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Tipps zur Promotion: Der Doktorand von Alcatraz

APMan nehme einen großen Geist und große Einsamkeit - am Ende bekommt man eine großartige Dissertation. Eine Doktorarbeit gilt vielen als klassisches Einzelkämpferprojekt im selbst gewählten akademischen Gefängnis. Doch wer so denkt, wird vermutlich nie damit fertig. Neun Tipps helfen, die Promotion durchzustehen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...836463,00.html
  1. #1

    Binsenweisheiten

    Es ist ja sehr freundlich vom Autor, all diese Ratschläge zu geben. Allerdings sind das doch größtenteils Aspekte, über die sich jeder angehende Doktorand automatisch Gedanken macht. Oder wer fängt schon eine Promotion an, ohne sich zuvor über die Finanzierung Gedanken gemacht zu haben?
    Und wie hilft es mir jetzt genau weiter, dass ich Weiß, dass am Ende das Formatieren vier Wochen dauert und ich Kosten von 100€ für den Druck der Dissertation zu erwarten haben, um die Promotion an sich durchzuhalten?
    Dass man sich die Zeit gut einteilen, das Privatleben nicht zu sehr vernachlässigen sollte und Krisen kommen werden, sind wirklich Dinge, auf die man im Vorfeld nicht genug hinweisen kann. Aber leider bleibt es im wesentlichen bei diesen Hinweisen, ohne konkrete Hilfestellungen zu geben.
    Unter dem Strich hätte die Kenntnis dieses Artikels den meisten mir bekannten Doktoranden auch nicht geholfen, ihre Arbeit zügig, stressfrei und vor allem in der vorgesehenen Zeit fertig zu stellen.
    Schade um den Schreibaufwand.
  2. #2

    Zitat von lokoshan Beitrag anzeigen
    Und wie hilft es mir jetzt genau weiter, dass ich Weiß, dass am Ende das Formatieren vier Wochen dauert ...?
    Komisch. Das „Formatieren“ meiner Doktorarbeit hat vor 20 Jahren auf dem Großrechner des Instituts etwa 10 Minuten gedauert. Mein Billig-Laptop schafft es heute in weniger als 10 Sekunden. Okay, wenn er nicht noch andere Arbeiten gleichzeitig erledigen muss. Aber vier Wochen?
  3. #3

    Nützliche und richtige Tipps

    Danke dem Autor - es ist alles richtig, was er geschrieben hat, sonst wird's nix mit der Diss. Und noch etwas: von Beginn an mit einer guten Literaturverwaltung arbeiten. Das beruhigt und spart am Ende enorm viel Zeit.
  4. #4

    Themenwahl und Krise

    Ihren Punkt 1 (Themenwahl) sehe ich nicht in jedem Fach so. Vielleicht haben Geisteswissenschaftler da ziemlich freie Auswahl, das weiß ich nicht. In den Naturwissenschaften ist es ziemlich gängig, dass man vom Dokotorvater ein Thema fest vorgegeben bekommt, das in ein größeres, längerfristiges Forschungsprojekt einer ganzen Arbeitsgruppe eingebunden ist. Mit einem solchen vorgegebenen Thema ist oft auch automatisch ein Stipendium oder Teilzeitjob verbunden (zeitlich befristet, so dass man innerhalb dieser Frist auch fertig werden muss). Wenn man eine Idee hat, was man erforschen möchte, aber dazu gerade keine Uni und kein Forschungsinstitut eine Doktorandenstelle anbietet, dann geht das eben nicht und man muss über das forschen, wofür gerade eine Stelle frei ist.

    Krise: Was Sie beschreiben ist ein kleiner Durchhänger. Eine richtige Krise ist, wenn mitten während der Promotion die Gewerbeaufsicht das Labor schließt, oder das sauteure Gerät an dem man arbeitet irreparabel kaputtgeht, radikale Tierbefreier die Versuchstiere klauen, oder wenn sich herausstellt, dass die Zellkultur/Pflanzensorte/das Virus womit man arbeitet ganz andere Gene/Eigenschaften hat als angenommen, so dass man die geplanten Experimente damit überhaupt nicht machen kann.
  5. #5

    Ganz wichtig: Der Punkt am Ende

    Einige wichtige Grundsätze, die man beherzigen sollte, wenn man die Diss beenden will:
    1. Andere, die zuvor auf einem ähnlichen Thema promoviert haben, waren nicht zwingend Idioten - das führt direkt zu
    2. Man muss sich vom Anspruch lösen, die beste Diss der Welt zu schreiben - sonst wird man nie fertig
    3. Ganz wichtig: unten rechts auf der letzten Seite kommt ein Punkt.

    Und übrigens:
    Zum Vermarkten der Diss ruhig mal bei vgwort nachschauen.
  6. #6

    Formatieren

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Komisch. Das „Formatieren“ meiner Doktorarbeit hat vor 20 Jahren auf dem Großrechner des Instituts etwa 10 Minuten gedauert. Mein Billig-Laptop schafft es heute in weniger als 10 Sekunden. Okay, wenn er nicht noch andere Arbeiten gleichzeitig erledigen muss. Aber vier Wochen?
    Vier Wochen dauert das nur, wenn man Word und aehnlichen Krempel anstatt TeX/LaTeX einsetzt.
  7. #7

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Komisch. Das „Formatieren“ meiner Doktorarbeit hat vor 20 Jahren auf dem Großrechner des Instituts etwa 10 Minuten gedauert. Mein Billig-Laptop schafft es heute in weniger als 10 Sekunden. Okay, wenn er nicht noch andere Arbeiten gleichzeitig erledigen muss. Aber vier Wochen?
    :D Mit einem weitverbreiteten Textverarbeutungsprogramm, welches sich aber bezeichnenderweise "Wort" nennt und nicht "Brief" oder "Buch" kann das schon so lange dauern. Weil die ganze Formatierung hinüber ist nur weil man den Drucker ändert oder mal beim Korrekturlesen was größeres ändert. Hurenkinder und Schusterjungen ohne Ende, alles noch mal von vorn kontrollieren.
    Bei vernünftigen Werkzeugen gehen aber wohl trotzdem vier Wochen ins Land..... Korrekturlesen, letzte gründliche Checks etc. dauern halt so lange.

    Eine andere Frage, im Artikel steht:
    Richtig teuer kann die eigentliche Veröffentlichung werden. Weil mit Doktorarbeiten im Buchhandel kaum Geld zu verdienen ist, kassieren viele Verlage bei den Autoren....
    Wird eine Veröffentlichung als Book on Demand mittlerweile anerkannt? Sowas ist doch auch kostengünstig, nur eine ISBN und die benötigten Belegexemplare kosten Geld aber man muss keine hohen Druckkostenzuschüsse zahlen(da ja stets nur die gekauften Exemplare digital gedruckt werden). Und es ist doch noch etwas "seriöser"(ISBN, einträge bei VlB, Amazon etc...) als eine Online-Veröffentlichung.

    Würde wohl heutzutage nimandem mehr zu einem Verlag raten, bei dem "Druckkostenzuschuss" kassiert wird. Abzocke pur bei den heutigen Möglichkeiten.
  8. #8

    Sorry aber was der Autor da von sich gibt, ist vielleicht in den Geisteswissenschaften der Fall (ist es? Ich rate mal ...). Mit Naturwissenschaftlichen Promotionen hat das aber nichts zu tun, die werden immer bezahlt nach TVoD (oder teilweise noch BAT) und da fuehlt sich auch niemand als "Gefangener von Alcatraz". Waere ja mal interessant gewesen, wenn der Artikel die Unterschiede zwischen Promotion in verschiedenen Richtungen veranschaulicht in Einstellung, Herangehensweise etc. Aber so ist er allenfalls Nischenwerk, waehrend er so tut, als ob er allgemeine Weisheiten versprueht.
  9. #9

    ...

    Ich habe während meiner Promotion vor allem auch gelernt:

    "Ratschläge sind auch Schläge".

    Das vorneweg. Wenn man ins Detail geht, und ich will mich nur auf einen Punkt beschränken, dann sieht man außerdem, daß die genannten Ratschläge auch nicht besonders gut sind, weil sie z.T. meilenweit an der Realität vorbeigehen.

    Nur ein Beispiel, vielleicht das Wichtigste: Das Thema. Sorry, wenn ich jetzt Illusionen zerstöre, aber das sucht man sich selbst nicht wirklich aus. Das legt der Professor fest. Wenn man Glück hat, kann man sicher einige Details abklären, Wünsche äußern, welche Methode man gerne lernen möchte, sagen, was einen interessiert oder was einem liegt. Sowas, ja. Aber das Thema festlegen? Keine Chance. Und das ist aus der Perspektive des Profs ja auch richtig. Freiheit von Forschung und Lehre nennt sich das. Forschung und Lehre des Profs, nicht des Doktoranden. Der Prof hat ja auch nicht ewig studiert, um sich dann von seinen Doktoranden erzählen lassen zu müssen, was diese erforschen wollen. Praktisch ist es oft genug so, daß man vor allem im späteren Teil der Doktorarbeit, wenn man schon Wissen und Techniken angesammelt hat und damit teilweise seinen Prof überrundet, daß man dann immer weiter auch eigene Ziele verfolgen kann. Und die meiste Zeit ist der Prof ja eh nicht vor Ort, da kann man machen, was man will.

    Aber ganz am Ende holt einen das am Anfang formulierte Thema halt doch wieder ein. Weswegen es auch, im Gegensatz zum Ratschlag, gut ist, das Thema sehr allgemein zu formulieren, damit es immer noch zu dem passt, was man tatsächlich herausgefunden hat. Jedenfalls in den Naturwissenschaften ist das so, daß die Ergebnisse nicht unbedingt mit den Zielen übereinstimmen müssen, nicht weil man es nicht versucht hätte, sondern weil es einfach nicht ging und weil die Ergebnisse, die man stattdessen erhalten hat, vielleicht sogar interessanter sind. Es ist im übrigen auch ein Irrtum, zu glauben, eine Promotion liefe besser, wenn man das Thema im Vorfeld genau festlegt. Ich behaupte, bei einer guten Dissertation, die Neues erschließen soll, geht das gar nicht. Man lernt soviel dazu, in dieser Zeit, und entdeckt so viele neue Fragen, die man nie auf dem Plan hatte, das es nur eine Behinderung wäre, wenn man sich an sein Thema halten sollte.

    Eigentlich ist das Thema das Unwichtigste an der ganzen Promotion. Ich behaupte, egal auf was man sich einlässt, sofern man es interessant findet und eine zeitlang intensiv bearbeitet, wird es zum eigenen Thema. Und wenn es dazu geworden ist, dann wird mal alles richtige tun, um es erfolgreich zu bearbeiten. Die Promotion ist selten wegen des Themas wichtig, sondern wegen der ganzen Dinge, die man bei der intensiven Bearbeitung lernt. Deswegen liegt das Problem beim Betrug weniger darin, daß nichts Neues herausgekommen ist, sondern darin, daß sich der Betrüger nie die Zeit genommen und die Mühe gemacht hat, selbständig intensiv an einem Thema zu arbeiten. DAS ist der Schaden für die Wissenschaft.


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