Das richtige Markenetikett im Jacket und Kenntnisse in Golf. Es kann nicht gut gehen mit Deutschland, wenn das die Kriterien für einen Job mit Verantwortung sind.
CorbisÜber die Stelle weiß man Bescheid, das Unternehmen kennt man, den eigenen Lebenslauf sowieso - besser kann man sich auf ein Vorstellungsgespräch nicht vorbereiten? Doch! Anne Jacoby und Florian Vollmers geben Antworten auf fünf Klassiker der fiesen Personalerfragen.
Vorstellungsgespräch: Antworten auf fünf fiese Personalerfragen - SPIEGEL ONLINE
Das richtige Markenetikett im Jacket und Kenntnisse in Golf. Es kann nicht gut gehen mit Deutschland, wenn das die Kriterien für einen Job mit Verantwortung sind.
Von welcher Branche wird hier eigentlich geredet?
Buisness? Handwerk? Sozialer Bereich?
Bewerbe ich mich auf eine Führungsposition bei Siemens oder als Reisebürokaufmann im Laden an der Ecke?
Um Irritationen zu vermeiden wäre es bei zukünftigen Artikeln nett, den Adressatenkreis mal im vorhinein einzugrenzen. Ich mag mich ja täuschen, aber ich glaube nicht, dass derartig Zielgruppen spezifische Artikel die Mehrheit aller Leser betrifft. Im Zweifelsfall werden hierdurch sogar völlig falsche Infos vermittelt. So wurde ich im Bewerbungsgespräch für die Stelle eines Suchtberaters ebenfalls nach meinen Schwächen gefragt. Hätte ich dort die vorgeschlagene Strategie verfolgt, hätte ich die Anstellung ganz sicher nicht bekommen. In Teilen (!) des Sozialen Bereichs ist es entscheidend das Team davon zu überzeugen, dass man ein realistisches Selbstbild besitzt. Wer da bezüglich seiner, immer vorhandenen, Schwächen rumeiert kann sich sicher sein, dass sofort gnadenlos nachgehakt wird.
Entscheidend ist in diesem Fall nicht, welche Schwächen ich habe, sondern vielmehr wie ich mit diesen umzugehen pflege. In meinem Fall deutete ich beispielsweise den Begriff "Schwächen" wortwörtlich zu "Baustellen" um - im Sinne von:
"Ich bin ein Mensch mit Fehlern aber bemüht mich stetig zu verbessern um das Bestmögliche zu erreichen."
Die beste Antwort auf Staerken/Schwaechen ist die Erkenntnis dass diese beiden eng beieinander liegen -- unsere groessten Staerken werden zu unseren groessten Schwaechen wenn wir nicht aufpassen. Diese Erkenntnis im Einstellungsgespraech anzubringen zeigt Reife und gutes Selbstverstaendnis, beides gewuenschte Qualitaeten.
"Klappt das nicht, nennen sie einige harmlose negative Eigenschaften, die sich leicht bewältigen lassen, wie das Fehlen einer Fremdsprache."
Erstens kann ich mir nichts schnelleres vorstellen als mal eben eine Fremdsprache zu lernen und zweitens in welchem Beruf braucht man denn heute noch Fremdsprachenkenntnisse?
Klingt bloed? Naja SPON halt...
"Weil mich das Aufgabengebiet in der betreffenden Stelle reizt."Warum haben Sie sich ausgerechnet bei uns beworben?"
Vorstellungsgespräch: Antworten auf fünf fiese Personalerfragen - SPIEGEL ONLINE
Und zwar wegen:
- ...
Außerdem halte ich mich für qualifiziert für diese Aufgaben weil:
- ...
Eigentlich bewerbe ich mich nie bei einer Firma, sondern auf Stellenbeschreibungen die mich interessieren und auf Aufgaben die mich herausfordern und an denen ich wachsen kann.
Ihre Firma macht allerdings so wie sie sich darstellt einen guten Eindruck auf mich [evtl. begründen, Produktqualität, Marktposition, "guter Ruf", schicke Räumlichkeiten, angenehme Atmosphäre, Zusatzleistungen für Mitarbeiter, etc.], weswegen ich auch abgesehen von der rein fachlichen Perspektive, die mir die Stelle bietet sehr gerne bei Ihnen anfangen würde."
Ist vielleicht eine bessere Antwort, weil sie zeigt, daß man sich nicht alleine aus Prestigegründen oder wegen gutem Gehalt dort bewirbt, sondern weil einen die Arbeit interessiert. Nichts motiviert einen Arbeitnehmer so sehr, wie eine Arbeit, die er mag und motivierte Mitarbeiter sind das A & O für eine funktionierende Firma.
Das weiß auch ein Abteilungsleiter und ein guter Personaler.
Nervös bin ich bei Vorstellungsgesprächen nicht, schließlich weiß ich was ich kann -und was nicht. Im Gespräch sehe ich dann schon, ob ich mich für geeignet halte. Wenn ja, dann gelingt es mir in den meisten Fällen auch die andere Seite davon zu überzeugen. ;-)
Eigentlich reicht eine optimistische Grundeinstellung und Selbstvertrauen ohne Überheblichkeit oder zu starke Selbstüberschätzung. Ein wenig davon schadet nicht, schließlich wollen Firmen Leute, die wenn es sein muß auch mit bisher unbekannten Problemstellungen umgehen und fertigwerden können.
Andere haben schon moniert, dass man nicht alle Branchen und Berufe über einen Kamm scheren kann. Wohl wahr. Ein Arbeitgeber, der restlos alles zu fressen scheint und einem selbst die allergrößte Freud'sche Fehlleistung im Vorstellungsgespräch nicht krumm nimmt ist die Bundeswehr bezgl. Offiziersbewerbern. Ich wurde damals (über ein Vierteljahrhundert her) nach meinen Motiven gefragt und wollte sagen "... ich suche hier auch die Selbstbestätigung...". Leider war ich so durcheinander, dass stattdessen dieses komplizierte Wort, das mit "Selbstbe...." anfängt, ganz anders endete als geplant. Bei denen anfangen durfte ich trotzdem.
ein armutszeugnis fuer die personalabteilung wenn so abgedroschene fragen an bewerber gestellt werden als sich ehrlich mit ihnen zu unterhalten. Wenn ich jemanden kennen lernen will rede ich ueber ihn, seine arbeit, seine motivation, seine ideen wie er sich einbringen will, und, und, und... die frage nach schwaechen, auf die eh keiner ehrlich ist, bringt da im grunde nichts.
Der Artikel fing gut damit an, dass Personaler und Bewerber aufgeregt sind. Aber schon die Bemerkung "Angst sitzt mit am Tisch" finde ich ziemlich suggestiv. Wieso muss ein Bewerber immer Angst bei solchen Gesprächen haben? Könnte er sich nicht auch freuen, die Chance zu haben, etwas über seinen neuen potenziellen Arbeitgeber zu erfahren? Ist es tatsächlich immer noch so, dass der Bewerber Antworten auf diese Fragen hier finden muss? Glaubt man an den Fachkräftemangel, sollten sich Bewerbungsgespräche eigentlich anders gestalten. Eigentlich muss sich das Unternehmen auf seinen Bewerber vorbereiten und sich Argumente parat legen, warum ausgerechnet dieser (gute) Bewerber bei diesem Unternehmen anfangen möchte. Ich finde es schade, dass den Bewerbern mit diesen Tipps immer noch eingeredet wird, er müsse sich im Gespräch beweisen und auf jede Frage ein Antwort finden. Das hat nichts mit Authentizität zu tun. Das heißt nicht, dass sich ein Bewerber nicht über sein Leben klar werden sollte und über diese Fragen durchaus nachdenken sollte. Aber diese Sichtweise auf ein Bewerbungsgespräch finde ich inzwischen deutlich zu begrenzt und auch angesichts der Anstrengungen von Unternehmen, gute Mitarbeiter zu gewinnen, zu einseitig.
Der richtige Tipp muss lauten: Machen Sie sich bei Bewerbungsgesprächen keinen Kopp. Personaler sind meist völlig unfähig einen Kandidaten richtig einzuschätzen, stehen deshalb auch in der Hierarchie der Firmen weit unten und entscheiden meist aufgrund mangelnden Einschätzungsvermögens und dem hochhangeln an Nebensächlichkeiten. Gehen sie also am besten davon aus, dass ein Personaler über die angebotene Position wenig weiß, sich deshalb an Absurditäten festhält und es im Grunde purer Zufall ist wie er entscheidet.