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Umschulungen: Schlecker-Frauen sollen sich um Kinder und Alte kümmern

dapdNach der Schlecker-Pleite sind Tausende Beschäftigte auf der Suche nach einem neuen Job. Den könnten sie laut Arbeitsministerin von der Leyen in Kitas und Altenheimen finden. Die Zahlen zu bereits entlassenen Mitarbeitern sind laut Arbeitsagentur wenig beruhigend.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...837625,00.html
  1. #40

    Realitätsverlust

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nach der Schlecker-Pleite sind Tausende Beschäftigte auf der Suche nach einem neuen Job. Den könnten sie laut Arbeitsministerin von der Leyen in Kitas und Altenheimen finden. Die Zahlen zu bereits entlassenen Mitarbeitern sind laut Arbeitsagentur wenig beruhigend.

    Schlecker-Mitarbeiter sollen sich um Kinder und Alte kümmern - SPIEGEL ONLINE
    Ich frage mich so manches Mal, in welcher Parallelwelt viele Politiker leben. Als Erstes muss die Bezahlung der pädagogischen Fachkräfte so gut sein, dass sich 1. mehr für diesen Beruf interessieren und 2. eine Ausbildung und Tätigkeit anstreben. Beide Berufe werden so mies bezahlt, dass man schon ein geborener Idealist sein muss, um dort tätig sein zu wollen.

    Sicherlich ist die eine oder andere Schlecker Verkäuferin für eine Tätigkeit im pädagogischen oder pflegerischen Bereich geeignet. Ich denke, dass das aber nur ein Bruchteil der arbeitslos werdenden Mitarbeiter ist.

    Mir schmeckt die Idee überhaupt nicht, dass die genannten Tätigkeiten für Umschüler passend sein sollen. Wer sich schon mit dem Thema "Umschulung" befasst hat, weiß, wovon ich spreche. Meiner Meinung nach muss man für diese Bereiche "brennen", empathisch sein und mit kleinen Kindern bzw alten Menschen nicht nur gut umgehen, sondern ganz und gar auf sie eingehen können. In den Anforderungsprofilen für die Berufsbilder Verkäuferin und pädag. Fachkraft/Altenpfleger liegen Welten.

    Es spricht allerdings Bände für Frau von der Leyen und ihre Sichtweise, dass sie der Ansicht ist, wer Waschmittel und Zahnpasta verkauft eignet sich im Zuge einer massenhaft zu erfolgenden Umschulung ebenso als pädagogische Fachkraft oder Altenpfleger. Ich hoffe immer noch, dass sie falsch zitiert wurde.
  2. #41

    Anerkennung

    Zitat von casparman Beitrag anzeigen
    . Aber insgesamt ist das so wie mit meinem eigenen Hab und Gut: Ich hab´s bezahlt, also kann ich es auch verkaufen oder kaputt machen, wann immer ich Lust dazu habe.
    Na wie gut, dass es auch Unternehmer mit sozialer Verantwortung und einem Horizont über den eigenen Tellerrand gibt.
  3. #42

    Doch, dass passt schon!

    Zitat von HaPeGe Beitrag anzeigen
    Entschuldigung, was hat der Tarif für Zeitarbeitnehmer mit dem Tarif für MA's von Schlecker zu tun ? Zumal es anfangs überhaupt keinen Tariflohn gab bei Schlecker ? Erst am 1. 6. 2010 meldet die "Süddeutsche", dass es zu einem Tarifabschluss mit Schlecker gekommen ist. Ihre Argumente passen hinten und vorne nicht .
    Also Tarife bei Schlecker gab es schon vor Verdi in den 90ern. Demzufolge wird auch die SD nicht behauptet haben, dass es 2010 erstmals zu einem Tarifabschluss kam.

    Dann schreiben Sie ja selbst, dass Sie für gerechte Löhne sind. Im Gegensatz zu mir lassen Sie allerdings offen, was Sie denn genau unter „gerecht“ verstehen. Bei mir ist es wie gesagt „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ohne wenn und aber. Sollten Sie das ebenso sehen, dann gehen wir da konform. Nur, dann wird Ihr Eintreten für den skandalösen Zeitarbeitstarif der DGB-Gewerkschaften unerklärlich, weil der eben diese Gleichbezahlung verhindert. Und mit Schlecker hat das insoweit zu tun, dass dieser über eine Zeitfirma den DGB-Zeitarbeitstarif zur Kostensenkung nutzte.

    Leider nicht nur Schlecker, dieser DGB-Zeitarbeitstarif wird vom ersten Tag an in weiten Teilen der Wirtschaft zur Senkung der Lohnkosten genutzt und ermöglicht ein skrupelloses Ausbeutersystem mit der Folge, dass Firmen, die ihre Festangestellten Mitarbeiter ordentlich bezahlen wollen, nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Also zumindest ich kann da die Stelle nicht finden, wo ich diesen angeblichen Arbeitnehmervertretern Beifall klatschen sollte.

    Sollten es die DGB-Gewerkschaften mit der Arbeitnehmervertretung wirklich ernst meinen, dann müssten sie diesen Zeitarbeitstarif sofort kündigen und keinen neuen abschließen. Damit tritt dann die gesetzliche Regelung in Kraft.
  4. #43

    Schnellausbildung?

    Zitat von Plasmabruzzler Beitrag anzeigen
    Vergessen Sie dabei bitte nicht: eine ausgebildete Erzieherin fängt im mittleren Dienst (Entgeltgruppe 5 bzw. 6) an und kann bis zur Entgeltgruppe 8 kommen (höchste Stufe derzeit mit ca. 2800 Euro brutto).
    Eine schnell angelernte Kraft darf wegen der ungleichen Qualifikation nicht im mittleren Dienst arbeiten und erhält max. E4 (höchste Stufe derzeit mit ca. 2300 Euro brutto). Da kann der Staat/das Land/die Gemeinde ordentlich sparen.
    Korrekt soweit.
    Das Problem ist, dass es sich um zwei verschiedene Sachen handelt.
    "Staatlich anerkannte Erzieherin" ist eine Ausbildung, die mind. 4-5 Jahre dauert und einen Realschulabschluss erfordert, in einigen BL vermehrt auch Fachhochschulreife.

    Gibt es jetzt entweder
    a) Schnellkurse/Quereinsteigerkurse mit fragwürdigen Ausbildungsmethoden (siehe hier: Alleinerziehende machen Erzieherausbildung als Leiharbeiter - SPIEGEL ONLINE) und Leute dürfen sich dann "Erzieher" nennen. Das Niveau läßt sich locker senken. Fachkräftemangel sei Dank. Die Qualifikation *kann* nicht gegeben sein, aber man erhält sich den äußeren Schein oder

    b) werden "Hilfskräfte" produziert, die dann auf E3 arbeiten? Das würde zwar der Qualifikation entsprechen, aber das ist dann Niederlohnsektor (Eine Kinderpflegerin verdient im Eingangstarif, Lohnsteuerklasse 1 etwa 1.200 Euro netto. Vollzeitjob. Ich weiß nicht, ob ein Schlecker-Marktleiter weniger verdient hat?)
  5. #44

    Schlecker-Umschulungen

    Einige Fähigkeiten bringen die Beschäftigten von Schlecker mit um Erzieher oder Altenpfleger zu werden: -Stressresistenz, Eigenverantwortlichkeit - und Fähigkeit mit Kunden umzugehen.

    Ich würde auch gern Erzieher werden, aber das Amt bezahlt soweit ich gehört habe keine Umschulung, wenn man aufgrund einer Krankheit weniger Stressresistent ist als andere. Insofern sollten die Kritiker mal die Kirche im Dorf lassen und in Erwägung ziehen das, was der Eine Mann oder die Eine Frau gelernt hat, auch der oder die Andere lernen kann.
    Was mir noch einfällt: In Punkto Kundenfreundlichkeit habe ich eine positive Filiale kennengelernt und eine Negative.
  6. #45

    Dass..

    Zitat von karlgutknecht Beitrag anzeigen
    Im Gegensatz zur toten Solarbranche, in der jeder Arbeitsplatz nach wie vor mit horrenden Subventionen der direkten und indirekten Art gestützt wird, interessiert sich niemand groß um das Schicksal der meist weiblichen Angestellten von Schlecker.
    Mit dem Hinweis auf die Chancen im Pflege- Gesundheitsdienst, sowie im Bereich der Erziehung, Kindertagesstätten etc., hätte man genauso gut ......
    ..es heute noch das "Ossi Bashing"gibt ist schon erschreckend genug,dass sie aber auch noch die Vernichtung der Arbeitspläzte in der Solarbranche befürworten nur damit Sie an der EEg Umlage sparen,aber sich Ihr täglichen Kasten Bier leisten können, ist schon menschenverachtend!
  7. #46

    Och Joh!

    Zitat von HaPeGe Beitrag anzeigen
    Die Schlecker-Frauen haben ihren Arbeitsplatz verloren, weil die Firma Schlecker Insolvenz anmelden musste ! Diese Insolvenz haben nicht die Schlecker-Frauen verursacht, sondern die Unternehmensstrategie und die Unternehmensführung von Anton Schlecker, denn er war alleinverantwortlich. Das ist einzig und allein der Grund für die jetzige Situation !

    Was die Umschulungen für die Schlecker-Frauen angeht, so fühle ich mich, wieder einmal, in meiner Ansicht bestätigt, dass unsere Politikerinnen und Politiker jeglichen Bezug zur Realität verloren haben.
    Da pflichte ich Ihnen bei. Hätte Anton Schlecker vor Jahrzehnten nicht diese Firma eröffnet, wären nicht tausende Mitarbeiter Jahrzehntelang in Lohn und Brot gewesen, hätte der Staat nicht Abermillionen an Steuern kassiert.
    Ein wahrer Teufelskerl, jetzt einfach Insolvenz anzumelden und seinen Mitarbeitern nicht den Arbeitsplatz bis zur sicheren Rente zu garantieren!
    Wo kommen wir da bloß hin, wenn von 40-Jährigen dreist gefordert wird, noch einmal die "Schulbank" zu drücken um etwas Neues zu lernen!
  8. #47

    Zitat von Eva1230 Beitrag anzeigen
    Ich frage mich so manches Mal, in welcher Parallelwelt viele Politiker leben. Als Erstes muss die Bezahlung der pädagogischen Fachkräfte so gut sein, dass sich 1. mehr für diesen Beruf interessieren und 2. eine Ausbildung und Tätigkeit anstreben. Beide Berufe werden.....
    Sie haben richtig argumentiert, aber Sie haben die Ministerin schon richtig verstanden. Soziale Berufe gelten in diesem Land als nichts Anderes als Kostenfaktoren. Außerdem kann die AL-Statistik so schön bereinigt werden. Wenn die Ex-Schlecker-Kräfte erst einmal in Hartz-IV landen, wird nach deren Berufswünschen eh nicht mehr gefragt, da ist die im GG vorgeschriebene freie Berufswahl nur noch Makulatur. Das Lustige ist ja dabei, dass u.a. Frau v.d. Leyen und die deutsche Öffentlichkeit den Hartz-IV-Empfängern sonst nicht zutrauen, dass sie in der Lage sind, sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern. ;-)
  9. #48

    Friss oder stirb?

    Zitat von coraccorioredannae Beitrag anzeigen
    Einige Fähigkeiten bringen die Beschäftigten von Schlecker mit um Erzieher oder Altenpfleger zu werden: -Stressresistenz, Eigenverantwortlichkeit - und Fähigkeit mit Kunden umzugehen.
    Um ein gutes Elterngespräch zu führen braucht es *ganz* andere Dinge als die Fähigkeit, mit "Kunden" umzugehen.

    Wenn das eine "Friss oder stirb"-Methode werden soll, möchte ich diese (zukünftigen) Kollegen weder ausbilden noch einarbeiten.

    Was in den Kitas und Krippen gebraucht wird sind Mitarbeiter, die - neben Motivation und Engagement - Fähigkeiten wie Reflektionsvermögen, eine sehr gute Beobachtungsgabe, Selbstbewusstsein und Kritikfähigkeit mitbringen und zusätzlich Bereitschaft zeigen, sich mit der eigenen Persönlichkeit in den Job einzubringen.
    Daneben ist eine (sehr) gute sprachlich differenzierte Ausdrucksfähigkeit gefragt. Sinnvoll ist es auch, Interesse zu haben an den derzeitigen politischen Diskussion um das Thema "Bildung" und "Erziehung". Diesbezüglich sollte man sich auch ein kritisches Denken bewahrt haben.

    Ich wäre eine miserable Kauffrau im Einzelhandel.

    Aber was würde ich wohl machen, wenn ich quasi gezwungen würde, eine Umschulung in diese Richtung zu beginnen?
    Friss oder stirb?
  10. #49

    Och Joh!

    Zitat von Celestine Trueheart Beitrag anzeigen
    .... Das Lustige ist ja dabei, dass u.a. Frau v.d. Leyen und die deutsche Öffentlichkeit den Hartz-IV-Empfängern sonst nicht zutrauen, dass sie in der Lage sind, sich um ihre eigenen Kinder zu kümmern. ;-)
    Sie sehen das völlig falsch - Denken Sie doch einfach mal positiv! Die Hartz-IV-Empfänger werden von Frau v.d.Leyen als derart kompetente wirtschaftliche Haushaltsexperten angesehen, das diese sogar, im Gegensatz zu ihrem eigenen privatem Haushalt, ohne Betreuungsgeld spielend fertig werden.
    Wenn z.B. "aus Versehen" dort mal der Strom abgestellt wird, na dann machen die es sich doch richtig gemütlich und lesen den Kleinen bei heimeligem Kerzenschein eine nettes Märchen vor, vielleicht sogar die Hartz IV Gesetze.


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