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Umstrittene Kindermedizin: "Viele Frühchen haben eine faszinierende Lebenskraft"

In der*Kölner Uniklinik überleben besonders viele Frühchen, teils schon in der 22. Schwangerschaftswoche. Eine*benachbarte Frauenklinik*verweigerte einem*ähnlich jungen Kind*die Hilfe,*es starb - jetzt muss ein Gericht entscheiden. Die*Ärztin*Angela Kribs über Leben, das sehr nah am Tod beginnt.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...803651,00.html
  1. #1

    Ein wichtiger Parameter für die Entwicklung der Intelligenz des Kindes ist die Schulbildung der Mutter.
    So ein Schwachsinn! Unser Extrem-Frühchen hatte eine Hirnblutung und kann weder laufen noch sprechen und ist blind. Was hat das mit unserer Schulbildung zu tun?
    Ich hatte in den letzten Jahren Kontakt zu vielen Eltern anderer Frühchen und habe viele Kinder kennengelernt denen es ähnlich schlecht geht. Von daher finde ich auch die Behauptung
    in 50 bis 70 Prozent der Fälle kann es zu einer Störung der geistigen Lernfähigkeit kommen
    für schamlos untertrieben. Hier geht es doch in erster Linie darum, die hohen Kosten für die Perinatalmedizin zu rechtfertigen, und erst in zweiter Linie um die Kinder, die Eltern und deren Schicksal.
  2. #2

    Ich würde mir eine weniger einseitige Darstellung wünschen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der*Kölner Uniklinik überleben besonders viele Frühchen, teils schon in der 22. Schwangerschaftswoche. Eine*benachbarte Frauenklinik*verweigerte einem*ähnlich jungen Kind*die Hilfe,*es starb - jetzt muss ein Gericht entscheiden. Die*Ärztin*Angela Kribs über Leben, das sehr nah am Tod beginnt.

    Umstrittene Kindermedizin: "Viele Frühchen haben eine faszinierende Lebenskraft" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Ich habe mehrere Freundinnen, die als Ärztinnen auf Frühgeborenen-Intensivstationen arbeiten und mir erscheint die Darstellung des speziellen Falles (im Artikel von vor einigen Tagen) und der Möglichkeiten und Grenzen der Medizin in so einem frühen Stadium im Allgemeinen doch erschreckend einseitig.

    So, wie es hier dargestellt wird, wirkt es, als könnte man viele Kinder (und auch das, um das es in dem Gerichtsverfahren geht) unproblematisch retten und es wäre nur unmenschlich und bürokratisch von den Ärzten, dies nicht zu tun.

    In Wirklichkeit kann es manchmal sehr viel menschlicher sein, diese kleinen Wesen einfach gehen zu lassen. Viele (wieviel % genau, wurde im Artikel ja nicht gesagt, aber es ist schon ein großer Anteil) überleben nur mit wirklich schwerwiegenden Behinderungen, können vielleicht niemals reden, laufen, autonom werden. Hirnblutungen sind nämlich nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel. Die Haut ist so papierdünn, dass die Babies nach der Wiederbelebung am Thorax offene Fleischwunden haben, die sich sehr leicht entzünden können. Viele überleben auch einfach garnicht. Und vorher haben sie und ihre Eltern ein monatelanges Martyrium vor sich. Es wäre eigentlich sinnvoll, wenn Eltern, die vor einer solchen Entscheidung stehen, sich einmal mit Eltern unterhalten können, deren Frühchen in genau dieser Lage war und wie sie die Situation jetzt beurteilen. Hierfür wären im Artikel auch genau Zahlen über Anteil und Schwere der Schädigungen in diesem Alter sinnvoll gewesen.

    Und bezüglich der Entscheidung der Ärzte: Ärzte sind auch nur Menschen, die in dieser Situation jedoch Entscheidungen über Leben und Tod treffen MÜSSEN. Dabei muss man ihnen manchmal auch Hilfestellungen und Regeln zur Absicherung geben. Grundsätzlich ist doch eher das Problem, dass Ärzte, aus Angst, etwas falsch zu machen, lieber zu viel behandeln und wiederbeleben, als zu wenig. Was auch Leid schaffen kann. Jedenfalls ist das das, worüber ich mir ebenfalls große Sorgen machen würde. Alles zu tun, was getan werden kann, weil man es eben kann.

    Wenn eine Abtreibung zum Bsp. überlebt, muss das Kind wiederbelebt werden, auch wenn es dann schwer behindert ist. Dabei war man sich vorher einig, dass es sterben sollte. Aber vorsichtshalber werden die Ärzte es wiederbeleben.

    Was ist denn, wenn das Kind am Ende trotz aller Maßnahmen mit hoher Wahrscheinlichkeit am Ende schwer behindert ist? Dann verklagen die Eltern die Klinik ebenfalls? Wie die Ärzte es machen, man macht ihnen Vorwürfe.

    Irgendwann muss jedoch auch Schluss sein. Wie gesagt, in anderen Ländern ist dies sehr viel schneller der Fall.

    Insgesamt denke ich, dass es wichtig ist, mit den Eltern zu reden, ihnen die Chancen und Risiken realistisch darzustellen, und dann gemeinsam zu entscheiden. Soweit ich weiß, ist dies in der Regel aber auch der Fall.
  3. #3

    Die wahren Experten

    Zitat von Kollege4711 Beitrag anzeigen
    ...Ich hatte in den letzten Jahren Kontakt zu vielen Eltern anderer Frühchen und habe viele Kinder kennengelernt denen es ähnlich schlecht geht. ...
    Weshalb werden nicht betroffene Eltern gefragt wie Kollege4711? Sie sollten einen Arbeitskreis zur Politikberatung gründen und Experten einladen dürfen. Diese Eltern allein können lebensnahe Empfehlungen geben. Und vielleicht sind sie auch die einzigen, die den Eltern verstorbener Frühchen etwas Trost spenden können.

    Ich kann den Eltern behinderter frühgeborener Kinder und denen, deren Frühchen verstorben sind, nur aus ganzem Herzen viel Kraft wünschen und Menschen, die sie unterstützen.
  4. #4

    Zitat von Kollege4711 Beitrag anzeigen
    So ein Schwachsinn! Unser Extrem-Frühchen hatte eine Hirnblutung und kann weder laufen noch sprechen und ist blind. Was hat das mit unserer Schulbildung zu tun?
    Nichts! Hat aber auch keiner Behauptet, dass es so wäre.

    Zitat von Kollege4711 Beitrag anzeigen
    Ich hatte in den letzten Jahren Kontakt zu vielen Eltern anderer Frühchen und habe viele Kinder kennengelernt denen es ähnlich schlecht geht. Von daher finde ich auch die Behauptung

    für schamlos untertrieben. Hier geht es doch in erster Linie darum, die hohen Kosten für die Perinatalmedizin zu rechtfertigen, und erst in zweiter Linie um die Kinder, die Eltern und deren Schicksal.
    Diese Aussage bezieht sich vermutlich nur auf die Frühchen in der genannten Klinik.
    Abgesehen davon haben sie vermutlich nicht zu so vielen Eltern mit Frühchen Kontakt, dass sie einen simplen Stichprobenfehler ausschließen können.
  5. #5

    Zitat von Kollege4711 Beitrag anzeigen
    So ein Schwachsinn! Unser Extrem-Frühchen hatte eine Hirnblutung und kann weder laufen noch sprechen und ist blind. Was hat das mit unserer Schulbildung zu tun?
    Ich hatte in den letzten Jahren Kontakt zu vielen Eltern anderer Frühchen und habe viele Kinder kennengelernt denen es ähnlich schlecht geht.
    Den Punkt hatte ich glatt vergessen.

    Das im Artikel genannte Argument mit der Bildung der Eltern mag zwar grundsätzlich für Schwangerschaftsrisiken zutreffen, dies jedoch als wichtigsten Faktor für die spätere Entwicklung von Frühchen darzustellen, finde ich sehr seltsam. Ich dachte, die Reife und das Alter des Frühchens wären entscheidend für die spätere Entwicklung. Je JÜNGER, je UNREIFER, desto MEHR Hirnblutungen und schwerste Schädigungen. Insofern finde ich diesen Artikel wirklich sehr einseitig und übertrieben positiv, da er die tatsächlichen Risiken und Zahl der Schädigungen, die realistisch zurückbleiben, nicht nennt. Leichte Aufmerksamkeitsdefizite wären ja nun wirklich nicht das Problem.
  6. #6

    Zitat von wischmopp Beitrag anzeigen
    Nichts! Hat aber auch keiner Behauptet, dass es so wäre.
    Doch, genau das wird am Ende des Artikels gesagt.
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der*Kölner Uniklinik überleben besonders viele Frühchen, teils schon in der 22. Schwangerschaftswoche. Eine*benachbarte Frauenklinik*verweigerte einem*ähnlich jungen Kind*die Hilfe,*es starb - jetzt muss ein Gericht entscheiden. Die*Ärztin*Angela Kribs über Leben, das sehr nah am Tod beginnt.

    Umstrittene Kindermedizin: "Viele Frühchen haben eine faszinierende Lebenskraft" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Es ist schwer zu diskutieren mit Ärzten, die sich nicht adaequat ausdrücken (können), Journalisten, die die Problemstellung nicht begreifen und einem breiten Publikum, dass vorwiegend emotional reagiert. Die Ärztin betont mit Recht, dass Therapieentscheidungen immer Einzelfallentscheidungen sind, insbesondere aber in dem Graubereich, um den es hier geht. Eine Aussage, wir behandeln dann usw, ist allerdings katastrophal, weil sie so verstanden wird, dass Hilfe in anderen Fällen verweigert wird. Das wäre tatsächlich ein Verbrechen.
    Tatsächlich geht es aber immer um adäquate Therapie und die kann auch in einer humanen Sterbebegleitung liegen. Gemeint von der Ärztin war unter Behandlung wohl ausschließlich die Intensivtherapie. Wie die Ärztin ausführt, ist da inzwischen weniger, d.h. ein weniger agressives Vorgehen, mehr.
    Es kann nicht darum gehen, unter allen Umständen sinnlose Intensivmaßnahmen durchzuführen, die mit großer Wahrscheinlichkeit nur Leiden verlängern und im "günstigsten" Fall Schwerstbehinderte zurücklässt. Da können die Möglichkeiten einer Uniklinik im Einzelfall auch größer sein, als anderswo.
    Der Fall um den in Köln gestritten wird war kein medizinisches, sondern ein Kommunikationsdesaster!
  8. #8

    Zitat von soniesque Beitrag anzeigen
    Doch, genau das wird am Ende des Artikels gesagt.
    "Ein wichtiger Parameter für die Entwicklung der Intelligenz des Kindes ist die Schulbildung der Mutter."

    Mindestens Hirnblutung und Blindheit haben ja wohl nichts mit der Intelligenz zu tun. Bei Laufen und insbesondere Sprechen muss ein Neurologe oder Psychologe sagen, in wie weit das von der Intelligenz abhängt.
    Ich gehe davon aus, dass die Aussage von Angela Kribs sich auf die kognitiven Fähigkeiten bezieht.
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In der*Kölner Uniklinik überleben besonders viele Frühchen, teils schon in der 22. Schwangerschaftswoche. Eine*benachbarte Frauenklinik*verweigerte einem*ähnlich jungen Kind*die Hilfe,*es starb - jetzt muss ein Gericht entscheiden. Die*Ärztin*Angela Kribs über Leben, das sehr nah am Tod beginnt.

    Umstrittene Kindermedizin: "Viele Frühchen haben eine faszinierende Lebenskraft" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Es gab einen Fall, da verklagte eine seit Geburt behinderte Frau ihre Mutter, bzw. den Arzt der Mutter, bzw. noch spezielle die Haftpflicht des Arztes, weil sie *nicht abgetrieben* wurde. Sie argumentierte dass ihre starke Behinderung absehbar war, und man somit für ihre Qualen verantwortlich ist. Und sie gewann das Verfahren in erster Instanz und bekam eine Art Schmerzengeld zugesprochen.

    Ich hab per Google nie ein Revisionsurteil gefunden, das geschah hier in Deutschland an einem kleinen Amtsgericht. Bei Zweifeln setz ich mich nochmal an Googel und such das erste Urteil raus.

    Insofern find ich es ziemlich skuril die Ärzte jetzt an den Pranger zu stellen.
    Vorstellbar ist z.B. folgende Situation: kleines Krankenhaus ruft auf spezialisierter neonataler Intensivstation an: wir haben hier vermutlich ein Frühchen, habt ihr einen Bettplatz frei. Spezialisierte Station sagt: "sorry, wir sind volbelegt".
    Jetzt kannst du als kleines Krankenhaus folgende Optionen überlegen: versuchen mit heimischer, unzureichender Technik das Frühchen am Leben zu erhalten bis ein Platz auf einer nahen spezialisierten ITS frei wird, oder per Hubschrauber-Transport in eine ganz andere Region fliegen wo es einen freien ITS-Platz gibt. Aber das mit allen Risiken der Verlegung.

    Z.B. kann man in einer Hubschrauber-Verlegung weniger Intervention betreiben, und jede Minute zu geringe Sauerstoffversorgung schädigt dann die Organe wieder ein Stück weit. Die moderne Intensivmedizin kann sehr viel, aber oft können wir nur den Körper stabilisieren, aber nicht Neuronen/Hirnzellen vor Sauerstoff-Unterversorgung schützen. Jetzt bei dieser ethischen Gratwanderung die Ärzte anzugreifen, schwierige Sache.
    Ich bin als Pfleger auf ITS immer ganz froh, dass da ein Arzt steht und sagt: "ok, wir erreichen keine Angehörigen telefonisch, aber wir haben eine schwammig formulierte Patientenverfügung und die reicht uns jetzt nicht bei der 96jährigen/der 22Wochen alten Patienten den kompletten Maschinenpark der Station aufzufahren.". Das sind extrem schwere Entscheidungen die man da treffen muss.

    Alternative wäre, man verzichtet komplett auf die Möglichkeiten der modernen Intensivmedizin, dann stellen sich viele der Fragen gar nicht, oder andere Alternative, man rettet jedes Leben, auch die 21.te Frühgeburt mit 90% auf Hirnschäden, auch die 104jährige mit multiplen Vorerkrankungen. Wenn man nicht so absolut entscheiden will, kann man die Praktiker die im Alltag schnelle ethische Entscheidungen fällen müssen, nicht so an den Pranger stellen.








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