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Tunesien und Libyen: Triumph der Islamisten alarmiert Diplomaten

Islamisten haben die ersten freien Wahlen Tunesiens gewonnen, in Libyen will der Übergangsrat die Scharia einführen. Westliche Diplomaten warnen vor einer Radikalisierung Nordafrikas, Liberale fürchten Kopftuchzwang und Alkoholverbot. Den Arabischen Frühling hatten sich viele anders vorgestellt.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...793712,00.html
  1. #190

    .

    Zitat von rieberger Beitrag anzeigen
    Dieser Post erstaunt mich und stößt mich ab. Für mich ein tumber Relativierungsversuch.
    Frei nach Churchill ist Demokratie eine der schlechtesten Staatsformen, aber die einzigst praktikable.

    Die Monarchien haben sich über Jahrhunderte gehalten, war also auch praktikabel und weitaus länger als jede Demokratie. Die muss sich geschichtlich erst noch beweisen.
    Zitat von rieberger Beitrag anzeigen
    Warum? Für die Menschen, für die Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Freiheit der Meinung, der Religion oder kurz Freiheit und Menschenrechte einen ertrebenswerten Zustand oder Wert darstellen, können einer anderen Staatsform nichts abgewinnen.
    Das ist richtig, es gibt aber Menschen die diese Werte nicht- oder nur teilweise teilen oder anders interpretieren.

    Zitat von rieberger Beitrag anzeigen
    Und wir wissen, daß selbst in Demokratien es diesbezüglich nicht immer zum besten steht.
    Wir müssen immer wieder aufs Neue unsere Demokratie verteidigen, Ja!

    Zitat von rieberger Beitrag anzeigen
    Restriktive Staatsformen durch Relativierung salonfähig machen zu wollen, ist entweder naiv oder ein Anschlag auf eine freiheitliche Grundordnung.
    Der Forist hat gar nichts relativiert. Nehmen Sie einfach zur Kenntnis dass andere Länder/Kulturen/Menschen andere Werte haben und auch eine andere Regierungsform bevorzugen.
  2. #191

    Nun

    Zitat von rieberger Beitrag anzeigen
    Dieser Post erstaunt mich und stößt mich ab. Für mich ein tumber Relativierungsversuch.
    Frei nach Churchill ist Demokratie eine der schlechtesten Staatsformen, aber die einzigst praktikable. .
    Ich bewundere Ihre Weltfremdheit, abstossen tut die mich nicht. Sie verwundert mich nur.
    Was auch immer Sie für ein Verständnis von Demokratie haben, ich vermute mal - ungeschützt - es ist nicht das System der Räterepublik, das die Sowjets den Afghanen näher bringen wollten als demokratischstes aller Systeme, es ist vielleicht das britische, das die Engländer den Afghanen näher bringen wollten, als das zivilisierteste alles demokratischen Systeme, möglicherweise ist es das föderalistische der Bundesrepublik oder doch das US-amerikanische? Wer weiss, der Afghane jedenfalls nicht und ich kann mir nicht vorstellen, dass der junge Mann, dessen Vorfahren von Europäern getötet wurden im Namen der Demokratie, dessen Eltern und Geschwister im Namen des nächsten demokratischen Systems getötet wurden, dessen Kinder in Kundus totgebombt wurden , besonders erpicht darauf ist, dieses mörderische System in Afghanistan zu installieren. Dessen Erfahrungen mit der Demokratie beschränken sich auf einen altbewährten Segen: Gott erhalte sie, Allah er halte sie mir vom Leibe.
    Viel Vergnügen mit der einzig praktikablen Regierungsform in China, Afghanistan und Nordkorea. Vielleicht begrüsst Sie ja Achmadenidschad mit offenen Armen, die Perser haben auch schon einige Erfahrungen mit demokratischen westlichen Systemen.
  3. #192

    Daher

    Zitat von calido46 Beitrag anzeigen
    woher nehmen wir eigentlich immer das Recht zu behaupten, nur die Demokratie sei die beste Regierungsform?
    Aus der Erkenntnis, das Demokratie die EINZIGE Regierungsform ist, die es dem Bürger erlaubt gelegentlich die Regierenden für ihre Unfähigkeit zu bestrafen und durch andere (nicht notwendigerweise fähigere) Regierende zu ersetzen.

    Das funktioniert zwar auch in Demokratien nicht immer, aber immer noch besser als in ALLEN anderen Regierungsformen.

    Daher...
  4. #193

    .

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Islamisten haben die ersten freien Wahlen Tunesiens gewonnen, in Libyen will der Übergangsrat die Scharia einführen. Westliche Diplomaten warnen vor einer Radikalisierung Nordafrikas, Liberale fürchten Kopftuchzwang und Alkoholverbot. Den Arabischen Frühling hatten sich viele anders vorgestellt.

    http://www.spiegel.de/politik/auslan...793712,00.html
    Wenn westliche Diplomaten von dem Wahlergebnis alamiert sind heißt dass doch dass sie das nicht für möglich gehalten haben und überrascht worden sind.
    Das bedeutet ebenso dass sie von Land, Leute und Kultur des Landes (und auch der anderen Länder in dieser Region) keine Ahnung haben.
    Für was genau bekommen die Pfeifen eigentlich ihr Geld?
  5. #194

    Mißverständnis ?!

    Zitat von Robert Rostock Beitrag anzeigen
    Wann wurde in Tunesien was "durch NATO-Staaten herbeigebombt"?
    Richtig ist, daß die Bomben nicht auf Tunesien sondern auf Libyen fielen. Ich habe nichts anderes behauptet.
    Aber Sie werden doch nicht bestreiten wollen, daß die Ereignisse in Libyen nicht auch politische Konsequenzen auf Tunesien haben können? Im Moment sieht es so aus, daß es vom "moderaten" Islam eher in die "fundamentalistische" Richtung geht.
    Das soll nicht heißen, daß ich dies begrüße. Ich bin da ein "nicht ganz stiller Beobachter" und "Bedenkenträger", mehr nicht.
  6. #195

    .

    Zitat von markus_wienken Beitrag anzeigen
    ...

    Der Forist hat gar nichts relativiert. Nehmen Sie einfach zur Kenntnis dass andere Länder/Kulturen/Menschen andere Werte haben und auch eine andere Regierungsform bevorzugen.
    Dies habe ich längst zur Kenntnis genommen. Muß ich es deshalb für gut befinden? Die Freiheit als Wert ist universell. Wer Unfreiheit als Wert akteptiert, ist im Gedankengut alles nur kein Demokrat. Die Länder des Maghrebs und des nahen Ostens sollen wählen, wen sie wollen. Das Ausland, das andere Grundwerte hat, dazu gehört sicherlich u.a. Europa, wird dies allein schon aus Eigenschutz, kritisch und distanziert betrachten müssen.
  7. #196

    Titel

    Wer in den letzten Monaten Nachrichten aus Tunesien gehört hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass die Tunesier auf die anstehenden Wahlen mit all den viel versprechenden (nicht vielversprechenden!) Parteien eher mit Ermüdung und Resignation reagiert haben. Da war die Reaktion gar nicht so unähnlich zu den Reaktionen in Deutschland auf die etablierten Parteien.

    Ich denke, vielleicht unterschätzt man die Tunesier da. Sind ja bloß Araber, was wissen die schon...
    Aber es gab die Blicke nach Norden, wie macht man das in Europa, wie funktioniert die Demokratie - und die Enttäuschung, die hierzulande ja auch sehr verbreitet ist. Das Gefühl, dass diese Parteien-"Diktatur" irgendwie auch nicht das ist, was man sich unter Volksherrschaft vorgestellt hat. Viele Gruppierungen, die das Blaue vom Himmel versprechen, um sich hinterher hemmungslos an den Fleischtöpfen bedienen und das Volk vergessen zu können. Diese Ansicht mag vielleicht ein wenig zu radikal sein, aber im Kern - und gerade von außen, d.h. nicht ideologisch auf das demokratische System hin erzogen - ist die Beobachtung nicht ganz falsch.

    Was wir gerade erleben, ist auch eine Absage an den Westen als Vorbild. Und zwar nicht, weil die so furchtbar dumm wären, sondern weil unser System ebenfalls dringend reformbedürftig ist - wie wir eigentlich auch selbst wissen. Es ist also nicht überraschend, dass man sich derzeit an einem der wirtschaftlich und politisch erfolgreichsten Systeme orientiert, nämlich an der Türkei. Das mag nicht ideal sein, aber es ist nachvollziehbar. Die Islamisten haben die Wahl letztlich wohl damit gewonnen, dass sie versprochen haben, eine tunesische AKP zu sein. Ob sie das können oder ob man sich da nicht den Wolf im Schafspelz geholt hat, das wird man dann sehen. Allerdings ist die Messlatte, besser als Ben Ali zu sein, nicht übermäßig hoch. Und die Latte bemisst sich eben nicht nur an den Frauenrechten (die ohne Zweifel wichtig sind), sondern auch an der Rechtssicherheit, der Arbeitslosigkeit, der persönlichen Freiheit usw.

    Man darf nicht vergessen: Viele Tunesier würden Kopftuch tragen, wenn sie dafür eine Arbeit und ein sicheres Auskommen bekämen. (Und wahrscheinlich auch viele verarmte Nicht-Muslime...)
  8. #197

    .

    Zitat von karl-felix Beitrag anzeigen
    Ich bewundere Ihre Weltfremdheit, abstossen tut die mich nicht. Sie verwundert mich nur.
    Was auch immer Sie für ein Verständnis von Demokratie haben, ich vermute mal - ungeschützt - es ist nicht das System der Räterepublik, das die Sowjets den Afghanen näher bringen wollten als demokratischstes aller .....
    Ich bin mit Sicherheit nicht weltfremd und möchte auch niemandem, der nicht willens ist, so etwas wie Demokratie aufzwingen, sei es eine Räterepublik etc.pp.
    Im übrigen, was bringen Sie die Kolonialvergangenheit ins Spiel. Diese Länder haben sich davon befreit.
    Und selbstverständlich ist die Demokratie die einzigste Staatsform, die eine Kontrolle der Macht zuläßt und Mißbrauch abwählen läßt. Ihre Verknüpfung meiner Meinung mit Ahmeninedschad und Nordkorea ist reinste Polemik. Verstehen sie mich ruhig weiterhein bewußt falsch und pflegen Sie Ihre Kultur der Polemik!
  9. #198

    .

    Zitat von derandersdenkende Beitrag anzeigen
    Das soll nicht heißen, daß ich dies begrüße. Ich bin da ein "nicht ganz stiller Beobachter" und "Bedenkenträger", mehr nicht.
    Lybien ist nicht isoliert. Die haben ihr Öl, und mit dem nehmen sie am Weltmarkt teil. Mit dem Geld nun müssen sie wirtschaften und in die Zukunft denken. Wenn sie schlau sind, installieren sie Solaranlagen und bauen selbst solch Module. Ein Solarmodul läßt sich ja durch sich selbst herstellen, und so kann Nordafrika schon insgesamt Energielieferant bleiben. Eine Demokratie heißt Minderheitenschutz und freie, geheime Wahlen. Demokratie heißt Gewaltenteilung. Jede Demokratie sieht anders aus, weil eine Demokratie ist nicht abzukoppeln von der Landeskultur. Demokratie heißt auch Kultur. Lybien hat alle Zeit der Welt für seine Identität. Tunesien auch, Ägypten auch. In Nordafrika finden weiterhin statt und fanden statt Revolutionen. Das Unterste kehrt sich nach oben. Der Unterste und Ärmste und Letzte erschoß den Obersten und Reichsten, den Diktator. Sehr nach Lehrbuch das Ganze.

    Aber wir in Europa erleben auch eine Revolution. Bei uns klappt nämlich der Kapitalismus zusammen.
  10. #199

    .

    Zitat von derandersdenkende Beitrag anzeigen
    Richtig ist, daß die Bomben nicht auf Tunesien sondern auf Libyen fielen. Ich habe nichts anderes behauptet.
    Aber Sie werden doch nicht .....
    Was genau deutet denn nun darauf hin, dass es in Richtung fundamentalistischer Islam geht?
    Dass eine islamische Partei die Wahl gewonnen hat? Hui, da haben wir wohl auch in Deutschland eine fundamentalistische christliche Regierung?
    Nur weil die in Tunesien lange unterdrückten "konservativen" Kräfte eine Wahl gewonnen haben, heißt es doch nicht dass es Fundamentalisten sind.


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