Wo andere auf kumpelig machen, eckt Mehmet Kurtulus an.*Damit ist bald*Schluss - und*Christian Buß ist verzweifelt. Denn*in seiner*vorletzten "Tatort"-Episode taucht*Kurtulus*in eine Terror-Zelle*ab und*beweist dabei, wie*brillant der Undercover-Krimi ist. Eine Hymne auf*einen großen Fremden.
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,803539,00.html
Der Darsteller hat sich in der Tat große Mühen bereitet, auch, ja sogar insbesondere um die Aufrechterhaltung einiger Klischees wenn auch in psycholgischer Hochspannung verpackt.
Und trotz dem hat es nichts genützt!
Warum wohl?
Der Hauptdarsteller ist kein Deutscher. Entsprechend hat es der deutsche Zuschauer als Diskrepanz empfunden, einen türkischstämmigen Kommissar ("wie hat er es bloß bis dahin geschafft?") auf Verbrecherjagd zu schicken.
Dem allgemeinen Empfinden des Mainstreams nach hätte dieser Schauspieler allenfalls den Moriatti-Part übernehmen können, niemals jedoch den Helden mit der weissen Weste.
Entsprechend wurde dieser Tatort mit Bestrafung quotiert und das trotz aller Brillianz!
Man kann in Deutschland Spitzenleistungen offerieren. Sie werden stets als mittleres Mittelmaaß wahrgenommen werden, so lange sie von Migranten kommen.
Eben das wird der Schaupieler begriffen haben, weshalb er die Reissleine gezogen hat.
Eine weise Entscheidung wie ich finde.
Ein Tatort bis auf wenige Ausnahmen, ist doch 90 Minuten gespielte gähnende Langeweile. Cenk Batu als Tatort Kommissar war eine solche Ausnahme Spannende unterhaltsame Storys, nur leider für einen Sonntag Abend Altenheim Krimi zu aufregend. Schlicht das falsche Format Tatort Format.
Das ist alles!
Eine Schande, dass dieser Hamburger Tatort abgesetzt wird, ist er doch von der Qualität und Dramaturgie sicherlich einer der Besten. Verstehe einfach nicht warum ein Krimi mit Ecken und Kanten von der Mehrheit als Fremd wahrgenommen wird, was sicherlich nicht am türkischstämmigen Hauptdarsteller liegt. Es ist einfach nur eine Schade, dass man nicht wenigstens ab und zu dem Tatort etwas Abwechslung und Experementierfreudigkeit gönnt und wieder nur auf hohe Quoten (--> Til Schwieger) setzt...
Vielen Dank für dieses Review - Mehmet Kurtulus spielt einfach sensationell und es stimmt traurig, dass die ARD eine so gute Tatort-Reihe beenden lässt, wenn auch durch Kurtulus selbstbestimmt.
Hat Herr Kurtulus sich so geäußert? Meines Wissens nicht. Was alles in der öffentlich-rechtlichen Planung schief läuft, haben die Ereignisse um den Saar-Tatort demonstriert. Die Zuschauer mögen bestimmte Ermittler(innen) gerne, also wird jeder Tatort dementsprechend umgemodelt, bis die wenigen Perlen (Hamburg, die letzten Saarland-Sendungen) abgesetzt werden.
Schade um den Hamburger Tatort, aber ob das eine Frage der mangelnden Wertschätzung der Kurtulus-Leistung ist, wage ich zu bezweifeln. Hamburg war/ist ein sehr eigenständigerTatort in Konzeption, Ermittlerteam und auch Stil. Das irritiert natürlich, wenn man jeden Sonntag bevorzugt Köln der Münster sehen will (die beide auch Vorzüge haben), und verleitet einige zum Abschalten oder Nichtmehreinschalten.
Der Tatort mit Mehmet Kurtulus war erfrischend in der sich immer stärker angleichenden Tatortwelt. Er war geistreich, kunstvoll, gnadenlos gut gespielt und jedes Mal auch ein Wagnis für Darsteller und Zuschauer - und fristete wohl genau aus diesem Grund ein Nischendasein.
Nun wird mit dem neuen Tatortkommissar Til Schweiger nicht alles anders - sondern alles ein bisschen "gleicher". Man hat sich mittlerweile an Vieles gewöhnt, es muss mittlerweile in den meisten Tatorten zumindest eine Leiche geben und auch intime Sexszenen gehören regulär dazu. Sicher, Tatorte zeichnen die Realität nach und Kommissare und Kommissarinnen sind auch nur Menschen - trotzdem wirkt auch dieses Rezept mittlerweile nicht mehr, im Gegenteil es ist eher ermüdend - der "typische Tatort in 123 Sekunden" eben (gemäss der Satiresendung “Walulis sieht fern“).
Anscheinend ist der Tatort in einer Sinnkrise, die allerdings nicht so recht befruchtend wirken mag und nichts Neues bringt. Wie auch, man repräsentiert ja die erfolgreichste deutsche Krimiserie. Sarah Kuttner schimpfte letztens erst im Spiegel, dass der Tatort "eine Art neue Spießigkeit" ausdrückt. Mit Til Schweiger wird diese Sinnkrise nicht angegangen - im Gegenteil, es wird auf das bewährte Verkaufsrezept prominenter Köpfe gesetzt.
Veränderung tut weh aber langfristig gut - ich wünsche den Produzenten mehr Mut in der Auseinandersetzung mit der für notwendig gehaltenen "Wiedererkennbarkeit".
Möglich. Aber auch möglich, dass diese Art Tatort einfach für die 20:15 Uhr Abendunterhaltung zu anspruchsvoll war. Man darf nicht vergessen: Viele Leute setzen sich abends vor den Fernseher und wollen einfach "berieselt" werden, ohne sich groß anstrengen zu müssen. Das Fernsehen ist sehr stark in diese Rolle geraten, ein Programm zu machen, das geistig möglich wenig anspruchsvoll ist. Wenn die Leute geistige Anregung suchen, machen sie in der Regel den Fernseher aus und tun etwas anderes.
Das ist nicht einmal negativ gemeint. Der Zweck des Fernsehens hat sich gegenüber früher eben verschoben.