Tödliche Klinikkeime: Hygienemangel ist der neue Ärztepfusch

APDie Zahl unnötiger Todesfälle im deutschen Gesundheitssystem ist laut Statistik um rund 37 Prozent gestiegen. Der Anstieg ist vor allem gravierenden Hygienemängeln in Kliniken und Arztpraxen geschuldet. Die Maßnahmen zum Schutz vor Erregern reichen bei weitem nicht aus.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...815728,00.html
  1. #60

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    Zitat von louisa_xy Beitrag anzeigen
    Ich war letztes Jahr 4 Wochen im KH (ursprünglich sollte es nur eine Woche sein) und fing mir eine Candida Sepsis ein, vermutlich wegen eines verunreinigten Katheters. Das war ganz schön knapp... ach ja, ich war 28 und keine 82..
    "Wenn ein Arzt hinter dem Sarg seines Patienten geht, folgt manchmal tatsächlich die Ursache der Wirkung."
    Prof. Dr. med. Robert Koch (Nobelpreis für Medizin 1905)
  2. #61

    Florence Nightingale

    Natürlich ist es "der neue Ärztepfusch". Denn Ärzte-Bashing ist trendy.

    Wenn man sich jedoch mal den Klinikalltag ansieht, fällt auf, dass Pflegemitarbeiter diejenigen sind, die weitaus mehr Patientenkontakt haben als Ärzte. Waschen, Bettenmachen, Essen verteilen, Patiententische und medizinisches Gerät reinigen, Infusionen wechseln, Injektionen, Fieber messen, Blutdruck messen (mit immer den gleichen Manschetten), Wundversorgung.

    Aber auf die selbstlose Krankenschwester zu schimpfen, ist ja nicht pc. Und auch nicht im Trend.
    Will ich auch nicht. Sondern nur mal darauf hinweisen, dass es an der Situation nichts ändert, den Ärzten den schwarzen Peter zuzuschieben.
  3. #62

    An alle empörten Foristen

    ...bitte mal die Rahmenbedigungen anschauen:

    1. Das Durchschnittsalter von Patienten liegt in Kliniken
    bei ca. 65 Jahren (Geburtshilfe mit eingerechnet). Innere
    Medizin / Geraitrie behandelt stationär nur noch multimorbide
    Horchrisikopatienten.
    2. Der Kostendruck und der Personalmangel auf die KH ist enorm -
    von "Profitgier" kann da keine Rede sein.
    3. Eine sichere Isolation im Falle von Norovirus ist - fast - nicht
    möglich, wenn der Belegungsdruck aus den Notaufnahme zu
    "Flurbetten" zwingt und das Personal am Anschlag ist.
    4. Früher gab es die gleichen hygienischen Defizite - es hat sie nur
    keiner gemessen / nachgewiesen.
    5. Es gibt gar nicht genug ausgebildete Hygienärzte und
    Hygienefachkräfte in Deutschland, die müssen erstmal qualifiziert
    werden - und danach auch bezahlt.

    Es ist einfach auf Berufsgruppen oder Personen draufzuhauen, aber im Risikomanagement gibt es einen schönen Spruch:
    Don´t blame the person - blame the sytem!

    und noch einen zweiten:

    Reprimanding the guilty is like peeing in your pants: you feel warm
    and comfortable first but soon you´ll end up looking like a fool!
    (Sidney Dekker, 2006)
  4. #63

    Zitat von heiko1977 Beitrag anzeigen
    Nun trugen die Ärzte vor 15 Jahren keine Eheringe? Setzten sich nicht zum Patienten ins Bett? Trugen keine Ohrringe? Und trotzdem niedrigere Tote in Krankenhäusern.
    Und? Wieso 'trotzdem'? Wohl eher 'gerade deshalb'. Offensichtlich gab es vor 15 Jahren weniger Antibiotikaresistente-resistente Bakterien in den Kliniken.
  5. #64

    Zitat von asentreu Beitrag anzeigen
    Ein Vorredner meinte er hätte in 20 Jahren nur einen MRSA- patienten behandelt. Wo arbeiten Sie denn? Wahrscheinlich in irgendeiner kleinen Provinzklitsche mit 100 Betten, wenn man nicht auf MRSA screent, findet man natürlich auch keinen! Bequeme Sache, hilft aber den Patienten nicht [...]
    Schön. Ich werde dem Kantonsspital Fribourg gerne ausrichten, dass es eine 100-Betten-Provinzklitsche sein soll, dann hat Prof. Gautier wenigstens mal etwas zum Lachen!

    Allerding arbeite ich nicht mehr dort, ich bin jetzt bei der wohl grössten, aber zumindest mächtigstens "Firma" der Welt "angestellt".

    [...] Bei allem darf man aber eben nicht vergessen das MRSA (stellvertretend für alle anderen multiresistenen Keime) erst durch Patienten ins Krankenhaus gelangt ist. Und eben auch Patienten nicht unbedingt gesundheitsbewusst handeln, woher kommen den MRSA Nasenbesiedelungen, wenn zuerst der Urinnachweis da war? Eben, mit ungewaschenen Händen einfach mal alle möglichen Körperteile des eigenen Körpers anlangen.

    Viele Patienten sind wahre Hygiene- Messies. Erst vorgestern hatte ich wieder einen Patienten der einen Unterschenkelverband bekam und diesen zuhause 6 Wochen lang (!) nicht abnahm und natürlich auch nicht wechselte, obwohl ihm das gesagt wurde, er hat mit dem Ding geduscht. Es hat schon unangenehm gerochen, der Hautzustand war katastrophal (wobei "Haut" da auch schon zuviel gesagt war) und der Wunden- MRSA damit garantiert (die Fingernägel dess Herren waren kohlrabenschwarz). Was soll man da sagen, außer "Selbst Schuld!", man muss doch von erwachsenen Menschen erwarten können das sie sich an einfache Anweisungen halten können, aber nein der allmächtige Onkel Doktor macht ja jeden selbst verbockten Mist wieder heile.

    Um multiresistente Keime effektiv eliminieren zu können, müsste man Patienten zu ihrem Glück zwingen, sprich: Zwangseradikation, Dekontamination des häuslichen Umfelds (alternativ der Betreuungseinrichtung) und bei Incompliance (ja es gibt sie, Patienten die aus dem fenster klettern damit sie bei offener Tbc eine rauchen können und die Mitraucher anstecken- Unrechtsbewusstsein?- Fehlanzeige!) eben auch Zwangsinhaftierung. Nur dann wären wir ja wieder der böse Überwachungs- und Verbotsstaat, auch wenns der Volksgesundheit zuträglich wäre.
    Darf ich nun fragen, wo Sie arbeiten? In den Slums von Bombay? Oder in einem Vorort von Moskau?

    [...] Erst vorgestern hatte ich wieder einen Patienten der einen Unterschenkelverband bekam und diesen zuhause 6 Wochen lang (!!!!!) nicht abnahm und natürlich auch nicht wechselte, obwohl ihm das gesagt wurde, er hat mit dem Ding geduscht. Es hat schon unangenehm gerochen, der Hautzustand war katastrophal (wobei "Haut" da auch schon zuviel gesagt war) und der Wunden- MRSA damit garantiert (die Fingernägel dess Herren waren kohlrabenschwarz) [...]
    Wenn er wirklich seinen Verband 6 Wochen lang nicht wechselte, was ich Ihnen durchaus glaube - immerhin duschte er sich ja noch, seien sie doch froh; ich bekam einmal einen Sennenhirten als Patienten, der hatte sich sage und schreibe 4 Monate nicht gewaschen -, wird er sicherlich auch keine ABs genommen haben.
    Sollte er jetzt einen MRSA haben, so hat er ihn also nicht von Zuhause mitgebracht, er bekam ihn in Ihrem Haus, auch wenn sie das wahrscheinlich nicht lesen mögen ...
  6. #65

    Zitat von rosariesenratte Beitrag anzeigen
    mich regt das tierisch auf, das ganze große trara in medien, dass die ärzte daran schuld sind, dass die leute keinerlei ahnung von körperhygiene haben und ihre jahrenlang feingezüchteten keime mit ins krankenhäuser schleppen.
    Es gibt sicher solche Leute, aber die kommen ja i.d.R. nicht mit den ganzen anderen Patienten in Kontakt. Deshalb gelten bei Pflegepersonal und Ärzte nun mal höhere Maßstäbe.
  7. #66

    Risiken

    Zitat von chronotrop Beitrag anzeigen
    Natürlich ist es "der neue Ärztepfusch". Denn Ärzte-Bashing ist trendy.

    Wenn man sich jedoch mal den Klinikalltag ansieht, fällt auf, dass Pflegemitarbeiter diejenigen sind, die weitaus mehr Patientenkontakt haben als Ärzte. Waschen, Bettenmachen, Essen verteilen, Patiententische und medizinisches Gerät reinigen, Infusionen wechseln, Injektionen, Fieber messen, Blutdruck messen (mit immer den gleichen Manschetten), Wundversorgung.

    Aber auf die selbstlose Krankenschwester zu schimpfen, ist ja nicht pc. Und auch nicht im Trend.
    Will ich auch nicht. Sondern nur mal darauf hinweisen, dass es an der Situation nichts ändert, den Ärzten den schwarzen Peter zuzuschieben.
    Es gibt genügend veröffentlichte Untersuchungen die zeigen, dass die Ärzte das wesentlich höhere Hygienerisiko sind als die Pflegekräfte! Das Hygienebewusstsein ist bei Ärzten deutlich geringer vorhanden. Wie sagte einmal ein bekannter deutscher Hygieniker? Man greift besser in die Toilettenschüssel, als einem Arzt die Hand zu geben.
  8. #67

    Risiko Besucher

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Zahl unnötiger Todesfälle im deutschen Gesundheitssystem ist laut Statistik um rund 37 Prozent gestiegen. Der Anstieg ist vor allem gravierenden Hygienemängeln in Kliniken und Arztpraxen geschuldet. Die Maßnahmen zum Schutz vor Erregern reichen bei weitem nicht aus.

    Tödliche Klinikkeime: Hygienemangel ist der neue Ärztepfusch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Ich hatte leider das Vergnuegen im letzen Jahr einige Monate im Krankenhaus als Patient zu verweilen, dabei bemaengelte ich folgendes: In meinem Mehrbett Krankenzimmer mit "nur" einer Toilette mit Dusche bgenutzen auch die Krankenbesucher diese Einrichtung, und die Mehrzahl wusch sich nicht mal die Haende vor dem verlassen dieser. Schwach wie ich war reinigte ich doch vor jeder Sitzung, mit speziellen Tuechern die zu benzenden Flaechen.
    Der Komentar der ueberlasteten Schwestern, es ist halt so, was koennen/sollen wir dagegen schon Tun.
  9. #68

    Jedenfalls sind von 2007 wo es nur 0,8% (Hygienetodesfälle/Gesamttodesfälle) waren die Zahlen langsam bis 2009 auf 26% angestiegen.

    Richtig?

    Zitat von dr.dosblau Beitrag anzeigen
    Sehr geehrte Frau Kurth, warum lassen Sie sich auf das Ärzte-Bashing ein? Wir werden immer weniger und durch solche Schmähartikel wird der Nachwuchs abgeschreckt. Man könnte meinen Ärzte ob in der Klinik oder Praxis sind alles unwissende geldgeile Verbrecher denen das Schicksal der Patienten egal ist. Doch Frau Kurth ich kann Ihnen aus tiefstem Herzen sagen das.....
  10. #69

    Wie immer bei derartigen Artikeln...

    ... merkt man einfach, wer hier Insider ist und wer nicht. ;-)

    MRSA (und auch andere "Mitbringsel") werden häufig von zuhause mitgebracht, ohne dass es dem Träger bekannt ist. Lediglich im Krankenhaus wird das dann durch Untersuchungen festgestellt und danach eben gehandelt.

    Was macht mir da noch etwas Sterilium zwischendurch aus? Ich mag sogar dessen Geruch! Pervers, was?
    Das bin ich dann wohl auch - ich mag diesen Geruch.

    Der Anstieg hat nichts mit Hygienemängeln zu tun, sondern mit einer geänderten Erfassung.
    Genau so ist es.

    - Immer ältere Patienten, (die auch immer operiert werden müssen auch 90+)
    - Immer häufigere übereilte Entlassung bei unserem tollen Abrechnungssystem (sogenannte "blutige Entlassung")
    - Dadurch bedingt häufige Klinikswechsel der multimorbiden Patienten aus Kapazitätsgründen
    - Unkontrollierter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung! Personen die in dem Bereich Tierhaltung arbeiten sind häufig die Vektoren der multiresistenten Keime!
    - hoher Einsatz von Antibiotika bei jedem harmlosen Infekt (weil Pat. meint, er bräuchte eines) --> Folge: Resistenzen
    - Immer höhere Fallzahlen mit immer mehr Bürokratie, was zwangsläufig dazu führt dass medizinisches Personal nachlässiger wird aus Zeitgründen mit Hygienemaßnahmen
    Im Übrigen würde ich auch gerne mal wissen, wie die Keimbelastung in öffentlichen Verkehrsmitteln, Kinos,... ist.
    Mit Sicherheit noch viel schlimmer.
    ich erzähle dir, was im krankenhaus die größte drecksschleuder ist - nämlich der patient selbst, der ins klinikum mit kilometerlangen zehennägeln kommt, der seine ulzera monatelang züchtet bevor der zum arzt geht, der für den ganzen aufenthalt nur ein paar stehende socken dabei hat und mit denen er in das jeden tag frisch bezogene bett steigt und der zum ersten mal von der schwester hört, dass man sich nach dem wc-besuch die hände wäscht.
    mich regt das auf, das ganze große trara in medien, dass die ärzte daran schuld sind, dass die leute keinerlei ahnung von körperhygiene haben und ihre jahrenlang feingezüchteten keime mit ins krankenhäuser schleppen. leute wascht euch selbst mal die hände und desinfiziert die - die spender im krankenhaus sind für euch nicht verboten, und die türklinken tut ihr auch anfassen! die meisten liegen im selben pyjama wochenlang und dabei bejammern vergnügt die mangelnde hygiene im kh.
    danke!
    Ich hatte leider das Vergnügen im Krankenhaus als Patient zu sein, dabei bemängelte ich folgendes: In meinem Mehrbett Krankenzimmer mit "nur" einer Toilette mit Dusche benutzen auch die Krankenbesucher diese Einrichtung, und die Mehrzahl wusch sich nicht die Hände vor dem Verlassen dieser. Schwach wie ich war reinigte ich doch vor jeder Sitzung, mit speziellen Tüchern die zu benzenden Flächen.
    Der Komentar der überlasteten Schwestern, es ist halt so, was können/sollen wir dagegen schon tun.
    Richtig.
    Warum nicht? Ein Krankenhaus ist kein Hotel und wenn einem Patient das zu unhygienisch ist, sich die Toilette zu teilen, dann frage ich mich, was die zuhause machen.

    Frage: Soll die Krankenschwester jetzt nach jedem Toilettengang JEDES Patienten das Putzen anfangen?! Was hätte sie denn tun sollen?! Warum haben Sie die Besucher nicht gebeten, Besuchertoiletten zu benutzen bzw. sich die Hände zu waschen? Zum Putzen waren Sie nicht zu schwach aber zum Ansprechen eines falschen Verhaltens?!