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Ultra-Kultur: "Die Gruppe ersetzt meine Familie"

dapdDer Ultra, das unbekannte Wesen: Viele reden über die Ultra-Fans, aber kaum einer versteht sie. Die Pädagogen und Szenekenner Volker Goll und Michael Gabriel haben Einblicke hinter die Kulisse und versuchen, ein Phänomen der deutschen Fußball-Fankultur für alle verständlich zu erklären.

http://www.spiegel.de/sport/fussball...830488,00.html
  1. #40

    rechtschreibfehler

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Genau dieser Punkt, auch vermeintliche Außenseiterzu integrieren und ihnen das Gefühl zu geben, wichtig zu sein, und ihnen in der Gruppe Halt und vielleicht auch Familienersatz zu vermitteln - das ist Liebe."
    Ultras im Abseits Wissenschaftler schreiben Buch über Ultras - SPIEGEL ONLINE
    es müsste im folgenden so lauten:
    "Genau dieser Punkt, auch vermeintliche Lebensversager zu integrieren und ihnen das Gefühl zu geben, wichtig zu sein, und ihnen in der Gruppe Halt und vielleicht auch Familienersatz zu vermitteln - das ist Liebe."

    kann man nun daraus schließen, das die gewaltanwendung, den hass, denn jene Lebensversager verbreiten, nur ein schrei nach liebe ist?
  2. #41

    Denkfehler

    Zitat von frechwieoskar Beitrag anzeigen
    es müsste im folgenden so lauten:
    "Genau dieser Punkt, auch vermeintliche Lebensversager zu integrieren und ihnen das Gefühl zu geben, wichtig zu sein, und ihnen in der Gruppe Halt und vielleicht auch Familienersatz zu vermitteln - das ist Liebe."

    kann man nun daraus schließen, das die gewaltanwendung, den hass, denn jene Lebensversager verbreiten, nur ein schrei nach liebe ist?
    Ohje, ist das stumpf. Wann zählt man denn zu den Lebensversagern? Wenn man arbeitslos ist? Oder nicht dem Schönheitsideal entspricht?
    Wenden eigentlich ausschließlich Lebensversager Gewalt an? Kann man nun daraus schließen, dass recht viele Menschen Lebensversager sind?
  3. #42

    Zitat von timoknowsbest Beitrag anzeigen
    auf die Knie..... ja es gibt noch echte Fußballfans, ja es gibt noch echte - bedingungslose Liebe. Wer einmal in Stadien wie Hoffenheim war, der wird kapieren wie eminent wichtig der Betrag ist, welchen diese Gruppierung zur Stimmung zum "Erlebnis Fußball" beträgt. Ich hoffe nur, dass sich unsere Vereine dieser Bedeutung endlich bewusst werden.
    Ich ziehe meine Hut vor dieser Lebenseinstellung und der bedingungslosen Liebe!
    ... wie sinnentleert kann ein Leben sein ...
  4. #43

    Zitat von 081172 Beitrag anzeigen
    ... wie sinnentleert kann ein Leben sein ...
    Wieso findest du diese Lebenseinstellung "sinnentleert?"
  5. #44

    Wir-Gefühl

    Zitat von Andy Theke Beitrag anzeigen
    Klar gehen Ultras auf die Leistung ihrer Mannschaft ein. Keinem Fan ist es egal, ob seine Mannschaft derzeit gut oder schlecht spielt. In Jena und Magdeburg gibts derzeit beispielsweise Stimmungsboykotte, weil die Mannschaften unzureichene Leistungen zeigen. Die Ultras von FRankfurt oder Dortmund honorieren ihre erfolgreichen Mannschaften mit tollen Choreographien.

    Wieso zahlt die Gesellschaft allein die Polizeieinsätze im Rahmen von Fußballspielen? Sind die Vereine von Steuern befreit? Wäre mir neu. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass das Polizeiaufkommen oftmals völlig überdimensioniert ist.

    Und auch "Familien und Kunden" brauchen Polizei, denn es ist nunmal Auflage eine gewisse Anzahl an Soicherheitkräften zu stellen bei so einer Großveranstaltung.
    [...]
    Natürlich ist den Ultras auch die Leistung des Vereins wichtig. Jeder identifiziert sich gerne mit Siegern, auch wenn manche Fans erstaunlich leidensfähig sind (schöne Grüße nach Kölle...). Aber um das Spiel selbt geht es vielen Ultras nicht in erster Linie - so zumindest meine Einschätzung. Unter einem riesigen Banner etwa sehe ich nichts vom Spiel. Hüpfend und singend bekomme ich weniger mit, als wenn ich konzentriert zuschaue. Dafür ist die Gruppendynamik stärker, und die ist es, dieses Wir-Gefühl, das viele zu suchen scheinen. Tore zu bejubeln ist kein Beweis des Gegenteils.

    Auch den Stimmungsboycott kann man als Inszenierung der Gruppe ansehen. Der angekündigte und geplante Liebesentzug sagt ja u.a. auch "Seht her, wie wichtig wir sind!" und fragt "Vermisst ihr schon?". Einen Schritt weiter und die Frage lautet dann "Stellt euch doch einmal vor, wir kämen garnicht mehr. Wäre das nicht schlimm? Wäre es nicht furchtbar öde ohne uns?"

    Diese Szenario ist natürlich hypothetisch und die Antwort darauf Geschmackssache. Es wäre wahrscheinlich ruhiger, sicherlich zivilisierter. Manche finden das abschreckend, mir wäre es durchaus recht.

    Und zum Thema Polizei. Letztens war in Berlin ein Kinderfest am Brandenburger Tor, ging klar als Großveranstaltung durch. Nur mal angenommen, es wäre bei gleicher Teilnehmerzahl ein Treffen von Ultra-Gruppen gewesen, hätte man da mehr oder weniger Polizisten gebraucht? Und warum sollte die Gesellschaft mehr für die einen bezahlen als für die anderen?

    Die Vereine sollten zu ihrer Verantwortung stehen und für die Geister, die sie riefen, auch bezahlen.
  6. #45

    Zitat von Andy Theke Beitrag anzeigen
    Ohje, ist das stumpf. Wann zählt man denn zu den Lebensversagern? Wenn man arbeitslos ist? Oder nicht dem Schönheitsideal entspricht?
    Wenden eigentlich ausschließlich Lebensversager Gewalt an? Kann man nun daraus schließen, dass recht viele Menschen Lebensversager sind?
    ihre frage ist leicht zu beantworten...
    gehen sie am we in ein fussballstadion und schauen sich die menschen an, die sich selbst ultras nennen. dort werden sie den begriff lebensversager wiederfinden. und wie schon erwähnt, das alles nur, weil es ein schrei nach liebe ist!
  7. #46

    mhm

    Zitat von gogard Beitrag anzeigen
    Natürlich ist den Ultras auch die Leistung des Vereins wichtig. Jeder identifiziert sich gerne mit Siegern, auch wenn manche Fans erstaunlich leidensfähig sind (schöne Grüße nach Kölle...). Aber um das Spiel selbt geht es vielen Ultras nicht in erster Linie - so zumindest meine Einschätzung. Unter einem riesigen Banner etwa sehe ich nichts vom Spiel. Hüpfend und singend bekomme ich weniger mit, als wenn ich konzentriert zuschaue. Dafür ist die Gruppendynamik stärker, und die ist es, dieses Wir-Gefühl, das viele zu suchen scheinen. Tore zu bejubeln ist kein Beweis des Gegenteils.

    Auch den Stimmungsboycott kann man als Inszenierung der Gruppe ansehen. Der angekündigte und geplante Liebesentzug sagt ja u.a. auch "Seht her, wie wichtig wir sind!" und fragt "Vermisst ihr schon?". Einen Schritt weiter und die Frage lautet dann "Stellt euch doch einmal vor, wir kämen garnicht mehr. Wäre das nicht schlimm? Wäre es nicht furchtbar öde ohne uns?"

    Diese Szenario ist natürlich hypothetisch und die Antwort darauf Geschmackssache. Es wäre wahrscheinlich ruhiger, sicherlich zivilisierter. Manche finden das abschreckend, mir wäre es durchaus recht.

    Und zum Thema Polizei. Letztens war in Berlin ein Kinderfest am Brandenburger Tor, ging klar als Großveranstaltung durch. Nur mal angenommen, es wäre bei gleicher Teilnehmerzahl ein Treffen von Ultra-Gruppen gewesen, hätte man da mehr oder weniger Polizisten gebraucht? Und warum sollte die Gesellschaft mehr für die einen bezahlen als für die anderen?

    Die Vereine sollten zu ihrer Verantwortung stehen und für die Geister, die sie riefen, auch bezahlen.
    Ich stimme dir zu, dass man direkt im Fanblock weniger vom Spielgeschehen sieht. Nur ist es ja jedem selbstüberlassen sich dort hinzustellen. Wenn ich jede Sekunde des Spiels sehen will, ist das ja völlig in Ordnung und setze mich auf die Hauptribüne oder suche den Rand der Stehplatztribüne auf.
    Wenn ich Teil des lebendigen Blocks sein möchte und kein Problem mit kurzweiligen Sichtbehinderungen durch Schwenkelemente habe, positioniere ich mich im Fanblock. Jeder wie er mag.

    In Berlin haben sich auch letztens Tausende Ultras versammelt, um für den Erhalt der Fankultur zu demonstrieren. Vor ein paar Monaten waren auch zig Ultras aus verschiedenen Vereinen vertreten. Was ist passiert? Ähnlich viel wie beim Kinderfest
  8. #47

    Vorurteile? Kaum.

    Zitat von frechwieoskar Beitrag anzeigen
    ihre frage ist leicht zu beantworten...
    gehen sie am we in ein fussballstadion und schauen sich die menschen an, die sich selbst ultras nennen. dort werden sie den begriff lebensversager wiederfinden. und wie schon erwähnt, das alles nur, weil es ein schrei nach liebe ist!
    Da haben wir es man kann einen Lebensversager am Aussehen ermitteln. An den Hakennasen und langen Fingern? Ach nee, das waren andere, stimmts?

    Aber ich merke mir alle Schichten der Gesellschaft sind Lebensversager, denn genau diese sind es die du im Stadion triffst. Vom Arbeitslosen bis zum Anwalt ist alles vertreten. Aber woher soll man das wissen, wenn man scheinbar nur Bild-Zeitung liest?
  9. #48

    Zitat von frechwieoskar Beitrag anzeigen
    ihre frage ist leicht zu beantworten...
    gehen sie am we in ein fussballstadion und schauen sich die menschen an, die sich selbst ultras nennen. dort werden sie den begriff lebensversager wiederfinden. und wie schon erwähnt, das alles nur, weil es ein schrei nach liebe ist!
    Dort treffe ich meistens Schüler (alle Schulformen), Azubis, Studenten, Arbeitslose, Facharbeiter, ungelernte Arbeiter und vereinzelt fertige Akademiker. Alles mögliche, sicherlich auch Versager. aber nicht überwiegend. Aber pflegen Sie ruhig Ihre Vorurteile.
  10. #49

    Liebe oder Hass

    Zitat von locust Beitrag anzeigen
    [...] Was genau in den nächsten Jahren passieren wird und wie sich die Fanszenen präsentieren werden, hängt auch davon ab, ob und inwieweit eine "bespassungswillige und konsumfreudige Klientel" eine Alternative neben sich erlaubt. Ich bin da leider pessimistisch. Die Anzahl derer, die an den Zustand der Gewaltlosigkeit glauben, selbst jedoch mit der Absicht der Schädigung, knurrend um sich schlagen, scheint mir zu mächtig. Dabei verstehe ich den Elan dabei gar nicht. EUCH gehört doch schon alles. Die Definitionsmacht, die rechtliche Absicherung der Eigentumsansprüche, der Raum......recht viel also. Warum verzichtet man nicht auf Spiele wie Dresden vs Lok, Rostock vs St.Pauli und vielleicht noch (maximal) 20 andere Spiele in den ersten drei Ligen (wenn man nicht zumindest ein Voyeur ist!), bei denen es Verletztenzahlen gibt, die unter der Anzahl der Verletzten eines Oktoberfestes liegen und versucht seine Angst, seinen Kontroll- und Sicherheitsfetish in den Griff zu kriegen. Viele der "jungen Leute" haben im Moment einen schweren Stand da draußen. Echt! Vielleicht nicht die Söhne und Töchter der VIP Lounge Mieter, aber bereits die Kinder des Tribünensitzers haben ne Menge auszuhalten." Herrschaft über den Raum bildet eine der privilegiertesten Formen von Herrschaftsausübung." [...]
    Die Perspektive ist interessant, das Sentiment dahinter nachvollziehbar, die Argumentation aber m.E. problematisch.

    Warum, so die Kurzfassung der Argumentation, gestehen wir den Underdogs bzw. Unterprivilegierten nicht temporär einen klar umrissenen rechtsfreien Raum als Druckablassventil zu? Deren Leben ist hart, sie fühlen sich schlecht, aber wenn sie aus eine Gruppe Gleichgesinnter heraus jemand anderen anpöbeln/bespucken/auf die Schnauze hauen können, fühlen sie sich gleich viel besser, nämlich stark. Also lasst sie sich doch ihre Opfer suchen und geht selbst nicht hin, wenn ihr Ruhe haben wollt.

    Wenn das wirklich ernst gemeint ist, warum verteilen wir dann nicht Rechtsbruch-Gutscheine an alle anderen Gruppen, die unterprivilegiert sind oder sich so fühlen. Wie hart hat es z.B. ein Obdachloser? Ist da nicht Ladendiebstahl ab und zu in Ordnung? Oder mal ein Auto abfackeln, wenn es ein besonders mieser Tag war? Wer das nicht will, braucht sich ja kein Auto anschaffen.

    Obwohl ich denke, dass viele Ultra-Gruppen in der Tat eine sozialtherapeutische Funktion haben, kann es m.E. nicht angehen, dass man seinen Frust in strafrechtlich relevanterweise kompensiert und auch noch glaubt, ein Anrecht darauf zu haben. Und wer vorzugsweise fahnenschwenkend in einer mehr oder weniger uniformierten Horde junger Männer aufmarschiert, sollte sich zurückhalten, wenn es um die Vereinnahmung des öffentlichen Raums geht.

    Ein Ultra sprach laut Artikel von 'Liebe', wenn es um die eigene Gruppe geht. Wovon aber auf jeden Fall auch gesprochen werde muss, ist der Hass, wenn es um die anderen geht, die die falschen Lieder singen und die faschen Farben tragen. Das ist die Kehrseite der Medaille und der Preis von Fanatismus.








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