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Uni-Präsident über den Bachelor: "Hochschulen sind keine Lernfabriken"

dpaEin neues Studiensystem wälzt Deutschlands Hochschulen um. Verschulung, Anwesenheitspflicht, zu viele Prüfungen - im Interview erklärt der Hamburger Uni-Präsident Dieter Lenzen, warum das Bachelorstudium die akademische Freiheit zerstört und er eine Master-Garantie für alle fordert.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...834469,00.html
  1. #1

    Lernfabriken

    Genau das hat die Politik auf den Druck der Wirtschaft aus den Unis gemacht. Das Ergebnis ist m.E. ein Desaster. Zu meiner Zeit war das interdisziplinäre Arbeiten ein zentrales Anliegen an den Universitäten. Dazu bedarf es aber einem gewissen Maß an Freiräumen, insbesondere für die Studierenden, damit die Möglichkeit besteht, über den Tellerrand hinauszuschauen. Das kann ich heute nicht mehr erkennen, dabei wäre es so wichtig.

    Diese unsinnige Politik setzt sich dann nach dem Studium an den Unis fort, indem es im Grunde keine für den Einzelnen tragfähige Möglichkeit der Weiterbeschäftigung in der Forschung gibt.
    Für ein Land, das fast ausschließlich von dem lebt, was intellektuell geschaffen wird, ist diese Entwicklung langfristig eine Katastrophe!
  2. #2

    Tunnelblick

    Betriebseinfahrten mit Einbahnverkehr wäre wohl der passendere Begriff. Es kommt nicht von ungefähr, dass so ziemlich alle erfolgreichen Unternehmer (man denke nur an Steve Jobs, Mark Zuckerberg oder Bill Gates) entweder Studienabbrecher waren oder aber eben keine eingleisige Berufsausbildung absolvierten, sondern meist eben auch so "brotlose Kunst" wie Philosophie studierten. Die vermittelt zwar kein betriebliches Handwerkszeug, dafür aber viel grundlegendere Sachen: analytisches Denken, und das Blicken über den Tellerrand des vorgezeichneten Lebenswegs hinaus, das Ausbrechenkönnen aus dem Ewiggewohnten. Genau diese unheimlich wichtige Kreativität geht seit Bologna flöten - es gibt kaum Unis, die nicht einfach nur potenziellen Arbeitgebern möglichst stromlinienförmig ausgebildete und handwerklich befertigte Absolventen bieten möchten. Allerdings hat das auch etymologisch mit dem ursprünglichen Verständnis einer "Universität" nicht mehr viel zu tun. Eher mit dem einer Wirtschaftshochschule.
  3. #3

    Unendlich arm

    Die Wirtschaft betrachtet aber den kritischen Geist als Feind, weil er allein in der Lage ist, ihr Grenzen aufzuzeigen. Entsprechend befinden wir uns an den Hochschulen in einem diesbezüglichen Exorzismus, der in den UNternehmen längst erfolgreich abgeschlossen wurde. Und natürlich sägen wir uns damit den Ast ab, auf dem wir jahrhundertelang thronten.

    Unendlich arm das Ganze!
  4. #4

    Zitat von augen-auf Beitrag anzeigen
    Genau das hat die Politik auf den Druck der Wirtschaft aus den Unis gemacht. Das Ergebnis ist m.E. ein Desaster. Zu meiner Zeit war das interdisziplinäre Arbeiten ein zentrales Anliegen an den Universitäten. Dazu bedarf es aber einem gewissen Maß an Freiräumen, insbesondere für die Studierenden, damit die Möglichkeit besteht, über den Tellerrand hinauszuschauen. Das kann ich heute nicht mehr erkennen, dabei wäre es so wichtig.

    Diese unsinnige Politik setzt sich dann nach dem Studium an den Unis fort, indem es im Grunde keine für den Einzelnen tragfähige Möglichkeit der Weiterbeschäftigung in der Forschung gibt.
    Für ein Land, das fast ausschließlich von dem lebt, was intellektuell geschaffen wird, ist diese Entwicklung langfristig eine Katastrophe!
    Und 'fertige' Bachelor sind im Beruf nicht zu gebrauchen. Da wird so verschult und hopplahopp am Leben vorbei gelehrt, dass nichts vernünftiges hängen bleibt. Selbständiges arbeiten, wie bei uns in der Branche wichtig ist nicht vorhanden.
    Wir stellen nur Master ein, und auch da ist ein Leistungsgefälle erkennbar. Alles Fachidioten im vergleich zu den Diplomanten. Aber das Diplom soll ja zum Glück zurückkommen.
  5. #5

    Lenzen

    An den deutschen Hochschulen sollen Fachbildung und Fachkompetenzen vermittelt werden.
    Was quatscht der von Menschenbildung?
    Da wird mir uebel! Da passt ihm ein Student nicht ins politische Konzept, vertritt nicht das Menschenbild eines Herrn Lenzen und schwupp, erhaelt er schlechtere Noten!
    Lasst den Scheiss, Hochschule soll heute dringender den je Fachwissen vermitteln. Ich will fair benotet werden und nicht wegen meiner Weltanschauung oder politischen Gesinnung keinen Abschluss erhalten.D as stinkt nach Willkuehr!
  6. #6

    Selber teilweise Schuld

    Die Einführung verkürzter Studiengänge war mit der Hoffnung der Politik verbunden gewesen, Kosten einzusparen. Das wird wohl nicht funktionieren. Aber auch mit der Hoffnung, dass Lehrveranstaltungen zu Modulen zusammen gelegt werden. Das setzt eine Kooperation der Professoren voraus, die gerade an der Uni Hamburg meist nicht funktionierte. Die Folge waren Minimodule, die jeweils geprüft werden müssen. Und nach dem Landeshochschulgesetz dürfen das in Hamburg nur habilitierte Lehrende.
  7. #7

    Im Grunde gings doch nie darum um akademische Abschlüsse vergleichbar zu machen, sondern darum, die Lohn/-Gehaltskosten der Akademiker zu drücken. Natürlich will kein Arbeitgeber einen 20 Jährigen in einer Führungsposition, selbst mit 30 ist man denen noch zu jung, aber mit 40 schon zu alt :D Daran merkt man wie hohl unsere Führungselite in Wirtschaft und Politik inzwischen ist. Die Krönung ist wohl, das man als Bachlor nicht viel mehr wert ist als ein Facharbeiter. Noch hat man die gleiche Stufe wie ein Meister, aber um vergleichbar zu werden, wird dieser Abschluß weiterhin verlieren. Die Suppe hat man sich selbst eingebrockt und die, die es verbockt haben, haben ihre Schäfchen schon längst im Trocknen.
  8. #8

    Unterschied Bachelor zu FH-Diplom

    Bei der Diskussion um die neuen Studiengänge wundert mich, warum der Unterschied zwischen FH- und Uni-Diplom nicht öfter zur Sprache kommt: an der FH dauert(e) ein Diplom i.d.R. 9 Semester, davon 2 Praxissemester und ein komplettes Semester für die Diplomarbeit. Ergibt 6 "Vorlesungssemester". Der Bachelor an der FH hat 7 Semester, davon 1 Praxissemester und 0,5 Semester für die Bachelorarbeit. Ergibt 5,5 "Vorlesungssemester". Wo unterscheidet sich nun ein Bachelorabsolvent mit einem halben Jahr Berufserfahrung (damit hat er sein "versäumtes" Praxissemester aufgeholt) von einem mit FH-Diplom?
  9. #9

    Abschlussarbeit

    Zitat von s.bibulus Beitrag anzeigen
    Wo unterscheidet sich nun ein Bachelorabsolvent mit einem halben Jahr Berufserfahrung (damit hat er sein "versäumtes" Praxissemester aufgeholt) von einem mit FH-Diplom?
    Beispielsweise darin, dass die Abschlussarbeit eines Bachelorstudenten gegenüber einer Diplomarbeit ein ziemlich schlechter Witz ist, was Umfang und Anspruch angeht.


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