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Tunesien: Ernüchterung im Land der Revolutionäre

REUTERSIn Tunesien nahm der "Arabische Frühling" seinen Anfang. Doch von der Euphorie ist wenig geblieben. Das Land leidet unter Massenarbeitslosigkeit, die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt. Besuch in Sidi Bouzid, wo alles begann.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...850389,00.html
  1. #1

    Schief gegangen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Tunesien nahm der "Arabische Frühling" seinen Anfang. Doch von der Euphorie ist wenig geblieben. Das Land leidet unter Massenarbeitslosigkeit, die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt. Besuch in Sidi Bouzid, wo alles begann.

    Tunesien: Ernüchterung im Land der Arabischen Revolution - SPIEGEL ONLINE
    Zum Thema -Perspektiven für junge Menschen- fehlen als vierter Punkt noch zwei Vorfälle, bei denen zuletzt Busse mit Touristen von Islamisten überfallen wurden. So etwas gab es früher nicht, Tunesien galt als völlig problemlos. Nun wird in Reisebüros von Tunesien abgeraten.
    Das wirkt sich auf die Arbeitsplatzsituation viel graviernder aus, als die Fehlleitung lokaler Fördermittel.
  2. #2

    Nur Ernüchterung?

    Der Arabische Frühling ist ein Märchen aus 1001 Nacht! Das haben unsere Politiker und unsere Journalisten fantasiert und ihre weltfremden Träume in diese Länder projektiert.

    In Wirklichkeit haben alle nordafrikanischen Länder bei freien Wahlen die Demokratie abgewählt und die Islamisten an die Macht gewählt. Und die haben mit Demokratie absolut nichts am Hut.
  3. #3

    Dumm gelaufen

    Tunesien kann mit seiner Bevölkerungs-"Explosion" seine wirtschaftlichen Probleme nicht lösen. Zu viele und eine immer stärker anwachsende Zahl junger Menschen brauchen Arbeit und Einkommen - und haben keine Chance:
    Dies gibt ein ideales Feld für weiteren Zulauf zu den Salafisten.
    Ähnliches gilt für Ägypten, wo die Menschen in wenigen Monaten merken werden, dass die Muslimbrüder ihre wirtschaftlichen Probleme nicht lösen können.
    Selbst das ölreiche Libyen bleibt unruhig und die Salafisten scheinen unaufhörlich zu wachsen. Heute berichten die Nachrichtenagenturen von zwei Bombenanschlägen in Tripolis - eine vor einer Polizeischule für Frauen. Und westliche Investoren bekamen vor zwei Wochen einen ordentlichen "Schuss vor den Bug". Bei Joint-Ventures ist nur noch eine ausländische Maximalbeteiligung von 49% erlaubt. (Unter Gaddafi waren es bis zu 65%)
    Dumm gelaufen.
  4. #4

    Auftrag

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Tunesien nahm der "Arabische Frühling" seinen Anfang. Doch von der Euphorie ist wenig geblieben. Das Land leidet unter Massenarbeitslosigkeit, die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt. Besuch in Sidi Bouzid, wo alles begann.

    Tunesien: Ernüchterung im Land der Arabischen Revolution - SPIEGEL ONLINE
    Die Revolutionen haben den Menschen Moeglichkeiten eroeffnet, die sie zuvor nie hatten. Diese umzusetzen ist ein langer, schwieriger Prozess.
    Dass dort ploetzlich Demokratien nach westlichem Muster entstehen wuerden, hatte doch wohl niemand ernsthaft geglaubt.
    Entscheidend fuer die Zukunft wird sein, ob sich in der Bevoelkerung Mehrheiten finden lassen, die eine Veraenderung und mehr Freiheiten ueberhaupt wollen.
    Dann wird sich mittelfristig etwas zum Positiven aendern.
    Ich kann das z.Z. zwar nicht erkennen, aber die jungen, moderneren Menschen dort haben einen Auftrag, den sie frueher nicht ohne Gefahr fuer Leib un Leben annehmen konnten.
    Wunder geschehen nicht.
  5. #5

    Schlecht informiert.

    Zitat von robert.haube Beitrag anzeigen
    ...
    Und westliche Investoren bekamen vor zwei Wochen einen ordentlichen "Schuss vor den Bug". Bei Joint-Ventures ist nur noch eine ausländische Maximalbeteiligung von 49% erlaubt. (Unter Gaddafi waren es bis zu 65%)
    Dumm gelaufen.
    Da sind Sie sehr schlecht informiert, diese 49/51%-Regel gibt es seit 1973, damals hatte Gaddafi internationale Firmen in Libyen enteignet.
  6. #6

    offen und frei

    Zitat von internetwitcher Beitrag anzeigen

    In Wirklichkeit haben alle nordafrikanischen Länder bei freien Wahlen die Demokratie abgewählt und die Islamisten an die Macht gewählt. Und die haben mit Demokratie absolut nichts am Hut.
    wichtig ist das wort "freie wahlen".

    diese möglichkeit gab es unter den despoten nicht, es gab nur den befehl von oben.

    das menschen in unterschiedlichen ländern unterschiedlich wählen ist normal, das ist manchmal schwer zu verstehen und zu tolerieren.

    das in islamisch geprägten ländern der islam als politisch bestimmende form gewicht haben würde war leider zu erwarten, die pest der religiösen indoktrinierung und bigotten intoleranz ist im islam leider gewachsen und nicht weniger geworden.

    damit haben die jungen demokratien in den nächsten jahren zu kämpfen, aber es besteht zumindest die aussicht sich der bigotten religiösen umklammerung entziehen zu können.

    wer sich den despoten entziehen konnte kann sich auch bigottem religiösen wahn entziehen.

    solange die demokratischen basics u.a. "freie wahlen" nicht abgeschafft werden ist alles offen.
  7. #7

    Vergangene Woche

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    In Tunesien nahm der "Arabische Frühling" seinen Anfang. Doch von der Euphorie ist wenig geblieben. Das Land leidet unter Massenarbeitslosigkeit, die Meinungsfreiheit ist eingeschränkt. Besuch in Sidi Bouzid, wo alles begann.

    Tunesien: Ernüchterung im Land der Arabischen Revolution - SPIEGEL ONLINE
    Vegangene Woche erschienen zwei Zeitschriften mit einer leeren Titelseite aus Protest gegen die Politik der Islamisten. Zeitungen die frueher dem Ben Ali Clan gehoerten werden nun nach der Verstaatlichung von Personen mit islamistischem Hintergrund gemanaged. Soviel auch zur Einschraenkung der Meinungsfreiheit.
    Anderes Thema: in Tunesien gibt es jetzt auch Auseinandersetzungen von Schiiten und Salafisten.
    Tunisie – Affrontements entre chiites et salafistes à Gabès (Vidéo) | Businessnews.com.tn
  8. #8

    Zitat von ratxi Beitrag anzeigen
    Wunder geschehen nicht.
    So ist es; Tunesien hat keinen reichen Bruderstaat wie die DDR, der zig milliarden für den wirtschaftlichen Aufbau bereitstellt. Bekanntlich zahlen die BRD-Bürger noch heute, 22 Jahre nach der Revolution, eine "Ergänzungsabgabe" für die Revolutionäre der DDR, einschließlich die ehemaligen Staatsfunktionäre!

    Komisch ist, bei uns wird Helmut Kohl wegen der versprochenen "blühenden Landschaften" beschimpft oder verlacht, im Fall Tunesien werden die Revolutionäre beschimpft, weil sie keine Wunder vollbringen. Manchen Leuten ist jedes Argument recht, um ihr ideologisches und islamfeindliches Weltbild zu retten. In ihrer Verbohrtheit würden sie sich über das Scheitern der Revolution noch freuen und sich damit brüsten.

    Entscheidend ist, dass die Tunesier nun gewaltfrei ihre Konflikte lösen und unterschiedliche Interessen artikulieren können, ohne Repressalien des Staates fürchten zu müssen.
    Entscheidend ist die Einrichtung und Umsetzung des Rechtsstaates.
    Entscheidend ist die Bekämpfung von Korruption und Bestechlichkeit der Behörden und die Schaffung von Vertrauen.
  9. #9

    komplette Fehleinschätzung...

    ...dass sich in arabisch/islamischen Ländern irgend etwas auf nachhaltige Weise in Richtung westliche Demokratie bewegen sollte. Und warum sollte es das denn? Es sind Länder, die nicht zum westlichen Kulturkreis gehören. Alle Voraussetzungen, um so etwas wie demokratische Zivilgesellschaften aufzubauen, fehlen dort: eine nicht korrupte effiziente Verwaltung; Politiker, die sich dem Land verpflichtet fühlen und nicht dem eigenen Clan; das Ideal einer pluralistischen, Minderheiten schützenden Gesellschaft; ein nachvollziehbares und auch funktionierendes Steuersystem; Gewaltenteilung und Verfassungshoheit; ein effizientes Bildungsystem; Hochschulen mit international kompatibler Lehre und Grundlagenforschung etc.pp. Es gab bislang im arabisch/islamischen Raum kein einziges Land, in dem diese Dinge auch nur ansatzweise verwirklicht waren oder wo sich Derartiges zumindest als gemeinsames, mehrheitlich von der Gesellschaft getragenes Ziel abzeichnet. Stattdessen wird die Reise dorthin gehen, wo sich die kulturelle und gesellschaftliche Identität dieser Länder verwirklicht: Herrschaft des jeweils stärksten Clans; Primat des Religiösen über alle Teile der Gesellschaft; Unterdrückung von Frauen und Minderheiten; wirtschaftlicher, kultureller, technologischer und wissenschaftlicher Stillstand etc.pp. Oder, um mit S. Beckett zu sprechen: "The sun shone, having no alternative, on the nothing new"








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