Tom Cruise spielt den Hitler-Attentäter Stauffenberg in "Operation Walküre" gut und glaubwürdig. Doch das reicht nicht, kritisiert Historiker Philipp Gassert. Der Film, der am Dienstag Deutschland-Premiere hat, zeichnet ein naives, eindimensionales Helden-Bild - und verschenkt damit sein Potential.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,602006,00.html
Gassert schreibt, der relative Erfolg von "Valkyrie" (respektable 80 Mio. US-Dollar bislang trotz des notorischen Desinteresses des amerikanischen Publikums an Geschichtsstoffen, sowie erfolgreichster Neustart letzte Woche in Deutschland u. a.) verdanke sich der Bekanntheit des Stars Tom Cruise. Das ist eine ebenso naive Einschätzung wie Gassert dem Film eine naive Helden-Inszenierung vorwirft. Cruise ist mittlerweile eine öffentlich höchst ambivalente Figur geworden, dem nicht minder kritisch begegnet wird wie filmischen Versuchen, Nazi-Deutschland darzustellen. Gemessen daran ist der Erfolg des Films respektabel.
Man kann nicht alles auf einmal haben. Ein psychologisches Portrait Stauffenbergs oder die Vielschichtigkeit der Widerstands-Bewegung zu zeigen bleibt vielleicht einmal weiteren Verfilmungen überlassen. Ob der Film historisch falsche Fakten vorlegt, darüber gibt es einen Streit in Fachkreisen, hier gibt es auch andere Stimmen, die der Laie letztlich nicht beurteilen kann.
Der Film leistet durchaus etwas für die historische Aufklärung, wenn die Folie ist, wie Gassert selbst schreibt, dass nachfolgende Generationen insbesondere in den USA nicht einmal um den deutschen Widerstand wissen. Die Stufe der kritischen Auseinandersetzung damit gleich in einem zu bewältigen wäre schön gewesen, aber der Film wird nicht wertlos, wenn er dies nicht leistet, zumal dies sicherlich die Anschlussfähigkeit und somit Publikumswirksamkeit des amerikanischen Publikums geschmälert hätte.
Die Inszenierung ist nicht nur eine naive Heldengeschichte. Gerade weil Stauffenberg zurück genommen von Cruise gespielt wird, tritt das Netzwerk an Akteuren um ihn herum ebenso in den Vordergrund und begreifen wir nicht nur, dass es ein paar tragische Helden gegeben hat zum Ende des Krieges in Deutschland, sondern dass es vor allem ein starres Angst-System war, das den Putsch letztlich verhinderte (und nicht nur die unvorhersehbaren Pannen bei der Attentats-Ausführung, insbesondere durch die nicht einkalkulierte Wetterlage hervor gerufen). Der scheiterte, so scheint der Film zu zeigen, auch an der Bürokratie und dem fehlenden Mut, fehlender Handlungsbereitschaft eines faschistisch durch organisierten Überwachungssystems, und nicht daran, dass die Bombe Hitler nicht ausreichend traf.
Okay, ich gebe es zu: Tom Cruise ist NICHT mein Lieblingsschauspieler. Von seinen religiösen und politischen Ansichten und der Frage, ob er ein besonders sympathischer Mensch ist, mal ganz abgesehen.
Trotzdem muß nicht alles Mist sein, was er macht.
Selbst der von mir als Künstler hoch verehrte Charles Chaplin soll privat kein besonders netter Zeitgenosse gewesen sein. Man sagt ihm eine gewisse Egomanie nach.
Trotzdem ist - nicht nur, aber um beim Thema zu bleiben - "Der große Diktator" genial.
Ich hätte nicht geglaubt, dass man aus diesem Stoff ein so spannendes Epos entwickeln könnte. Tom Cruise und die anderen Mitwirkenden: douze points!
Dass die Verschwörung so breit angelegt war, wird einem aus Geschichtsbüchern nicht klar. Aber jetzt sieht und spürt man es im Film Valkyrie!
In der Welt gibt es vielleicht zehntausend Menschen, die über diese Episode so gut informiert sind, dass sie diesen Film nicht brauchen. Alle übrigen, also hunderte Millionen Zuschauer werden ihr Geschichtsbild revidieren.
Ihr Kritiker seid doch nur neidisch, dass es da den Amerikanern gelungen ist, was deutschen Filmemachern nicht. Die deutschen Filme zum Thema sind doch nicht mal ins Ausland vorgedrungen.
Jemandem der öffentlich für eine gefährliche, totalitäre und die Menschenwürde verachtende sogenannte "Kirche", wie die der Scientologen eintritt, eine Rolle eines Kämpfers gegen die Hitlerdiktatur zu geben ist einfach eine Frechheit.