DPAMancher wissenschaftliche Durchbruch entpuppt sich als Reinfall. Ein US-Unternehmen bietet Forschern die Möglichkeit, ihre Arbeiten von anderen überprüfen zu lassen - die Tests sollen zum Gütesiegel werden.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...850431,00.html
Das liegt aber nicht nur an mangelhafter Wissenschaft, sondern an der gängigen Praxis in der Einwerbung von Forschungsgeldern. Schreib was mit "Krebsheilung" drauf, schon erhöhst du die Wahrscheinlichkeit, Geld bewilligt zu bekommen. Ansonsten geht auch "self-assembly" oder "nano" oder [insert buzzword here]...
Das ist auch keine neue Erkenntnis. Jedenfalls nicht, wenn man wissenschaftliche Literatur liest. Da trifft man immer wieder auf Fehlinterpretationen, und fragt sich, wie sowas überhaupt veröffentlicht werden konnte.
Das hier find ich großartig:
Heißt auf Deutsch: Das Unternehmen tut nichts Relevantes. Es kassiert nur Geld dafür, Leute mit und ohne Sachkenntnis zusammenzuführen.
Und da haben wir schon die nächste Entlarvung:
Das Ziel des Unternehmens ist es, Forschungsgelder abzugreifen. Für Arbeit, die eigentlich die Forscher selbst leisten sollten (GLP lässt grüßen).
Da kennen Sie die Konkurrenz zwischen Wissenschaftlern aber nicht. Die Idee ist sehr gut, wuerde Betrug vorbeugen und viele Zufallsergebnisse schnell wiederlegen und somit die Wissenschaft voranbringen als auch Geld sparen (da man nicht jahrelang weitere Versuche plant, die auf falschen Ergenissen basieren).
Tja, das kommt eben dabei raus, wenn man immer mehr von Staatswegen auf ein schnelles Schmalspurstudium drängt!
Statistik und sinnvolles Versuchsdesign ist ein komplexes Feld, aber die Wissenschaftler müssen unbedingt eigenes Wissen hier mitbringen -wie sollen sie sonst ihre Forschungsideen sinnvoll in die Sprache von Experimenten übersetzen?
Ach so, das soll dann im nächsten Schritt auch an die "externen Experten" outgesourct werden? Am Besten direkt in den Pharmafirmen angesiedelt, was?
Die Wissenschaft kann und muss sich selbst überprüfen, es ist schon heute sehr teuer und langwierig geworden. An ausgerechnet dieser Schraube immer weiter zu drehen legt letztlich die Qualitätskontrolle noch mehr in die falschen Hände. Nämlich in die, die Geld und Einfluss haben. So werden wirklich neue oder dem Mainstream konträre Ergebnisse oder - ach jeh - Ergebnisse die kostengünstigere Medikamente etc. ermöglichen würden nur noch leichter unterdrückbar.
Sorry, lieber den 2-3 wissenschaftlichen Reviewern, die zur Zeit jeden eingereichten Artikel ohne Kenntnis der Autorennamen auf Qualität überprüfen müssen, bevor er veröffentlicht wird, endlich mal eine Vergütung für ihre wichtige Arbeit geben! Vielleicht Kreditpunkte im Sinne eigener Veröffentlichungsleistung? Denn dann kann man sich mehr Zeit dafür nehmen und DIESE Kontrolle wäre dann und ist zumeist auch jetzt schon gründlich und effektiv genug. Die Konkurrenz guckt sicher genauer als ein bezahlter Dienstleister!
Und Betrüger werden auf jeden Fall so nicht entlarvt, das ist doch ein Scheinargument! Hier geht es nur um Abzocke. Wissensmakler. Wertschöpfung ohne Leistung. Nein Danke.
Leider leigt ihrem Beitrag ein Missverstaendnis zugrunde. Ein Experiment kann perfekt geplant und ausgefuehrt sein und daher den Review-Prozess erfolgreich durchlaufen - und trotzdem nicht reproduzierbar sein. So ist es eben mit der Statistik - auch wenn alles korrekt ausgefuehrt wurde. Und schauen sie sich mal bitte die Internetseite der "Reproducibility Initiative" and und erklaeren sie wie dort wirtschaftliche Interessen reinspielen. Mir ist das naemlich nicht so klar...
Das Hauptproblem an dieser Initiative ist, dass die Wiederholung durch Core Facilities erfolgen soll, also spezialisierte Serviceinrichtungen an Unis etc. Und die sind unterschiedlich teuer - und sehr unterschiedlich in der Qualitaet.
Das schliesst extrem angesehene Einrichtungen/Unis ein, wir haben da Erfahrungen gemacht, die sind furchtbar, da wurden Zehntausende an Dollar vernichtet, weil Leute nachweislich Mist bauen. Aber dann vertuschen, verzoegern, abwimmeln. Und niemand traut sich wirklich, was zu sagen. In der Wissenschaft ist naemlich das Prinzip der Konfliktvermeidung leider extrem ausgepraegt, weil alle miteinander zusammenhaengen und gegenseitig Reviews machen fuer Paper, Antraege fuer Forschungsgelder etc. Da will sich niemand aus dem Fenster lehnen.
D.h. wenn jemand ein Ergebnis hat und sich an eine Core Facility wendet, die Mist baut und ploetzlich ist das Ergebnis nicht reproduzierbar ...? Oder die eigene Einrichtung hat Mist gebaut, man weiss es nicht, die naechste arbeitet sauber?
Teilweise sind nicht mal praezise nachgekochte Sachen reproduzierbar, ich habe vor Jahren Daten von Dharmacon zur Microarray-Reproduzierbarkeits-Studie gesehen, die haben Material (Zelllinie, Medien, ALLES) und Protokolle verschickt und es gab trotzdem massive Abweichungen ...
Da wurde dann wohl massiv an Microarrays geschraubt aber heute sind die nicht mehr "in", da macht man Deep Sequencing, wenn man Gelder beantragen will. Und die Optimierung/Protokollanpassung und Auswertealgorithmen haengen da natuerlich wieder Jahre hinterher...
Also kurz gesagt: ich finde die Initiative sehr sehr wichtig und notwendig, aber das Grundproblem wird dabei nicht angesprochen. Und das sind z.B. wie in der Medizin Ringversuche aller Labors, damit klargestellt ist, dass dort die Methode sauber beherrscht wird und wie stark die methodischen Schwankungen generell sind.
Irgendwie spielt hier immer der wissenschaftliche Betrug rein, eine voellig ueberzogene Darstellung. Die wenigsten Wissenschaftler betruegen, aber wir alle (ich bin da im Geschaeft) fallen auf unsere eigenen Vorstellungen rein und tendieren dazu Ergebnisse falsch oder ueber zu interpretieren. Dann kommen noch die Buzz-words dazu, vor etwa 25 Jahren musste irgendwo HIV/AIDS im Antrag auftauchen, dann Krebs und Geld kam. Biomarker sind solch ein Beispiel, weit ueber 1000 sind in der Literatur beschrieben, fuer alle Erkrankungen, nur ca 15 zugelassen und davon noch einige extrem fragwuerdige (PSA). Wie da eine "Firma" Loesungen bringen will ist mir voellig unklar, allein eine Publikation "nachzukochen" kann Jahre dauern und in der Zwischenzeit gibt es 1000de neue Publikationen von Interesse.