Umstrittenes Israel-Gedicht: Günter Grass beklagt "Gleichschaltung der Meinung"

MARCO-URBAN.DEGünter Grass äußert sich erstmals zu seinem Israel-kritischen Gedicht: Nach weltweiter Kritik spricht der Nobelpreisträger von einer Kampagne gegen sich - und kritisiert die "Gleichschaltung der Meinung". Lob erhält er aus Iran, dort wird sein "tödlicher lyrischer Schlag gegen Israel" gefeiert.

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  1. #450

    Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

    Zitat von rahelsu Beitrag anzeigen
    Sie schlagen ernsthaft vor, zu Beginn des Pessachfestes (das fängt nämlich auch dieses Wochenende an) unter Bezugnahme auf dieses sogenannte "Gedicht" zu "marschieren"? Welchen Geniestreich haben Sie denn für Yom Kippur im Gepäck? Mal wieder "nette Besuche" der arabischen Nachbarn? Und falls Sie nicht wissen, worauf sich Pessach bezieht, dann schlagen Sie doch ruhig mal nach...es geht um Flucht.

    So kann man sicher mein posting auch interpretieren.

    Oder aber auch so, wie ich es gemeint habe......
    die Ostermarschbewegung in Deutschland gibt es seit Beginn der 60er Jahre. In dieser Tradition gehen jedes Jahr zu Ostern Zehntausende Menschen in den größeren Städten der Bundesrepublik auf die Strasse, um gegen weltweit stattfindende Kriege zu protestieren.
    Die letzten Jahre ist es um die Friedensbewegung, trotz der weltweit eher zunehmenden Kriegsgefahr bedauernswerter Weise sehr ruhig geworden.
    Und ich habe mir in meinem Posting gewünscht, dass sich angeregt durch das Gedicht von Grass und der in Gang gesetzten Diskussion wieder mehr Menschen mit der weltweiten zerstörerischen Krieghetze und Kriegsgefahr auseinandersetzen und ihre Sorge im Ostermarsch zum Ausdruck bringen. Die Friedensbewegung geht nicht angeregt durch irgendwelche Gedichte auf die Strasse, sondern sie tut das seit über 50 Jahren, aus Sorge um den Weltfrieden. Und diese Sorge ist aktueller denn je.

    Die Kriegsgefahr, die der Friedensbewegung Sorge bereitet, geht von vielen Ländern aus, auch von der deutschen Regierung, die sich an Kriegseinsätzen weltweit auf unterschiedlichste Art beteiligt.
    Und unter vielen weiteren Staaten eben auch Israel. Und dass das Paschafest zufälligerweise mit dem Gedicht von Grass und den Ostermärschen zeitnah oder gar gleichzeitg stattfindet, ist weder die Schuld von Grass, noch der Friedensbewegung, noch die der Menschen mit jüdischem Glauben.
    Aber mit einem Posting wie dem Ihren, kann man natürlich erstmal einen populistischen Papierflieger losschicken. Zielführend ist eine solche Diskussion jedoch sicher nicht.
  2. #451

    Was nun?

    Spiegel-Online sollte sich ein neues Volk suchen, denn dieses hier ist widerspenstig. Es hört nicht mehr auf das, was hier in den Artikeln transportiert wird. Es hat eine eigene Meinung. Es ist nicht gleichgeschaltet. Es ist frei.
  3. #452

    Zitat von zur-zeit Beitrag anzeigen
    Auch wenn Grass ebensogut hätte schreiben können: "Iran ist eine Gefahr für den Weltfrieden" und er nun Applaus von der falschen Seite (Irans Regierung) für seine Israel-kritischen Worte erhält, so muss ihn ihn für seinen Mut zur Offenheit loben.
    Wo braucht es da denn Mut? Wir leben nicht im 3.Reich und nicht in der DDR, er riskiert genau gar nichts mit seinen Aussagen. Natürlich sagen andere nun ihre entgegengesetzten Meinungen, aber das gehört zur Meinungsfreiheit eben auch dazu, nicht wahr?

    "Mutig" ist, wer seine Meinung an Orten und zu Zeiten frei sagt, wo es wirklich etwas kosten kann - die Freiheit oder den Kopf. Der argumentative Gegenwind hingegen und die Kritik sollte doch jeder erwachsene Mensch aushalten können.
  4. #453

    Nachdenken!

    Zitat von deb2011 Beitrag anzeigen
    Wenn ich weiß, dass der, der mich auslöschen will, eine Atombombe baut, werde ich nicht so lange warten, bis er fertig ist. Das ist relativ einfach.
    Hat eigentlich irgendeiner von denen, die davon ausgehen, dass der Iran seine zukünftigen Atomwaffen dann auch gegen Israel anwenden würde, einmal daran gedacht, dass der Iran allein schon deshalb darauf verzichten müsste, weil in Israel selbst über 700.000 muslimische Araber mit israelischem Pass leben? Und in den besetzen Gebieten noch einmal über 4 Millionen? Die würden alle von einem Iranischen Atomschlag genauso betroffen werden wie die Israelis selbst.

    Selbst der verbohrteste Extremist würde das nicht tun, zur "Befreiung" Palästinas gleich alle Palästinenser mit zu killen.

    Wenn und falls Iran tatsächlich an Atomwaffen bastelt, dann in erster Linie, um eine Abschreckungswirkung zu erzielen. Dieselbe nämlich, die ISrael mit seinen Atomwaffen gegenüber seinen arabischen Nachbarn hat: Man kann Israel zwar hier und da ein wenig sticheln, aber ernsthaft militärisch bedrohen geht eben angesichts der A-Waffen nicht und das hat die letzten 50 Jahre auch gut funktioniert.

    Und, jetzt mal ganz ehrlich: Warum sollte diese Sicherheit nur Israel zustehen und niemandem sonst in der Region?

    ImÜbrigen hat Herr A. aus T. nie gesagt, dass er ISrael vernichten will, sondern immer nur, dass Israel eines Tages von der Landkarte verschwinden wird. Damit kann er alles mögliche meinen, zum Beispiel auch, dass sich ein Staat, derauf grausamer Unterdrückung, illegaler Landnahme und Vertreibung von Millionen im jahrzentelangen Unfrieden mit seinen Nachbarn nicht ewig halten können wird. Das Ende könnte dann aber auch durch langsamen Zerfall von innen passieren.
  5. #454

    Bitte genau lesen

    Zitat von akrisios Beitrag anzeigen
    Überdies redet Achmadinedschad in jeder 4. Rede davon Israel auslöschen zu wollen. Von Israel habe ich dies umgekehrt noch nicht einmal gehört oder gelesen.
    Der eine redet aggressiv, die anderen schicken sich an, aggressiv zu handeln. Der Unterschied in der Qualität liegt auf der Hand.

    Zitat von akrisios Beitrag anzeigen
    Also gänzlich eine polemische Fehlbehauptung. Das Israel einen Atomschlag gegen den Iran plant ist nicht nur neu in der Behauptung, es ist lächerlich.
    Grass hat auch nicht behauptet, dass Israel einen Atomschlag gegen den Iran plane. Er schreibt:

    Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
    der das von einem Maulhelden unterjochte
    und zum organisierten Jubel gelenkte
    iranische Volk auslöschen könnte,
    weil in dessen Machtbereich der Bau
    einer Atombombe vermutet wird.


    Was er damit andeutet ist, dass das behauptete Recht auf den (atomaren) Erstschlag Veranlassung dazu geben könnte, eben diesen zu führen und damit das iranische Volk auszulöschen, weil in seinem Machtbereich der Bau einer Atombombe lediglich (vermutet) wird. Grass äußert damit eine Befürchtung, aber er behauptet keinen Plan.
  6. #455

    nicht konsensfähig

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Günter Grass äußert sich erstmals zu seinem Israel-kritischen Gedicht: Nach weltweiter Kritik spricht der Nobelpreisträger von einer Kampagne gegen sich - und kritisiert die "Gleichschaltung der Meinung". Lob erhält er aus Iran, dort wird sein "tödlicher lyrischer Schlag gegen Israel" gefeiert.

    Umstrittenes Israel-Gedicht: Günter Grass beklagt "Gleichschaltung der Meinung" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Es gibt zwei Staaten in der Welt, denen offensichtlich alles erlaubt ist, was ihnen nützt. Besonders in der deutschen Politik besteht anscheinend Einhelligkeit darin, Maßnahmen dieser beiden Staaten nicht zu kritisieren.

    Für mich ist einer dieser Staaten Israel. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, brauche ich keinen Schriftsteller Grass.
    Israel provoziert durch seine Kriegspläne bzw. öffentlichen Kriegsvorbereitungen geradezu einen präventiven Militärschlag. Jedenfalls vor hundert Jahren und früher wäre dieses "Säbelrasseln" in der damaligen Staatenwelt für den Bedrohten ein berechtigter Anlaß für eine Präventivkrieg gewesen.

    Warum kann die israelische Regierung heute derart ungeniert mit dem Feuer spielen? - weil es Atomwaffen besitzt und daher letztlich konventionell nicht besiegt werden kann. Abgesehen davon hat es dank westlicher Unterstützung die modernste Armee der Region.

    Eine behauptetet Zerstörung des Staates Israel ist daher absolut unmöglich. Die üblichen hysterischen Sprüche von der drohenden Vernichtung des Staates sind nur Propaganda ohne reale Substanz. Gott sei Dank lassen sich heute immer weniger Menschen davon für dumm verkaufen.
    Hinter der angeblichen Gefahr für die Existenz des Staates verstecken die radikalen Elemente der Administration ihre Militanz und wahrscheinlich auch territoriale Ziele.

    Leider muss ich den Vorwurf erheben, dass es der Staat im Laufe seiner Geschichte nicht geschafft oder gewollt hat, mit seinen Nachbarn einen modus vivendi bzw. eine Art Koexistenz zu finden. Der tiefe Hass der Nachbarn ist aber die logische Konsequenz, wenn ein Partner sich für besonders auserwählt hält und nur auf die militärische Karte setzt. Ich denke auch, wenn Nachbarn sich spinnenfeind sind, dann ist nie einer allein daran schuld.

    Die Reaktion des hiesigen Zentralrates halte ich für völlig überzogen. Da frage ich mich schon: Sind diese Leute israelische Bürger oder gar eine politische proisraelische Sponsorgruppe? Wenn es die Interessensvertretung einer Religionsgemeinschaft sein sollte, dann vermisse ich, wie das bei anderen Religionsgemeinschaften der Fall ist, Engagements in vielen sozialen Bereichen der hiesigen Gesellschaft. Ich lasse mich aber gerne belehren.
  7. #456

    Sie sind also der Meinung dass

    Zitat von alibenzirfeld Beitrag anzeigen
    Natürlich lobt Teheran die Worte des Nobelpreisträgers.
    Aber ändert das irgendwas am Wahrheitsgehalt des Gesagten? Ich bewerte Grass' Worte als "Hinweis" auf etwas, was in der Tat gesagt werden muss.
    Kein Gedicht. Sondern klare Worte. Und die wütende Reaktion der offiziellen Meinungshoheit zeigt, wie notwendig solche Worte von Zeit zu Zeit sind.
    Das Missverhältnis zwischen "offizieller" und "inoffizieller" Meinung über die Causa Israel in diesem Lande ist schon kurios.
    Israel "den Weltfrieden gefährdet sowie das iranische Volk atomar auslöschen will"? Bei aller berechtigten Kritik an der Politik Israels gegenüber den Palästinensern, geht dies doch wohl zu weit. Ebenfalls zu weit geht der Hinweis auf die "nazistische Vergangenheit" von Grass, weil er als 17jähriger ein paar Monate in der Waffen-SS war. Nun sollte Grss nicht den Beleidigten spielen, denn wie man in den Wald hineinruft....
  8. #457

    Zitat von al.dente Beitrag anzeigen
    Dass Grass`Gedicht bei uns fast einhellig verurteilt wird, könnte er verkraften (obwohl er auf dem Holzweg ist). Aber das Lob aus dem Iran hat ihn für alle Zeiten ins Aus geschossen.
    Können sie auch erläutern, warum?
  9. #458

    Seitdem die Mauer in Israel steht....

    Zitat von mauritzius1949 Beitrag anzeigen
    Günter Grass hat mit seinem Gedicht recht.
    Israel ist im Nahen Osten eine Gefahr.
    Oder ist die Mauer, gegenüber den Palistinänsern nicht höher als die alte DDR Mauer in Berlin?
    Es wird Zeit, das man den Israelies entlich die Meinung sagt und nicht heuchlerisch die Füße küßt.

    ...gibt es weitaus weniger Terroranschläge der Palästinenser zu beklagen.
  10. #459

    Emotionen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Günter Grass äußert sich erstmals zu seinem Israel-kritischen Gedicht: Nach weltweiter Kritik spricht der Nobelpreisträger von einer Kampagne gegen sich - und kritisiert die "Gleichschaltung der Meinung".
    Nach meiner Beobachtung hat das Palästinenser-Israel-Problem und die Ohnmacht der arabischen Staaten, besonders die Missachtung des Beschlusses der UN-Vollversammlung von 1947, d. h. die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat, bei sehr vielen Menschen im Nahen Osten zu einem Hass gegen Israel geführt, der tief in ihnen verinnerlicht ist. Diese immer noch zunehmende psychologische Zeitbombe wird mittelfristig zu einer furchtbaren Kettenreaktion führen, mit schlimmen Folgen für das sogenannte Heilige Land.

    Auch die ständige Ausdehnung Israels durch Baumaßnahmen im Westjordanland, ist zusätzliches „Öl aufs Feuer“ und kann als Gefährdung des Weltfriedens interpretiert werden und als wahrer Propagandastoff für die Iraner.

    Günther Gauss hat lediglich aufgeklärt und eine nötige Wächterfunktion ausgeübt. Aber, - „die Wahrheit ist ein bitterer Trank – und wer ihn gibt, hat selten Dank – denn der Menge schwacher Magen - kann ihn nur verdünnt ertragen.“

    Die Israelis reagieren verständlicherweise emotional und etwas realitätsfremd, machen aus einer Maus einen Elefanten und tuen so ihrer Sache keinen guten Dienst.