DPAZwei Wochen mehr Urlaub pro Jahr, wer würde dazu schon nein sagen? Antwort: die Schweizer. Sie stimmen am Sonntag über genau diese Frage ab - und Umfragen deuten darauf hin, dass die Initiative abgelehnt wird.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...820301,00.html
Wer hat's noch echte Demokratie?
Richtig: Die Schweizer!
Die Schweiz macht es genau richtig... (mit der Demokratie)
Ich finde es immer wieder sehr faszinierend,
wie das Schweizer "Souverän" abstimmt,
obwohl es aus deutschen Politiker kreisen immer (auf gut Deutsch) heißt:
"Das Volk ist zu dumm und oder egoistisch um selbst zu entscheiden."
Die Schweizer beweisen sehr sehr eindrucksvoll,
das - wenn JEDER Mitreden darf - eben kein totales Chaos herrscht, sondern sehr vernünftige Entscheidungen getroffen werden.
Und da wundern Sich ernsthaft noch Menschen,
das immer mehr Deutsche in die Schweiz auswandern? ...
Hätte ich auch schon längst getan!
Wenn ich dort bereits einen Job hätte und oder die nötigen Finanziellen Mittel bereits hätte ersparen können...
Aber gerade letzteres wird in Deutschland ja mit aller Kraft bekämpft...
"Bloß keinen Raum lassen, das der Bürger sparen kann! Sonst rennen die noch alle weg, und wir haben Niemanden mehr zum Unterdrücken und "drüberhinwegentscheiden"!"
So kommt es mir inzwischen vor!
An diesem Beispiel sieht man, dass ein Volk sehr wohl im Stande ist, rational zu handeln, falls es die Möglichkeit bekommt über Volksentscheide über etwas zu bestimmen.
Sollte meiner Meinung nach auch in D die Möglichkeit dafür geben. Dann würde das Volk auch weniger über "die da oben" meckern, die einem angeblich nur "Schlechtes" wollen. Durch Volksentscheide kriegt man die Möglichkeit mitzugestalten. Ich persönlich finde das echt motivierend. Würde auch meiner Frustration über Merkel & Co. entgegen wirken.
Also: Mehr Macht dem Volk!
Also ich bin Schweizer und kann Ihnen sagen bevor Sie die Demokratie in der Schweiz loben sollten Sie sich erst etwas schlau machen.
Die Abstimmungresultate werden immer nur dann auch umgesetzt wenn Sie der Regierung in den Kram passen. Bsp.: Sommerzeit, abgelehnt per Notrecht eingeführt. Bsp.: Alpeninitiative, angenommen nicht umgesetzt im Gegenteil 2te Autotunnel durch den Gotthard wird von Teilen der Regierung gefordert. Bsp.: Atommoratorium, 2x angenommen 2x nicht umgesetzt...usw.
Schön wärs. Und eigentlich bin ich auch dafür.
Aber gemeckert würde (mindestens) genausoviel. Und die Ergebnisse der Abstimmungen mitnichten anerkannt.
Siehe S21, siehe Flughafen Berlin-Tempelhof, siehe Rauchverbot in Bayern:
"Das Volk ist zu dumm und gehirngewaschen, und hat darum falsch abgestimmt"
"Man musste mit Nein stimmen, wenn man dafür war, das kann keiner begreifen, darum ist die Abstimmung manipuliert"
"Das Quorum der Nein-Stimmen wurde nicht erreicht, darum ist die Abstimmung ungültig" (Es gibt kein Quorum für Nein-Stimmen)
"Es haben nur 37,7% an der Abstimmung teilgenommen, also war nur eine Minderheit dafür"
Und so weiter und so fort
Toll, davon sollten wir uns in D nicht nur eine Scheibe von abschneiden. Das entspricht jedenfalls eher meinem Verständnis vom Demokratie.
Das täte uns auch gut uns wieder mehr auf die Arbeit zu konzentrieren und auch ihren sinnstiftenden Charakter, als auf's Verteilen von anstrengungslosen Wohltaten.Der Soziologe Kurt Imhof hält die protestantische Arbeitsethik der Schweizer für entscheidend: "Arbeit gilt als sinnstiftend. Nur wer arbeitet, führt ein erfülltes Leben - diese Haltung ist in der Gesellschaft tief verankert."
Denn diese befriedigen auf die Dauer auch nicht.
Wir sehen: Eine Demokratie lebt von den Werten, die das Volk in seiner Kultur verankert hat. Diese Werte gilt es zu bewahren beziehungsweise wieder neu zu gewinnen. Und Bedrohungen derselben abzuwenden.
Die Schweizer machen es uns vor, wie es gehen kann und sollte.
Die Menschen in der Schweiz kann man nur beneiden (im positiven Sinn). Das sind Menschen, die sich Gedanken um ihr Land und ihr langfristiges Wohlergehen machen. Stimmvieh wie in D, das den großen Politikerversprechungen hinterherläuft (-stimmt), die aber nur auf Pump realisierbar sind, ist dort im weit kleineren Ausmaß zu finden. Deshalb hat die Schweiz weniger Schulden, weil man sich nur das leistet, was man kann und nicht auf Pump leben möchte. Deutschland hat diesen Punkt schon weit hinter sich gelassen und dorthin auch nicht mehr zurückfinden.
Die Fragen die ich mir allerdings stelle.
Ist es gerecht, dass Leute über Urlaub abstimmen, die gar kein Urlaub bekommen? Rentner, Selbständige usw. usw..
Meines Wissens sind in D nur ca. 40 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt und bekommen Urlaub, also nur die Hälfte der Bevölkerung.
Dass die Rentner nicht wollen, dass die Jungen weniger arbeiten und sie dann vielleicht weniger Rente bekommen ist auch logisch.
Da kommt direkte Demokratie auch an seine Grenzen.
Wenn ich ein parlamentarisches System habe, sollte dieses alle gesellschaftlichen Gruppen gleich vertreten. Was dann z.b. zum Ergebnis hätte dass es nicht zu 10 Tagen mehr oder gar nichts kommt, sondern dass der Mindesturlaub z.b. als Kompromiss auf 5 Wochen erhöht wird und nicht 6.
Volksentscheide sind nicht kompromissfähig, das ist in meinen Augen ein grosser Nachteil.
Wobei man natürlich auch argumentieren kann, es wäre ein Vorteil weil in der parlamentarischen Konsensdemokratie alles solange zerredet wird, bis eigentlich garnichts mehr passiert und große Würfe unmöglich sind.
Ich fände auch einen anderen Weg sinnvoller. Teilzeit.
So wie man in D ein recht auf Teilzeit hat, könnte man das in der Schweiz auch einführen und jeder kann im Grunde seine Arbeitsbelastung selber festlegen. Damit legt er auch gleichtzeitig fest auf wieviel Geld er verzichtet, das Argument die AG werden mit höheren Lohnkosten belastet entfällt und alle wären zufrieden.
Wobei wie ich die Schweizer kenne, werden das vielleicht 1% wirklich machen.