Ich bin einer dieser furchterregenden Langzeitstudenten (35 Semester) und habe grade (vor 3 Wochen) meine Magisterarbeit abgegeben. Die Erfahrungen ähneln sich.
Bestimmten Sprechstundentage der Professoren ähneln Veteranentreffen. Da stehen dann 5-8 Magisterstudenten da, von den Bachelors höflich gesietzt.Wärend diese sich über Prüfungsordungen und Punkte unterhalten, reden die Magister über Sachbereiche und das Problem, den Arbeitsinhalt auf nur 80 Seiten unterzubringen. Von vielen Profs wird man anschließen wie ein zum sterben Verurteilter, geschätzter Bekannter behandelt.
Alle Langzeitstudis die ich so kennengerlernt habe, arbeiten schon lange, meist in Bereichen der Fachrichtung, Bafög hat nie einer von ihnen bekommen, dafür haben alle Tausende an Studiengebühren gelassen.
Als ich angefangen habe, war von Regelstudienzeit nicht mal Ansatzweise die Rede. Auch die Studienordnung war nicht bekannt, noch nicht mal wer wann welches Seminar gab. Antworten auf viele Fragen konnte der Asta geben, aber dahin musste man alleine finden.
Generell galt das Prinzip: Finde heraus, wie der Laden läuft und finde dich dabei selbst.
Disziplin in Seminaren entstand durch die älteren Semester: Wenn man sich in den Seminaren an den Themen-Diskussionen beteiligen wollte, sollte man vorbereitet sein: Bei dummen Fragen gab es ein kollektives Schmunzeln oder aufstöhnen, sofort war einem klar, dass eine banale Frage gestellt wurde. Trotzdem erbamte sich immer ein älter und fasste kurz zusammen, damit man auf den Stand der Diskussion kam. Gespräche zwischen Studenten störten und wurden mit einem: Könnt ihr bitte leise sein, oder geht doch einfach! abgespeist.
Anwesenheitspfilcht war ein Fremdwort, es galt als Höflich, pünktlich zu kommen. Wobei das nicht immer gelang, aber den Unterschied zwischen c.t. und s.t. lernte mann ziemlich schnell.
Den Schein gab es für ein Referat in Kombination mit einer Hausarbeit über das Referatsthema. Manche Seminare besuchte man nur zweimal: am Eröffnungstag zum Erhalten eines Themas und an dem Tag, an dem das Referat gehalten werden sollte.
Woher man das Wissen bekam, ob aus dem Seminar oder aus Büchern zuhause oder in der Bib war egal, man stand selber in der Beweispflicht, das man den Stoff beherrschte. Ob man eine Hausarbeit machte oder nicht, interessierte niemand, man selber wollte ja schließlich den Schein. Lediglich die erhaltenen Referate sollte man halten, ansonsten waren die Profs verständlicherweise sauer. Ich kann nicht genau sagen, wieviele Referate ich gehalten habe, ohne hinterher die Hausarbeit zu schreiben.
Bei den Seminaren heute fühlte ich mich in die Schule zurückversetzt. Die Studenten quatschten wärend des Seminares, in das sie Mittels Anwesenheitspflicht und Regelplan-Pflichtveranstaltung gezwungen werden, der Prof wird zum Infotainer, die Qualität für die Tonne. Die Bachelors werden von den Profs bis an das Ende ihres Studiums an die Hand genommen, erst der Lehrer, dann der Prof.
Heraus kommen Fachwissens-Drohnen, denen jegliche Selbständigkeit und Eigeninitiative fehlt, wo hätten sie diese auch jemals lernen können? Aber wenigstens bekommen wir (ein Hurra für die Industrie) wenigstens in Regelmäßigkeit viele von diesen Drohnen.
Ob es das ist, was durch die Studienreform erreicht werden sollte, mag ich bezweifeln. Und wenn ich mir die Wehmuts-Reaktionen vieler Profs auf uns Langzeit-Dinosaurier anschaue, glaube ich auch nicht, das die Profs das so haben wollten.
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