Ich habe die Sendung nun gestern auf
Youtube gesehen und bin enttäuscht: Da erlaubt Frau Honecker endlich mal ein Interview, und dann kommt da nur so eine Kuscheldoku bei raus, wo Frau Honecker kaffeekränzchenähnlich aus dem Nähkästchen plaudert mit derselben Altersstarrheit wie jeder andere Altersstarre auch.
Ich vermisste, dass man die Frau vor laufender mit knallharten Fakten und Fragen und vielleicht sogar leibhaftigen Opfern konfrontierte. Es hätte genügend Fragen geben können, wo sich Frau Honecker nicht so einfach hätte rausreden können.
Was ich sagen will: Es wurde zu viel darüber geredet (kein Vorwurf!), was die DDR-Führung Bürgern direkt antat; da war doch vorauszusehen, dass Frau Honecker die Schuld von sich weisen würde, die Frau ist ja nicht erst seit Jahresanfang 2012 bekannt.
Es wurde leider zu wenig bis gar nicht darüber geredet, wie die DDR-Führung durch ihre Handlungsweise den Sozialismus (nach deren Definition) und den eigenen Anspruch ad absurdum geführt und letztlich den Staat verraten hat.
Ich hätte z.B. gefragt:
Wenn der Sozialismus denn so toll war, ...
... warum haben dann mehr Leute (sogar unter Einsatz ihres Lebens) versucht, die DDR zu verlassen, als in sie einzureisen?
... warum wurde Opposition dann unterdrückt?
... warum gab es ein Westfernseh-Verbot?
... warum gab es so lange Wartezeiten auf ein neues Auto?
... warum war das DDR-Geld in den industriellen Ländern nichts wert?
... warum musste sich die DDR über F.J. Strauss Geld besorgen?
... warum brauchte es dann eine Stasi?
... warum gab es dann eine Konterrevolution?
... warum waren staatliche Organe und Events denen im Dritten Reich so ähnlich, obwohl man sogar eine Mauer baute, um die Faschisten draußen zu halten ("antifaschistischer Schutzwall")?
... warum durften DDR-Bürger nicht in den Westen ausreisen? Bei so tollem Sozialismus hüben und menschenfeindlichem Kapitalismus drüben wären die Bürger doch alle angewidert zurückkommen und hätten die westliche Welt verflucht.
Man hätte Frau Honecker mit der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aus der Sicht von Frau Honeckers Position bzw. der Position der DDR-Führung konfrontieren sollen.
Leider hat man die Chance verpasst.