in der Wirtschaft enger zusammen, als man gemeinhin denkt. Ein Unternehmen, dass über Jahre keinen Gewinn macht (oder auch nur weniger als der Wettbewerb) wird sich früher oder später in einem Kampf ums eigene Überleben wiederfinden.




    Das ist nicht perfide, sondern innerhalb des Unternehmens das Gleiche, was Sie extern als Konkurrenz bezeichnen. Kaufen Sie auf dem Markt Ihre Eier beim Teuersten? Und erwerben Sie -bei 3 ortsansässigen TV-Händlern- Ihren Flachbildschirm bei dem, der den schlechtesten Service bietet? Eben.



    Dass dies schon mal den ein oder anderen Mitarbeiter trifft ist natürlich unschön. Da gebe ich Ihnen recht. Aber auf das Ganze betrachtet ist es doch besser, 80 Leute in Lohn und Brot zu lassen und 20 zu entlassen, als langfristig 100 auf die Strasse zu setzen.

    Und wenn Sie an diesem Prozess (den es schon seit der Industrialisierung gibt) nichts Positives erkennen: Was würden Sie denn dann tun? Alle unrentablen Unternehmen (von Borgward bis Arcandor) mit Subventionen am Leben erhalten? Wie in der DDR? Da bin ich ja mal gespannt...
    Nun, mir sind durchaus hochprofitable Unternehmen bekannt, welche trotzdem die von mir beschriebenen Dinge vollziehen.
    Ich kann auch nichts positives daran erkenn, wenn von 2 profitablen Niederlassungen eine dicht gemacht werden soll. Wer nach 2 Jahren die besseren Zahlen (= niedrigere Personalkosten) hat, darf bestehen bleiben.
    Diese Unternehmen brauchen auch ohne diese Maßnahmen keine Subventionen, sind auch ohne diese Maßnahmen hoch profitabel. Mit DDR hat dies nichts zu tun.
    Niemand redet davon, unrentable Unternehmen künstlich am Leben zu erhalten (zumindest einmal ich nicht). Dort sind harte Einschnitte erforderlich, richtig.
    Bei profitablen Unternehmen sehe ich solche Vorgehensweisen jedoch nicht ein.
    Macht es denn wirklich Sinn, den Profit eines Konzerns von sagen wir einmal 2 Milliarden $ auf 2,5 Milliarden $ zu pushen und dafür zahlreiche berufliche Existenzen zu zerstören? Aus meiner Sicht macht dies keinen Sinn und ist sogar grundfalsch. Leider jedoch werden Unternehmensberatungen genau in diese Richtung durchgeführt. Die BeraterInnen selber haben ja ihr gesichertes Auskommen. Etwas mehr soziales Bewusstsein wäre durchaus angebracht.
  2. #141

    Ok Ok

    Zitat von Gerixxx Beitrag anzeigen
    Selbstverständlich sind Berater keine "schrecklichen Mensachen". Auch Aufsteigermentalität etc. ist doch nichts Schlechtes. Nur müssen sie sich - und zwar fachlich UND ethisch an Ihrem Handeln und den Ergebnissen messen lassen. Das schließt ihr Auftreten und eine gewisse Demut angesichts des angemaßten gestalterischen Mandats mit ein.
    Gerixxx, danke für diese kritische, aber sinnvoll formulierte Perspektive. Ich gebe Ihnen absolut Recht - hier haben wir als Berater in der Tat noch einigen Nachholbedarf. Das Thema ist aber - zumindest bei den 'Big 5' auf dem Radar, und zB Gegenstand von Trainings, und in der täglichen Teamführen - wir erkennen durchaus, dass bestimmte Verhaltensweisen weder vertretbar, noch unseren Klienten vermittelbar sind. So ist es übrigens üblich, NICHT Business zu fliegen, wenn Klienten eine restriktive Reise-Policy haben.

    mfG
  3. #142

    Absolut nachvollziehbar

    Mein gleichwertiger Zweitberuf ist Unternehmensberater. Dort bin ich spezialisiert auf Arbeitsablaufoptimierung und die IT-Infrastruktur.

    In unserem festen Team, sowie auch im erweiterten Team macht keiner diesen Job hauptberuflich.

    Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt bei ca 55 (mit knapp u40 bin ich das zweitjüngste Teammitglied), nur die Wenigsten haben Wirtschaftswissenschaften studiert, fast 1/3 hat überhaupt nicht studiert, einige sind hauptberuflich im Ruhestand. Uns allen ist nur gemein, dass wir selbst erfolgreich Unternehmer sind oder waren.

    Wir übernehmen nur Aufträge von Firmen, die bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, denn wir wollen handeln, nicht diskutieren oder überzeugen.

    Alle unsere bisherigen Kunden hatten zuvor viele Finanz-Consultans zu Besuch und immer hatten diese Ruinen hinterlassen. Kurzfristig und mittelfristig ausgelegt, waren ihre Lösungen nur Aufschübe, meist auch noch zu Lasten der langfristigen Unternehmensaufstellung.

    Sie setzen immer im Management an und wirken nur auf die Entscheidungsträger ein. Sie bringen nur scheinbar neue Ideen, denn die Wege, die sie aufzeigen sind in der Geschäftswelt längstens bekannt (aber nicht immer wirklich erprobt) nur im Unternehmen selbst noch nicht.

    Viel ihrer Arbeit wird für Diplomatie und Überzeugung verbraucht, denn sie stehen Ihresgleichen nur als "Berater" (man könnte auch sagen, als "Ideengeber") gegenüber und Eitelkeiten der Beratenen machen es nicht leicht.
    An den oberen Managementstrukturen selbst ändern sie nur selten etwas und damit ändern sie langfristig so gut wie nichts. Sind sie weg, klingen ihre Empfehlungen noch kurz nach und alles bleibt wie es war, bzw. die nächsten "Berater" stehen vor der Tür.

    Sie sind jung, kommen oft sofort nach einem BWL-Studium und vielleicht noch einem Praktikum ins Beratergeschäft. Eine ernsthafte Industrie-Erfahrung können sie nicht vorweisen, das Für und Wieder kennen sie nur aus Büchern und den Vorlesungen, also Erfahrungen, die ganz andere Menschen gemacht haben.

    Ihre Arbeit ist für sie selbst fast Ergebnislos.
    Denn Erfolgserlebnisse, die nur Ich-bezogen, aber nicht sächlich sind, verpuffen sehr schnell, wenn man seinen Blick von der eigenen Karriere in die Umwelt schweifen läßt. Die Frage "Was, außer einer tollen Karriere habe ich erreicht?" läßt sich nur mit Selbstlügen, "Nichts!" oder "Keine Ahnung" beantworten.

    Wir haben diesen Bezug immer, denn wir kommen nicht mal kurz zu Besuch und verschwinden danach wieder. Wir (damit ist jeder im Team gemeint) begleiten unsere Kunden oft über viele Jahre, auch nach unserer eigentlichen Tätigkeit. Dadurch haben wir eine ganz andere Motivation.

    Was wir dadurch auch in Mengen bekommen, sind Bewerbungen aus dem klassischen Consultant. Sehr oft sind darunter Karrieren, die perfekter nicht seien könnten und diese Menschen bewerben sich bei uns, obwohl wir gerade 30% dessen zahlen, was sie bisher verdienten.

    Wir lehnen zwar meist einstimmig ab, aber lesen die Bewerbungen und aus dem, was zwischen den Zeilen steht, geht viel hervor.
    Ganz vorne unter den eigenen Fähigkeiten stehen immer "starke Durchsetzungs- und Überzeugungskraft" und unter den Beweggründen die mangelende Motivation im bisherigen Job.

    Mit anderen Worten: Dauerhafter Krieg und Kampf, aber ohne Ziel...
    ...der Burnout ist da nur eine Frage der Zeit.

    Ich würde so nicht arbeiten wollen.
  4. #143

    Genau deshalb!

    Zitat von bolivien72 Beitrag anzeigen
    Meiner Tochter hat es nur noch für drei Stunden Schlaf gereicht. Nachts um zwei Uhr treffen die letzten Mails und morgens ab sechs die für den neuen Tag ein. Kühlschrank im Büro ist mit Joghurt, Wasser und Obst gefüllt, so kann auch die Mittagspause "überbrückt" werden. Fremdsprachige Dokumente sind in rasender Geschwindigkeit durchzuarbeiten. Im Flugzeug, im Taxi, auf dem Flughafen, überall ist die Unternehmensberatung mit neuen Aufgaben präsent.
    Echt spannend, was ich in diesem Forum über meinen Beruf erfahre.

    Lieber Bolivien72, ja, das hier beschriebene kommt vor. Und das wusste Ihre Tochter wahrscheinlich, bevor sie angefangen hat (die meisten Einsteiger haben mindestens ein Praktikum in der Beratung absolviert). Da ist auch vieles bei, das die jungen Berater klasse finden - das Reisen, die vielen neuen Eindrücke, die vielen neuen Aufgaben - es ist aber eben oftmals hart. Wenn Ihre Tochter 2 oder 3 Jahre bei M, B, B, oder B ist, und als Consultant 100k+ verdient, vieleicht einen Master in den USA bezahlt bekommen hat, und auf all das zurückblicken kann, was Sie so kritisch beschreiben, kann sie ja inne-halten und beschließen, etwas anderes zu tun - in dem Artikel gibt es ja spannende Beispiele. Welche Berufe sind hierfür eine ähnlich gute Vorbereitung wie die Beratung?

    Aber - hoffentlich nicht einen ewig gleichen, langweiligen, langsamen Routine-Job in einem grauen Großraumbüro bei einem mittelmäßigen Unternehmen, mit einem mäßigen, frustrierten Abteilungsleiter, von 9-5, mit dem Urlaubsplaner-Kalender an der Wand - das (Berufs-)leben herunterspulend. Dann doch lieber als Beraterin arbeiten - dort soll es inzwischen übrigens auch neue Arbeitsmodelle, Teilzeit usw. geben...

    mfG
  5. #144

    (¯`*•.¸¸.•*´¯)

    Zitat von Peter Werner Beitrag anzeigen
    Macht es denn wirklich Sinn, den Profit eines Konzerns von sagen wir einmal 2 Milliarden $ auf 2,5 Milliarden $ zu pushen und dafür zahlreiche berufliche Existenzen zu zerstören? Aus meiner Sicht macht dies keinen Sinn und ist sogar grundfalsch. Leider jedoch werden Unternehmensberatungen genau in diese Richtung durchgeführt. Die BeraterInnen selber haben ja ihr gesichertes Auskommen. Etwas mehr soziales Bewusstsein wäre durchaus angebracht.
    Aber die Aktionäre heben den Vorstand für ein Plus von 25% in die Hall of Fame.

    Und ein Zitat aus dem Berger-Thread von vor einem Jahr:
    Der volkswirtschaftliche Schaden, den diese "Umverteilungsgehilfen" seit Jahrzehnten anrichten, geht ins Unermessliche. Es zählt aber nur noch die betriebswirtschaftliche Perspektive. Dass die Unternehmen auch die Aufgabe haben, eine gesunde Volkswirtschaft zu bilden, ist etwa so uninteressant geworden, wie der volkswirtschaftliche Auftrag der Banken, die gesamte Wirtschaft und nicht nur die Industrie mit Krediten zu versorgen. [Durruti100]

    Und ein Beratertätigkeitsbeispiel von mir:
    "Vor etwa 10 Jahren wurde der Telekom von einer Beraterfirma als Ei des Kolumbus die Vier-Säulen-Strategie verkauft.
    "Mit dieser Vier-Säulen-Strategie ist die Deutsche Telekom optimal für die Zukunft in den so genannten T.I.M.E.S.-Märkten aufgestellt". Link et alt.
    Vorteil der 4 Säulen sollte sein, dass durch die interne Konkurrenz alles besser und billiger werden würde.
    Mit der Folge langen Stillstands, da jede Säule eine eigene Personalabteilung, eigenes Controlling usw. aufbauen musste.
    Ausserdem mussten die Rechtsbeziehungen zwischen den Säulen alle neu geknüpft werden, womit viele Leute lange Zeit beschäftigt waren. Und wenn eine Säule mit etwas nicht einverstanden war, z. B. weil sie Pönalen bei Lieferverzug hätte zahlen sollen (wie jede normale Firma auch), wurde solange blockiert ("wir sind doch alle eine Firma"), bis die unangenehmen Vertragsteile rausflogen. Was zu sehr schlanken Verträgen führte.
    Kaum 5 Jahre später (man erinnert sich, speziell als Aktionär) wurde die T-Online wieder eingefangen. Und kaum war das Jahrzehnt um, verkündete der jetzige Telekom-Chef, das Ei des Kolumbus hiesse jetzt Stein der Weisen und würde durch (Wieder-)einverleiben der restlichen Säulen ungeahnte Synergieeffekte freisetzen.
    Und jetzt dürfen alle mal raten, von welcher Beraterfirma die Stein-der-Weisen-Erfinder kamen...

    Da diese Synergieeffekte auch auf den Controllingbereich durchschlagen dürften, könnten doch die dort jetzt Überflüssigen mal ausrechnen, was die ganze Aktion gekostet hat und was die Telekom dementsprechend an Forderungen gegenüber besagter Firma noch offenstehen hat.
    Die Aktionäre sind diesbezüglich übrigens recht zurückhaltend.

    PS:
    Die Big Four freuen sich übrigens immer, wenn sie bei den Fachleuten der zu beratenden Firma PPTs und Excellisten abgreifen können, die dann direkt in Abschlusspräsentationen eingebaut werden können - erhöht zudem den Wiedererkennungswert fürs Management..."
    Übrigens aus dem nämlichen Thread ;-)
  6. #145

    Erfahrung

    Zitat von devilsown Beitrag anzeigen
    Mein gleichwertiger Zweitberuf ist Unternehmensberater. Dort bin ich spezialisiert auf Arbeitsablaufoptimierung und die IT-Infrastruktur.

    In unserem festen Team, sowie auch.....
    Ihre Erfahrungen kann ich nur bestätigen. Um "Schlachten" zu gewinnen brauchen sie ein kampferfahrenes Team und nicht Stabsoffiziere, die nur im Sandkasten gespielt haben.
  7. #146

    Auch diese Medaille hat 2 Seiten...

    Zitat von franziskus Beitrag anzeigen
    Ihre Erfahrungen kann ich nur bestätigen. Um "Schlachten" zu gewinnen brauchen sie ein kampferfahrenes Team und nicht Stabsoffiziere, die nur im Sandkasten gespielt haben.
    Und ich kann da nur in großen Teilen widersprechen:

    Ich kenne auch einige dieser "hocherfahrenen" Berater. Auch die kochen alle nur mit Wasser. Meistens handelt es sich um altgediente Führungskräfte aus dem mittleren Management, die von Ihrem Arbeitgeber mit goldenem Handschlag in den Vorruhestand entlassen oder aus welchen Gründen auch immer wegrationalisiert werden. Sie haben es eigentlich finanziell nicht wirklich nötig, aber um täglich den Dackel auszuführen sind sie noch zu jung. So nennt man sich halt Berater und macht sich selbständig.

    Und das funktioniert nur in den seltensten Fällen. Genaugenommen ist das mehr eine Art Interims Management, vor allem bei Unternehmen, denen es dreckig geht und die sich keine Unternehmensberatung leisten können oder wollen. Im Mittelstand sind diese Greybacks auch hier und dort anzutreffen. Und an diesen Stellen können solche Leute zum Teil auch wirklich was bewegen. Wie gesagt, eher als Interims-Manager.

    In der klassischen Unternehmensberatung fassen diese Leute fast nie Fuss. Das Fachwissen ist zwar da, aber es fehlt das Team, es fehlt das Netzwerk und es fehlt das methodische Wissen (entgegen der landläufigen Meinung ist Consulting mehr als Folien malen).

    Alles in allem sind das eher Randerscheinungen in der Branche...

    PS: Am schlimmsten in diesem Zusammenhang sind die Mittvierziger, deren Karriere stockt und die denken, dass sie als Berater das ganz große Rad drehen können. Da kenn ich einige, die fulminant auf die Schnauze gefallen sind.
  8. #147

    Wenn ich das schon höre

    1. Wenn man das schon liesst:
    "Wirklich interessiert hat mich der Job eigentlich nie"
    Selbst Schuld wenn man einen Job annimmt, der einen nicht interessiert. Klar ist man dann unglücklich. Allerdings sollte man sich dann auch nicht beschweren.

    2.Dann kommt das allerschlimmste SPON-Links-AlterNaiv-Geschwurbel, der Abschnitt:
    "Aus Kapitalisten werden Idealisten: Zwei Berater kündigen ihre sicheren Jobs, um afrikanischen Kaffee zu verkaufen"
    Ein Berater ist kein Kapitalist - er ist ganz normaler Angestellter. Nun haben zwei Berater Erfahrung gesammelt und machen das was viele tun: sich machen sich selbstständig. Genau genommen sind sie jetzt Unternehmer geworden. Und wie nennt man so was? Richtig! KAPITALISTEN!!!! Klar tun sie auch was gutes. Aber das ist ja auch ein alter Verkaufstrick: Tue Gutes und rede darüber.

    3. Was nicht aus dem Artikel vorgeht:
    es gibt auch Berater, die tun ihren Job aus Überzeugung. Sie möchten anderen Menschen helfen erfolgreicher zu werden.
    Andere wiederum nehmen den Job an weil er Prestigeträchtig ist - und scheitern!

    Man sollte den Beraterjob eben aus Überzeugung tun - nicht nur wegen der Kohle und weil er prestigeträchtig ist!!!
  9. #148

    Erläuterung

    Zitat von Aschmersal Beitrag anzeigen
    Und ich kann da nur in großen Teilen widersprechen:

    Ich kenne auch einige dieser "hocherfahrenen" Berater. Auch die kochen alle nur mit Wasser. Meistens handelt es sich um altgediente Führungskräfte aus dem mittleren Management, die von Ihrem Arbeitgeber mit goldenem Handschlag in den Vorruhestand entlassen oder aus welchen Gründen auch immer wegrationalisiert werden. Sie haben es eigentlich finanziell nicht wirklich nötig, aber um täglich den Dackel auszuführen sind sie noch zu jung. So nennt man sich halt Berater und macht sich selbständig.
    Ich habe überwiegend Erfahrungen mit Beratern, die in den großen angloamerikanischen Unternehmensberatungen sich ihre ersten Sporen verdienen. Diesen Unternehmensberatungen geht es in erster Linie darum, ihren Gewinn zu optimieren. Die Höhe des Beratungshonoras richtet sich nicht nach dem eigentlichen Aufwand, sondern nach der Finanzkraft eines Unternehmens. Ein Beratungsauftrag wird in unendlich viele Work-Units zerlegt. Um diesen Berg an "Arbeit" abzubauen braucht man viele Berater und Hilfskräfte. Dies führt wieder dazu, dass eine entsprechend große Projektorganisation notwendig ist.

    Diese Unternehmensberatungen finden sie auch nur in Unternehmen, die es sich leisten können. Da kostet dann ein System zur Abrechnung von 50 Millionen Kunden locker eine Milliarde. Warum eigentlich? Der Aufwand richtet sich doch nicht nach der Anzahl der Kunden, sondern nach der Vielfalt der Rechnungsstellung. Mitbewerber mit weniger Kunden rechnen auch richtig ab, ohne Milliarden zu investieren?

    Es gibt eben solche und solche Berater. Mein persönlicher Anspruch war immer: Die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Menschen zu verbessern. Wegen meiner Arbeit hat nie ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verloren. Meine Losung war immer: „Wir sparen überall, aber zuletzt bei den Mitarbeitern“. Es ist schon bemerkenswert, welche unentdeckten Schätze in Unternehmen verborgen sind, wenn die Mitarbeiter nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen.
  10. #149

    ...

    Zitat von franziskus Beitrag anzeigen
    (...)geht es in erster Linie darum, ihren Gewinn zu optimieren. Die Höhe des Beratungshonoras richtet sich nicht nach dem eigentlichen Aufwand, sondern nach der Finanzkraft eines Unternehmens. Ein Beratungsauftrag wird in unendlich viele Work-Units zerlegt. Um diesen Berg an "Arbeit" abzubauen braucht man viele Berater und Hilfskräfte. Dies führt wieder dazu, dass eine entsprechend große Projektorganisation notwendig ist.
    Dass ein Unternehmen seinen Gewinn maximiert, ist ja nichts sensationell Neues. Das machen nicht nur Unternehmensberatungen.

    Dass sich das Honorar nach der Finanzkraft des Unternehmens richtet, ist erstmal Unfug. Sicher gibt es traditionell Branchen, in denen das Geld lockerer sitzt. Andererseits hat ein geschickter Einkäufer, das momentane Marktumfeld oder das angefragte Thema sehr viel mehr Einfluss auf den Tagessatz als die Kundenbranche.

    Dass wir ein großes Projekt in viele Arbeitspakete unterteilen, haben sie richtig erkannt. Das ist im übrigen eine ganz zentrale Kompetenz: Ein Thema so zu strukturieren, dass man die Komplexität beherrschen kann.

    Dass es hier und da eine große Projektorganisation braucht ist auch richtig. Ein weiteres Argument für Unternehmensberatungen. Gerade für die großen der Branche. Mal eben für 1 oder 2 Jahre (einigermaßen) kompetente Ressourcen bereitstellen, die am gewünschten Standort und in einem Projekt auch mal bereit sind, bis in die Puppen Überstunden zu leisten, finden Sie im eigenen Unternehmen nicht.

    Zitat von franziskus Beitrag anzeigen
    Diese Unternehmensberatungen finden sie auch nur in Unternehmen, die es sich leisten können. Da kostet dann ein System zur Abrechnung von 50 Millionen Kunden locker eine Milliarde. Warum eigentlich? (...)mit weniger Kunden rechnen auch richtig ab, ohne Milliarden zu investieren?
    Über Sinn und Zweck von Abrechnungssystemen zu philosophieren, würde hier zu weit führen. Es sei Ihnen aber versichert: Selbst unseren dümmsten Kunden kann man nicht alles weismachen. Der Aufwand richtet sich nach dem Projektauftrag. In der Regel ist man in einer Pitch mit anderen Beratungen, so dass sich relativ schnell ein fairer Mittelwert fürs Projekt herauskristallisiert. Dazu kommt, dass immer öfter auf Kundenseite Ex-Berater sitzen, die recht genau wissen, ob gepokert wird, oder hinter einem Proposal wirklich Substanz ist. Wenn dann der Einkäufer seinen Job noch gut macht, können Sie sich sicher sein, einen fairen Preis zu kriegen.


    Zitat von franziskus Beitrag anzeigen
    (...)Wegen meiner Arbeit hat nie ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verloren. Meine Losung war immer: „Wir sparen überall, aber zuletzt bei den Mitarbeitern“. Es ist schon bemerkenswert, welche unentdeckten Schätze in Unternehmen verborgen sind, wenn die Mitarbeiter nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen.
    Hier sollte man mal die Kirche im Dorf lassen: Dass wirklich Arbeitnehmer freigesetzt werden, ist eher die Ausnahme. Öfter ist es so, dass die freiwerdenden Ressourcen andere (tendenziell höherwertige) Aufgaben übernehmen. Ich erinnere mich an ein großes Projekt bei einem ehemaligen Staatskonzern. Da war ich selbst erstaunt, was alte, quasi verbeamtete Sachbearbeiter leisten konnten, nachdem sie kapiert hatten, wie der Hase läuft (wobei auch dort ein paar Minderleister noch immer im Überhang sind und nur auf die Pension warten).








TOP



TOP