Forum: Blogs
Uni-Bürokratie: Verloren in der Masse
Sinnlose Formulare, abwesende Dozenten, komplizierte Prüfungsordnungen: Felix Ehring hat an einer norddeutschen Massenuni studiert - und jahrelang unter der chaotischen Verwaltung gelitten. Die einzigen, die ihm wirklich halfen, waren die Sekretärinnen. Eine Abrechnung.
http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...617369,00.html
- #80 09.04.2009 18:36 von
Natürlich nicht
Nein, natürlich nicht! Ich will auch gar nicht, dass ein Prof ein perfekter Mensch ist. Ich kann selbst nicht gut vor einer offiziellen Versammlung von Leuten reden, ich verstehe das. (Ich bin aber auch kein Prof und strebe keinen Beruf an, in dem ich viele Vorträge vor Publikum halten muss.)
Allerdings: So viele Profs hat man in seinem Studentenleben nun nicht, dass man sich unbedingt immer einen aussuchen könnte. Es kann sein, dass von so einem Prof praktisch die ganze Zukunft abhängt! Deswegen habe ich eigentlich kein Verständnis für so etwas. Verstehen Sie? - So eine Veranstaltung wirkt dann nicht sehr "glaubwürdig". Wenn der Prof bei den Evaluationen schon meint, man solle doch bitte mal etwas nettes schreiben und weniger kritisieren, und der Prof auch nach der Evaluation nie etwas ändert, was soll ich davon halten? Wenn meine Zukunft nicht davon abhängig wäre, wäre mir das schnurzpiepegal. Da das aber nicht so ist, kann das ein großes Problem werden. V.a. wenn es Studiengebühren gibt, bin ich eigentlich noch weniger dazu bereit das zu dulden.
Ich weiß, man wird mir jetzt vorwerfen, ich würde das Verhältnis Student - Uni nur noch als Anbieter-Kunden-Verhältnis sehen. Auch ich finde diese Ansicht nicht gut. Fakt ist aber, es gibt Studiengebühren (ja, ich weiß, in anderen Ländern sind die Gebühren viel viel höher) und dafür verlange ich zumindest, dass es sowas wie ich es beschrieben habe, (wie ebenso das hier: Uni-Bürokratie: Verloren in der Masse und das hier: Uni-Bürokratie: Verloren in der Masse und Uni-Bürokratie: Verloren in der Masse ) nicht vorkommt. Ich verlange auch nicht, dass ich dafür, dass ich etwas bezahle, automatisch gute Noten bekomme. Auch verlange ich nicht, dass Dozenten perfekte Menschen sind. Aber man fühlt sich eben doch irgendwie "ausgeliefert". Früher habe ich ja immer gedacht, dass Studieren an sich besser ist als arbeiten gehen, weil man an der Uni ja besser behandelt wird als am Arbeitsplatz von seinem Chef, weil man mehr Freiheiten hätte. Aber weit gefehlt, in meinem langjährigen Werkstudentenjob wurde ich (von oben) viel besser und auch "gleicher" behandelt als an der Uni.
Aber um auf Ihre Ausgangsfrage nun nochmal zu antworten: Die meisten Studenten entsprechen wohl nicht dem Wunschbild der Dozenten. Studenten sind aber die, die beurteilt werden. Wenn sie nicht versuchen sich irgendwie den "Wunschbild" anzunähern, fliegen sie von der Uni, weil sie die Prüfungen nicht bestehen. Dabei sind sie aber gleichzeitig von den Profs und ihrer Lehre komplett abhängig, sie sind in jedem Fall die "Schwächeren". Deswegen kann es bei aller Liebe einfach nicht sein, dass manche Profs nicht lehren können oder keine Lust darauf haben, oder dass Klausuren und Prüfungsanmeldungen verschwinden. Klar so was kann passieren, aber muss ich das dulden? Wenn ich eine Prüfung verkacke, flieg ich schlimmsten Fall von der Uni, wenn der Prof sch**** lehrt oder meine Klausur verschlampt, passiert... NICHTS! - #81 09.04.2009 18:41 von
.
Um es nochmal etwas kürzer zu sagen ;-)
(Nicht-fertige) Studenten stehen v.a. sich selbst gegenüber und gegenüber ihrer Zukunft in der Pflicht, nicht gegenüber den Profs.
Lehrende Profs stehen aber gegenüber den Studenten in der Pflicht. Profs werden auch dafür bezahlt, dass sie diese Pflicht leisten.
So sehe ich das! - #82 09.04.2009 18:44 von
Vorbild Amerika
Das habe ich genauso empfunden. Ich hätte nie gedacht, dass mir das wichtig sein könnte, aber nachdem man
viele Opfer bringen mußte und Hindernisse überwunden hat, Zähigkeit und Ausdauer bewiesen hat, um zum Studienabschluss zu kommen, hätte ich eine feierliche offizielle Abschlussfeier schon für angemessen gehalten. Wenn man die Urkunde nur einfach so von der Sekretärin in die Hand gedrückt bekommt, entsteht leicht das Gefühl, dieses Papier sei nichts wert. Aber leider kommt man erst auf Idee, dass man eigentlich gerne eine Feier hätte, wenn alles schon gelaufen ist. Und wenn man erst weg von der Uni ist, ist auch kein Interesse da, für irgendwelche Neuerungen an der Uni zu kämpfen. - #83 09.04.2009 19:25 von
Zweiseitige Medaille
Letztlich beisst sich die Katze doch in den Schwanz. Als Prof. muss man sich auch evaluieren lassen und das wird immer wichtiger. An meiner Uni ist das auch ein Punkt bei den Beförderungskommissionen (nicht wundern, ich arbeite nicht mehr in Deutschland). Ich habe aber in meiner Zeit in Deutschland auch unverschämte Evaluationen lesen müssen. Einige BEispiele gefällig?
"Herr XXX trinkt zu viel." (bei einem Kollegen, war nur Wasser, aber wenn das der Dekan liest, klingt es erst mal anders, oder?)
"Ausziehen!" (Bei einer Kollegin)
"Frisur ist Scheisse!" (Kollege)
"Herr XXX ist der einzige Prof., der richtig erklären kann, YYY ist ein A***loch." (in diesem Fall war ich Herr XXX, gegenüber Herrn YYY trotzdem eine Frechheit, zumal der Kollege wirklich hochmotiviert war)
Ich habe in deutschland selten vernünftige Dozentenevaluationen gesehen.
Ist alles auch nicht so motivierend. Studenten, die eine Veranstaltung als Pflichtveranstaltung besuchen mussten, schwätzen permanent, oder spielen Karten (!), weil sie so ihr Desinteresse zeigen können.
Dazu permanente Versuche, über Noten zu diskutieren.
Ob Sie es glauben oder nicht: Auch Dozenten möchten respektiert werden. Ausserhalb Deutschlands ist das nach meiner Erfahrung zum Glück besser...
Kurz gesagt: ich gebe Ihnen recht, dass ein gewisses Mindestniveau gewahrt sein muss, aber bitte auf beiden Seiten. - #84 10.04.2009 10:48 von
Ich kann kaum zustimmen!
Halten wir doch mal die Probleme fest:
1. Seit Jahren ist das Bildungssystem massiv unterfinanziert. Es fehlt an Dozenten und an Verwaltung. Daher Wartezeiten!
2. Förderalismus im Bildungssystem ist die Bremse überhaupt. Jeder macht was er will.
3. Die Lehre wurde verändert und die Abschlüsse auf Bachelor und Master umgestellt, inhaltlich hat sich aber größtenteil nichts geändert, auér das jetzt einige Berufsabschlüsse quasi entwertet sind.
4. Die Finanzierung des Bildungssystems wird sehr oft von fachfremden Personen gesteuert.
Was ist also zu tun?
Schlicht und ergreifend mehr Geld in die Bildung pumpen. Anfangen könnte man damit 15 Kultusministerien zu streichen.
Wir brauchen mehr Dozenten, besser Gebäude und ein kostenloses Bildungssystem - alles andere ist kontraproduktiv und unsozial!
www.bildungstadtschloss.wordpress.com - #85 10.04.2009 11:26 von
...
Und kompetent, wie die Politik ist, wurde erstmal den "besseren Gebäuden" die oberste Priorität eingeräumt...
Waaaaaaas ? Und darauf verzichten, daß heßliche ...neeee, hessliche ... ach was, hessische Kultusministerinnen die Thematisierung der Schöpfungsgeschichte im Biologieunterricht fordern ? - #86 11.04.2009 17:11 von john mcclane
Buuuuaaaaahhhhhhhhh
[QUOTE=roesle;3593392] Ja neee, ist klar, am besten hätt ich das drei Wochen vorher schriftlich beantragt, dann hätte es evtl. bis dahin klappen können, das Formular ausem Intranet downzuloaden. Ich glaub Ihnen ja gerne, das Sie Ihren Job mögen, aber ich hatte in den anderthalb Jahren nur, aber wirklich NUR Ärger mit den Gestalten bei uns. Ob es um Klausureinsichtnahmen ging (Krankenhausaufenthalte zählen natürlich nicht als Entschuldigung), rechtzeitige Klausurrückgaben (ich hatte Makroökonomie I geschrieben und diese noch nicht zurückerhalten als das neue Semester begonnen hatte, warum auch, das ist doch wirklich nebensächlich zu wissen, ob man schon Makro II belegen kann oder Teil I wiederholen darf) oder unverschämte Gastdozenten (Gastdozent um 19:30 auf die Frage eines Studenten, ob man mal fünf Minuten Pause machen kann: "Ach, jetzt sind hier sogar schon Pausen vorgesehen" Ja nee, is klar, als Richter am Finanzgericht hat er bis 16:00 in den Sessel gefurzt, das es nur so dröhnt, da kann man bei den dämlichen Studenten ruhig den großen Zampano geben).Bei dieser Rallye zur Exmatrikulation hat sich der Frust von anderthalb Jahren entladen, und ich war noch verdammt human dabei. Ich bin auf jeden Fall froh, das ich mit Studium/Uni/FH und weiß der Kuckuck noch was nichts mehr zu tun habe. Hätte ich vorher gewußt, auf was für eine Scheisse ich mich da einlasse, ich hätte mich niemals immatrikuliert. Vermutlich war ich auch zu verwöhnt, weil ich vorher schon einige Jahre gearbeitet hatte und dabei auch eigenständige Entscheidungen fällen durfte und nicht der Willkür von anderen ausgeliefert war...
- #87 13.04.2009 18:52 von
Dank und Anmerkung vom Autor
Sehr geehrter Leserinnen und Leser,
vielen Dank für alle Anmerkungen, Kritik und weiterführende Hinweise, die sie sich auf den Text beziehen.
Natürlich ist mein Text eine Polemik und soll auch keine nüchterne und umfassende Bestandsaufnahme der Verhältnisse sein. Wie ich im Text erwähne, hatte ich durchaus auch gute Dozenten. Auch an meiner Universität gab es übrigens noch eine Abschlussfeier in anderem Rahmen. Die Resonanz zeigt in meinen Augen, dass es Bedarf zu Reformen in der Universitätsbürokratie gibt.
Besonders möchte ich mich bei den Lehrbeauftragten für ihre Sicht der Dinge bedanken, so dass auch deutlich wurde, wie groß die Belastung für Lehrbeauftragte ist.
Mit freundlichen Grüßen
Felix Ehring
Die aktuellen Top-Themen



