Forum: Blogs
Trotz Nato-Einsatz: Afghanistans Frauen leiden wie unter den Taliban
AFPSie werden geschlagen, eingekerkert, entrechtet: Die Lage von Frauen in Afghanistan ist dramatisch, warnt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Alarm. Es gibt kaum einen Unterschied zu der Zeit, als die Taliban herschten. Der Westen hat das Thema längst aufgegeben.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...824129,00.html
- #200 28.03.2012 13:09 von
- #201 28.03.2012 13:09 von
- #202 28.03.2012 13:25 von
Nicht ganz richtig, aber fast
Das die Amerikaner keine humanitäre Hilfe leisten wollten stimmt schon. Aber scheinbar wollten die Amerikaner gar nicht Europäer in Boot holen:
Hier die Quelle DER SPIEGEL*36/2011 - Ein deutscher KriegVermerke aus dem Kanzleramt, Dutzende von Depeschen aus dem Auswärtigen Amt, Teile des Brief- und Telegrammverkehrs mit George W. Bush. Sie zeigen, wie wenig die Amerikaner an einer deutschen Unterstützung interessiert waren.
Das belegt schon ein sogenannter Drahtbericht, den der deutsche EU-Botschafter nach einem Treffen der EU-Außenminister mit dem Außenbeauftragten Javier Solana aus Brüssel nach Berlin schickte, am Tag nach dem Anschlag: "Solana unterrichtete über ein Telefonat mit US AM Powell, in dem dieser der EU für Erklärungen und angebotene Hilfe gedankt habe; US benötigte keine konkrete Hilfe, wohl aber politische Solidarität." Das hatte der damalige Außenminister der USA, Colin Powell, offenkundig zu Solana gesagt.
Die uneingeschränkte Solidarität war eine deutsche Erfindung. Andere waren vorsichtiger. Am 21. September wurde ein EU-Sondergipfel anberaumt, in dessen Abschlussdokument dann die deutsche "uneingeschränkte Solidarität" aufgenommen wurde. Gegenüber US-Botschafter Daniel Coats rühmte sich Schröder später, dass die Sondersitzung "wesentlich auf D-Initiative" zurückgehe, wie es auf dem Sprechzettel zum Gespräch vom 1. Oktober heißt.
Es erweist sich abermals: In der Politik ist nichts unausweichlich. Die Deutschen sind nicht in einen Krieg hineingezogen worden, sie haben sich selbst hineinbegeben.
Es gab Antreiber auf deutscher Seite, politische und militärische. Die USA wollten die Hintermänner der Attentäter fassen, sie wollten Vergeltung, vielleicht auch einen weltweiten Feldzug gegen den Terror. Was sie aber nicht unbedingt wollten: deutsche Soldaten für Spezialeinsätze und Afghanistan besetzen, um daraus ein besseres Land zu machen. Das wollten die Deutschen. - #203 28.03.2012 13:44 von
Ganz oder gar nicht.
Was man vielleicht sagen kann, ist, dass die Herrschenden in weiten Teilen der Welt die Universaltät der Menschenrechte bestreiten.
Für unser Handeln ist es aber ganz egal, ob jemand diese Basis teilt oder nicht. Im dem Moment, wo man akzeptiert, dass andere die Menschenrechte verletzen, die man für sich selbst in Anspruch nimmt, gelten sie für einen selbst auch nicht mehr. - #204 28.03.2012 14:02 von
.
Es gibt viele Menschen (nicht nur die Herrschenden) die das Recht auf Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Recht auf Selbstbestimmung und dergleichen mehr ablehnen oder eingeschränkt sehen möchten. Nicht umsonst gibt es z.B. die Kairoer Erklärung der Menschenrechte die von der der UN in signifikanter Weise abweicht.
Nach dem Motto: Willst du mein Freund nicht sein, so schlage ich dir den Schädel ein?
;-)
Unsinn, das ist keine Logik.
Man kann die Menschenrechte nur im eigenen Wirkungsraum durchsetzen und auch das nur wenn diese vom Großteil der Bevölkerung geteilt werden, was bei uns in Deutschland glücklicherweise der Fall ist.
Wenn andere Regionen/Länder/Kulturen diese Werte nicht teilen hat das keine Auswirkungen auf dessen Gültigkeit bei uns - #205 28.03.2012 14:35 von
Waren das evtl. nicht die Worte meines Beitrags ?
Nur muss man anfügen das die Bezeichnung "Kriminelle" etwas gewagt ist.
Da helfe ich Ihnen gern.
Eine Nation, die in den letzten Jahrhunderten dem britischen Empire
( 3x bis 1920 ) und zuletzt russischen Invasionsarmeen ziemliche Niederlagen bescheert hat muss jetzt (angeblich ) von deutschen Feldjägern zum Thema Wehrkraft ausgebildet werden.
Mal von den plötzlich verschwundenen, abertausenden bewaffeneter Soldateska der Warlords abgesehen....
Wenn Sie's glauben, dann bitte sehr.
Wenn Sie den Kommentar lesen würden auf dem diese Replik sich bezieht könnten Sie evtl. Ihre Schlüsse daraus ziehen.
Es gibt eben keine grosse Aufteilung in "Kriminelle", Aufständische und Taliban die hier so gern - um eben diesen Krieg zu rechtfertigen - in den Medien kolportiert wird.
Die westlichen Truppen werden (wissentlich) am Nasenring durch die Manege geführt.
Lesen sie sich ein, exakt so schilderten es die Briten schon vor 150 jahren...Geändert von ( um Uhr)
Mit schönen Grüssen aus Hamburg/Barmbek
falls diese Nachricht ins Forum gelangt - #206 28.03.2012 14:36 von
- #207 28.03.2012 14:38 von
- #208 28.03.2012 14:51 von
Einfach mal lesen
Absolut lesenswert:
DER SPIEGEL*36/2011 - Ein deutscher Krieg
Hier ein Auszug:
Im Kabinett wird schon über den nächsten Einsatz, Isaf, gesprochen, obwohl der erste, OEF, noch gar nicht vom Bundestag beschlossen ist. Schröder sagt zu Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Joschka Fischer, sie sollten vor der Presse klarmachen, wie es um die Lage der Menschen in Afghanistan stehe. Schily warnt: Man solle nicht so tun, als seien die bewaffneten Auseinandersetzungen schon vorbei.
Jetzt mischt sich Sachpolitik mit Parteipolitik. Die Regierungsspitze registriert: Ein Überbau muss her, eine Erzählung. Sie handelt von einem geschundenen Land am Hindukusch, dem geholfen werden muss, einem Land, in dem Frauen unterdrückt werden und Demokratie nicht stattfindet. Es ist eine sehr deutsche Erzählung, aus der ein sehr deutsches Projekt wird. "Wir sind bereit, zum Wiederaufbau des Landes nach mehr als zwei Jahrzehnten Krieg und Zerstörung beizutragen, zu einem neuen Afghanistan", lautet Fischers Maxime.
Was sich so gut und helfend anhört, ist die Selbstüberforderung. Zuerst redet die Regierung sich in einen Krieg hinein, dann beginnt sie, sich in eine unmögliche Mission von Wiederaufbau und Friedenssicherung hineinzureden.
………..
Fischer eröffnet die Petersberg-Konferenz und sagt, die Uno habe Deutschland gebeten, Gastgeber zu sein. Ein Diplomat formuliert es anders: "Das war eine Fischer-Sache. Der wollte einen Überbau." Nach einem Fernschreiben der Botschaft Doha vom 19. November habe sich auch der Emir von Katar als "großzügiger Gastgeber" ins Spiel gebracht; die Uno dagegen habe "Wien oder Genf als Konferenzort" favorisiert. Fischer sagt, die Staatengemeinschaft habe "klare Erwartungen" an Afghanistan: "Dazu gehört an vorderster Stelle, den Frauen ihre Rechte und Würde zurückzugeben."
……
Fischer stellt ihm die Diplomatin Ursula Müller als Spezialistin für Frauenfragen zur Seite. Die Zukunft der Frauen in Afghanistan sei für die deutsche Öffentlichkeit "ganz entscheidend". - #209 28.03.2012 15:00 von
Ja, und zwar als Gegenreaktion auf das bißchen mehr Freiheit der Frauen.
Nachdem die Taliban Frauen ohne Burka Säure geschüttet haben, ist das nicht unverständlich.
Prinzipiell haben Sie ja Recht, nur, was ist, wenn dieses Bemühen brutal niedergeschlagen wird. Denken Sie an die Revolution im Iran, und daran, was mit den Demonstranten geschehen ist.
Um im Iran wird es noch deutlicher: Wenn ein deutsches Unternehmen eine Überwachungssoftwäre für Handys an die iranische Regierung verkauft, zementiert sie deren Machtinstrumente und die Unterdrückung der Bevölkerung.
In Afghanistan haben die USA den Taliban zur Macht verholfen, mit katastrophalen Folgen, vor allem für die Frauen.
Insofern kann man nicht in jedem Falle sagen, dass die Probleme allein hausgemacht sind. Und Mörderregimes nicht mehr zu unterstützen, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, wäre der erste Schritt der Hilfe zur Selbsthilfe.
Die aktuellen Top-Themen

Antworten / Zitieren

