Überleben als Schriftsteller: Drei Stipendien, vier Jahre, ein Roman

Susanne Schleyer/ SuhrkampArbeitsstipendium, Literaturfonds, Geld für eine Option auf die Verfilmung seines Romans "Das Geschäftsjahr 1968/69": Der Autor Bernd Cailloux erzählt, wovon er im Jahr 2011 gelebt hat.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0...829970,00.html
  1. #10

    Lieber illegal als ganz egal

    Zitat von miauwww Beitrag anzeigen
    Na, solche Autoren wie Cailloux wird das Illegale herunterladen kaum betreffen.
    Mich befällt beim Lesen Ihres Beitrags gerade die Angst, Sie hätten die Ironie ("millionenfach runtergeladen") meines Kommentars vielleicht nicht erkannt. (Sorry, dann kann Ihnen auch kein Irony Tag helfen, mehr an Hyperbolik ist einfach nicht drin.)

    Cailloux wird natürlich alleine schon deshalb nicht illegal runtergeladen, weil sich wohl niemanden findet, der ihn vorher illegal irgendwo hochlädt. Da müsste er sich schon selbst drum kümmern - was absurderweise (und das ohne Ironie jetzt) durchaus sinnvoll wäre: Besser illegal downgeloadet und gelesen als gar nicht gelesen. Das Finanzielle ist so oder so marginal. Also, ich würde mein älteres Buch bei den einschlägigen Portalen (illegal und anonym) einstellen und hoffen, über diesen Hebel Käufer für mein nächstes Buch zu gewinnen.
    Im Übrigen ist der Buchhandel für einen solchen Autor nicht die Plage, sondern der Segen. Er wird, wie die meisten, 10 Prozent des um die Umsatzsteuer reduzierten Ladenpreises pro Exemplar erhalten. Beim Hardcover. Beim Taschenbuch sind's meist nur fünf. Ohne Buchhandel und ohne Verlag (Achtung: "Content Mafia") würde das Buch nur im engeren Bekanntenkreis Leser finden.

    Was an einem Autor dieser Kategorie noch mehr nagt als das Finanzielle, ist die geringe öffentliche Wahrnehmung. Das dürfte die eigentliche tägliche Herausforderung darstellen, um weiterzuschreiben.
  2. #11

    Zitat von keksguru Beitrag anzeigen
    fragen lassen, ob es nicht einen gewissen Zusammenhang gibt zwischen den Einkünften und der Qualität von dem was da geschrieben wurde.
    Tja, es ist zu fürchten, daß es den gibt, nur nicht in der von Ihnen implizierten Weise.

    Dan Brown verdient sich vermutlich dumm und dämlich, aber sein dichterisches Talent scheint mir eher übersichtlich zu sein.

    Literarische Qualität am finanziellen Erfolg zu messen ist, verzeihung, naiv. Als Beweis für diese These möge die künstlerische Qualität des an Einschaltquoten orientierten Fernsehens insbesondere des Nachtmittags dienen, welches die meiste Zeit über nicht in Gefahr läuft, großartig zu sein.
  3. #12

    Thema oder was ist hier der Punkt?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Arbeitsstipendium, Literaturfonds, Geld für eine Option auf die Verfilmung seines Romans "Das Geschäftsjahr 1968/69": Der Autor <i>Bernd Cailloux</i> erzählt, wovon er im Jahr 2011 gelebt hat.

    Bernd Cailloux - SPIEGEL ONLINE
    Ja, was ist bei diesem Artikel das Thema (oder eben "was ist hier der Punkt)? Arme Schriftsteller, die heroisch darben? Die Absicht wäre dann, zumindest Mitleid zu erzeugen. Darf und kann man eigentlich nicht haben - keiner wird gezwungen, sein Dasein als Schriftsteller zu fristen. Vielleicht aber ist das (versteckte) Thema die (heimliche) Bewunderung dessen, der das "Protokoll" aufgeschrieben hat. Die noch verstecktere Absicht könnte dann sein, dass der Aufschreiber des Protokolls auch gern Schriftsteller sein/werden möchte - und von Cailloux nun exklusiv erfährt, wie er vom Schriftstellern dann leben könnte, ohne gleich eine Bank überfallen oder die alte Tante um deren Erbe willen bis zum Tode pflegen zu müssen. Tja, das Leben, würden jetzt die gegelten Junior-Manager sagen, ist halt kein Ponyhof und: Wer sich nicht (gut) verkauft (verkaufen mag), ist halt die Million nicht wert.
  4. #13

    Wenns keiner kauft

    [QUOTE=keksguru;10119801 aber wenn's keiner kauft ist halt auch schade .[/QUOTE]

    Richtig. Wenn's keiner kauft, ist es schade, aber ok. Aber wenn's jemand runterlädt, statt es zu kaufen, ist es halt ärgerlich. Natürlich erscheinen Herrn Caillouxs Bücher in einem Marktsegment, das von der Downloadproblematik kaum betroffen ist. Filesharing findet meines Wissens vor allem im Mainstreambereich statt. Gängige Filme, Musik...
    Aber dass einem bei diesem Einkommen die Vorstellung, dass die eigenen Bücher auch frei und legal kopierbar sein sollen, nicht passen kann, ist wohl verständlich.
    Wenn ein erfolgloser Autor seine Erzeugnisse freiwillig zum freien Download zur Verfügung stellt, ist das ja auch in Ordnung. Nur fände ich es falsch, Urheber per Gesetz dazu zu zwingen.
  5. #14

    Erst Stipendien, dann beklagen...

    Sorry, aber ich habe kein Verständnis für Künstler, die jammern, dass ihre Kunst so ein hartes Brot ist, von dem man nicht leben kann, und dann noch die bösen Raubkopierer obendrauf! Wenn ich lese, dass ein Schriftsteller sich von Stipendium zu Stipendium hangelt, und er trotzdem nicht erfolgreich ist, dann sollte er dankbar sein, dass jemand ihm sein Hobby finanziert ... und zusätzlich einfach mal arbeiten gehen. Darüber hinaus würde ich erwarten, dass jemand, der Geld von der Gemeinschaft geschenkt bekommt, sein Werk dieser zur Verfügung stellt. Und zwar gratis.

    Finally: Auch ich bin der Meinung, dass Downloadmöglichkeiten einzelnen Künstlern vielleicht schaden (vor allem denen, die eh Millionen verdienen). Allerdings bekomme ich einen Riesenhals, wenn unsere Musikindustrie zu 95% austauschbaren Eintagsfliegenschrott produziert, den Kuchen also unter viel mehr Künstlern aufteilt, als noch vor Jahren, und sich dann beklagt, dass nicht jeder dahergelaufene Mucker davon leben kann (der bösen Hacker und Downloader wegen).

    Früher haben wir auch Cassetten kopiert, und dann von den Lieblingsbands die Platten/CDs gekauft (eine oder 2 im Monat vom Taschengeld). Heute laden sich die Kids 15.000 Stücke runter und geben die 50 oder 100 Euro/Monat halt für Band-Shirts, Eintrittskarten oder legale Downloads aus. Glauben die Pfeifen in der Musikindustrie wirklich, dass sich ohne Downloadmöglichkeit die Kids 15.000 Stücke legal gekauft hätten? Wovon denn? Die Menge der Kohle für Musik und Kunst ist doch gleich geblieben, wird halt umverteilt.