Hallo Walking Ghost,
Ihr abgewogener und kluger Beitrag hätte eine ausführlichere Antwort verdient, für die mir allerdings heute aus beruflichen Gründen völlig die Zeit fehlt.
Nur in aller Kürze soviel:
Ich habe nicht den geringsten "Draht" zur Odenwaldschule. Wenn es stimmen sollte, was Sie schreiben, dann muss ich hier meine Position neu überdenken, denn dann geht es keineswegs nur um geringfügige Grenzüberschreitungen und Grauzonen sondern um Straftatbestände.
Was den vielfach unterstellten Zusammenhang von Zölibat und Pädphilie angeht, so ringe ich hier ebenfalls um eine schlüssige Position. Aber unabhängig von diesem möglichen Zusammenhang würde ich der katholischen Kirche wünschen, dass ihr hier der Befreiungsschlag einer Auflockerung von kirchenrechtlichen Bestimmungen gelingt, die sich für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben zunehmend als hinderlich herauszustellen scheint. Und Sie haben natürlich Recht: Zum Glück haben wir das Grundrecht der Religionsfreiheit. Und Priester, die zölibatär leben wollen, sollen das selbstverständlich auch weiterhin tun dürfen. Darüberhinaus will ich auch keineswegs das Recht der katholischen Kirche einschränken, solche Bestimmungen aufrecht zu erhalten, wenn sie das für richtig hält.
Ausdrücklich teile ich Ihre Befürchtungen, eine medial angeheizte Hysterie könne nun dazu führen, das Kind mit dem Bade auszuschütten, und eine pauschale Hetzjagd auf reformpädagogische Leitbilder befeuern, von denen (ohne dass dies im öffentlichen Bewußtsein eine Rolle spielen würde) längst der Schulunterricht erheblich profitiert. Ich denke dabei nur an Methoden wie den Projektunterricht, an handlungsorientiertes Lernen oder an die Idee von einer demokratisch verfassten Schule, an der Schüler mitbestimmen dürfen.
Beste Grüße
Und auf diesem Wege meine Entschuldigung an alle Foristen, die mir geschrieben haben, denen ich aber heute nicht mehr antworten kann



