Teambuilding für Mitarbeiter: Ich geb' dir die Kugel

Nord EventStuhlkreis war gestern. Heute werden Teamtrainings wie Kindergeburtstage mit Seifenkistenrennen oder GPS-Rallye aufgezogen. Die Idee ist simpel: Wer mit dem Kollegen im Blaumann gekleckert, auf dem Windrad gezittert und beim Katapultbau geschwitzt hat, wird ihn mit anderen Augen sehen.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...814907,00.html
  1. #20

    ...

    Kann man nicht einfach nur seine Arbeit erledigen, ohne daß man sich für seine Kollegen interessieren müsste? Vielleicht entscheidet ein freier, aufgeklärter Mensch ja gerne selber, ob er jemanden näher an sich heran lässt, ob er sich für jemanden näher interessiert usw.

    Und ich bezweifele auch, daß es die Mitarbeiter sind, die eine Firma wirklich voranbringen. Teamfähigkeit heißt vor allem auch viel Zeit mit Kaffeetrinken und Quatschen zu verbringen (in diesem Sinne bin ich auch teamfähig und manchmal ist das ja auch produktiv, das will ich auch nicht leugnen) und die wirkliche Arbeit wird dann vom asozialen Einzelgänger gewuppt.

    Menschen, die man in Frieden ihre eigenen Dinge tun lässt, arbeiten von ganz alleine produktiv, solange nur die Arbeit interessant und motivierend ist. Da liegt allerdings das Problem. Die meisten Firmen interessiert gar nicht, ob das der Fall ist, lieber versucht man alle positiven Merkmale, die Menschen im Idealfall von alleine äußern, durch sinnloses Management und bemühten Aktionismus zu erzwingen.

    Überhaupt haben Arbeitgeber viel zu viel Einfluß. Das sollte ganz stark eingeschränkt werden.
  2. #21

    Früher...

    In meiner Firma gibt es Teamevents, aber die organisieren wir selbst, je nach Lust und Laune. Mal gehts ins Stadion oder man geht in ein nettes Restaurant. So einmal im Jahr. Das reicht dann auch - man sieht sich ohnehin jeden Tag für mindestens 8 Stunden.[/QUOTE]

    ...hat man das mal Betriebsausflug genannt - aber heute ist es halt ein Teamevent. Und bei uns ist es so, wer mitkommen will kommt, wer nicht arbeitet. Ganz einfach.
  3. #22

    Der Härtetest für die Sinnhaftigkeit von "Teambuilding" ...

    ist doch ganz easy.

    1.) Das ganze findet findet während der Arbeitszeit statt.
    2.) Wer nicht will darf dann auch zu Hause bleiben (ist ja nur ein Tag).
    3.) Niemand darf Nachteile erleiden, weil er/sie aus welchen Gründen auch immer fernbleibt. Am besten noch schriftlich.

    Dann sehen wir wie ernst es den Angestellten mit "Teambuilding" ist u.v.a. welche Effekte im Arbeitsleben zu erwarten sind.
    Man sollte sich aber besser keine Hoffnungen machen. Die Effekte sind Null und es wird Events geben an denen unter den o.g. Bedingungen u.U. sogar niemand teilnimmt.
    Die Gründe liegen auf der Hand. Freundschaften lassen sich auch in Facebook Zeiten - in denen der Freundschaftsbegriff inflationär weit gedehnt wird - eben nicht erzwingen.
    Am Arbeitsplatz sollte ein professionelles Klima herrschen, womit wir bei zweiten wichtigen Punkt sind. PROFESSIONALITÄT!!
    Die wird in psycholgischer, pädagogischer und wohl auch sozialer Hinsicht von den Laiendarstellern solcher Events nicht gewährleistet werden können. Es handelt sich um Unwissende, die nur ein Produkt verkaufen wollen und dabei möglichst trendy erscheinen wollen.
    Noch laienhafter sind Unternehmen bzw. Entscheider die auf so eine billige Masche hereinfallen.
    Auf Gruppendynamik zu setzen und diese letztlich manipulativ zu nutzen ist schon beinahe kriminell. Die Geschichte ist voll von Belegen in allen Epochen wohin solche Methoden in schlimmsten Fall führen können.
    Sie sind definitiv nicht dazu geeignet ein schlechtes Arbeitsklima zu verbessern. Das hat i.d.R. ganz andere Gründe, Gründe, die die Unternehmen nicht so gerne hören wollen.
  4. #23

    Momentaufnahmen

    Teambuilding ist schon wichtig, weil es die Produktivität des Teams erhöht. Solche Teambuildingmaßnahmen mit Ringelpietz-Mit-Anfassen bringen aber nichts, wenn sie nur Momentanaufnahmen sind. Teambuildung muss v.a. täglich durch den Teamleiter (ehrlich) vorgelebt werden, ansonsten bringt das alles nicht. Und wenn ein Teamleiter das tut, braucht es solche Veranstaltung nicht mehr. Sie sind dann eher Abwechselung und Spass, geht aber auch nur, wenn die Chemie im Team stimmt.
  5. #24

    Sie umschreiben höflich ...

    Zitat von ayee Beitrag anzeigen
    Teambuilding ist schon wichtig, weil es die Produktivität des Teams erhöht. Solche Teambuildingmaßnahmen mit Ringelpietz-Mit-Anfassen bringen aber nichts, wenn sie nur Momentanaufnahmen sind. Teambuildung muss v.a. täglich durch den Teamleiter (ehrlich) vorgelebt werden, ansonsten bringt das alles nicht. Und wenn ein Teamleiter das tut, braucht es solche Veranstaltung nicht mehr. Sie sind dann eher Abwechselung und Spass, geht aber auch nur, wenn die Chemie im Team stimmt.
    was diese Maßnahmen sind. Geldverschwendung und ABM für Psychologie-Laien, die sonst zur ARGE müssten oder irgend etwas anderes tun, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.
    Die wahren Probleme, die die Produktivität einschränken/reduzieren sind meist im Unternehmen bzw. am Arbeitsplatz vorhanden und müssten dort gelöst werden.
    Ein Leihsklave der im schlimmsten Fall nur die Hälfte des Lohnes seiner Kollegen bekommt, dem wird auch dieser Ringelpietz mit Anfassen nüscht bringen. Eher wird es ihn sauer machen, das man für so einen Mumpitz Geld ausgibt und er wird grundlos kurz gehalten.
  6. #25

    Herr Stehr: Setzen - Sechs!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Stuhlkreis war gestern. Heute werden Teamtrainings wie Kindergeburtstage ...
    Herr Stehr, als Autor für SPON sollten Sie noch deutlich zulegen - das war allzu seichte Kost. Ihre Schreibe macht einfach super-deutlich, dass Sie a) Teambuilding und -entwicklung persönlich für Unsinn halten und b) den zentralen Knackpunkt solcher Maßnahmen nicht mal gestreift, geschweige denn, erkannt haben.

    Das ist jetzt nicht so schlimm, wie es klingt: Jeder hat mal 'nen schlechten Tag und muss sich was aus den Fingern saugen, von dem er nix versteht. Blöd ist nur, dass SPON kein Feld-Wald-Wiesen-Blättchen ist, in dem man mal eben ein paar dünne Bretter bohren kann und hoffen darf, dass es keiner merkt.

    Wenn Sie schon aus der Hüfte schießen wollen, müssen Sie deutlich mehr eigene Feldkompetenz mitbringen - oder eben SAUBER recherchieren. Fragen Sie nächstes mal jemand, der wirklich etwas vom Thema versteht und nehmen Sie nicht die erstbeste Event-Bude. Für "Teamentwicklung" gibt es in Deutschland ein paar hoch-renomierte Anbieter, die zu den hidden champions in Europa zählen. Die von Ihnen zitierten Marktschreier gehören definitiv nicht dazu. Wenn Sie nun doch noch am Kern des Themas interessiert sein sollten, helfe ich Ihnen gerne weiter.
  7. #26

    Zitat von jakiri Beitrag anzeigen
    In meiner Firma gibt es Teamevents, aber die organisieren wir selbst, je nach Lust und Laune. Mal gehts ins Stadion oder man geht in ein nettes Restaurant. So einmal im Jahr. Das reicht dann auch - man sieht sich ohnehin jeden Tag für mindestens 8 Stunden.
    So sehe ich das auch. Stimmt es zwischen Kollegen nicht, dann kann ein Ausflug nichts richten. Mag sein, daß man sich beim gemeinsamen Paddeln im Kanu gut versteht - das löst aber nicht einen monatelangen Konflikt in den Projekten A, C und Z.
    Ich finde, gemeinsam etwas aktiv machen ist als Ausflug schon besser als nur zum HSV zu gehen - aber so hoch man einen Teamevent von psychologischer Seite auch aufhängen mag ... interne Probleme und Konflikte löst man nur intern auf der Arbeit mit Anstrengungen von Management und Mitarbeitern.
    Da mag die Paddeltour einen positiven Ausschlag geben, aber die Problemlösungsarbeit geschieht zu 90% im Büro.

    PS: Meine Rechtschreibprüfung schlug mir eben für Teamevent "Testament" vor ...
  8. #27

    Für den mündigen Arbeitnehmer!

    Zitat von Radtourist Beitrag anzeigen
    So sehe ich das auch. Stimmt es zwischen Kollegen nicht, dann kann ein Ausflug nichts richten. Mag sein, daß man sich beim gemeinsamen Paddeln im Kanu gut versteht - das löst aber nicht einen monatelangen Konflikt in den Projekten A, C und Z.
    Ich finde, gemeinsam etwas aktiv machen ist als Ausflug schon besser als .......
    Das Problem ist ja das Unternehmen diesen Heckmeck nur aus einem einzigen Grund veranstalten: Effizienzsteigerung.
    Mündige Mitarbeiter, die womöglich nein sagen oder nur eine eigene Meinung zum Ringelpiez haben sind da sicher nicht erwünscht. Die wollen den angepassten Schleimer, der Überstunden ohne Murren ableistet und sich dann auch noch bei solchen Events vergackeiern lässt!
  9. #28

    Selbsternannte Experten

    Zitat von scriptkid Beitrag anzeigen
    Herr Stehr, als Autor für SPON sollten Sie noch deutlich zulegen - das war allzu seichte Kost. Ihre Schreibe macht einfach super-deutlich, dass Sie a) Teambuilding und -entwicklung persönlich für Unsinn halten und b) den zentralen Knackpunkt solcher Maßnahmen nicht mal gestreift, geschweige denn, erkannt haben.

    Das ist jetzt nicht so schlimm, .....
    Es ist schon interessant, welche selbsternannte Experten sich ein Urteil über die Arbeit seriös arbeitender Agenturen und Berater erlauben. Woher nehmen Sie Ihre Erkenntnis, dass die im Artikel prominent erwähnte Agentur eine "erstbeste Eventbude" ist? Ich freue mich auf einen offenen Diskurs. Schließlich haben wir nichts zu verbergen, da wir wissen, was wir tun. Daher würde ich den selbsternannten Experten bitten, offen zu seinem beruflichen Background zu stehen, so wie ich mich der Diskussion - sofern sie nicht völlig jenseits von Seriosität und Gürtellinie entfernt ist - stelle.
  10. #29

    Teambuilding

    Nun möchte ich mich nach reiflicher Überlegung zu Wort melden. Weniger weil es mich übermäßig drängt, sondern eher weil ich gerade eine Stunde der Muße habe, sich ein weiterer Film nicht mehr lohnt und ein neues Buch anzufangen um diese Uhrzeit ebensowenig.

    Ich bin übrigens einer der von vielen Foristen verachteten "Anzugträger" die Teambuildings durchführen. Ich bin spezialisiert auf Projekte und Seminare zur Teamentwicklung, zur Klärung von betrieblichen Konflikten sowie der Mitarbeiterführung.

    Zum ersten möchte ich den Foristen beipflichten, die Zweifel an derlei Seminaren haben. Viele solcher Projekte sind tatsächlich "für die Katz". Das kann viele Gründe haben.

    Ich persönlich habe auch schon Teambuildings geleitet, die ich mir im Nachhinein gedacht hätte sparen können. Gut, sie haben Geld gebracht. Gutes Geld. :-) Aber für heiße Luft etwas zu verdienen empfinde ich als sehr unbefriedigend. Ich will etwas konstruktives erreichen. Zu sehen, dass das nicht immer klappt finde ich schon sehr ärgerlich.

    Erfreulicherweise waren die meisten Teambuildings jedoch ausgesprochen erfolgreich. Vor knapp sechs Monaten leitete ich ein sogar zweitägiges Teambuilding in einem Team, das sich gegenseitig "behindert" hat. Die erfahrenen Mitarbeiter behandelten junge / neue MA abschätzig. Es gab mehr als das Übliche "Gerede". Absprachen wurden nicht eingehalten, was natürlich jedem die Arbeit schwer gemacht hat. Ich könnte die Liste noch fortsetzen.

    Was ist im Rahmen des Seminars geschehen? Wir haben systematisch verschiedene Punkte abgearbeitet. Grundsätzliches wie z. B. eine offene Feedback-Kultur aussehen kann, wie Kommunikation im Wesentlichen abläuft (4 Seiten einer Botschaft nach Schulz von Thun) und dergleichen. Zudem wurden eine ganze Reihe von Wünschen der Mitarbeiter besprochen. Letztlich hat sich das Team darauf verständigt, einen Großteil des zweiten Tages darauf verwenden zu wollen, ein gemeinsames "Teamkonzept" zu entwerfen. Darin enthalten waren dann "Spielregeln des Miteinanders", Umgangsformen, Absprachen, etc. Grundsätzliches wie auch wichtige sehr konkrete Punkte. Die Stimmung am Ende der zwei Tage war ganz hervorragend - aber auch kritisch, ob die Umsetzung denn klappt.

    Vor zwei Wochen hatten wir den vereinbarten "Nachsorge"-Termin. Er ging einen halben Tag. Erfreulicherweise berichteten die Mitarbeiter, dass sich die Lage deutlich verbessert hat. Es gäbe zum einen weniger zwischenmenschliche Probleme und zudem würden Absprachen besser eingehalten, was zu besseren Arbeitsergebnissen führte. Allerdings gab es auch nach wie vor einige kritische Punkte über die gesprochen werden musste.

    Was ich will im Fazit sagen? Teambuildings prinzipiell zu verwerfen empfinde ich als so kurzsichtig und ignorant gedacht, dass es schon fast an Dummheit grenzt. Sie jedoch in den Himmel zu loben als Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltungen ist ebenso dumm. Es müssen ARBEITS-Workshops sein. Klar sollen sie auch Spaß machen. Doch letztlich teilt man mit den Kollegen sehr viel Zeit. Sie müssen keine Freunde sein. Aber man muss mit ihnen klarkommen und auch in vernünftigem Umfang vertrauen können. Und um das zu erreichen, können Teambuildings ein wertvoller Schlüssel sein.

    Ein Schlüssel übrigens, der IMMER als Arbeitszeit zu vergüten ist. Ein vernünftiger Chef wird solche Veranstaltungen verpflichtend durchführen (es geht um die Effizienz und ums Geld). Und er wird sie IMMER vergüten. Und zwar als Arbeitszeit. Das gehört sich so.