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Uni-Karriere in den USA: Professur statt Arbeitsamt

Deutsche Nachwuchsforscher kann eine Juniorprofessur leicht in die Sackgasse führen. In den USA dagegen winken feste Stellen und gute Gehälter. Zwei junge Wissenschaftler berichten über die Unterschiede zwischen beiden akademischen Welten, über Bewerbungen und den Arbeitsalltag an US-Unis.

http://www.spiegel.de/karriere/ausla...763709,00.html
  1. #40

    Visum

    Zitat von Schlafanzugmann Beitrag anzeigen
    Interessant von dem Vorstellungsgespräch zu lesen. Meines Wissens ist es nicht erlaubt in USA (und in anderen Ländern) mit einem Touristen-Visa auf Arbeitssuche zu gehen. Weiß jemand, mit welchem Visa ein Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch einreisen darf?
    Stellen Sie mal fest, ob Arbeitssuche als nicht-remunerative Tätigkeit eine Verletzung der Regeln des "Visa Waiver Program" ist. Achten Sie auf die richtige Domain: ".gov" Niemals eine Regelverletzung. Wenn es ihnen ernst ist, bezahlen Sie einen Immigration Lawyer.

    Sie müssen nur aufpassen, dass Sie so etwas nicht einen prospektiven Arbeitgeber fragen. Der erwartet womöglich, dass man Probleme selbst lösen kann. Amerikanisch ist, das Sie eine Hilfe sind und nicht Hilfe brauchen. "You are either the problem - or the solution."

    Es gibt aber natürlich auch Firmen, die gewöhnlich Ausländer rekrutieren müssen und sie selbst bei Visafragen beraten.
  2. #41

    Dürfen ↔ können

    Zitat von hupfhupf Beitrag anzeigen
    Auf Arbeitssuche darf man schon gehen. […]

    Haarig könnte es nur bei der Einreise werden, wenn man nach dem Grund der Reise gefragt wird. Verbindet man die Reise auch mit etwas Urlaub, ist die Antwort dann aber auch nicht so schwer zu geben. :)
    Widersprechen sich die beiden Absätze nicht? ;-)

    Es ist so: theoretisch darf man nicht, weil die Aktivität Jobsuche dem Geist der visumsfreien Einreise widerspricht. Diese ist eben nur für Besucher vorgesehen, die nach einem Kurzaufenthalt wieder zu ihrem permanenten Lebensmittelpunkt außerhalb der USA zurück kehren wollen. Der Jobsuchende hat aber eine ganz andere Intention – zumindest wenn der angestrebte Job in den USA ist. Er will ja gerade seinen Lebensmittelpunkt wenigstens für eine Zeit in die USA verlegen. Und das nennen die Einwanderungsbürokraten immigrant intent. Wird ein solcher festgestellt, ist die Einreise nur vorgesehen, wenn man ein spezielles Visum besitzt.

    In der realen Welt, in der Beamte auch mit moderner EDV (noch) nicht Gedanken lesen können, kann man in den meisten Fällen natürlich einfach einreisen, ohne Aufsehen zu erregen. Es kommt auch vor, dass man eingelassen wird, selbst wenn man dummerweise zugibt, ein Job Interview zu haben. (Anders als an virtuellen Forumsstammtischern gern behauptet, sind die meisten Beamten nette Menschen.) Aber darauf darf man sich keineswegs verlassen. Man sollte also keineswegs mit einem Stapel Lebensläufen in der Hand an den Einreiseschalter heran treten.
  3. #42

    So geht's

    Zitat von Schlafanzugmann Beitrag anzeigen
    Interessant von dem Vorstellungsgespräch zu lesen. Meines Wissens ist es nicht erlaubt in USA (und in anderen Ländern) mit einem Touristen-Visa auf Arbeitssuche zu gehen. Weiß jemand, mit welchem Visa ein Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch einreisen darf?
    Fuer Berufe in der Wissenschaft laueft der Bewerbungsprozess in etwa so: man schickt seine Bewerbung aus Europa ein. Wird die Bewerbung als interessant befunden, wird man zu einem sog. prelimary interview eingeladen. Diese prelimary interviews finden i.d.R. auf der Jahrestagung des relevanten Fachgebiets statt. Um an so einer Konferenz teilzunehmen braucht man als Deutscher kein Visum. Das preliminary interview findet i.d.R. in einer Suite des Kongresshotels statt und ist unverbindlich.

    Laueft das preliminary interview gut, wird man zu einem sog. campus visit eingeladen. Man haelt einen Vortrag und unterhaelt sich zwei bis drei Tage mit potentiellen Kollegen und Doktoranden. Man erhaelt die Reisekosten erstattet, aber kein Vortragshonorar, d.h. man braucht auch fuer den campus visit kein Visum.

    Bekommt man dann die Stelle, besorgt die Uni ihrem neuen Prof. ein H-1B Visum. Mit diesem Visum koennen Sie sich *sofort* um eine greencard bewerben. Als tenured oder tenure-track assistant professor sind sie auf einem expedited track und kriegen das gute Stueck in 18-24 Monaten.
  4. #43

    Prämisse!

    Zitat von RealityCheck Beitrag anzeigen
    Stellen Sie mal fest, ob Arbeitssuche als nicht-remunerative Tätigkeit eine Verletzung der Regeln des "Visa Waiver Program" ist.
    Das beruht auf der falschen Prämisse, dass alles, was nicht explizit verboten wäre, erlaubt sein müsse. Im Strafrecht ist das so, bei den Einreisebestimmungen aber nicht.

    Aber gut, schaun wir mal …

    http://travel.state.gov/visa/temp/wi...hout_1990.html
    Which travelers may use the Visa Waiver Program to enter the United States? […]

    The purpose of their stay in the United States is 90 days or less for tourism or business (Visitor (B) visa) purpose of travel.
    Was unter »business (Visitor (B) visa) purpose of travel« fällt, wird hier erklärt: http://travel.state.gov/visa/temp/types/types_1262.html
    Business Visitor Visas (B-1) - For example, if the purpose for your planned travel is to consult with business associates, travel for a scientific, educational, professional or business convention, or conference on specific dates, settle an estate, or negotiate a contract, then a business visitor visa (B-1) would be the appropriate type of visa for your travel.
    Jobinterviews werden mit keinem Wort erwähnt, sondern nur solche Businessaktivitäten, die eben NICHT das Ziel haben, einen Umzug nach Amerika vorzubereiten.
    • Geschäftstreffen (und danach wieder permanent zurück in die Heimat): OK
    • Konferenz (und danach wieder permanent zurück in die Heimat): OK
    • Erbschaft regeln (und danach wieder permanent zurück in die Heimat): OK
    • Vertragsverhandlungen zwischen Geschäftspartnern (und danach wieder permanent zurück in die Heimat): OK

    • Jobsuche (um bei Erfolg nach kurzer Zeit wieder zu kommen und dann erst mal auf nicht absehbare Zeit zu bleiben): NICHT OK

    Es kommt also darauf an, ob Uncle Sam mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, einen Antragsteller nicht permanent auf der Pelle zu haben. Nur solchen Leuten wird das Privileg gewährt, ohne Visum vorstellig zu werden. (Ein Recht auf Einreise gibt es sowieso nicht.) Allen anderen möchte man aber schon im Vorfeld genauer unter die Lupe nehmen. Genau das ist der Sinn eines Visumssystems.
  5. #44

    Jein

    Zitat von ziggystardust73 Beitrag anzeigen
    Bekommt man dann die Stelle, besorgt die Uni ihrem neuen Prof. ein H-1B Visum. Mit diesem Visum koennen Sie sich *sofort* um eine greencard bewerben.
    Jein. Viele Arbeitgeber handhaben das von sich aus so, weil das H-1B oft sehr viel schneller zu bekommen ist als die Green Card. Legal und aus Sicht der Behörde sind H-1B und Green Card aber völlig voneinander unabhängig. Es ist ohne weiteres möglich, eine Green Card zu beantragen, ohne je ein H-1B besessen oder auch nur beantragt zu haben. (Wegen der normalerweise langen Wartezeiten ist es meist nur unpraktisch. Bevor die Wartezeiten so wahnsinnig lang waren, war die Direkt-Green-Card aber der Normalfall.)
  6. #45

    USA - Chance etwas zu lernen

    Ich denke es ist völlig sinnfrei zu diskutieren ob das akademische Leben in den USA besser ist als in Deutschland. Sofern wir die Situation in Deutschland diskutieren wollen, dann ist ein Blick über den Teich oder in andere Länder sinnvoll, weil wir dabei etwas lernen können. Das bedeutet nicht, dass wir etwas kopieren sollen. Meist ist das gesamte kulturelle Umfeld so unterschiedlich, dass es keinen sinn macht einzelne Teile aus den USA nach Deutschland zu übertragen.

    Wenn wir auf die Situation der Juniorprofessoren in Deutschland schauen und auf das gesamte akademische Leben, dann kann man unschwer ein Verbesserungspotential erkennen. Die Diskussion sollte sich demzufolge mit der Frage auseinandersetzen, wie wir das Hochschulleben in Deutschland attraktiver, besser, flexibler, leistungsfähiger usw. machen können. Unser Hochschulsystem hat zweifelsohne Vorteile, auch im Vergleich zu den USA, aber auch klar sichtbare Nachteile, die es zu verbessern gilt.

    Ich will nicht in US-amerikanischen Verhältnissen arbeiten und forschen, rege mich aber auch mindestens einmal die Woche über das "Behördenleben" an einer deutschen "Elite"-Uni auf. Dazu gehört u.A. der angestaubte "Habilitations-Kult" genauso, wie das Fehlen eines Systems, das vergleichbar mit Tenure-Track funktioniert und jungen Nachwuchswissenschaftlern eine reale Berufsschance bietet.
  7. #46

    USA - Chance etwas zu lernen

    Ich denke es ist völlig sinnfrei zu diskutieren ob das akademische Leben in den USA besser ist als in Deutschland. Sofern wir die Situation in Deutschland diskutieren wollen, dann ist ein Blick über den Teich oder in andere Länder sinnvoll, weil wir dabei etwas lernen können. Das bedeutet nicht, dass wir etwas kopieren sollen. Meist ist das gesamte kulturelle Umfeld so unterschiedlich, dass es keinen sinn macht einzelne Teile aus den USA nach Deutschland zu übertragen.

    Wenn wir auf die Situation der Juniorprofessoren in Deutschland schauen und auf das gesamte akademische Leben, dann kann man unschwer ein Verbesserungspotential erkennen. Die Diskussion sollte sich demzufolge mit der Frage auseinandersetzen, wie wir das Hochschulleben in Deutschland attraktiver, besser, flexibler, leistungsfähiger usw. machen können. Unser Hochschulsystem hat zweifelsohne Vorteile, auch im Vergleich zu den USA, aber auch klar sichtbare Nachteile, die es zu verbessern gilt.

    Ich will nicht in US-amerikanischen Verhältnissen arbeiten und forschen, rege mich aber auch mindestens einmal die Woche über das "Behördenleben" an einer deutschen "Elite"-Uni auf. Dazu gehört u.A. der angestaubte "Habilitations-Kult" genauso, wie das Fehlen eines Systems, das vergleichbar mit Tenure-Track funktioniert und jungen Nachwuchswissenschaftlern eine reale Berufsschance bietet.
  8. #47

    USA - Chance etwas zu lernen

    Ich denke es ist völlig sinnfrei zu diskutieren ob das akademische Leben in den USA besser ist als in Deutschland. Sofern wir die Situation in Deutschland diskutieren wollen, dann ist ein Blick über den Teich oder in andere Länder sinnvoll, weil wir dabei etwas lernen können. Das bedeutet nicht, dass wir etwas kopieren sollen. Meist ist das gesamte kulturelle Umfeld so unterschiedlich, dass es keinen sinn macht einzelne Teile aus den USA nach Deutschland zu übertragen.

    Wenn wir auf die Situation der Juniorprofessoren in Deutschland schauen und auf das gesamte akademische Leben, dann kann man unschwer ein Verbesserungspotential erkennen. Die Diskussion sollte sich demzufolge mit der Frage auseinandersetzen, wie wir das Hochschulleben in Deutschland attraktiver, besser, flexibler, leistungsfähiger usw. machen können. Unser Hochschulsystem hat zweifelsohne Vorteile, auch im Vergleich zu den USA, aber auch klar sichtbare Nachteile, die es zu verbessern gilt.

    Ich will nicht in US-amerikanischen Verhältnissen arbeiten und forschen, rege mich aber auch mindestens einmal die Woche über das "Behördenleben" an einer deutschen "Elite"-Uni auf. Dazu gehört u.A. der angestaubte "Habilitations-Kult" genauso, wie das Fehlen eines Systems, das vergleichbar mit Tenure-Track funktioniert und jungen Nachwuchswissenschaftlern eine reale Berufsschance bietet.
  9. #48

    ...

    Zitat von ThorstenNYC Beitrag anzeigen
    Widersprechen sich die beiden Absätze nicht? ;-)

    ...
    Jein. :) Wie Sie schon angedeutet haben, sind nicht alle erdenkbaren Hintergründe einer Einreise (nicht Einwanderung!) geregelt und daher gibt es einen gewissen Spielraum bei den Interpretationen.

    Da ich schriftlich nicht so toll kommunizieren kann, versuche ich meinen Gedankengang mit einem Beispiel wieder zu geben:

    xyz hat einen Freund abc in den USA. xyz und abc haben sich ganz lieb und wollen heiraten. Später möchte xyz zu ihren Schnuggelbären abc in die USA übersiedeln. Um die Hochzeit zu organisieren und gewisse Räumlichkeiten anzusehen, will xyz in die USA reisen und nach 2 Wochen wieder zurück nach Deutschland um dort viele Dinge abzuklären, die das weitere Leben und evtl. die spätere Übersiedlung betreffen.

    xyz kann m.E. mit einem Touristenvisum einreisen, da sie nicht vor hat, diesen Aufenthalt dazu zu nutzen, in den USA zu bleiben. Es geht nur um die Vorbereitung. Sobald xyz bei der nächsten Reise wieder im Flugzeug sitzt um zu heiraten UND in den USA zu bleiben, braucht sie ein Visum.

    Ob xyz bei der ersten Einreise, auf die Frage nach dem Zweck des Aufenthaltes, die ganze Geschichte erzählt oder einfach nur "pleasure" antwortet bleibt ihr überlassen. Die Wahrheit wäre beides. - Das wollte ich mit dem 2. Absatz ausdrücken.


    Hui, das ist jetzt lang geworden ... :)
  10. #49

    Pedanterie

    Zitat von ThorstenNYC Beitrag anzeigen
    Jein. Viele Arbeitgeber handhaben das von sich aus so, weil das H-1B oft sehr viel schneller zu bekommen ist als die Green Card. Legal und aus Sicht der Behörde sind H-1B und Green Card aber völlig voneinander unabhängig. Es ist ohne weiteres möglich, eine Green Card zu beantragen, ohne je ein H-1B besessen oder auch nur beantragt zu haben. (Wegen der normalerweise langen Wartezeiten ist es meist nur unpraktisch. Bevor die Wartezeiten so wahnsinnig lang waren, war die Direkt-Green-Card aber der Normalfall.)
    Stimmt so nicht. Wenn Sie erst mal ohne greencard in den USA zu arbeiten beginnen (und alles andere ist, wie Sie selbst sagen, nicht praktikabel) brauchen Sie ein immigrant visa (H-1B), um sich ueberhaupt auf eine greencard bewerben zu koennen. Es gibt academic visas (J-Klasse) die Sie berechtigen in den USA an einer Uni zu arbeiten. Aber wenn Sie auf einem J-visa sind, duerfen Sie sich nicht auf eine greencard bewerben.

    Akademische Visa funktionieren anders als Visa in der freien Wirtschaft. Nur zu Ihrer Info ;-)


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