Forum


 

Tücken der Nachtarbeit: Irgendwann macht der Körper schlapp

Manche halten fünf Jahre durch, andere dreißig. Doch auf Dauer macht Nachtarbeit krank, oft auch dick und einsam. Wer kann, steigt aus. Aber Millionen Menschen müssen bei Wechselschichten 'ran - wie überlebt man das, ohne die Gesundheit zu opfern?

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...756417,00.html
  1. #1

    Krank

    Viele wichtige biochemische Vorgänge im Organismus aller Lebewesen folgen einem Tag-Nacht-Rhythmus. Das Einhalten des Rhythmus ist so essentiell für die Gesundheit wie der Schlaf selbst. Ein ständiges Durchbrechen des Rhythmus stellt eine Körperverletzung dar, mit ernsthaften Folgen für die Gesundheit. Dies sollte als versicherungsrechtlich relevanter Tatbestand anerkannt werden, damit die Millionen Betroffenen endlich bessere Arbeitsbedingungen einfordern können.
  2. #2

    ...

    Zitat von ecua Beitrag anzeigen
    sollte verboten werden. Wir sollten wieder mit weniger zufrieden sein, kürzere Öffnungszeiten, längere Lieferzeiten
    denn die Nacht ist nicht ohne Grund dunkel, da sollte man besser schlafen...
    Fragt sich nur, wie dann Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei, Energiebetriebe usw.... am Laufen gehalten werden.
    Auf ein Mindestmaß begrenzen, ja! Aber ganz abschaffen wird kaum gehen. Es wäre nur mal schön, wenn eine unabhängige Kommission mal testet, welcher Schichtrhytmus denn nun der verträglichste ist. Ich habe über 20 Jahre in Schichten gearbeitet. Und immer, wenn eine neue Abfolge kam, wurde erzählt, dass es JETZT die gesundheitlich beste Variante ist.
  3. #3

    Der Mensch ist ein tagaktives Tier...

    Ich habe ein paar Jahre, als ich noch jung war, nur nachts gearbeitet. Das ging ganz gut - was kaputt machte, waren Wechselschichten; d.h. eine Nachtschicht von 12 Std., danach 24 Std. frei, dann eine Tagschicht und wieder gewechselt...

    Ich hatte zum Glück Kollegen, die nur tagsüber arbeiten wollten, so haben wir getauscht, das ich alle Nachtschichten hatte, aber nie wechseln musste.

    Ok, heute gibt es im Gesundheitswesen keine 12 Std. Schichten mehr, aber der Wechsel ist immer noch da - und der macht einen richtig fertig (was ich gerade an meiner Tochter sehe, die jetzt als Krankenschwester arbeitet).

    Nach ein paar Jahren übrigens wieder in einem normalen Tagesrythmus gearbeitet, also nur tagsüber - die Umstellung von jahrelangen Nachtschichten auf normale Arbeitszeiten dauerte sehr lange, das Aufstehen morgens um 6:00 war lange eine echte Qual.

    Der Mensch ist halt von Natur aus ein tagaktives Tier...
  4. #4

    ...

    Mir würde es schon reichen, wenn der Nachtdienst vernünftig alimentiert wird.
    Momentan gibt es 2,72 EUR steuerfrei obendrauf, aber mein Dienstherr überlegt recht laut, dass er das auch noch besteuern will. Da frage ich mich, was dem Dienstherrn meine nächtliche Aktivität wert ist.

    Ganz abgesehen davon mache ich sehr gerne Nachtdienst und das schon seit 20 Jahren. Ich vermag das bis jetzt durch Sport und halbwegs gesunde Lebensweise ganz gut zu kompensieren.
  5. #5

    Es ist schon seit vielen Jahren bekannt,

    dass Schichtarbeit krank macht und dass sie Partnerschaften und Familien zerstören kann.
    Aber wen interessiert das schon, wenn es um Firmenprofite geht oder um das Eintauchen in grenzenlose Spaßwelten, z.B. beim nächtlichen Einkaufen?
  6. #6

    Bin gestorben...

    4 Jahre Extremarbeit als Selbstständiger: Eine Videothek, einen An- und Verkauf und Nachts habe ich Brötchen ausgefahren.

    Morgens um 8 habe ich den An- und Verkauf geöffnet, ab 10 Uhr die Videothek. Mittagspause von 13 bis 14 Uhr. Läden um 19 Uhr geschlossen. Bis 21 Uhr Büroarbeit. Ab ins Bett. Aufstehen um 1 Uhr Nachts, ab zur Backstub. ab 2:30 ca. 60km Fahrt mit 45 Kunden im Stadtgebiet. Fertig gegen 6 Uhr. 1,5 Stunden schlafen, dann aufstehen um um 8 Uhr wieder von vorne anzufangen. Den Nachtjob hatte ich 7 Tage die Woche, die Läden 6 Tage.

    Das es mir immer schlechter ging merkte ich gar nicht, der Rubel musste rollen, Krank werden ging nicht.
    Eines Nachts bekam ich dann kaum noch Luft, bin dann "mal eben" schon zimelich daneben ins Krankenhaus gefahren um dann dort in der Notaufnahme zu sterben.
    Man hat mich reanimiert, eine Lungenembolie diagnostiziert und als Ursache schwere Diabetes und Dehydrierung festgestellt.

    Den Schuss vor den Bug habe ich mir zu Herzen genommen, Diabetes habe ich zwar immer noch aber dafür nur noch einen geregelten 8-Stunden Tag trotz (?) Selbstständigkeit.
    Heute ist mir meine Gesundheit wichtiger als Geld. Davon habe ich unter der Erde nichts mehr..
  7. #7

    -

    Nun - jeder kann ja arbeiten wann er will.

    Die zentrale Frage ist:
    Wie verhindern wir als Gesellschaft das jemand Nachtschichten machen *muss*? (weil er nichts anderes findet etc...)

    Finden wir eine Antwort auf diese Frage dann könnten wir z.b. auch die Ladenöffnungszeiten abschaffen.
  8. #8

    Burning of the Midnight Oil

    Ich glaube nicht, dass Nachtarbeit krank macht. Wechselschichten vielleicht. Vermutlich ist es aber fremdbestimmte, abhängige und schlecht bezahlte Arbeit, die krank macht. Am Tag wie in der Nacht.

    Ich schreibe schon mein Leben überwiegend nachts. Nachmittags eher Organisatorisches, Bürokram, Telefonate. Bin weder fett noch einsam, noch krank, noch schlapp. Ich jogge gegen Mitternacht.
    Krank macht mich, wenn Handwerker nachts um zehn Uhr morgens bei mir aufschlagen wollen. Vor zwölf läuft da gar nichts.
  9. #9

    Irrglauben

    Zitat von the_flying_horse Beitrag anzeigen

    Ok, heute gibt es im Gesundheitswesen keine 12 Std. Schichten mehr, aber der Wechsel ist immer noch da - und der macht einen richtig fertig (was ich gerade an meiner Tochter sehe, die jetzt als Krankenschwester arbeitet).
    Ich kann dazu nur sagen, daß es ein Irrglauben ist, daß es keine 12 Stunden-Schichten mehr gibt. Ich selber komme gerade aus 3 Nächten 12 Stunden und 45 Minuten (45 Minuten sind die Pause, die man Nachts eh nicht nehmen kann...) im Gesundheitswesen.
    Mit den Nachtdiensten an sich komme ich eigentlich ganz gut klar, so lange es nicht zu viele sind, dann wird's irgendwann schwer. Bloß der Wechsel von Nacht auf Tag fällt mir schwer, ich glaube daß jeder eine eigene innere Uhr hat und jeder mit anderen Schichten und wechseln besser zurecht kommt. Den 12-Stunden-Schichtdienst finde ich eigentlich auch nicht so schlecht, denn dafür hat man auch mal mehrere Tage am Stück frei ohne sich Urlaub nehmen zu müssen.
    Aber anstrengend ist es auf jeden Fall. Ich bin noch jung, aber ob ich das in 20 Jahren noch so gut wegstecke... keine Ahnung. Es bleibt aber ja kaum eine Alternative, Menschen werden immer auch Nachts krank sein ;-)


TOP



TOP