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Uni-Präsident über den Bachelor: "Hochschulen sind keine Lernfabriken"

dpaEin neues Studiensystem wälzt Deutschlands Hochschulen um. Verschulung, Anwesenheitspflicht, zu viele Prüfungen - im Interview erklärt der Hamburger Uni-Präsident Dieter Lenzen, warum das Bachelorstudium die akademische Freiheit zerstört und er eine Master-Garantie für alle fordert.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...834469,00.html
  1. #10

    Ganz einfach: Der Bachelor ist KEIN akademischer Abschluss

    Zitat von s.bibulus Beitrag anzeigen
    Bei der Diskussion um die neuen Studiengänge wundert mich, warum der Unterschied zwischen FH- und Uni-Diplom nicht öfter zur Sprache kommt: an der FH dauert(e) ein Diplom i.d.R. 9 Semester, davon 2 Praxissemester und ein komplettes Semester für die Diplomarbeit. Ergibt 6 "Vorlesungssemester". Der Bachelor an der FH hat 7 Semester, davon 1 Praxissemester und 0,5 Semester für die Bachelorarbeit. Ergibt 5,5 "Vorlesungssemester". Wo unterscheidet sich nun ein Bachelorabsolvent mit einem halben Jahr Berufserfahrung (damit hat er sein "versäumtes" Praxissemester aufgeholt) von einem mit FH-Diplom?
    Und er will und soll es ja auch gar nicht sein.

    Das entscheidende Kriterium: Wirklich wissenschaftliches Arbeiten findet im Bachelor nie statt. Man arbeitet letztlich immer unter Anleitung, die Bachelor-Thesis ist schon vom Umfang her meistens kaum geeignet irgendwas an "wirklich eigenständiger" Arbeit zu leisten. Bis man sich überhaupt in den "Stand der Forschung" auf einem Fachgebiet eingelesen hättet, wäre so ziemlich die angesetzte Zeit auch schon vorbei ;)

    Deswegen geht man (zurecht) auch in der Wirtschaft davon aus, das Diplomanden zu wirklich selbstständigem Arbeiten in der Lage sind - und zurecht war die Note bisher fast ausschliesslich von der Diplomarbeit abhängig - die Bachelor-Thesis spielt in der Gesamtbewertung keine grosse Rolle.

    Nimmt man also einen erfolgreichen Diplomanden, kann man sicher sein, der hat ein Projekt erfolgreich beendet (und schafft also vermutlich auch noch eins).

    Nimmt man hingegen einen Bachelor, weiss man nur, dass er offensichtlich viel in kurzer Zeit lernen konnte und sich vom Druck nicht hat abhalten lassen.

    Mit akademischer Arbeit hat das natürlich nichts zu tun, letztlich muss man den Bachelor wohl eher als eine Art Grundstudium sehen.

    Denn in einem Punkt ist man sich offensichtlich einig: Der Master wird keinesfalls besser als das Diplom sondern gleichgestellt behandelt, wo man mit Bachelor dann steht kann man sich also überlegen.
  2. #11

    Das ist ja auch nur logisch

    Zitat von TheBlind Beitrag anzeigen
    . Die Krönung ist wohl, das man als Bachlor nicht viel mehr wert ist als ein Facharbeiter. Noch hat man die gleiche Stufe wie ein Meister, aber um vergleichbar zu werden, wird dieser Abschluß weiterhin verlieren. Die Suppe hat man sich selbst eingebrockt und die, die es verbockt haben, haben ihre Schäfchen schon längst im Trocknen.
    Richtig, und das war der Sinn der Sache. Jemanden ausbilden, der mehr weiss als Facharbeiter, aber immer noch deutlich weniger (und eben auch weniger kostet) als ein Diplomer / Master. Bachelor sind letztlich bessere Facharbeiter, alles andere ist geradezu anmaßend. Es gibt ja auch so einige Facharbeiterausbildungen, die sich von der Schwierigkeit her auch nicht hinter einem Studium verstecken müssen - je nach Fach sind diese sogar sicherlich deutlich schwerer.

    Und nein die gleiche Stufe wie ein Meister hatte man als Bachelor noch nie, das wird wohl auch nie passieren. Dafür müsste man ja auch erstmal soviel wissen wie der Meister ;)
  3. #12

    Nachdem vor vielen Jahren die Gewinde von Schrauben

    normiert wurden, führte man endlich die Normierung der wissenschaftlichen Ausbildung ein, ein Wunsch der Konzerne, die nicht mehr aufwändig herausfinden müssen, wer für diesen oder jenen Job geeignet ist, das macht nun der Kalkulator. Das Problem ist nur, daß die Streubreite der Persönlichkeiten viel größer ist, als die Breite des Fächerkanons. Ich selber stellte einen Spitzenmann ein, der sich aber später als sehr faul herausstellte.
    Das ganze Bachelor- und Mastergedöns stammt von Leuten, die von Bildung und Wissenschaft keine Ahnung haben, wahrscheinlich von BWL-Leuten und Souffleuren der Konzerne, unterstützt vom "Think tank" Bertelsmann.
  4. #13

    Lenzen irrt, wenn ...

    er die Bachelor-Abschlüsse als Ersatz für das Vordiplom konzipiert hat. Das war der eigentliche Implementierungsfehler, nicht das Bologna-System selbst. Die Sehnsucht nach den alten Diplom-Studiengängen macht keinen Sinn: Der Bachelor ist da - und es ist gut so! Das MIT hat in den vergangenen 30 Jahren mehr Nobelpreisträger hervorgebracht als alle deutschen Uni's zusammengenommen - trotz Bachelor-Degrees. Die Ausbildungsqualität hat mit den Abschlüssen nichts zu tun. Die deutschen Uni-Professoren (Lenzen eingeschlossen) haben wenig dazu beigetragen, die Bologna-Reform erfolgreich umzusetzen. "Wie schaffen wir es, die besten Bachelors der Welt auszubilden" - diese Frage hat sich auch Lenzen nie gestellt.
    Diese Reformverweigerung wird auch auf der 3. Bolognaebene deutlich: Statt systematisch strukturierte Doktoranden/PhD-Studiengänge zu etablieren (der Doktorand wird zum Kunden), setzt man auf die alten Strukturen (der Doktorand ist des Professors Knecht). Die Akzeptanz in der Wirtschaft wird am Beispiel Wirtschaftsprüfung deutlich: Es werden Hochschulabsolventen, egal ob Bachelor, Master oder Staatsexamen, gesucht, hauptsache die Fachrichtung stimmt. Bacherlor verdienen als Einstiegsjahresgehalt 42 TEUR, Master 44 TEUR (nur unwesentlich mehr), die Praktiker (laut Lenzen die eigentlichen Bachelors) aber nur 22 TEUR. Daraus folgt: Ein Hochschulstudium lohnt sich (Fachrichtung beachten!), ein Master-Ausbaustudium dagegen nicht!
  5. #14

    Ach Dieter...

    Ich habe an der Uni HH in den 90ern studiert, ich habe anschliessend ein Ph.D.-Programm in den USA besucht und dort als Teaching Assistent meinen Lebensunterhalt verdient. Ich kann also beide Systeme - Diplom (D) und Bachelor/Master (US) ganz gut vergleichen. Und ich sage dir: bei den Reformen hier in D hat man die schlechten Sachen aus beiden Systemen genommen und daraus unser aktuelles zusammen gezimmert...

    P.S. Allerdings, die Anwesenheitspflicht finde ich gut, jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Leistungskontrolle der Professoren. Beispiel VL Experimentalphysik. Am ersten Vorlesungstag ca. 200 Studenten anwesend, am letzten: 5. Vermutlich, weil die Studenten erkannt haben, dass die VL so schlecht ist, dass es Zeitverschwendung ist, hinzugehen...
  6. #15

    Ein Vergleich zwischen

    einer Ausbildung und einem Studium hinkt gewaltig. Ich persönlich habe beides und die Unterschiede sind enorm. Was auch viele nicht verstanden haben: Beim Bachelor fasst man in der Regel das Praktikum und die Bachelorarbeit zusammen und hat somit wieder 6 Monate. In der Zeit ist es grundsätzlich möglich ein größeres Problem zu bearbeiten. Unter Druck zu arbeiten ist man durch den Bachelor ohnehin schon gewöhnt, da üblicherweise der Diploma-Stoff einfach in 1-2 Semester weniger gepackt wird. Und selbst wenn man nun Praxismangel unterstellen will: Dafür ist man 1-2 Semester früher fertig als ein Diploma und lernt da richtig zu arbeiten, mit Verantwortung und an realen Projekten -> Diese Art von Erfahrung kann an einer Uni nie vermittelt werden und schon gar nicht in einer Abschlussarbeit.
  7. #16

    Ich habe leider auch andere Zahlen gesehen

    Zitat von Personalberater Beitrag anzeigen
    Es werden Hochschulabsolventen, egal ob Bachelor, Master oder Staatsexamen, gesucht, hauptsache die Fachrichtung stimmt. Bacherlor verdienen als Einstiegsjahresgehalt 42 TEUR, Master 44 TEUR (nur unwesentlich mehr), die Praktiker (laut Lenzen die eigentlichen Bachelors) aber nur 22 TEUR. Daraus folgt: Ein Hochschulstudium lohnt sich (Fachrichtung beachten!), ein Master-Ausbaustudium dagegen nicht!
    etwa hier: Einstiegsgehalt

    Einstiegsgehalt bei Absolventen / Bundesdurchschnitt
    Ingenieure Wirtschaftswissenschaften
    Master Diplom Bachelor Master Diplom Bachelor
    36.000 37.000 32.000 37.500 36.000 32.000
  8. #17

    Shocked!

    Ich finde es echt schockierend, wieviele Menschen hier den Bachelor schlecht reden und gar behaupten er habe keinen wissenschaftlichen Grad.

    Das kann nur jemand sagen, der vor etlichen Jahrzehnten sein Diplom machte, wohl nur mit viel Glück einen Job bekommen hat oder aufgrund von Mama und Pappa, und sich nun darüber freut, dass er aufgrund damaliger Veträge, wegen seiner nun marginal verrichteten Arbeit nicht mehr gefeuert werden kann.


    Ich bin im 3. Semester Informationstechnik und die Sachen, die im Grundstudium abverlangt werden sind wirklich hart. Im Bereich Elektrotechnik aber auch Objectorientiertes Programmieren sind die Gebiete umglaublich komplex und tiefgreifend. Ich sitze zum Teil stunden zuhause und versuche, die bereits gelösten Aufgaben nachzuvollziehen und eigentständig zu rechnen.

    Ich würde gerne einen 50 Jährigen Diplom Ing. im 2 Semester Elektrontechnik Vorlesungen sitzen sehen. Der würde "SOLCHE" Augen machen und wohl den größten teil der Vorlesung garnicht blicken und das trotz Diploms.


    Ja, leider wird der Bachelor noch schlecht angesehen, weil die meisten Firmen über Jahrzehnte nur DiploAm Studenten eingestellt haben, und nun die Auswahl zwischen Ba Und Master haben und natürlich sucht sich jeder lieben den höherwertigen Status aus, jedoch kann ich euch vergewissern, ein HS Bachelor kann genauso eigenständig und kreativ arbeiten wie ein Master Student.
  9. #18

    Dieser Einblick kommt von innen

    Zitat von spon-facebook-10000191305 Beitrag anzeigen
    Ich finde es echt schockierend, wieviele Menschen hier den Bachelor schlecht reden und gar behaupten er habe keinen wissenschaftlichen Grad.
    Ich gebe nur wieder, was Bekannte aus der Wirtschaft insbesondere zu den Ingenieuren sagen, zudem ist dies mein eigener Eindruck da ich an vielen Bekannten (Diplomern) einen guten Vergleich habe. Aber klar: Es gibt auch einige Firmen, die nicht gross differenzieren.

    Zitat von spon-facebook-10000191305 Beitrag anzeigen
    Das kann nur jemand sagen, der vor etlichen Jahrzehnten sein Diplom machte, wohl nur mit viel Glück einen Job bekommen hat oder aufgrund von Mama und Pappa, und sich nun darüber freut, dass er aufgrund damaliger Veträge, wegen seiner nun marginal verrichteten Arbeit nicht mehr gefeuert werden kann.

    Ich bin im 3. Semester Informationstechnik und die Sachen, die im Grundstudium abverlangt werden sind wirklich hart. Im Bereich Elektrotechnik aber auch Objectorientiertes Programmieren sind die Gebiete umglaublich komplex und tiefgreifend. Ich sitze zum Teil stunden zuhause und versuche, die bereits gelösten Aufgaben nachzuvollziehen und eigentständig zu rechnen.
    Ich mache ja leider Gottes ebenfalls den Bachelor sogar im gleichen Fach, und ja das Studium ist extrem hart, insbesondere durch den engen Lehrplan. Aber vieles kommt eben genau deswegen zwangsläufig unter die Räder. Teilweise werden Themen nicht in der gebotenen Tiefe behandelt oder eben dramatisch gekürzt (ich habe die alten Lehrpläne ja noch gesehen, Beispielsweise wurde bei uns aus Betriebssysteme 1+2, Theoretischer Informatik 1 + 2 jeweils 1 Semester und die Liste ist noch ziemlich lang).

    Was aber in meinen Augen mit das grösste Problem ist, ist die geringe Zeit für "freie Entfaltung". Es gibt zig Themen die ich gerne Zuhause aus Interesse vertieft hätte - nur hat man da leider nie wirklich Zeit für. Von freiwilligen Zusatzkursen mal gar nicht zu reden.

    Achja: Es ist ja ausdrücklich möglich, Praxissemester und Bachelorthesis in vollkommen getrennten Themenbereichen und Betrieben zu machen - somit ist jede Bachelorthesis, welche innerhalb des Praxissemesters mitentsteht, ja gewissermaßen "geschummelt" durch überzogene Bearbeitungsdauer. Von ähnlich aufwändigen Projekten kann man da also nicht als Norm ausgehen, sonst müssen sich die Prüfer ja schon blind stellen was die "zeitliche Machbarkeit" angeht ;)
  10. #19

    Lenzen geht es sicher nicht um die Studenten

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Funktion auf Kompetenz und Wissen
    Hochschulen sind doch keine Lernfabriken
    Menschenbildung
    Allgemeinbildung
    bewusstloses Auswendiglernen für die Klausuren, die nicht selten unter Einnahme von Psy-chopharmaka geschrieben werden.
    Prüfungen
    Der Mann ist ein ganz übler Schwätzer, der nur leere Worthülsen von sich gibt. Er will das alte Modell zurück. Akademische Freiheit bedeutet darin nichts anderes als daß Professoren nach Erlangung ihres Titels allein bestimmen, was sie leisten wollen. Manche haben Selbstdisziplin und Ehrgeiz, die meisten nicht. Prüfungen sind vor allem lästig. Unsere guten Lehrstühle haben wöchentlich einen kleinen Schein verlangt. Das diszipliniert gewaltig. Man muß sogar anwesend sein, weil man sonst weder die Aufgabe bekommt noch eine Erklärung.

    Das Problem bei Bologna heißt klar und deutlich: Wenn der Student kontrolliert wird, wird auch der Professor kontrolliert, und binnen kurzem stellt sich heraus, ob er ein fauler Arsch ist, was vermutlich immer noch die Regel ist. Bis jetzt mauern die Professoren übrigens wie die Wilden. Was die Hochschulen heute Bologna nennen ist eine Farce. Da werden ein paar Jahrgänge für nichts und wieder nichts verbraten, der Eitelkeit und dem Besitzstandsbewahren der privilegierten Herrschaften zuliebe.

    In der Praxis sollte man nur noch auf FH – Absolventen zurückgreifen, wenn man abrufbare Leistung kaufen will.








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