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"Texas Chainsaw Massacre": Kettensäge gegen Zensurschere
Turbine Classics GmbH / mpi media groupDie Gewalt kennt kein Ende, die Zensur schon: In Deutschland ist jetzt eine ungekürzte DVD-Edition von "The Texas Chainsaw Massacre" erschienen. Sie zeigt, dass der Horrorklassiker nichts von seinem Schrecken eingebüßt hat. Das Dokument eines hässliches Kapitels deutscher Mediengeschichte.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,824479,00.html
- #50 01.04.2012 15:53 von
- #51 01.04.2012 15:56 von
- #52 01.04.2012 16:03 von
- #53 01.04.2012 16:04 von
Sie haben aber meinen Kommentar (wie auch die anderen ausführlichen Darlegungen des Ist-Zustandes in diesem Lande) gelesen, oder? Das "Abwehrverhalten" hat einzig und allein mit der Situation zu tun, die hinsichtlich solcher Filme in Deutschland geschaffen wurde.
Ferner darf ich wohl unterstellen, dass Sie diese Frage aus Ihrer Sicht ohnehin rhetorisch meinen, denn Ihre persönliche Antwort (dass solche "abwehraggressiven Reflexe" ja nur die Folge des Konsums gewaltverherrlichender Filme sein können) haben Sie ja bereits indirekt dargelegt. - #54 01.04.2012 16:10 von
Ja und? Leute, die BRAVEHEART nicht mögen, könnten mit ähnlicher Argumentation wie Sie ihrerseits BRAVEHEART als übertrieben blutiges Machwerk abtun und argumentieren, dass man die Brutalität des Krieges auch mit anderen Mitteln zeigen könne und dass dies nur ein Alibi sei, um unter dem Deckmäntelchen "Historische Wahrheit" an der Gewaltschraube zu drehen, damit das Publikum ins Kino gelockt wird, das ansonsten vielleicht gesagt hätte: "Ach nö, das ist bestimmt so ein langweiliger Historienfilm".
Die Beschlagnahme bezog sich auf die Bundesrepublik. TCM war aber auch im Ausland ein Kultfilm und dort war er frei zu haben. Bei uns hatte er quasi auf dem Schwarzmarkt einen gewissen Wert, weil er eben "verboten" war. Das einzige, was die Beschlagnahme hierzulande wirklich aufgebaut hatte, war bei manchen eben ein Status der Marke "Das soll ja echt ein rüdes Machwerk sein". Wer den Film wirklich kannte und schätzte, den interessierte die Frage nach dem Verbot nicht oder nur sehr am Rande.
So etwas wie Objektivität ist bei einem Kunstobjekt ein sehr schwaches bzw. nicht vorhandenes Argument. Der eine findet Coltrane-Jazz einschläfernd, der andere liebt ihn. Für den einen ist AC/DC wüster Lärm, der ihn körperlich abstößt, der andere hört fiesestes Black-Metal-Geprügel und empfindet AC/DC als nette Party-Musik, bei der der Fuß im Takt mitwippt, während er sich mit anderen Leuten unterhält.
Die Erkenntnis, dass TCM blutiger ist als z.B. LOVE STORY, ist offensichtlich, da durch den Inhalt beider Filme bedingt. Die Frage, welcher Film nun wem handwerklich-künstlerisch besser gefällt, kann dagegen nicht objektiv beantwortet werden.
Siehe TCM: Es gibt Leute vom Fach, die Daniel Pearls Leistung als Kameramann sehr hoch einschätzen. Andere sagen, das Filmchen sei billig heruntergekurbelter Mist. Welche Meinung ist denn nun OBJEKTIV die richtige? Es gibt bei solchen Fragen kein neutral-nüchternes Urteil, das die einzig richtige Sichtweise darstellt.
Es steht ihnen frei, das rigoros zu verweigern. Dann urteilen Sie aber lediglich auf der Basis von Szenenfotos, Filmplakaten oder eventuell noch einem kurzen Trailer. Sie bewegen sich damit auf der Stufe von Richtern und Staatsanwälten, die teilweise genauso argumentiert haben: "Warum sollte ich mir diesen Film KETTENSÄGENMASSAKER überhaupt ansehen, der Titel sagt doch schon alles!?" Private Verweigerung ist in Ordnung, aber in Verbindung mit der Macht, einen Film aus dem Verkehr ziehen zu können, entsteht daraus ein höchst bedenkliches Gebräu. - #55 01.04.2012 16:43 von
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Romeros "Dawn of the Dead" befindet sich meiner Kenntnis nach im selben Zensur-Orbit wie TCM.
Der ist auch längst überfällig für eine Rehabilitierung.
Viele aktuelle Filme befinden sich mittlerweile auf mindestens dem selben Splatter-Level und kommen ganz normal ins Kino und später in die DVD-Abteilungen der Kaufhäuser und keinen juckt's (zu Recht).
DotD hatte wohl nur das Pech durch seinen deutschen Titel damals zum Sinnbild des Feldzuges germanischer Moralapostel zu werden.
Dabei gehört dieser Film ohne Zweifel zu den Meilensteinen des modernen Horror-Genres. - #56 01.04.2012 17:22 von
dass seit den 70ern eine beschleunigte enttabuisierung von expliziten und detaillierten gewaltdarstellungen im bereich der massenunterhaltung stattgefunden hat, lässt sich wohl schlecht bestreiten. tatsächlich sind der umsetzung sadistischer phantasien und dem realismus in der darstellung mittlerweile kaum noch grenzen gesetzt.
und die allergische abneigung gegen störungen des genusses solcher barbareien, ist offenbar weitaus größer als die abneigung gegen diese barbareien selbst.
dass dem wunsch, wirklichkeitsgetreuen mordtaten, marterungen, verstümmelungen, vivisektionen etc.pp. beizuwohnen (denen bestenfalls der form halber eine dramatische intention unterlegt wurde) etwas pathologisches anhaftet, ist kein sonderlich abwegiger gedanke.
mit 'geschmack' hat das, wie schon gesagt, weniger zu tun.
Sie legen hier einen antikritischen affekt an den tag, der tatsächlich selbst etwas von den zensurwünschen an sich hat, die Sie anderen unterstellen.
kritik an einem gesellschaftlichen mißstand bedeutet nicht einverständis mit dem obrigkeitlich-autoritären vorgehen gegen diesen. aufgeklärte kritik erkennt in solchem vorgehen selbst einen auswuchs eben dieses mißstands. - #57 01.04.2012 17:35 von
- #58 01.04.2012 17:40 von
- #59 01.04.2012 18:04 von
stimmt
meinungen und aktivitäten von privatpersonen gehen mich nichts an und interessieren mich i.d.r. auch nicht. wo sie zu einer objektiven haltung oder tendenz zusammenfließen, ist eine (kritische) beschäftigung mit ihnen allerdings legitim, um nicht zu sagen selbstverständlich. denn hier beginnen diese privatanschauungen als kollektiver geltungsanspruch wirkmacht über den einzelnen zu entfalten. mündigkeit, kritik und wachsamkeit dieser kollektivistischen dynamik gegenüber sind das 'grundprinzip einer liberalen gesellschaft'.
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