Forum


 

Uno-Report: Hohe Sterblichkeit bei Frühchen

APDie Zahl steigt, weltweit: Über eine Millionen Frühchen sterben jedes Jahr, wie der erste Frühgeborenen-Report der Vereinten Nationen offenbart. Auch entwickelte Länder wie Deutschland oder die USA schneiden dabei nicht immer gut ab. 75 Prozent der Kinder könnten überleben.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...830976,00.html
  1. #20

    furchtbar

    Wenn ich so manche zynischen Beiträge lese kommt mir das Kotzen.
    Mein Sohn hat auch Zwillinge / Frühchen. Wir sind froh, dass es die Möglichkeit gibt, dass diese Kinder überleben.

    Ich wünsche niemanden in die Situation zu kommen.
  2. #21

    Als nicht wirklich betroffener Papa (SSW 27 1, 770 g, Entlassung noch vor dem regulären Geburtstermin, bald 3 Jahre) vermisse ich im Artikel nicht nur eine solide Differenzierung der Randfaktoren, speziell zwischen Ländern mit bettelarmen DoItYourself-Hausgebährenden versus HighTech-Medizin für jederfrau wie hierzulande. Überbevölkerte Staaten werden der Thematik naheliegend weitaus weniger Aufmerksamkeit widmen als unser statistikinfizierter überalterter Übervater, dementsprechend hinkt die zugrundeliegende nationale Zahlenbasis kontinental sicherlich gewaltig.
    Was ergänzend zu den wenigen sachlich-richtigen Kommentaren über unsere deutschen Ursachen anzufügen ist, kann im überstrapazierten "Stress" zusammengefasst werden. Die erste Frage der Oberärztin nach Feststellung einer plötzlichen Unterversorgung per Doppler ging in Richtung Stress am Arbeitsplatz bzw. etwaigem cholerischen Chef. Auf das klare "JA" folgte die sofortige Bettruhe mit Überwachung, der erste Anruf des völlig überforderten Chefs nach 2 Wochen („Wann kommen Sie wieder? Sie müssen doch noch …“) führte wenige Stunden später zum Ausfall der Nabelschnur-Versorgung und damit zur Notentbindung.
    In den folgenden 3 Monaten Intensivstation und Neonatologie wurde uns klar, dass wir mit dieser Ursache für Frühgeburt in einer großen Runde Betroffener waren, von Verkäuferin bis Staatsanwältin. Neben Übergewicht und später Schwangerschaft dürfte dies sogar die größte gesellschaftliche Hürde zur Senkung der hiesigen Statistik sein. Den Ärzten und Schwestern sind angesichts dessen nicht nur wir sehr dankbar – vielleicht auch irgendwann der ein’ oder andere Daherschwätzer hierzulande.
  3. #22

    Differenzieren | Integrieren | Statistikinfizieren

    Als nicht wirklich betroffener Papa (SSW 27 1, 770 g, Entlassung noch vor dem regulären Geburtstermin, bald 3 Jahre) vermisse ich im Artikel nicht nur eine solide Differenzierung der Randfaktoren, speziell zwischen Ländern mit bettelarmen DoItYourself-Hausgebährenden versus HighTech-Medizin für jederfrau wie hierzulande. Überbevölkerte Staaten werden der Thematik naheliegend weitaus weniger Aufmerksamkeit widmen als unser statistikinfizierter überalterter Übervater, dementsprechend hinkt die zugrundeliegende nationale Zahlenbasis kontinental sicherlich gewaltig.
    Ergänzend zu den wenigen sachlich-richtigen Kommentaren über unsere typisch deutschen Ursachen sei aus eigener Erfahrung der überstrapazierte "Stress" genannt. Die erste Frage der Oberärztin nach Feststellung einer plötzlichen Unterversorgung per Doppler ging in Richtung Stress am Arbeitsplatz bzw. etwaigem cholerischen Chef. Auf das zweifache "JA" folgte die sofortige Bettruhe mit Überwachung; der erste Anruf des völlig überforderten Chefs nach 2 Wochen („Wann kommen Sie wieder? Sie müssen doch noch …“) führte wenige Stunden später zum Ausfall der Nabelschnur-Versorgung und damit zur Notentbindung.
    In den folgenden 3 Monaten Intensivstation und Neonatologie wurde uns klar, dass wir mit dieser Ursache für Frühgeburt in einer großen Runde Betroffener waren, von Verkäuferin bis Staatsanwältin. Neben Übergewicht und später Schwangerschaft dürfte dies sogar die größte gesellschaftliche Hürde zur Senkung der hiesigen Statistik sein. Den Ärzten und Schwestern sind angesichts dessen nicht nur wir sehr dankbar – vielleicht auch irgendwann der ein’ oder andere Daherschwätzer hierzulande.
  4. #23

    Zitat von Deep Thought Beitrag anzeigen
    Bis zur Wende hat man in der DDR lebensfrisch geborene Kinder unter 1.500g zumeist einfach in den Müll geworfen und als "Fehlgeburt" deklariert.
    Das führte dann zu formal-statistisch extrem beindruckender "positiven Frühgeborenensterblichkeit" - das DDR_Regime hatte so extrem geringe behandlungskosten und konnte sich fälschlich als "extrem fortschrittlich" in der Säuglingsterblichkeit präsentieren.
    Und wieder schlägt die Westpropaganda zu, weil es nicht sein kann, dass die böse DDR bessere Werte hat als die gute BRD. Meine Mutter (Kinder und Säuglingskrankenschwester) war seit 76 in der Frauenklinik Jena tätig und nie wurde dort ein Kind weil es zu wenig wog einfach in den Mülleimer geschmissen, im Gegenteil, selbst bei Frühchen wo der Tod sicher war, wurde bis zuletzt gekämpft. Selbst 600g schwere Frühchen wurden durchgebracht eben weil hier die DDR weitaus fortschrittlicher war als die BRD. Nebenbei hatte die DDR trotz ihrer tollen Schauergeschichte auch eine geringere Fehlgeburtenrate als die BRD, komisch oder? In einem echten Rechtsstaat wären sie jetzt wegen Verleumdung in tausenden Fällen dran, denn sie unterstellen nämlich mit ihrer Aussage den Krankenschwestern schlicht Mord an kleinen Kindern, ohne jeden Beweis.
  5. #24

    Betroffen sind aber alle

    Zitat von ruedimuc Beitrag anzeigen
    Es wäre wirklich schön, wenn sich bei solchen Themen die Menschen raushalten würden, die nicht selbst betroffen sind und davon rundheraus oder auch schlichtweg keine Ahnung haben.
    die dafür zahlen.

    Ich bin Anästhesist in einem anderen Land, in dem meine Steuern zur Sozialhilfe etc. beitragen. Wir haben hier Kinder, die noch vor ihrem ersten Geburtstag die Kaufkraft (nicht Umrechnungskurs!) von mehreren 100.000 und manchmal sogar Millionen Euronen an Rechnungen angehäuft haben.

    Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen - moderne Medizin hat viele Dilemmata geschaffen und wir als Gesellschaft sind zu feige. die anzugehen. Alle haben - verständlicherweise - Angst etwas falsch zu machen, denn es könnte ja sein, daß eine Behandlung irgendwann doch noch gut ausgeht.
    Frühgeburten sind häufiger bei Mehrlingsschwangerschaften, die die "Natur" bei Menschen auch eher selten wählt, denn mehr als Zwillinge ist fast immer medizinisch möglich gemacht. Will sagen, die passieren nicht einfach so, sondern wir haben uns das in einigen Fällen selbst eingebrockt.

    Wenn wir alle lernten mit Unsicherheiten zu leben und Entscheidungen zu treffen mit der Ungewißheit, ob es andersherum nicht besser gewesen wäre, dann wären wir erwachsen.

    Unabhängig vom Geld, das übrigens Leben "retten" und lebenswert machen könnte durch Vorsorge, Impfungen, Familienplanung, Schulbildung etc., sollte man nicht vergessen, daß Schwerstbehinderte eine Menge Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen, die Eltern dann nicht für andere Kinder "übrig" haben.

    Eine Lösung mit der allen zufrieden wären habe ich auch nicht, aber ehrlich muß man schon sein und alle Beteiligten einschließen.
  6. #25

    Noch was

    Zitat von Meckerliese Beitrag anzeigen
    Wenn ich so manche zynischen Beiträge lese kommt mir das Kotzen.
    ...
    Zynisch ist es, das Thema mit Betroffenheit zu besetzen und damit eine ehrliche Diskussionen zu unterbinden (nicht, daß SpOn Foren ein ausgeglichenes Gremium darstellten).

    Es muß alle Betroffenen zerreißen ein Frühgeborenes, dem es schlecht geht, zu haben, aber der Kontext ist doch vielseitiger und betrifft viel mehr als Sie denken. Das gilt auch für alle anderen Fälle, in denen der Verlust der Selbständigkeit für unbestimmte Zeit (lebenslang) von der Familie getragen wird/werden muß.

    Rufe, die beschwören, daß eine Gesellschaft nur so gut sei, wie sie mit ihren Schwachen und Behinderten umgeht, blenden ja manchmal aus, daß wir die Demographie da in den vergangenen Jahrzehnten wohl etwas ausgeweitet haben. Und es gibt leider auch die Eltern, die völlig überfordert sind und deren Kinder daran leiden. Ich habe öfters miterleben können, daß die während der Schwangerschaft nicht ausreichend aufgeklärt wurden und/oder danach dann für sie entschieden wurde. Dazu gab es hier im Forum auch mal eine heiße Diskussion über eine Familie aus Bayern (?).

    Die Vergleiche zu Blinddarmoperationen und Hüften für 85-jährige, den andere hier gebracht haben, hinkt gewaltig, da solche 1. viel weniger kostet, 2. mit relativ wenig Aufwand recht erfolgreich ist und 3. Folgekosten evtl. deutlich geringer ausfallen: jemand, der wieder selbständig sein kann, ist einfach besser dran als jemand, der im Bett liegt. Aber auch hier sollte ehrlich argumentiert werden.
    Medizin ist doch schon lange Gerätemedizin und die Geister, die wir da riefen, werden wir nicht mehr los. Aber wir sollten versuchen, damit besonnen umzugehen.

    Anstatt nur über Sinn und Unsinn von Neonatologie zu diskutieren, sollte man zusätzlich über hohe Geburtenzahlen und Prävention von Frühgeburten (deren Gründe ja oft unbekannt sind) reden, was einige hier ja auch angesprochen haben.
    Mehrlingsschwangerschaften, Drogen (Koks), u.a. sind bekannte Gründe und oft selbstverursacht. Das mag nun nicht der Löwenanteil sein, aber der Anfang, uns an die eigene Nase zu fassen.

    Es tut mir leid, daß es immer wieder aufs liebe Geld hinauszulaufen scheint, aber solange man anderer Geld fordert, kommen wir immer wieder ganz schnell dahin. Da tut es nämlich weh.
    Es wäre übrigens schön, wenn genauso über Militär und Bankenrettungen, Beamtendiäten usw. diskutiert würde - ehrlich. Vielleicht würde dann ganz schnell ganz viel für richtig gute Schulen, Familienplanung, Medizin usw. da sein.


TOP



TOP