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Ultra-Kultur: "Die Gruppe ersetzt meine Familie"
dapdDer Ultra, das unbekannte Wesen: Viele reden über die Ultra-Fans, aber kaum einer versteht sie. Die Pädagogen und Szenekenner Volker Goll und Michael Gabriel haben Einblicke hinter die Kulisse und versuchen, ein Phänomen der deutschen Fußball-Fankultur für alle verständlich zu erklären.
http://www.spiegel.de/sport/fussball...830488,00.html
- #70 04.05.2012 12:16 von
Das weckt eine Erinnerung an eine
Diskussion im Bekanntenkreis vor Kurzem:
Manch einer denkt, die Lebensversager, Hools, Ultras seien alle Hartz IVer, hässlich, ungebildet.
Dabei sind genügend Akademiker (Anwälte etc, die leben übrigens nur davon, dass sich Leute streiten, wenn das mal kein Lebensversagen ist ;)), die ihr Mütchen kühlen wollen, auch totale Asis im Stadion! Asozial ist nicht gleich arm, ungebildet oder ähnliches! - #71 04.05.2012 14:35 von
Täter und Helfer
Das in Anführungsstriche gesetzte 'Kunde' war nicht als objektive Beschreibung angeführt, sondern spiegelt die diffamierende Sicht vieler Ultras auf die normalen Besucher wieder, die eben in Ultra-Augen nicht 'echte Fans' sind, sondern nur eine Dienstleistung in Anspruch nehmen. Die Logik dahinter: Wer am lautesten brüllt, ist echter Fan. Reflexion auf vereinschädigendes Verhalten brauchen Sie von solchen Schreiern nicht zu erwarten.
Vereinschädigend - und mehr sogar mehr als das, auch schlecht für den Fußball insgesamt - ist auch Gewalt. Und jetzt drehe ich Ihre Diffamierungslogik einfach einmal um: Wenn Sie schon jemals in einem Stadion gewesen wären und sich Ihr positives Bild der Ultras nicht nur aus Foren zusammensuchen würden, müssten Sie bemerkt haben, dass das eigentliche Problem bei Gewaltvorfällen die Gruppendynamik ist. Ein Idiot fängt an - sei er nun Ultra oder nicht - und alle anderen decken ihn, erlauben es ihm, sich in der Gruppe zu verstecken und leisten dadurch Beihilfe. Niemand hat etwas gesehen, niemand sagt etwas. Man redet ja nicht mit der Poiizei. Das finden sie dauernd in der Fankurve, auf den Haupttribünen aber kaum, wo man sich die Freiheit nimmt, einen Idioten auch als solchen zu benennen.
Diese schweigende Billigen von Übergriffen aller Art - verbal (schwule XXX, Affenlaute, 'Jude'-Rufe, Auschwitz-Gesänge) oder physisch (bespucken, schlagen, treten, bewerfen, beklauen) - ist verächtlich. Das ist kein Ehrenkodexhalten, sondern unheilvoller Gruppendruck. Das Gefühl, zusammen stark zu sein, ist für die, die sich oft als schwach erleben, eine große Versuchung. Meist erwächst daraus nur Unheil, weil die Gruppendynamik schnell die Grenzen einreißt, die andere schützen sollen. Im Gruppenrausch sucht man Opfer, keine Gegner.
Weil die Ultragruppen von dieser Dynamik leben, können sie sich nicht wirkungsvoll von den Übergriffen distanzieren. Es sind zu viele Leute dabei, die den Sport als Vorwand benutzen, in erster Linie aber das Gruppenerlebnis suchen, um ihre eigene psychische Instabilität zu überdecken. - #72 04.05.2012 14:50 von
Wunder der Aufmerksamkeit
Und weil sich alle so auf das Spiel konzentrieren - und nicht etwa auf sich selbst und die eigenen Choreos - sitzt oder steht der Vorsänger oder Capo auch mit dem Rücken zum Spiel. Was nicht zuletzt dazu führt, dass die Ultras gerne auch dann noch singen, wenn der Gegner gerade ein Tor geschossen hat. Mit dem Rücken zum Spiel verpasst man schon das ein oder andere und wenn ich auf den Vorturner starre, um zu sehen, was ich nun schon wieder tun muss (man ist ja nicht Spaß da, sondern hat eine Mission), bekomme ich aufgrund des Phänomens selektiver Wahrnehmung auch den ein oder anderen Spielzug nicht mit.
Muss ich ja auch nicht, als Ultra bekomme ich ja gesagt, wann ich zu singen, hüpfen oder die Fahne zu schwenken haben. Das schafft der Ultra dann auch noch, wenn er vor dem Spiel im Stammlokal / im Fanbus / im Zug schon richtig vorgeglüht hat und alle Kanäle dicht sind.
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