U-Bahn-Fotografie in Tokio: Knautschzone des Kapitalismus

Dicht an dicht*drängen sich täglich*rund acht Millionen Menschen in die U-Bahnen von Tokio: Eine graue Masse*von*Angestellten, die sich sklavengleich zur Arbeit quälen.*Der Fotograf Michael Wolf hat sie porträtiert -*seine*Bilder aus*dem Reich der Pressmenschen erscheinen jetzt als Fotoband.

http://www.spiegel.de/kultur/literat...728642,00.html
  1. #50

    antititel

    Zitat von Frank Wagner Beitrag anzeigen
    ich nicht so ganz verstehe :
    Japan ist eines der am höchsten entwickelten Länder auf der Erde, gab und gibt es keine Versuche, das Problem irgendwie in den Griff zu bekommen ?
    Durch neue U-Bahnlinien, längere Züge oder ähnliches ?

    Das kann den Leuten doch keinen Spaß machen.
    Leider ist es in Tokyo kaum mehr möglich, neue Bahntrassen zu bauen (unter sowie oberirdisch) und selbst wenn, dauert es sehr lange bis Grundstücke gekauft werden können. Auch kann man den Takt der Züge nicht mehr hochschrauben (ca. alle 2 Minuten kommt ein neuer Zug).

    Die einzige realistische Möglichkeit besteht eigentlich darin, die Unternehmen aus dem Kern von Tokyo herauszuverlagern (bspw. Tsukuba). Das Problem wird durch die Pendler verursacht, die aus den umliegenden Präfekturen anreisen. Tokyos Bevölkerung bemisst nur ca. 8 Mio, tagsüber würde ich aber auf das doppelte, wenn nicht sogar mehr, schätzen.

    Allerdings wollen die meisten Firmen zentral bleiben, was sicher auch mit Prestige zu tun und es wird wohl eher lange und viele Incentives dauern und kosten, bis das wirklcih durchgesetzt werden könnte.
  2. #51

    Situs villa tengis essa bernet

    Zitat von zynik Beitrag anzeigen
    "Viehtransport Humankapital" hätte ich als Titel passender gefunden. Die menschliche Duldsamkeit geht gerade in Japan bis zur kompletten Selbstaufgabe.
    Originalzitat einer Japanerin aus dem Süden des Landes, mit der ich (in Deutschland) zusammen studiert habe: "Nur Verrückte ziehen nach Tokyo".

    Man kann also mal wieder nicht alles über einen Kamm scheren.
  3. #52

    Stereotypen

    über Kunst lässt sich schwerlich streiten & diskutieren - alles eine Frage des Geschmacks.
    aber eine Meinung darf man freilig haben und meine 2ct dazu:
    Schön sind die Bilder nicht, was besonderes auch nicht

    was mich daran stört ist die das olle Stereotyp das damit wieder vermittelt wird.
    Deutschland: Kuckusuhr, Bier, Seppelhut, Lederhose, Oktoberfest
    USA: Cola, Hamburger, Schiesseisen, Cowboys
    und mal wieder Japan: Ubahngedränge, perverse Comics, kleinste Autos, Samurai usw usw
    dass sowas auch anders geht sollte klar sein.

    also liebe zukünftigen Japan/Tokiobesucher - bleibt zur übelsten Rushhour einfach draussen aus den Bahnen dann lässt es sich total relaxt fahren, ein Traum im Vergleich zur DB.
  4. #53

    ....

    Zitat von Gibsonman Beitrag anzeigen
    Da stehe ich dann doch lieber mit dem Auto etwas im Stau :)
    Versuchen sie mal mit dem Auto in den Szosszeiten von den Vororten nach Tokio reinzufahren,.... viel Spass...
    Und übrigens, die STadtautobahn Maut und vor allem der Parkplatz in der City kostet mehr als sie im MOnat verdienen.
    Wo auch immer sie wohnen mögen, im Gegensatz dazu ist Tokyo eben keine Kleinstadt.... wissen wieviel 36 Millionen Menschen sind?
  5. #54

    ....

    Zitat von ryul Beitrag anzeigen
    Oje, Sie scheinen ja Ahnung zu haben.
    Tokyo ist eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt, ca. 34 Mio. Menschen leben dort.
    Das es dann in den Metrozügen zu Engpässen kommt, ist ja wohl mehr als zu erwarten.
    Mir ist es zwar nicht passiert, dass .....
    Der Verkehr ist allerdings in den Stosszeiten tatsächlich so, wie die phantastisch genauen Fotos suggerieren. Wer nicht die Möglichkeit hat zu anderen Zeiten seine Arbeit beginnen zu können, der muss sich schon so transportieren lassen.
    Dazu kommt noch, dass die Anreise bei den meisten um die eineinhalb bis zwei Stunden dauert.
    Traurige Realität ist, dass im Staate Japan keine Individuen erwünscht sind, sondern funktionierende Marionetten, die für die Grösse des Vaterlandes funktionieren. John Updike nennt sie einem seiner Rabbit Romane völlig zutreffend "Robot Monkeys".
    Die Konditionierung dazu bekommen Japaner schon von frühester Jugend eingebleut und dann werden sie im "wahren Leben" halt so behandelt, wie die Bilder es zeigen.
  6. #55

    Zukunft?

    Zitat von zynik Beitrag anzeigen
    "Viehtransport Humankapital" hätte ich als Titel passender gefunden. Die menschliche Duldsamkeit geht gerade in Japan bis zur kompletten Selbstaufgabe.
    Aber nein. Genau das wollen doch die Klimafetischisten uns allen aufbrummen. Genau diesen Blödsinn verkaufen uns doch die ganzen möchtegern-Eliten als erstrebenswerte Zukunft: keinen Individualverkehr mehr sondern nur noch Viehtransporte.
    Ich steige jetzt jedenfalls in mein schön grosses SUV und fahre gemütlich nach Hause.
  7. #56

    aehnliches Bild in Peking

    In Peking sieht es morgens zw. 7h und 9h und abends zw. 17.30h und 20h genauso aus... nur tragen hier weniger Leute Anzuege ;-)
  8. #57

    Zahlen luegen gerne.

    Zitat von Karl_Lauer Beitrag anzeigen
    Ähnliches spielt sich sicher in vielen modernen Metropolen zwischen 7h und 9h morgens ab, in Japan ist es aber wahrscheinlich aufgrund der extrem hohen Bevölkerungsdichte nochmal etwas enger (in Zahlen: 100 Menschen mehr pro km² als in Deutschland).
    Die Bevoelkerungsdichte Japans liegt damit aber immer noch unter der Beligens oder Hollands.
    Die Ballungsgebiete (Tokyo und "Kansai") sind allerdings eine andere Geschichte. Wenn man darueber nachdenkt nicht weiter verwunderlich (Insel -> Grossteil Gebirge), aber im ersten Moment ueberraschend.

    Zitat von Karl_Lauer Beitrag anzeigen
    Ich äußere ebenfalls meine Zufriedenheit mit der morgendlichen Zugfrequenz der Kölner Verkehrsbetriebe auf den Linien 12 & 18 und fahre momentan anschließend ganz entspannt mit einem fast leeren Regio aus Köln heraus ins Umland. So lässt es sich morgens gut aushalten im Nahverkehr.
    Das ist in Tokyo nicht anders. Wer aus Tokyo ins Umland faehrt wird diese Bilder nicht nachvollziehen koennen. Diese Beschraenken sich auf wenige Linien, die aus dem Umland durch die wenigen Knotenpunkten in das Innland fuehren. Nicht Umsonst kommen durch einen Bahnhof wie Ikebukuro pro Tag mehr Leute als in Koeln wohnen.
  9. #58

    Großstadtsmog

    Zitat von xsreality Beitrag anzeigen
    ... Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten, Großstadtsmog, Flimmerkiste TV/Internet, Schlafen ... TOP LEBEN ...
    Ueberraschender Weise finde ich die Luft in Tokyo bedeutend atembarer als in den meisten deutschen Staedten. Auch Dank der abgebildeten U-Bahnen ist der Verkehr weitaus ueberschaubarer, was sich unmittelbar auswirkt.
  10. #59

    Frischluft

    Zitat von Develin Beitrag anzeigen
    Ueberraschender Weise finde ich die Luft in Tokyo bedeutend atembarer als in den meisten deutschen Staedten. Auch Dank der abgebildeten U-Bahnen ist der Verkehr weitaus ueberschaubarer, was sich unmittelbar auswirkt.
    Die prozentualen Anteile von Privat- und Geschaeftsverkehr sind ca. umgekehrt zu den deutschen Verhaeltnissen. Mit den derzeitig vorhandenen Privatverkehrskonzepten ginge es auch gar nicht anders. Die Bahnlinien sind das einzig moegliche Verkehrsmittel, mit dem sich der Massentransport bewaeltigen laesst. Dass die Luft im Grossraum durch die Belastung mit mehreren Tonnen Dieselruss pro Tag (lt. Veroeffentlichung des jap. Verkehrsministeriums) atembarer sein soll, wo durch die Haeuserschluchten auch noch der Luftaustausch behindert wird, ist jedoch nur schwer nachvollziehen. Als passionierter Fahrradfahrer entspricht das auch nicht meinen persoenlichen Erfahrungen, wobei ich nie im Pott unterwegs war, in so einigen anderen deutschen Grossstaedten dagegen schon.