AP/ TimeDas "Time"-Titelbild mit einem an der Brust der Mutter nuckelnden Kleinkind hat weltweit Aufsehen erregt. Die Diskussion darüber sei das Ziel gewesen, sagt jetzt ein leitender Redakteur des Magazins. Man habe an einem Tag mehr Online-Abos verkauft als normalerweise in einer Woche.
http://www.spiegel.de/panorama/gesel...832882,00.html
Abgesehen davon, dass m.M. nach das Niveau des Spiegels bis in die unterste Schublade abgesunken ist, mutet es seltsam an, dass hier von einem "Kleinkind" geschrieben wird. Mit "Kleinkind" und Stillen verbindet sich Natur gemäss die Nahrungsaufnahmezeit eines "Säuglings", das während dieser Babyphasenzeit noch keine feste Nahrung aufnehmen kann.
Anders betrachtet steht allerdings dieses Bild symbolträchtig für das immerwährende "nuckelnde" Aussaugen durch männliche Spezies.
Trotzdem schade, dass sich Frauen immer noch für solche Bildaufnahmen instrumentalisieren lassen. Wie auch anders: Geldgeber haben es noch immer verstanden, das Nachdenken zu unterbinden.
Es wäre schön, wenn Sie für einen kurzen Moment die gängige Praxis in Deutschland hinterfragen könnten, denn daß Kleinkinder (Kleinkind ist die Phase nach Baby) länger als 12 Monate gestillt werden und sogar bis ins Kindesalter hinein ist in den allermeisten Kulturen Tagesordnung - wobei leider die aggressive Milchpulver-Industrie durchaus schon gratis Päckchen in Entwicklungsländern im Krankenhaus verteilt und dort den Müttern vorgaukelt dieses wäre besser noch als Muttermilch. Die Frauen dort versuchen den westlichen Lebensstil nachzuleben und können sich aber nur mit einem absoluten Mehraufwand dieses teure Pulver leisten. Wenn ein Baby erstmal an die Flasche gewöhnt wird, so gibt es eine Stillverwirrung und es ist ganz schwierig wieder zu stillen. Oftmals bedeutet dies, daß die Mütter und Väter von Anfang an Vollzeit arbeiten gehen müssen. Doch das ist ein ganz anderes Drama.
Es gibt indische Kulturen, die glauben, daß die am längsten gestillten Kinder am ältesten werden, wo 7 und 8 jährige, die noch ab und an an der Brust trinken normal sind. Das nur als ein Beispiel.
By the way werden nicht nur Jungs länger als drei Jahre gestillt, sondern auch Mädchen. Und stillen bis in dieses Alter bedeutet nicht, daß ausschließlich gestillt wird.
Und im übrigen ist der letzte Satz von Ihnen ein Widerspruch an sich, denn es wird doch gerade erwartet, daß sämtliche Frauen berufstätig sind und möglichst schnell abstillen, so daß man dem Geldgeber gerecht wird. Schade, daß Menschen wie Sie ihre Meinung nicht mit Aneignung von Wissen hinterfragen, sondern dem gängigen Meinungsbild nachreden.
Sie dürfen sich aber gerne in die ethnologische und soziologische Literatur diesbezüglich einlesen und neue Welten erschließen, das kann ungemein spannend sein. Mein Glückwunsch zur Erweiterungsmöglichkeit.
Was genau ist Ihrer Meinung daran geschmacklos? Was genau stört Sie daran?
Mich würde das wirklich interessieren, denn es gibt meines Erachtens nach wirklich geschmacklose Titelbilder, aber dieses hier würde ich nicht dazu zählen. Liegt es an dem Gewohnheitswert? Liegt es daran, daß die Brust als solche benutzt wird, wofür sie eigentlich vorgesehen ist?
Schöner noch wäre es gewesen, hätte sie jeweils ein Mädchen und einen Jungen an jeder Brust. Aber soweit lässt es das Patriarchat dann doch nicht kommen.
Es wird Zeit, daß Mütter für ihr Mütter-sein ein Gehalt bekommen, damit sie weder sich selbst noch ihre Kinder prostetuieren müssen. Es passiert ja immer häufiger, daß Mütter ihren Job oder ihre Kinder verkaufen, an Medien an Firmen, oder sonst wie. Das kann nur verhindert werden, wenn ihr Mutter-Arbeit in der Gesellschaft anerkannt wird, dann braucht man auch nicht zu solchen drastischen Mitteln zu greifen... Es mag ja sein, daß das Stillen gesund ist für Mutter und Kind und daß viele Kinder in der Welt nur so überleben können, ja es ist sogar traurig, daß viele Kinder in der Welt nur überleben können, wenn sie an der Brust der Mutter so lange nuckeln können: jedoch eins ist sicher: das ist für die Mutter sehr anstrengend und sicher nicht immer ein Spaß. Wann gibt es endlich ein Müttergehalt, damit die Mütter 1. nicht mehr so leben müssen wie in der Steinzeit! 2. sich selbst und ihre Kinder nicht zu Markte tragen müssen.