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Twitter-Eklat auf Bundespressekonferenz: Netz spottet über Hauptstadtjournalisten

Müssen sich arrivierte Hauptstadtjournalisten mit neumodischem Zeug wie Twitter herumschlagen, um in Sachen Bundesregierung auf dem Laufenden zu bleiben? Ja, findet das Bundespresseamt. Manche Journalisten fühlen sich übergangen. Eine Posse über Herrschaftswissen in Zeiten des Netzes.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...753789,00.html
  1. #50

    twitternde Regierungssprecher

    Zitat von sappelkopp Beitrag anzeigen
    ...erwarten wir vom durchschnittlichen Journalisten mehr Internet-Affinität als vom durchschnittlichen Rechtsanwalt?
    Kurze Frage - kurze klare Antwort.
    Ja, ich erwarte von Berufsgruppen, die medialvermittelte Kommunikation zum Hauptbestandteil ihrer Profession haben, dass sie mit den üblichen Kommunikationskanälen vorurteilsfrei und offen umgehen.
    Zitat von danielluecking Beitrag anzeigen
    Wie Webdienste wie Twitter nun auch immer bewertet werden mögen: Journalisten müssen dort sein, wo Menschen und Informationen sind ...
    Wer im letzten halben Jahr die Netzrelevanz nicht erkannt hat, der darf sich gleich aus dem Berufsstand verabschieden.
    Dem kann ich nur zustimmen. Einer breiten Masse seine Nachrichten zu vermitteln, ist heute kein Monopol des Journalismus mehr. Gerade in der zunehmenden Informationsflut der heutigen Realität – bei der Vielfalt an Nachrichten und Nachrichtenkanälen – gewinnt der Berufstand des Journalisten aber zusätzliche Bedeutung – als verlässlicher Filter dieser Masse. Er rezipiert zunächst einmal selber, selektiert, gewichtet und verifiziert die Flut und vermittelt anschließend weiter. Eben dadurch kann und sollte er sich von Laien in der massenmedialen Kommunikation unterscheiden. Woher kommt die Scheu oder der Unwillen, sich mit mehr als einem Kanal zu befassen?
    Zitat von vopana Beitrag anzeigen
    Man muss sich schon registrieren, wenn man bei http://twitter.com/RegSprecher die Tweets von Regierungssprecher Steffen Seibert lesen will!
    Twitter schafft eine Teilöffentlichkeit und Twittern ist nichts anderes als eine Erscheinungsform von öffentlicher Kommunikation. An dieser öffentlichen Kommunikation kann grundsätzlich jeder ohne größere Hürden (Internetzugang, Hardware, …) teilnehmen sowie jeder ohne größere Hürden (Fernsehanschluss, Empfangsgerät,…) einer ausgestrahlten Bundespressekonfernz bewusst folgen könnte.
    Ich erkenne keinen relevanten Unterschied in einem öffentlich geführten und medial vermittelten, spontanen Wortwechsel, weil er getwittert oder weil er von Fernsehkameras in die Welt übertragen wurde. In beiden Fällen muss ich natürlich vorher den Kanal bewusst ausgewählt haben / eingeschaltet haben und das Geschehen verfolgen, ja, aber sonst?
    Zitat von Caldwhyn Beitrag anzeigen
    Guter Journalismus wäre wohl gewesen, http://www.bildblog.de/ als Quelle zu nennen, oder wollen Sie uns ernsthaft verkaufen, dass *zufällig* dieses Thema hier am gleichen Tag aufgegriffen wird, wo es in den 6 vor 9 News bei BildBlog steht? Honi soit qui mal y pense...
    http://carta.info/ --> 28.03.2011 um 23:39
    http://www.bildblog.de/ --> 29.3.11 um 8:54
    Nur so... mal am Rande...
    Zitat von Samuel Hastrim Klepp V Beitrag anzeigen
    Dem kann man so nicht zustimmen. Twitter ist eine hervorragende Informationsquelle, um sich Informationen zu beschaffen. Voraussetzung ist, dass man die Quelle verifiziert hat und nicht dem hier aufsitzt.
    Es ist ein Grundprinzip journalistischen Handelns, wenn (berechtigte) Zweifel an der Authentizität einer Aussage/Meldung hat, sich zu vergewissern, nachzufragen, zu versuchen sie zu verifizieren. Ein großer Unterschied bezüglich der Sicherheit des Kommunikationskanals kann ich auch zu klassischen bzw älteren Kanälen nicht erkennen.
  2. #51

    Zwitter-Eklat

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Müssen sich arrivierte Hauptstadtjournalisten mit neumodischem Zeug wie Twitter herumschlagen, um in Sachen Bundesregierung auf dem Laufenden zu bleiben? Ja, findet das Bundespresseamt. Manche Journalisten fühlen sich übergangen. Eine Posse über Herrschaftswissen in Zeiten des Netzes.

    http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...753789,00.html
    Was soll der Müll? Niemand braucht Twitter! Das ist so überflüssig wie viele andere Techniken im Web. Immer und überall online und erreichbar sein ist einfach nur noch krank und reflektiert den Zustand unserer Gesellschaft. meine Bekannten, Freunde, Familienangehörigen und ich werden uns weder über Twitter oder sonst etwas vernetzen!
  3. #52

    Hinterm Twitter-Mond?

    Man muss heutzutage kein technik-affiner Nerd sein, um sich mit Twitter und Co auszukennen, im Gegenteil: "Ältere" (und damit ist die Generation 50+ gemeint) nutzen mittlerweile genauso eifrig die vielfältigen Angebote der großen weiten Social Media Welt wie Jüngere, die gewissermaßen mit den Segnungen der Technik groß geworden sind.
    Eine aktuelle Studie von emnid hat dies gerade bewiesen:

    http://blog.marketingshop.de/virtuel...-berufsalltag/

    Nur bei den "Hauptstadtjournalisten" scheint dies noch nicht angekommen zu sein.
  4. #53

    Irritierend.

    Zitat von Niamey Beitrag anzeigen
    Was soll der Müll? Niemand braucht Twitter! Das ist so überflüssig wie viele andere Techniken im Web. Immer und überall online und erreichbar sein ist einfach nur noch krank und reflektiert den Zustand unserer Gesellschaft. meine Bekannten, Freunde, Familienangehörigen und ich werden uns weder über Twitter oder sonst etwas vernetzen!
    Was hat Twitter mit "überall erreichbar" zu tun?
    Und was haben Ihre Freunde und Sie - offenbar hinter dem Mond und stolz darauf - mit der Hauptstadtpresse zu tun?
  5. #54

    Der im Faxzeitalter Steckengebliebene ...

    ha ha, ein schönes Bild und eine schöne Diskussion. Höchst emotional und höchst überflüssig.

    Als Mensch im fortgeschrittenen Alter weiß man, dass es sowas immer wieder mal gibt. Menschen, die nicht mehr mitwollen und Technologien, die diese Menschen überrollen.

    Damals beim Übergang von der Pferdekutsche zum Automobil war es ähnlich ...
  6. #55

    Nachgeschmack

    Also ich weiß ja nicht. "Frau Merkel ißt jetzt ein Brötchen und fährt dann zur Pressekonferenz" - ja, gerne, das paßt zu einem Dienst wie Twitter. Aber jegliche halbwegs offiziellen Ankündigungen wie Pressetermine gehören doch bitte in ein entsprechendes Umfeld, und sei es auch nur ein simpler Mail-Verteiler oder eine Webseite.

    Wie hier mehrfach geschrieben wurde, will Twitter vor allem ein soziales Netzwerk sein und wird - zumindest von mir - auch als solches wahrgenommen. Wenn darüber jetzt irgendwelche offiziellen Ankündigungen verbreitet werden, die vor allem Menschen außerhalb des Netzwerkes betreffen, hat das einen etwas säuerlichen Nachgeschmack. Zu einer Information gehört nicht nur der Inhalt, sondern auch der Kontext.

    Twitter wird durch diese Aktion eine gesellschaftliche Relevanz bescheinigt, die dieser Dienst einfach nicht hat. Demnächst zwitschert man dann fröhlich den Ausstieg vom Moratorium zum Ausstieg vom Ausstieg fröhlich daher, und das soll dann noch irgendwer ernstnehmen. Zwitscher zwitscher, wir sind ja so furchtbar vernetzt.

    Politiker "zum Anfassen", die sich mit ihren Bürgern via Twitter "vernetzen" und Nichtigkeiten austauschen - bitte. Twitter als offizielle Ankündigungsplattform - bitte nicht.
  7. #56

    Gesellschaftliche Relevanz

    Zitat von berufskonsument Beitrag anzeigen
    Also ich weiß ja nicht. "Frau Merkel ißt jetzt ein Brötchen und fährt dann zur Pressekonferenz" - ja, gerne, das paßt zu einem Dienst wie Twitter. Aber jegliche halbwegs offiziellen Ankündigungen wie Pressetermine gehören doch bitte in ein entsprechendes Umfeld, und sei es auch nur ein simpler Mail-Verteiler oder eine Webseite.

    Wie hier mehrfach geschrieben wurde, will Twitter vor allem ein soziales Netzwerk sein und wird - zumindest von mir - auch als solches wahrgenommen. Wenn darüber jetzt irgendwelche offiziellen Ankündigungen verbreitet werden, die vor allem Menschen außerhalb des Netzwerkes betreffen, hat das einen etwas säuerlichen Nachgeschmack. Zu einer Information gehört nicht nur der Inhalt, sondern auch der Kontext.

    Twitter wird durch diese Aktion eine gesellschaftliche Relevanz bescheinigt, die dieser Dienst einfach nicht hat. Demnächst zwitschert man dann fröhlich den Ausstieg vom Moratorium zum Ausstieg vom Ausstieg fröhlich daher, und das soll dann noch irgendwer ernstnehmen. Zwitscher zwitscher, wir sind ja so furchtbar vernetzt.

    Politiker "zum Anfassen", die sich mit ihren Bürgern via Twitter "vernetzen" und Nichtigkeiten austauschen - bitte. Twitter als offizielle Ankündigungsplattform - bitte nicht.
    Die gesellschaftliche Relevanz von Twitter hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt - beim Verbreiten von Nachrichten, bei der Absprache von Revolutionen etc. pp.

    Ich verstehe, dass neue Kommunikationsformen Ängste auslesen bei konservativen Zeitgenossen. Trotzdem funktionieren sie - und es wäre lächerlich, wegen dieser Ängste diese neuen Formen nicht zu nutzen.
  8. #57

    ...

    Natürlich kann man als Journalist "zutiefst verunsichert" sein, wenn denn zukünftig alle Neuigkeiten ohne Zeitverlust getwittert werden. Man kann aber auch ein Medium wie die Zeitung als Hintergrundbeleuchtung von Nachrichtensplittern definieren und sich so als Journalist profilieren.
    Also Twitter: "Merkel bald in USA"
    Zeitung: Warum in USA, mit wem etc.
  9. #58

    Parerga und Paralipomena zu einer Theorie von Twitter

    Twitter ist eine neue Facette dessen, was man mit digitaler Vernetzung alles machen kann - oder besser, es ist ein Kanal dafür. Was über diesen Kanal fliesst, hängt von den Sendern (und evtl. Zensoren :() ab.
    Kurz charakterisiert: es ist eine Art schriftlicher Rundfunk, öffentliche one-to-many-Kommunikation. Der Sender (das kann jeder User sein) weiss nicht, wer auf der Empfängerseite mitliest, wenn diese keinen Feedback geben. Ein Empfänger kann einen interessanten Tweet blitzschnell an seine Follower weiterleiten ("retweeten").
    Im Gegensatz zum Rundfunk (den man natürlich mitschneiden kann) ist ein "Kurzzeitgedächtnis" eingebaut, das zumindest einige Wochen/Monate inspiziert werden kann. Es ist aber nicht garantiert, dass alle älteren Tweets noch verfügbar sind.

    Als weiterer Gegensatz kann man mehrere Sender zugleich verfolgen, bzw. Sender, die einem missfallen, "entfolgen". Jeder User baut sich seine Welt, wie sie ihm gefällt.
    Zum Glück sind die Tweets auf 140 Zeichen limitiert, das fördert prägnante Formulierungen :) URLs, vor allem Kurz-URLs passen meist gut rein.
    Die Piratenpartei bereitet Einführungsveranstaltungen zu Twitter vor:
    http://web.piratenpartei.de/Pressemi...erstuetzung-an
  10. #59

    Gekünstelte Empörung

    Die Empörung der Hauptstadtpresse kann nicht echt sein. - Journalisten, die mit Hilfe von "Netzreportern" Katastrophen-Tweets und Youtube-Videos aus dem WWW ziehen, wollen den wichtigen Tweet des Regierungssprechers verpasst haben? Wohl kaum.

    Warum die Politik diesmal nicht Schuld ist: http://www.bundestagsradar.net/?p=939


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