Herr Heinrich scheint die Situation noch nicht von Nahem miterlebt zu haben, dass ein Partner eine Krankheit im finalen Stadium hat und dann stirbt und der andere sich um ihn kümmert.Das alles wäre berührender, hätten die Figuren mehr Tiefe, wären sie facettenreicher und damit glaubwürdiger gezeichnet. [...] Doch die Figuren bleiben Abziehbilder, sie erscheinen in ihrer Berechenbarkeit wie Charaktere aus einem Comicstrip.
Wie Marion und Arthur miteinander umgehen, nach Jahrzehnten des gemeinsam verbrachten Lebens, soll vermutlich kokett wirken. Es kommt aber eher kindsköpfig daher, wenn die Frau den Ehemann stundenlang anschweigt, um ihren Willen durchzusetzen. Ernst nimmt man Figuren, die die Sechzig überschritten haben, auf diese Weise jedenfalls nicht.
Sonst würde er sich hier nicht so von oben herab ihre Berechenbarkeit, Unglaubwürdigkeit und Kindsköpfigkeit mokieren.
Ich habe den Film als Vorpremiere gesehen und fand die Figuren von Arthur und Marion, nachdem ich eine sehr ähnliche Situation bei meinen Eltern erlebt habe, ziemlich realistisch dargestellt. In solchen Extremsituationen verhalten sich Menschen nunmal oft anders als im "normalen" Leben.
Es mag an der persönlichen Betroffenheit liegen, aber ich fand den Film auch weder seicht noch "dahinplätschernd" (wobei ich nicht in Abrede stellen möchte, dass man das so empfinden kann, wenn man ausreichend Distanz zum Thema Tod und Sterben einer nahestehenden Person hat), sondern er hat mich sehr mitgenommen, und das ging auch anderen aus der Gruppe so, die mit mir in dem Film waren und zufällig auch vor nicht allzu langer Zeit nahe Angehörige nach längerer Krankheit verloren hatten.
Wer gerade um jemanden trauert und keine selbstquälerischen Tendenzen hat, tut sich vermutlich keinen Gefallen damit, diesen Film anzuschauen.
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