Von Deutschlands beliebtestem Politiker zum peinlichen Plagiator: Aufstieg und Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg sollen nun fürs Fernsehen verfilmt werden. Top-Produzent Nico Hoffmann plant eine Satire auf den Politikbetrieb im Stil von "Schtonk".
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,790760,00.html
Hier gehe ich mit Ihnen durchaus d`accord - sofern wir wirklich dasselbe meinen. Hochschulbetriebe können durchaus/sind Titel-Hervorbringungsmachinerien. Über eine wirkliche Qualifikation sagt ein Titel sowieso nicht unbedingt etwas aus. Koryphäen auf einem Gebiet benötigen nicht unbedingt einen Titel. Ein Titel KANN eine besondere Qualifikation auf einem Gebiet bedeuten, muß es aber nicht. Genauso gut kann ein Titel als schmückendes Beiwerk mißbraucht werden, welches zur eigenen Biographie dazugehört. Und ob Universitäten ihre Titel ausschließlich nach Leistung vergeben, sei mal dahingestellt.
Ich sehe das so: KtzG ist in einem "besonderen" Stall aufgewachsen, in dem es möglicherweise dazugehört, im Rahmen seiner Biographie bestimmte Dinge anzusammeln. Das ist man seinem guten Ruf und seiner Herkunft "schuldig". Man hat es gar nicht anders gelernt. So ist einfach die familiär-kulturell-genetische Zukunft eingeplant.
Ein Mensch, der in einem anderen Milieu aufgewachsen ist, hat etwas ganz anderes quasi mit der Muttermilch aufgesogen: Wir sind unten, vielleicht schaffst Du die mittlere Reife, vielleicht das Abi, aber ein Alpha-Mensch wirst Du nie. Meistens bleibt es dann dabei. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel.
Zurück zu KTzG: Er hat es möglicherweise nicht anders gelernt, als das ein "Durchmarsch" selbstverständlich ist. Und dann kommt irgendwann der Moment, wo sein ganzes Leben, seine 40jährige Lebensphilosphie infragegestellt wird. Wo er, der eigentlich immer zur "Oberschicht" gehörte, der "nie" wirklichen Hindernissen begegnete, auf einmal sein ganzes Leben und Verhalten in Frage zu stellen hat, wo er auch Demut lernen muß.
Ich sehe so etwas als schwere Lektion, die so jemand zu verinnerlichen hat, eine Lektion, die Scham, Selbstzweifel und eine Neuorientierung des eigenen Lebensweges mit sich bringt oder zu bringen hat. Und an dieser Stelle denke ich, daß die Schmähung der letzten Monate soviel "Lektion" war, daß es irgendwann reicht. Jeder Mensch hat die Chance verdient, aus seinen Fehlern zu lernen.
Es ist doch nicht nur das Plagiat.
Herr zu Guttenberg hat doch auch sowohl als Wirtschaftsminister (Linklater Papier) als auch als Verteidigungsminister (Kundus Affäre, Milliardengeschenk an EADS, Bundeswehrreform) total versagt und bewiesen, dass er kein Vertreter der Bürger ist.
MFG
jolip
Das Verhalten vieler Meinender hier erinnert mich an eine Meute von Schülern, denen der Direktor enen Lehrer zum Fraß vorwirft, der seinen Doktortitel so erworben hat, wie viele der Schreier ihre Versetzung oder ihren Schulabschluss ...
Wenn der so Geschmähte dann auch noch adelig ist, kocht die Volks(Schüler)-seele umso höher und schauerlicher. Schulleitung und Kollegen freut's, so steht man SELBST doch wieder blütenrein da ...
Und deswegen würde ich einen solchen Film begrüßen. Wenn er dann auch noch in der Art von "Schtonk" sein soll, warum nicht? "Schtonk" konnte doch sehr treffend die Gier nach Sensationen, den Führerkult und andere teutonische Tugenden satirisch wunderbar aufzeigen. Wenn das mit einem Film bei Gutenberg ähnlich klappen sollte? Der Film wäre mal wieder ein Highlight (aber bitte ohne Ferres, Neubauer o. Schweiger). Eine Szene, in der KT erschöpft vorm Kamin bei schwachen Licht an "seine Doktorarbeit" schreibt und dabei nebenbei mit den Kindern beaufsichtigt, Anweisungen zur Bewirtschaftungen des Hofes gibt und Post aus seinem Wahlkreis beantwortet. KT alias Hans Dampf - ein besseres Thema für eine satirische Komödie wird man so schnell nicht wieder finden.
Was KtzG gemacht hat (wie vermutlich diverse andere auch) ist ganz sicher nicht gutzuheißen, auch sein Verhalten nach dem Aufdecken dieser Geschichte nicht.
Ich kann zumindest irgendwie nachvollzienen (nicht gutheißen), daß er versucht hat, die Wahrheit öffentlich vor sich herzuschieben. Ich frage mich nämlich, wie Sie oder andere hier in einer solchen Situation reagiert hätten. Hätten SIE es geschafft (egal, was Sie nun angestellt hätten), sich öffentlich vor einem Millionenpublikum hinzustellen, um zu sagen: "Ja, ich habe betrogen"?
Vielleicht braucht es einfach seine Zeit, auch öffentlich seine Fehlern einzugestehen.
Wenn man allerdings schon derart massiv am Pranger steht wie Guttenberg Anfang des Jahres, wo er sich vermutlich am liebsten im letzten Winkel verkrochen hätte, ist das sicherlich nicht ganz so einfach, wie sich manch einer das vorstellt.
Ich frage mich auch heute noch, was der tatsächliche Hintergrund bei der "ehrenhaften" Aufdeckung durch Herrn Fischer-Lescano war.
Des weiteren frage ich mich, weshalb sich manche insbesondere über der Sturz eines Adligen so sehr freuen können.