"Texas Chainsaw Massacre": Kettensäge gegen Zensurschere

Turbine Classics GmbH / mpi media groupDie Gewalt kennt kein Ende, die Zensur schon: In Deutschland ist jetzt eine ungekürzte DVD-Edition von "The Texas Chainsaw Massacre" erschienen. Sie zeigt, dass der Horrorklassiker nichts von seinem Schrecken eingebüßt hat. Das Dokument eines hässliches Kapitels deutscher Mediengeschichte.

http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,824479,00.html
  1. #50

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    nein, der von mir 'angeprangerte' pseudoindividualismus neigt, wie gesehen, dazu, anderen die meinungs- und urteilsfreiheit abzusprechen, sobald diese die legitimität der eigenen vorlieben in frage zu stellen droht.
    Nochmal: Was andere erwachsene Menschen in ihrer Freizeit tun und lassen, ohne dabei Dritte zu beeinträchtigen, geht Sie einen feuchten Kehricht an. Das ist kein "Pseudoindividualismus", sondern das Grundprinzip einer liberalen Gesellschaft.
  2. #51

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    nein, der von mir 'angeprangerte' pseudoindividualismus neigt, wie gesehen, dazu, anderen die meinungs- und urteilsfreiheit abzusprechen, sobald diese die legitimität der eigenen vorlieben in frage zu stellen droht.
    Was durch die Unterscheidung zwischen "(reellen) Erwachsenen" (zu denen Sie sich, wie ich annehme, zählen) und anderen Diskutanten natürlich in keinster Weise ebenfalls versucht wird...
  3. #52

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    nein, der von mir 'angeprangerte' pseudoindividualismus neigt, wie gesehen, dazu, anderen die meinungs- und urteilsfreiheit abzusprechen, sobald diese die legitimität der eigenen vorlieben in frage zu stellen droht.
    Das ist, was Sie tun. Sie haben entschieden, dass dieser Film, den sie mal zur Hälfte gesehen haben, Müll ist. DAS steht Ihnen absolut frei. Alles andere geht sie aber überhaupt nichts an, solange nicht gegen geltendes Recht verstoßen wird.
  4. #53

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    sich zu fragen, woher solche abwehraggressiven reflexe (zugunsten der massenkulturellen lockerung des gewaltverbots) rühren, liegt eigtl. nahe und hat nichts mit selbstüberhebung zu tun.
    Sie haben aber meinen Kommentar (wie auch die anderen ausführlichen Darlegungen des Ist-Zustandes in diesem Lande) gelesen, oder? Das "Abwehrverhalten" hat einzig und allein mit der Situation zu tun, die hinsichtlich solcher Filme in Deutschland geschaffen wurde.

    Ferner darf ich wohl unterstellen, dass Sie diese Frage aus Ihrer Sicht ohnehin rhetorisch meinen, denn Ihre persönliche Antwort (dass solche "abwehraggressiven Reflexe" ja nur die Folge des Konsums gewaltverherrlichender Filme sein können) haben Sie ja bereits indirekt dargelegt.
  5. #54

    Zitat von Oback_Barama Beitrag anzeigen
    Was die Filme wie Braveheart angeht, es ist a) ein Film nach einer wahren Geschichte und b) er zeigt wie brutal der Krieg bzw. der Nahkampf damals als es noch keine Feuerwaffen gab, war.
    Ja und? Leute, die BRAVEHEART nicht mögen, könnten mit ähnlicher Argumentation wie Sie ihrerseits BRAVEHEART als übertrieben blutiges Machwerk abtun und argumentieren, dass man die Brutalität des Krieges auch mit anderen Mitteln zeigen könne und dass dies nur ein Alibi sei, um unter dem Deckmäntelchen "Historische Wahrheit" an der Gewaltschraube zu drehen, damit das Publikum ins Kino gelockt wird, das ansonsten vielleicht gesagt hätte: "Ach nö, das ist bestimmt so ein langweiliger Historienfilm".

    Zitat von Oback_Barama Beitrag anzeigen
    Die Zensuren und Kritiken haben eigentlich nur den Gegeneffekt. Erst die Zensur hat dem Ruhm von TCM verholfen ...
    Die Beschlagnahme bezog sich auf die Bundesrepublik. TCM war aber auch im Ausland ein Kultfilm und dort war er frei zu haben. Bei uns hatte er quasi auf dem Schwarzmarkt einen gewissen Wert, weil er eben "verboten" war. Das einzige, was die Beschlagnahme hierzulande wirklich aufgebaut hatte, war bei manchen eben ein Status der Marke "Das soll ja echt ein rüdes Machwerk sein". Wer den Film wirklich kannte und schätzte, den interessierte die Frage nach dem Verbot nicht oder nur sehr am Rande.

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    nein, eine frage der objektivität. hoopers sado-trash mit rohmers 'sommer-erzählung' zu vergleichen, ist objektiv unsinnig (wobei man letztere selbstverständlich nicht 'mögen muss').
    So etwas wie Objektivität ist bei einem Kunstobjekt ein sehr schwaches bzw. nicht vorhandenes Argument. Der eine findet Coltrane-Jazz einschläfernd, der andere liebt ihn. Für den einen ist AC/DC wüster Lärm, der ihn körperlich abstößt, der andere hört fiesestes Black-Metal-Geprügel und empfindet AC/DC als nette Party-Musik, bei der der Fuß im Takt mitwippt, während er sich mit anderen Leuten unterhält.

    Die Erkenntnis, dass TCM blutiger ist als z.B. LOVE STORY, ist offensichtlich, da durch den Inhalt beider Filme bedingt. Die Frage, welcher Film nun wem handwerklich-künstlerisch besser gefällt, kann dagegen nicht objektiv beantwortet werden.

    Siehe TCM: Es gibt Leute vom Fach, die Daniel Pearls Leistung als Kameramann sehr hoch einschätzen. Andere sagen, das Filmchen sei billig heruntergekurbelter Mist. Welche Meinung ist denn nun OBJEKTIV die richtige? Es gibt bei solchen Fragen kein neutral-nüchternes Urteil, das die einzig richtige Sichtweise darstellt.

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    ich muss mir primitiven folter-sadismus à la 'saw I-?' nicht ansehen, um zu dem urteil zu gelangen, dass es sich bei filmen à la 'saw I-?' um primitiven folter-sadismus handelt, den man sich deshalb auch nicht ansehen muss
    Es steht ihnen frei, das rigoros zu verweigern. Dann urteilen Sie aber lediglich auf der Basis von Szenenfotos, Filmplakaten oder eventuell noch einem kurzen Trailer. Sie bewegen sich damit auf der Stufe von Richtern und Staatsanwälten, die teilweise genauso argumentiert haben: "Warum sollte ich mir diesen Film KETTENSÄGENMASSAKER überhaupt ansehen, der Titel sagt doch schon alles!?" Private Verweigerung ist in Ordnung, aber in Verbindung mit der Macht, einen Film aus dem Verkehr ziehen zu können, entsteht daraus ein höchst bedenkliches Gebräu.
  6. #55

    mehr freigeben

    Romeros "Dawn of the Dead" befindet sich meiner Kenntnis nach im selben Zensur-Orbit wie TCM.
    Der ist auch längst überfällig für eine Rehabilitierung.

    Viele aktuelle Filme befinden sich mittlerweile auf mindestens dem selben Splatter-Level und kommen ganz normal ins Kino und später in die DVD-Abteilungen der Kaufhäuser und keinen juckt's (zu Recht).

    DotD hatte wohl nur das Pech durch seinen deutschen Titel damals zum Sinnbild des Feldzuges germanischer Moralapostel zu werden.
    Dabei gehört dieser Film ohne Zweifel zu den Meilensteinen des modernen Horror-Genres.
  7. #56

    Zitat von stormking Beitrag anzeigen
    Es gibt keine "massenkulturellen Lockerung des Gewaltverbots".
    dass seit den 70ern eine beschleunigte enttabuisierung von expliziten und detaillierten gewaltdarstellungen im bereich der massenunterhaltung stattgefunden hat, lässt sich wohl schlecht bestreiten. tatsächlich sind der umsetzung sadistischer phantasien und dem realismus in der darstellung mittlerweile kaum noch grenzen gesetzt.
    und die allergische abneigung gegen störungen des genusses solcher barbareien, ist offenbar weitaus größer als die abneigung gegen diese barbareien selbst.

    Zitat von stormking Beitrag anzeigen
    Und natürlich wollen Sie sich über andere erheben, schließlich lassen Sie ständig durchblicken, daß sie deren Filmgeschmack für bestenfalls krankhaft halten.
    dass dem wunsch, wirklichkeitsgetreuen mordtaten, marterungen, verstümmelungen, vivisektionen etc.pp. beizuwohnen (denen bestenfalls der form halber eine dramatische intention unterlegt wurde) etwas pathologisches anhaftet, ist kein sonderlich abwegiger gedanke.
    mit 'geschmack' hat das, wie schon gesagt, weniger zu tun.

    Zitat von stormking Beitrag anzeigen
    Da können Sie noch so oft beteuern, es ginge Ihnen nicht um Zensur. Sie haben lediglich nicht die erforderliche Macht, der Wille ist klar und deutlich zu erkennen.
    Sie legen hier einen antikritischen affekt an den tag, der tatsächlich selbst etwas von den zensurwünschen an sich hat, die Sie anderen unterstellen.
    kritik an einem gesellschaftlichen mißstand bedeutet nicht einverständis mit dem obrigkeitlich-autoritären vorgehen gegen diesen. aufgeklärte kritik erkennt in solchem vorgehen selbst einen auswuchs eben dieses mißstands.
  8. #57

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    dass dem wunsch, wirklichkeitsgetreuen mordtaten, marterungen, verstümmelungen, vivisektionen etc.pp. beizuwohnen (denen bestenfalls der form halber eine dramatische intention unterlegt wurde) etwas pathologisches anhaftet, ist kein sonderlich abwegiger gedanke.
    Wenn ich das im SPON-Artikel richtig verstanden habe, spielen sich die meisten Grausamkeiten in TCM im Off ab (so erinnere ich mich auch selbst an den Film).
  9. #58

    Zitat von betty.ford Beitrag anzeigen
    gesellschaftlichen mißstand
    Und wieder der Versuch der Objektivierung eines ganz obsubjektiven Empfindens.
  10. #59

    stimmt

    Zitat von stormking Beitrag anzeigen
    Nochmal: Was andere erwachsene Menschen in ihrer Freizeit tun und lassen, ohne dabei Dritte zu beeinträchtigen, geht Sie einen feuchten Kehricht an. Das ist kein "Pseudoindividualismus", sondern das Grundprinzip einer liberalen Gesellschaft.
    meinungen und aktivitäten von privatpersonen gehen mich nichts an und interessieren mich i.d.r. auch nicht. wo sie zu einer objektiven haltung oder tendenz zusammenfließen, ist eine (kritische) beschäftigung mit ihnen allerdings legitim, um nicht zu sagen selbstverständlich. denn hier beginnen diese privatanschauungen als kollektiver geltungsanspruch wirkmacht über den einzelnen zu entfalten. mündigkeit, kritik und wachsamkeit dieser kollektivistischen dynamik gegenüber sind das 'grundprinzip einer liberalen gesellschaft'.