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Umerziehung für Punks: Piercing raus, Iro ab, Klamotten weg

Punks werden in Indonesien immer wieder schikaniert. Die Polizei hat nun 65 von ihnen festgenommen, den Irokesenschnitt abrasiert, die Piercings entfernt - und sie in einen Kurs zur Umerziehung gesteckt. Menschenrechtsverletzung? Nichts da, sagt der Polizeichef. Er habe schließlich gute Gründe.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...803717,00.html
  1. #10

    Als überheblicher deutscher Christ...

    ...schaut man bei solchen Meldungen immer schön voller Verachtung auf "die blöden Moselms" und vergisst völlig, dass das herzlich wenig mit dem Islam oder einer arabischen Kultur zu tun hat, sondern allgemein ein Problem von Fanatismus und Intoleranz ist.

    Das Christentum hat sich jahrhundertelang auch nicht mit Ruhm bekleckert und fröhlich "Hexen" verbrannt und "Ungläubige" in Rahmen der heiligen Inqusition gefoltert und getötet. Und in der aktuellen Zeit sind christliche Fundamentalisten weltweit wieder lustig auf dem Vormarsch mit ihren kruden Thesen und wirrem Hass auf Andersgläubige.

    Und als Deutscher sollten wir mal lieber mal nicht das Maul zu weit aufreißen, wenn man meint, bei uns ist das Mittelalter der Intoleranz doch lange her: Was war denn vor gerade mal 65 Jahren auf unserem Boden in unserer "Kultur" möglich? Schon vergessen? Ja klar, man will diese ewige Leier nicht mehr hören, das nervt ja nur, stimmts?

    Genau diese Art von "Umerziehung" war mitten in unserer aufgeklärten, weltlichen Kultur in Deutschland gerade erst in der vorigen Generation möglich! Das vergesen wir ja gerne und glauben, es könnte bei uns nie wieder so weit kommen.

    FALSCH, auch in der westlichen Welt kann sich eine Un-Kultur der Intoleranz und Repression gegeüber jedem der "anders ist" wieder ausbreiten. Die USA gehen mit bestem Beispiel voran.

    Und auch bei uns in Europa ist das nicht für alle Zeit ausgeschlossen, dass es mal wieder zu solchen Auswüchsen der Intoleranz kommt!
  2. #11

    wusste ich es doch

    Zitat von mangeder Beitrag anzeigen
    ...schaut man bei solchen Meldungen immer schön voller Verachtung auf "die blöden Moselms" und vergisst völlig, dass das herzlich wenig mit dem Islam oder einer arabischen Kultur zu tun hat, sondern allgemein ein Problem von Fanatismus und Intoleranz ist.

    Das Christentum hat sich jahrhundertelang auch nicht mit Ruhm bekleckert und fröhlich "Hexen" verbrannt und "Ungläubige" in Rahmen der heiligen Inqusition gefoltert und getötet. Und in der aktuellen Zeit sind christliche Fundamentalisten weltweit wieder lustig auf dem Vormarsch mit ihren kruden Thesen und wirrem Hass auf Andersgläubige.

    Und als Deutscher sollten wir mal lieber mal nicht das Maul zu weit aufreißen, wenn man meint, bei uns ist das Mittelalter der Intoleranz doch lange her: Was war denn vor gerade mal 65 Jahren auf unserem Boden in unserer "Kultur" möglich? Schon vergessen? Ja klar, man will diese ewige Leier nicht mehr hören, das nervt ja nur, stimmts?

    Genau diese Art von "Umerziehung" war mitten in unserer aufgeklärten, weltlichen Kultur in Deutschland gerade erst in der vorigen Generation möglich! Das vergesen wir ja gerne und glauben, es könnte bei uns nie wieder so weit kommen.

    FALSCH, auch in der westlichen Welt kann sich eine Un-Kultur der Intoleranz und Repression gegeüber jedem der "anders ist" wieder ausbreiten. Die USA gehen mit bestem Beispiel voran.

    Und auch bei uns in Europa ist das nicht für alle Zeit ausgeschlossen, dass es mal wieder zu solchen Auswüchsen der Intoleranz kommt!
    Da habe ich doch drauf gewartet und richtig, schon auf der ersten Seite faengt der "wir sind doch auch schlimm"-Sermon an. Um von festgenommenen und misshandelten Punks in Aceh zu einem moralinsauren Vortrag ueber die Nazis zu kommen, und zwar in nur fuenf Saetzen, dazu ist schon eine ganz spezielle Konditionierung noetig.
    Es ist mir klar, dass ich hier eh gegen Waende anrede, aber ich kann es eben nicht lassen. Schon mal darueber nachgedacht, was es den verbrannten Hexen, um bei diesem beliebten Codewort zu bleiben, bringen wuerde, sich heute hier bei derartigen Meldungen schaefisch achselzuckend danebenzustellen und zu sagen: naja wenn man euch verbrannt hat, dann koennen wir ja die Indonesier nicht fuer verpruegelte Punks kritisieren! Und erst recht nicht die Taliban fuer ein paar gesteinigte Frauen. Immerhin sind die nicht verbrannt worden. Wo ist da bitteschoen der moralische Zeigefinger, den wir doch gerade zuecken wollten?
    Um da noch den moralischen Mehrwert rauszuholen, den man doch vor allem will, muessen einem die Punks resp. geteinigten Frauen resp. z.B. im Sudan abgeschlachteten 400000 Unglaeubigen (um mal eine kleine Auswahl zu nennen) eben einfach sch**segal sein. Wen interessieren denn irgendwelchen Afghaninnen hier daheim in der warmen Stube? Hier haben die hoechstens als Kulisse der eigenen moralischen Selbstdarstellung zu dienen, naemlich indem man Kritik an deren Schicksal dazu benutzt, den Kritikern latentes Nazitum, Leugnung boeser Geschichtsereignisse etc. unterzuschieben. Mit anderen Worten, indem man die Geschichte der Opfer in ein bequemes Spielkaertchen im heimischen Spielchen des "wer ist der Selbstgerechteste im ganzen Land" verwandelt.
    Widerlich.
  3. #12

    Punk

    Natürlich finde ich das Verhalten der Behörden hier menschenverachtend und widerlich...

    ... aber vor kurzem habe ich Julien Temples Film "The Filth and the Fury" über die Sex Pistols gesehen. "The Great Rock'n'Roll Swindle" vom gleichen Regisseur habe ich mir bei dieser Gelegenheit auch noch einmal angesehen.

    In beiden Filmen kommen auch Leute zu Wort, die die Sex Pistols keineswegs mochten - und deren Kommentare haben es in sich...

    Noch vor 35 Jahren (zu Beginn der Punk-Bewegung in England) hätten wahrscheinlich 50 Prozent der erwachsenen britischen (und vermutlich auch deutschen) Bevölkerung ein solchen Vorgehen zumindest gutgeheißen. Natürlich standen dem die Gesetze im Weg...

    Aber halt: Wer sich die Filmaufnahmen vom "Bootauftritt" der Sex Pistols am Tag des 25. Thronjubileums von Queen Elisabeth II. anschaut, wundert sich schon ein wenig über das brutale Vorgehen der Polizei. Insbesondere wenn man das mit dem respektvollen Verhalten der britischen Polizisten bei der Beendigung des "Rooftop Concerts" der Beatles 1969 vergleicht...

    Vielleicht hat es tatsächlich weniger mit Islam und "Westen" zu tun, sondern einfach damit, dass sich die Mehrheitsgesellschaft selten damit abfinden kann, provoziert zu werden.

    Ich hoffe jedenfalls, die Kids lassen sich den Punk auf Dauer nicht austreiben!
  4. #13

    Zitat von SethGecko Beitrag anzeigen
    Da habe ich doch drauf gewartet und richtig, schon auf der ersten Seite faengt der "wir sind doch auch schlimm"-Sermon an. Um von festgenommenen und misshandelten Punks in Aceh zu einem moralinsauren Vortrag ueber die Nazis zu kommen, und zwar in nur fuenf Saetzen, dazu ist schon eine ganz spezielle Konditionierung noetig.
    Es ist mir......
    Ohne viele Worte, einfach nur: Vielen Dank für diese Antwort! :)
  5. #14

    Als ob

    es hier so anders wäre. Zumindest ist das genau das was sich diverse "Christen" und Konservative hier wünschen. Kann man in anderen Foren durchaus nachlesen.. Siehe dol2day etc..
    dol2day - werde Kanzler!
    Zitate:
    "Tu Felix Indonesia! Dort weiss man mit solchen Leuten umzuspringen. Und das ist letztlich auch zu derem Besten. Irgendwann werden sie das einsehen und dankbar sein."
    "In Aceh wurde wenigstens auch mal gehandelt statt geredet."
    "Das Projekt aus Indonesien ist quasi Hilfe zur Selbsthilfe."
    Als Punk der Frühzeit (1978) gewöhnt man sich irgendwann an die Vergasungs- und Lagerwünsche seiner bundesdeutschen "Mit"bürger..
  6. #15

    Ist schon bemerkenswert...

    ...während um mich herum die Welt immer restriktiver wird und scheinbar immer häufiger nationalistische, fundamentalistischere und allgemein reaktionärere Töne angeschlagen werden werde ich seslbt immer mehr von einem sehr konservativem zu einem progressiven, linksliberalerem Weltbild angezogen. Und gerade solche Aktionen befördern meinen Trieb mich nicht nur gegen solche Methoden, sondern auch die dahinter stehenden Ideologien zu sträuben.

    Wie kann man meinen Demokrat zu sein und gleichzeitig behaupten, dass das Kahlscheren, ein klassisches Symbol für Verbrechertum, kein Angriff auf die Menschenwürde sei???

    Ein wahrer Demokrat, auch wenn man dabei den "No true scotsman"-Satz nach Antony Flew beachten muss, kann in meinen Augen nicht so handeln und noch das Recht haben sich Demokrat zu nennen, denn Demokratie ist auch mehr als nur die Herrschaft der Mehrheit. Demokratie unterwirft sich gewissen moralischen Regeln, bei uns in den ersten Artikeln des Grundgesetz festgehalten, denn sonst wird eine Demokratie, eine auf das Gemeinwohl ausgerichtete humanistische Regierung der Nach- und Mitdenkenden, eine Ochlokratie, eine Herrschaft des unwissenden, dummen Pöbels.
  7. #16

    Hallo! Aufwachen! Brille putzen!

    Zitat von mangeder Beitrag anzeigen
    ...schaut man bei solchen Meldungen immer schön voller Verachtung auf "die blöden Moselms" und vergisst völlig, dass das herzlich wenig mit dem Islam oder einer arabischen Kultur zu tun hat, sondern allgemein ein Problem von Fanatismus und Intoleranz ist.

    Das Christentum hat sich jahrhundertelang auch nicht mit Ruhm bekleckert und fröhlich "Hexen" verbrannt und "Ungläubige" in Rahmen der heiligen Inqusition gefoltert und getötet. Und in der aktuellen Zeit sind christliche Fundamentalisten weltweit wieder lustig auf dem Vormarsch mit ihren kruden Thesen und wirrem Hass auf Andersgläubige.

    Und als Deutscher sollten wir mal lieber mal nicht das Maul zu weit aufreißen, wenn man meint, bei uns ist das Mittelalter der Intoleranz doch lange her: Was war denn vor gerade mal 65 Jahren auf unserem Boden in unserer "Kultur" möglich? Schon vergessen? Ja klar, man will diese ewige Leier nicht mehr hören, das nervt ja nur, stimmts?

    Genau diese Art von "Umerziehung" war mitten in unserer aufgeklärten, weltlichen Kultur in Deutschland gerade erst in der vorigen Generation möglich! Das vergesen wir ja gerne und glauben, es könnte bei uns nie wieder so weit kommen.

    FALSCH, auch in der westlichen Welt kann sich eine Un-Kultur der Intoleranz und Repression gegeüber jedem der "anders ist" wieder ausbreiten. Die USA gehen mit bestem Beispiel voran.

    Und auch bei uns in Europa ist das nicht für alle Zeit ausgeschlossen, dass es mal wieder zu solchen Auswüchsen der Intoleranz kommt!
    und dann nochmals lesen und versuchen, zu verstehn,was da im Artikel steht.
    Der historische Vergleich mit Diskriminierungen und Verfolgungen bei anderen Kulturen und Völkern ist nicht das Thema.
    Es geht um die undemokratische, menschenunwürdige und -verachtende Behandlung von Bürgern in Indonesien und die Gründe, die angeblich dafür ausschlaggebend sind.
    Wenn es Rechtsordnungen gibt, wie die Scharia, die unmenschliche, verbrecherische und idiotische Strafordnungen enthalten und Gesellschaften, die danach handeln, ist es sehr wohl das Recht jeden halbwegs Vernünftigen, dagegen zu prostestieren.
    Was hat das mit Verbrechen von Christen in der Vergangenheit zu tun? Warum zitieren Sie nicht auch noch die Verbrechen der Amerikaner gegenüber den Indianern, oder die Verfolgung der Sachsen durch Karl den Großen oder die Massaker an den Hugenotten oder oder.....
    Dürfen jetzt Amerikaner, Franzosen, Schweden, und und und ... nicht mehr den Mund aufmachen, wenn irgendwo Unrecht geschieht?
    Merken Sie nicht den Widerspruch in ihrem Beitrag? Wir Deutsche sollen nicht den Mund aufreissen, andrerseits warnen Sie aber vor wachsender Intoleranz? Dagegen muss man den Mund aufmachen, egal welcher Nationalität man angehört, und egal wie die Geschichte der Nation verlaufen ist.


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