DPAWem gehören die Gedanken von Wissenschaftlern? Weltweit empören sich Forscher über die teils horrenden Abo-Gebühren für Fachmagazine. Renommierte Mathematiker gehen nun neue Wege, um ihre Erkenntnisse zu veröffentlichen.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-878969.html
Die entscheidende Frage ist meiner Meinung nach, wie ein qualitativ hochwertiger Review-Prozess gewährleistet werden kann - im alten wie im neuen System. Das Argument der Verlage vom Elsevier-Schlag ist ja, daß sie durch ihre Einkünfte Herausgeber bezahlen können, dioe hauptberuflich mit den Reviewern kommunizieren. Das funktioniert auch so halbwegs. Bei PLoS bezahlen die Autoren der eingereichten Artikel, nicht die Leser. So ganz ohne Geld wird es womöglich nicht gehen...
Ich frage mich auch, welchen Sinn und Zweck gedruckte wissenschaftliche Fachzeitschriften - nicht nur in der Mathematik - heute noch haben sollen.
Es muss halt gewährleistet sein, dass auch weiterhin Qualitätssicherung stattfindet ("peer review"), aber das dürfte ja mehr eine organisatorische Frage sein.
Die Verlage der grossen Wissenschaftsmagazine haben lange genug dafuer kassiert, die Erkenntnisse anderer Leute zu publizieren. Die können weg!
Nicht nur Fachverlage, selbst Vereine wie IEEE machen mit beim Ausschlachten wissenschaftlicher Veröffentlichungen - Anfangs noch kostenlos, entdeckte IEEE Anfang des neuen Jahrtausends die grosse Datenbasis an Artikeln als goldene Kuh die gemolken werden kann. Mittlerweile kostet der Zugriff auf einzelne Artikel für Mitglieder $19 und nicht Mitglieder sogar $31. In vielen Fällen sind die Beiträge weniger als 4 Seiten lang, die Inhaltsangaben wertlos; da kommen bei einer Recherche schnell einige hundert Dollar zusammen.
Bei den Physikern (arxiv.org) und jetzt den Mathematikern tut sich wenigstens was. Aber meine Fachkollegen - Chemiker - sind wohl mehrheitlich entweder total zufrieden mit den Abo-Gebühren der Fachverlage oder aber zu konservativ um hier etwas Ähnliches in die Wege zu leiten.
Sehr Schade.
Nur mal so ein paar Anmerkungen:
1) Bei Open-Access-Magazinen wie "PLoS ONE" ist das anders: Hier sind die Artikel frei im Internet verfügbar. Aber das ist eine Ausnahme, der Zugriff auf viele Wissenschaftsmagazine kostet Geld.
Falsch, auch Open Access kostet Geld. Nämlich die Autoren, die für eine Freischaltung vorher bezahlen müssen. Zugegeben, nur einmalig.
2) Die Notwendigkeit von Peer-review wird immer nur behauptet, wurde aber noch nie nachgewiesen. Es gibt unter der unglaublichen Fülle von Veröffentlichungen aller Fachrichtungen auch trotz Peer-review den größten Müll, den man sich vorstellen kann. Wissenschaftsbetrug wird auch nicht verhindert, die Fälle kann man sehr leicht googeln.
3) Die Kosten für Textverarbeitung und Formatierung übernehmen heute schon die Autoren, indem sie nämlich ihre Arbeiten in Template tippen und so einreichen. Teilweise beherrschen Wissenschaftsverlage nicht einmal die einfachsten Prinzipien des Textsatzes (beruht auf eigener Erfahrung). WAS also kostet die Verlage so viel Geld? Ganz einfach, NICHTS. Es ist Ausbeutung, wie sie im Buche steht. Ganz im Sinne der herrschenden Ideologie des Kapitalismus.
Wenn Begründungen mit "Im Zeitalter des Internets" anfangen, dann sind das fast immer Nullaussagen. Natürlich habe Fachverlage ihre Daseinsberechtigung. Nur sind viele Fachzeitschriften zu teuer. Vor allem dann, wenn man weiß, dass der Review-Prozeß kostenlos durchgeführt wird und selbst das Layout von den Autoren vorgenommen wird.
Es muss sich erst noch zeigen, ob Online-Plattformen genausogut funktionieren wie Fachzeitschriften.