Forum


 

Umstrittener Jugendroman: Verführung zum Nihilismus

"Nichts" heißt der Roman, sein Stoff ist finster: Ein Junge klettert auf einen Baum und bleibt dort sitzen, weil er im Leben keinen Sinn mehr sieht. Das Jugendbuch der Dänin Janne Teller ist ein Bestseller - und sorgt für heftige Kontroversen: Darf man junge Leser zu radikaler Skepsis verführen?

http://www.spiegel.de/kultur/literat...709274,00.html
  1. #80

    Warum bewirft er dann seine Mitschüler?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Nichts" heißt der Roman, sein Stoff ist finster: Ein Junge klettert auf einen Baum und bleibt dort sitzen, weil er im Leben keinen Sinn mehr sieht. Das Jugendbuch der Dänin Janne Teller ist ein Bestseller - und sorgt für heftige Kontroversen: Darf man junge Leser zu radikaler Skepsis verführen?

    http://www.spiegel.de/kultur/literat...709274,00.html
    Sähe er im Leben keinen Sinn, eräbe es auch keinen solchen, seine Mitschüler mit Pflaumen zu bewerfen.
    Was soll dieser unreife und inkonsequente Quatsch also?
    Wir haben schon genug Pessimismus und Infantilismus um uns. Ich lebe jedenfalls das Gegenteil, und bin glücklich damit.

    Wie meinte Mephisto über die Welt?
    "Denn alles was entsteht, ist wert das es zugrunde geht ..."
    Aber so spricht eben ein Mephisto - und Faust (der konzentrierte Wille spricht sich schon im Namen aus) widersteht! Schade daß Sie den Faust nicht nochmal empfehlen, sogar die Erschaffung eines künstlichen Menschen kommt darin schon vor!
  2. #81

    Sie schreiben natürlich ziemlichen Unsinn ...

    Zitat von Uhlenspigel Beitrag anzeigen
    Genau. Und weil "früher" die Menschen "sittlich gefestigt" waren, ist man mit einem Koppel, auf dem "Gott mit uns" statt, in fremde Länder einmarschiert und hat Tod und Verderben gebracht. Weil von Hitler und Konsorten die Werte hoch und runter dekliniert wurden (Vaterlandsliebe, Opferbereitschaft, Volksgemeinschaft usw.usw.) hat man ja vor lauter Werten KZ's bauen müssen (war ja, siehe "Mein Kampf, moralisch geboten). Und wer die Nazis nicht mag, ist vielleicht im protestantisch-preussischem Kaisertum gut aufgehoben, das den erste Weltkrieg mit Millionen Toten und einer ungemein wertebezogenen Kriegsführung (Giftgas u.a.) zu verantworten hat.

    Nene. Liebe unsere "nihilistische" Jugend als die "guten alten Werte".
    ... denn "Gehorsam" und die anderen Verbogenheiten und die resultierenden Unmenschlichkeiten sind der wirkliche Nihilismus, jedenfalls nicht das vielberufene "Christliche" der genannten Irrläufer, das nur Tarnung, aber nicht wirklich christlich war. Adoof sowieso nicht, der wollte den alten Odin wiederhaben - die Kirchen und der in ihren Lehren schlummernde ethische Individualismus waren ihm suspekt, er wollte das geführte Kollektiv ohne Gewissen.

    Wären die die von Ihnen genannten Verführten gewesen, was sie nach den wirklichen abendländisch-christlichen Werten sein müßten, wären die Katastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts nicht geschehen.
    Ein wirklicher Christ gehorcht niemandem außer sich selber, und will keinem Anderen befehlen.
    Selbstbesinnung, Selbsterziehung, Selbstüberwindung (z.B. der eigenen Bequemlichkeit und Unbeherrschtheit), also Forderungen, die jeder nur selber "entdecken" und an sich selber richten kann, sind die vergessenen Werte des Christentums.
    Da diese aber nicht befohlen, sondern nur selber gefunden, anerkannt und verwirklicht werden können, sind sie heute nicht oft zu finden - und da zu diesen Tugenden die Bescheidenheit gehört, sind sie meist nur für den Suchenden sichtbar.
  3. #82

    Es sind zwar nicht meine Worte ...

    Zitat von Klampfe Beitrag anzeigen
    Sie schrieben bereits vorher, dass Sie viel gelesen haben, das bedeutet, dass Sie schon über das Leben und dessen Sinn nachgedacht haben und aus diesen Gedanken Ihre Ansichten und Ihren Glauben gebildet haben. Ohne das Lesen wären Sie nicht die Person, die Sie heute sind. Also müssen .....
    ... aber diese Gedanken haben zumindest Sie und ich gemeinsam. Vielen Dank.
  4. #83

    Schön, daß Ihnen das auch aufgefallen ist ...

    Zitat von Spaghettimonster1 Beitrag anzeigen
    Bin ich eigentlich der Einzige, der sich abseits von der Einflussfrage über den vermeintlichen Gehalt der angeblich nihilistischen Äußerungen in diesem Buch wundert?
    Ich zitiere mal aus der Leseprobe: »Nichts bedeutet irgendetwas«, sagte er. »Das weiß ich schon lange. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.«

    Inwiefern diese Sätze im Buch weiter reflektiert werden, weiß ich nicht, aber in in dieser Form sind sie nahezu sinnlos. Was der Aussagesatz "Nichts bedeutet irgendetwas" bedeuten soll - who knows. Eine vollkommen gehaltlose Aussage, sofern diese nicht weiter präzisiert wird: wieso sollte überhaupt etwas etwas bedeuten? Zunächst: was? Gegenstände? Handlungen? Menschen? Oder soll hier alles zusammen zu einem Abstraktum aufgebäht werden? Welche Bedeutung? Wird das Wort Bedeutung hier synonym zu "Sinn" verwendet oder zu "Wichtigkeit"? Der Ausdruck ist offenbar mehrdeutug. Und wieso soll der Bedeutungsgehalt von etwas in direktem Verhältnis zu menschlichen Handlungen stehen, sodass es sich nicht mehr lohne, diese weiter auszuführen?

    Diese Art der völlig unreflektierten Sprachverwendung, wobei jene Sätze in der Leseprobe gebetsmühlenartig wiederholt werden, ohne diese in irgendeiner Form weiter auszuführen, halte ich für äußerst fragwürdig. In dieser Form zumindest handelt es sich bei den Sätzen um leere Rhetorik, die höchstens einen psychologischen Effekt auf den Rezipienten ausübt. Lächerlich wirkt es zudem, wenn Journalisten derartiges nicht weiter hinterfragen.
    ... ich befürchtete nämlich schon, lauter Nicht-Denker um mich zu haben. Vielen Dank!
  5. #84

    Nachdnken wird als bedrohlich empfunden

    Die existenziellen Fragen, mit denen sich die Autorin an die Jugend wendet, haben ja nicht mal für uns Erwachsene eine größere Relevanz.

    Egal mit wem ich (im Freundes-, Kollegen- oder Familienkreis) versuche, mal ganz ungezwungen über das Leben an sich zu philosophieren - es verliert sich jedesmal in einem konturlosen Disput. Was ich zu hören bekomme, sind dann die immer gleichen hilflosen Floskeln à la "Worüber du dir alles so Gedanken machst... " oder "Sorry, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht!" usw. usf. Allenthalben selbstverordnete Denkverbote oder Denkfaulheit. Bestenfalls Spontandünkel als aufgeladene Selbstbehauptung angesichts der drohenden Erkenntnis, sich schlichtweg nie wirklich Antworten zu vielen Fragen des Lebens gegeben zu haben. Die man dann leider auch nicht parat haben kann, wenn das Thema mal darauf kommt ...

    Mich bekümmert diese flächendeckende, vor Banalität nur so strotzende, oberflächliche Schwatzmentalität, denn nicht nur unsere Jugend ist (vermutlich mehrheitlich) an tieferer Reflexion desinteressiert, sondern ganz genauso auch alle darauf folgenden Altersklassen. Selbst die viel gepriesenen angeblich so "altersweisen" Senioren kenne ich nicht - keinen einzigen. Unterhaltungen mit denen ersticken förmlich in ihrem Absonderungsbrei aus albernen Platitüden und angstgesteuertem Jammergeschwafel.

    Aber ich behaupte, das war zu allen Zeiten so. Dieser ewige Tunnelblick auf die pöse pöse Jetztzeit mit ihrer angeblichen Verkommenheit und Sittenlosigkeit - in meinen Augen alberner Schwachsinn.
  6. #85

    Der klettert schon wieder runter, wenn er Hunger hat.

    Der klettert schon wieder runter, wenn er Hunger hat.
  7. #86

    Unsinn

    Zitat von obreot Beitrag anzeigen
    Die Wahrheit über die Sinnlosigkeit vieler Aspekte des Lebens ist Jedem zuzumuten.
    Nichtsdestotrotz kann man ein sinnloses Leben sinnvoll gestalten.
    - zum Beispiel, indem man ein Buch über die Sinnlosigkeit des Lebens schreibt.
  8. #87

    ..

    Zitat von brain_in_a_tank Beitrag anzeigen
    Wirklich nicht?
    Das Deutsche Kaiserreich bestand 1871-1918.
    Nietsche lebte von 1844-1900, also hatte das Kaiserreich doch einen der lautesten Vertreter, oder?
    Ok, Schopenhauer war zu der Zeit gerade frisch am Verwesen (1788-1860) und, obwohl einer der der Wegbereiter, kein wirklicher Nihilist.
    Jo, aber es war - siehe mein Post - kein Massenphänomen. Wenn sie 100 zufällig ausgewählte Untertanen des Kaisers zu ihrer Werteorientierung befragt hätten, bin ich sehr davon überzeugt, dass genau 100 zwar den Wertekanon des Kaiserreiches runterbeten, aber niemand Nietsche hätte zitieren können.
  9. #88

    Antwort 2

    weiter gehts...

    Zitat von Anthrophilus Beitrag anzeigen
    Adoof sowieso nicht .. die Kirchen und der in ihren Lehren schlummernde ethische Individualismus waren ihm suspekt, er wollte das geführte Kollektiv ohne Gewissen.
    Schon wenn ich "Mein K(r)ampf" lese, wird deutlich, dass dies nicht stimmen kann. Hitler hat klar definiert, was "Gewissen" seiner Meinung nach bedeutet; und dass jeder "ordentliche" Deutsche aufgefordert ist, sich nach diesem Gewissen für oder gegen "die Bewegung" zu entscheiden. Auch die RAF, bin Laden, etc. haben immer ihre "drastischen" Methoden mit wertebegründeten Gewissensentscheidungen unterlegt. Jetzt können Sie in eine Diskussion eintreten a la "das war/ist doch kein Gewissen!", nur befinden Sie sich dann in der Situation, in der sich der Protestant und der Katholik wechselseitig vorwerfen, nicht wirklich an Gott zu glauben.

    Zitat von Anthrophilus Beitrag anzeigen
    Wären die die von Ihnen genannten Verführten gewesen, was sie nach den wirklichen abendländisch-christlichen Werten sein müßten, wären die Katastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts nicht geschehen.
    Ein wirklicher Christ gehorcht niemandem außer sich selber, und will keinem Anderen befehlen.
    Was "wirkliches Christentum" sein soll - diese Diskussion befindet sich in einem Spannungsfeld, in dem sich von Ihrer Position bis zur Legitimation von Massenmord alles finden lässt. Die Bibel ist so frei, für jede Interpretation auch eine geeignete Textstelle anzubieten; oder denken Sie, dass es ein Zufall ist, dass sich sowohl die Verfechter der Sklaverei in den USA wie deren Gegner letztlich auf die Bibel beriefen? Was Christentum sein soll, ist daher letztlich beliebig; das lehrt der Blick in die Geschichte.

    Zitat von Anthrophilus Beitrag anzeigen
    Selbstbesinnung, Selbsterziehung, Selbstüberwindung ... also Forderungen, die jeder nur selber "entdecken" und an sich selber richten kann, sind die vergessenen Werte des Christentums.
    Da diese aber nicht befohlen, sondern nur selber gefunden, anerkannt und verwirklicht werden können, sind sie heute nicht oft zu finden - und da zu diesen Tugenden die Bescheidenheit gehört, sind sie meist nur für den Suchenden sichtbar.
    Ich kann Ihnen jeden "Wert" (oder Tugend) mit einem Gegenbeispiel demontieren und zeigen, dass die Frage, ob ein "Wert" positiv oder negativ wirkt, letztlich kontextbezogen ist. Wieder sind Sie nicht vor sich selbst auf der Hut: Die Tatsache, dass Sie selbst ein positiv besetztes Denkmodell Ihrer "Tugend" haben, heisst ja nicht, dass dieses Modell allgemeingültig ist. Die Begriffe "Selbstbesinnung, Selbsterziehung, Selbstüberwindung" sind etwa so allgemein, dass ich sie ohne Probleme auf Stalin anwenden könnte.
  10. #89

    Warum

    erwarten die meisten Leute eigentlich immer, dass 'der Sinn des Lebens' von außen kommt, da ist, passiert, geschieht? Und sind beleidigt, wenn das nicht stattfindet?
    Und nehmen das als Beweis für 'Hat ja doch alles keinen Zweck'?
    Das ist eine passive und bequeme Haltung und sie macht frei von Verantwortung. Die Intention scheint zu lauten: Dass da Nix oder Niemand ist, ist zwar unerfreulich, aber nicht meine Schuld, im Gegenteil, ich kann mich darüber beklagen und dem lieben Gott oder wem immer, an den ich deshalb nicht glaube, bittere Vorwürfe machen.
    Außerdem wirkt es so angenehm aufgeklärt und intellektuell, man setzt sich in ein kultivierteres Licht als irgendwelche treuherzigen oder fanatischen Dummchen, die noch 'glauben'...
    Talk Talk hat es wunderbar auf den Punkt gebracht (und der geniale Fatih Akin hat es punktgenau in seinem Film 'Gegen die Wand' eingefügt) Baby, Life's What You Make It...








TOP



TOP