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Unglück am Mont Blanc: Extrembergsteiger Arved Fuchs kritisiert Massentourismus

CorbisGefahren werden bagatellisiert, Restrisiken kleingeredet und die Natur zum Freizeitpark degradiert: Abenteurer Arved Fuchs glaubt, dass viele Bergsteiger ihre Fähigkeiten überschätzen - und sieht eine bedenkliche Tendenz.

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/...844197,00.html
  1. #10

    Eigenverantwortung

    Wenn wir eine Welt wollen, in der nicht alles verboten ist, müssen wir uns von der Vollkaskomentalität endlich wieder verabschieden, in der der Einzelne seine Freiheit sucht, aber er, oder Angehörige, oder sonstige Gutmeinende dann, wenn es schiefgeht, nach den Fehlern der Behörden suchen. In den Bergen gibt es noch Freiheit. Aber sie sind auch gefährlich. Wenn dann Menschen (Erwachsene) "das Risiko nehmen" und einige nicht mehr zurückkehren, oder verletzt sind, oder gerettet werden und die Kosten für die Rettung, also für ihren Wagemut selbst tragen müssen, ist es der Preis. Die Alternative wäre, alles zu verbieten oder bürokratisch zu reglementieren.
  2. #11

    Zitat von HansCh Beitrag anzeigen
    Wenn wir eine Welt wollen, in der nicht alles verboten ist, müssen wir uns von der Vollkaskomentalität endlich wieder verabschieden, in der der Einzelne seine Freiheit sucht, aber er, oder Angehörige, oder sonstige Gutmeinende dann, wenn es schiefgeht, nach .....
    Exemplarisch dafür steht für mich der Zugspitzlauf. In einem Jahr werden die Veranstalter verklagt, weil sie den Lauf aufgrund der Wetterlage abbrechen. Dann wieder, weil sie den Lauf wegen des Wetters nicht abbrechen. Und die Medien als Moralapostel und "wir-wissen-alles-besser" immer vorneweg.
  3. #12

    Jetzt muss aber unbedingt Herr Messner noch warnen.

    Mir ist Herr Fuchs als Extrembergsteiger eher unbekannt, aber sei es drum. Was noch fehlt, ist die Warnung von Herrn Messner, der hat in der Vertikalen wenigstens etwas vorzuweisen, auch wenn er mir sympathischer wäre, würde er die Mitverantwortung für den Tod seines Bruders nicht auf andere schieben.
  4. #13

    Es reicht der Harz, um das Fürchten zu lernen

    Zitat Artikel / Arved Fuchs:
    "Kein Mensch muss auf den Mont Blanc", sagte Fuchs. "Es kann auch der Brocken im Harz sein - man muss wissen, wo man leistungsmäßig steht und was man sich zutraut."

    Das gilt in der Tat auch für den Brocken. Es gab u.a. einen "Abteilungsausflug" von Berliner Medizinern in einem Februar in den 90ern. Einer der Herren in Halbschuhen stürzte unglücklich auf dem vereisten Weg und brach sich einen Knöchel. Das Wetter war ungünstig, kein Fahrweg führte direkt zum Verletzten, kein Hubschrauber konnte fliegen. Es hat über 6 Stunden gedauert, bis der Verletzte im Krankenhaus war. Und gut 6 Wochen, bis der Mediziner nach Behandlung des Bruches nebst schwerer Lungenentzündung wieder dienstfähig war.
  5. #14

    Scheinargument

    Zitat von old_spice Beitrag anzeigen
    Warum gewährt man Erwachsenen nicht das Recht, für sich selbst ihre Risiken beurteilen zu dürfen ?
    Natürlich auch mit der Konsequenz, die Risiken zu tragen.
    Wenn jemand in die Berge will - oder mit dem Kajak ins Wildwasser - als Taucher in den Bodensee etc. etc.
    Immer gibt es Spezialisten, die weit über dem Niveau von Normalsterblichen Risiken eingehen.

    Nur sollte man vielleicht auch mal akzeptieren, daß jemand unten oben oder verschollen bleibt.
    Ja, vom Scheinargument der "Eigenverantwortung" kann man gerade hier in der Schweiz bezüglich Bergtourismus ein Liedchen singen. Also - warum klappt das nicht so ganz wie sie es sich vorstellen...

    a) Die meisten Leute leiden an dem, was die Verhaltenspsychologie als "Overconfidence-Bias" bezeichnet. Sie überschätzen ihre Fähigkeiten, sowohl bezüglich körperlicher Leistungsfähigkeit als auch Fachkompetenz/Erfahrung masslos. Ähnlich wie die "Profi-Börsianer" im Reihenhäuschen, die das Urlaubsgeld verjubeln. Die harmlosesten Fälle sind noch die, wo sich der holländische "Super G Weltmeister" mit 2h Erfahrung auf den Brettern mal kurz den Arm bricht...

    b) Dann gibts da gerade bei Hobby-Alpinisten, Touren-Fahrern, und "Extrem-Snowboardern" etc. die beliebte "halbe" Eigenverantwortung. Sprich, wenns darum geht halsbrecherische Routen festzulegen, Warnungen von echten Profis / Einheimischen (die Bergler haben doch eh keine Ahnung, gell...) zu ignorieren oder ein dummdreistes Vertrauen bezüglich irgendwelcher teuerer Ausrüstung (die man nicht richtig bedienen kann) an den Tag zu legen, wird gerne auf die "persönliche Freiheit" verwiesen.

    c) Geht b) unweigerlich in die Hose, ists mit Eigenverantwortung schnell zu Ende, dann wird lauthals nach "Mami" gerufen. Sprich, die Vollkaskomentalität des westlichen Wohlstandsbürgers kommt voll zum tragen. Auch wenn man selbstverschuldet und bewusst Mist baut, sollen andere den Kopf hinhalten. Dass sind dann die lieben einheimischen Bergretter, Rettungsflieger etc., die sich einem erheblichen physischen Risiko aussetzen. Aber hey für sowas sind die doch da, oder?
    Was die Rettungskosten angeht, ich habe bis anhin nie von einem Fall gehört, in dem vollumfänglich Regress auf einen Verunfallten genommen werden konnte, der sich fahrlässig einer Gefährdung ausgesetzt hatte. Auch da wird erwartet, dass Dritte solidarisch einstehen und den Löwenanteil berappen. Von den indirekten Kosten, welche etwa der Ausbau von Rettungsinfrastruktur (Landeplätze etc.) verursacht, wollen wir gar nicht reden.

    d) Selbst wenn der "Abenteurer" das Risiko und die Konsequenzen akzeptiert - Familie, Politik und Medien (siehe Volkaskomentalität) tun es garantiert nicht. Verweise auf massive Eigengefährdung der Retter werden gern mit Unfähigkeit und mangelndem Engagement gleich gesetzt. Kenne ich aus Berichten Betroffener.

    Ergo: Die Leute wollen Spasstourimus und "was erleben" - auch in einer gefährlichen Umwelt (Alpen), überschätzen sich dabei, gehen Risiko mit verweis auf die "eigene Entscheidung" ein und wenns schief geht, sollen andere hinhalten - und wehe die tun das dann nicht.
  6. #15

    Zitat von el-gato-lopez Beitrag anzeigen
    c) Geht b) unweigerlich in die Hose, ists mit Eigenverantwortung schnell zu Ende, dann wird lauthals nach "Mami" gerufen. Sprich, die Vollkaskomentalität des westlichen Wohlstandsbürgers kommt voll zum tragen.
    [...]
    Was die Rettungskosten angeht, ich habe bis anhin nie von einem Fall gehört, in dem vollumfänglich Regress auf einen Verunfallten genommen werden konnte, der sich fahrlässig einer Gefährdung ausgesetzt hatte.
    Es wird einem aber auch ein bisschen zu leicht gemacht. Vor ein paar Jahren habe ich mir bei einer eher leichten Bergwanderung in den Berchtesgadener Alpen, fast auf der Schwelle der Hütte, den Fuß umgeknickt. Was erst relativ harmlos aussah, legte am nächsten Morgen den Verdacht auf Bänderriss nahe. Kurzum, ich wurde mit dem Heli ausgeflogen.

    Sehr verwundert musste ich dann feststellen, dass ich aufgrund der in meiner DAV-Mitgliedschaft enthaltenen Versicherung nur ca. 20€ für den Flug zahlen musste. Das erscheint mir geradezu als Einladung, auch mal was Schwierigeres zu versuchen. Sollte eine Rettung erforderlich werden, dann kostet es ja nicht viel...


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