Tarifeinigung in der Metallindustrie: Rekordabschluss mit Hintertürchen

dapdEndlich mal wieder ein satter Abschluss in der Metallindustrie: Die Beschäftigten bekommen 4,3 Prozent mehr Geld, so viel gab es seit 20 Jahren nicht mehr. Die Arbeitgeber können mit dem Deal trotzdem gut leben - sie haben sich in viel wichtigeren Punkten durchgesetzt.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...833986,00.html
  1. #1

    Wow!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Endlich mal wieder ein satter Abschluss in der Metallindustrie: Die Beschäftigten bekommen 4,3 Prozent mehr Geld, so viel gab es seit 20 Jahren nicht mehr. Die Arbeitgeber können mit dem Deal trotzdem gut leben - sie haben sich in viel wichtigeren Punkten durchgesetzt.

    Analyse Tarifabschluss 2012 in der Metallindustrie - SPIEGEL ONLINE
    4,3 Prozent oder rund 100 Euro brutto (60 netto) im Monat. Das ist der blanke Wahnsinn! Jetzt wird die Binnennachfrage aber so richtig anziehen. Der Grundstein zur Euro-Rettung ist gelegt. Ich freue mich riesig!
  2. #2

    Solidarität...

    Tja so schaut es aus mit der Solidarität der Genossen. Hauptsache man hat selber mehr in der Tasche.
    Die Arbeitnehmer zweiter Klasse bleiben wo sie sind.
    Die Formulierung dass sich die Arbeitgeber die menschenverachtende Praxis der Leiharbeit "erkämpft" hätten ist ja wirklich rührend. Bei der Machtposition die sie seit 2000 hatten mussten sie zum "kämpfen" noch nicht mal den Allerwertesten aus dem Ledersessel lüpfen...
  3. #3

    Inflation

    Wer 4,3% für 13 Monate einen "satten Abschluß" nennt, der hat keine Ahnung von Inflation und Prozentrechnung.
  4. #4

    ...

    Zitat von pinkinson Beitrag anzeigen
    4,3 Prozent oder rund 100 Euro brutto (60 netto) im Monat. Das ist der blanke Wahnsinn! Jetzt wird die Binnennachfrage aber so richtig anziehen. Der Grundstein zur Euro-Rettung ist gelegt. Ich freue mich riesig!
    Dann bleibt natürlich noch die Frage, was sie sich denn ERWARTEN würden... was wäre ihrer Meinung nach denn ein angemessenes Angebot?

    Ich bitte zu bedenken, dass Tarifabschlüsse eben erstmal für alle Unternehmen gelten - und nicht jedem geht es so überragend, wie der Automobilbranche (und mit dem Blick auf Opel ist auch dort nicht uneingeschränkt Jubel-Trubel-Heiterkeit angesagt)

    Eine Tariferhöhung betrifft jeden einzelnen. (...jaja - sofern er fest in einem Unternehmen angestellt ist, das sich auch dem Flächentarif angeschlossen hat)
    Also 4,3% mehr, obwohl man nach wie vor die gleiche Arbeit macht...
    Meiner Meinung nach durchaus angemessen.

    Klar - mehr ist immer schöner... aber dann kann man sich das auch verkneifen, mit dem anklagenden Zeigefinger auf Lokführer und Fluglotsen zu zeigen und denen Gier vorzuwerfen.
    Im Endeffekt sind wir ALLE, die das Glück haben, unter nen entsprechenden Flächentarifvertrag zu fallen in einer Vorteilsposition, gegenüber denjenigen, die keinerlei Machtposition zur Verhandlung haben.

    Wenn sie meinen, dass sie mehr Geld bekommen sollten... dann TUN sie was dafür. Erweitern sie ihr Wissen, ihr Tätigkeitsfeld... wechseln sie den Job, den Arbeitgeber, das Land...
    Für so manches muss man vielleicht auch selbst den Arsch hochbekommen.
    PS: 60 € Netto im Monat machen im Jahr auch 720 €... da springt ein netter Flug sonstwohin raus... oder gut 450 l Benzin... oder der nächste unnötige Luxusartikel... (vom Kaffee-Vollautomaten zur Riesenglotze zum iPad zum Weber Grill... heute braucht man ja ständig neues Spielzeug)
  5. #5

    Zitat von cato-der-ältere Beitrag anzeigen
    Tja so schaut es aus mit der Solidarität der Genossen. Hauptsache man hat selber mehr in der Tasche.
    Die Arbeitnehmer zweiter Klasse bleiben wo sie sind.
    Die Formulierung dass sich die Arbeitgeber die menschenverachtende Praxis der Leiharbeit "erkämpft" hätten ist ja wirklich rührend. Bei der Machtposition die sie seit 2000 hatten mussten sie zum "kämpfen" noch nicht mal den Allerwertesten aus dem Ledersessel lüpfen...
    Lieber Herr Cato,

    schon bei den Warnstreiks in meiner Firma haben sich zu viele Leiharbeitnehmer erst versteckt und dann weiter gearbeitet. Obwohl sie seit Jahren bei uns sind und wir bereits Equal Pay durchgesetzt haben. Auch die Betriebsräte unterstützen sie. Trotzdem sitzt die Ansgt tief und jeder ist sich selbst der Nächste. Jeder hofft, durch die Nichtteilnahme demnächst fest eingestellt zu werden. Ohne einen Funken Mut wird man sich (als Leiharbeiter) aber immer damit zufrieden geben was andere erstreiten / aushandeln. Auch in der IG Metall sucht man Leiharbeiter vergeblich. So gesehen, haben wir festangestellte Kollegen (nicht Genossen) schon sehr viel erreicht für die Leiharbeitnehmer. Wir hätten sicher auch noch mehr Prozente und einen Monat weniger Laufzeit herausbekommen, wäre es uns nicht wichtig gewesen die Mitbestimmung unserer Betriebsräte zu stärken.
  6. #6

    da hat die Gewerkschaft Mitschuld

    Zitat von cato-der-ältere Beitrag anzeigen
    Tja so schaut es aus mit der Solidarität der Genossen. Hauptsache man hat selber mehr in der Tasche.
    Die Arbeitnehmer zweiter Klasse bleiben wo sie sind.
    Die Formulierung dass sich die Arbeitgeber die menschenverachtende Praxis der Leiharbeit "erkämpft" hätten ist ja wirklich rührend. Bei der Machtposition die sie seit 2000 hatten mussten sie zum "kämpfen" noch nicht mal den Allerwertesten aus dem Ledersessel lüpfen...
    da muss ich dem Kommentator recht geben! Die Gewerkschaften haben natürlich zu 90% Mit-Schuld an der Zeitarbeitsmisere, da sie dem eigenen Klientel keine höhere Flexibilität zugestehen. Dem ist leider so, und echte Solidarität sieht anders aus (z.B. Null % Erhöhung für das eigene Klientel, dafür 100% Equal Pay für Zeitarbeitnehmer). Somit geht es mit der Spaltung der Gesellschaft weiter (auch ich bin Arbeitnehmer in der Metallindustrie - allerdings nicht in der Gewerkschaft - und hätte aus Gründen der Solidarität auf die Lohnerhöhung verzichtet). In Wirklichkeit haben die Zeitarbeitnehmer keine Lobby!
  7. #7

    Soll man anerkennen!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Endlich mal wieder ein satter Abschluss in der Metallindustrie: Die Beschäftigten bekommen 4,3 Prozent mehr Geld, so viel gab es seit 20 Jahren nicht mehr. Die Arbeitgeber können mit dem Deal trotzdem gut leben - sie haben sich in viel wichtigeren Punkten durchgesetzt.

    Analyse Tarifabschluss 2012 in der Metallindustrie - SPIEGEL ONLINE
    Beide Seiten haben verantwortlich gehandelt. Und ´jetzt noch paar Krümmel hin und her zu schieben, ist kleinlich.
    Auch der Spiegel sollte sich freuen. Gute Vorlage um den Heftpreis wieder mal anzuheben! ;-)
  8. #8

    Wieder haben die Gewerkschaften versagt !!

    4,3%, dass ich nicht lache.
    Da sind die Arbeitgeber wieder fein raus, und lachen sich ins Fäustchen.
    Wie im Bericht angedeutet, wäre es auf ein paar % weniger oder mehr gar nicht angekommen, denn die Lohnanteil an den Kosten ist eh nur marginal. Stattdessen war die Angst der Arbeitgeber vor Streiks sehr hoch, so dass man auch problemlos höhere Abschlüsse hätte durchsetzen können .

    Stattdessen haben die Gewerkschaftsbosse die Machtposition der Arbeitnehmer wieder verspielt.

    Es ist eine Schnade, und jedes Gewerkschaftsmitglied sollte sich überlegen, ob er wirklich an die richtige Lobby Beiträge bezahlt.
    Solche Gewerkschaften nützen nur den Arbeitgebern, schön blöd wer für so eine Lobby Geld bezahlt.
  9. #9

    ...

    Ich lach mich schlapp. 200 Euro Brutto mehr in der Tasche für einen Ing. mit ordentlich Berufserfahrung. Also keine 100 Euro Netto mehr. Und sowas soll ein Grund zum feiern sein? Und erneut wieder eine völlig depperte %-uale Erhöhung, der Kleinste soll ja nicht zuviel kriegen...
    Und dann das Thema Zeitarbeit, dank unserer Politik und der anderen Verantwortlichen ein parasitärer Organismus in unserer Arbeitswelt. Das es anders laufen kann, zeigen genug andere Länder, aber gut funktionierende Dinge zu übernehmen war noch nie unsere Stärke...
    Das es anders laufen kann mit der Zeitarbeit, zeigt die Anstellung meines jüngeren Bruders. Normaler Elektriker, bei einer großen Zeitarbeitsagentur über 3 Jahre die obligatorischen 9,81/Stunde und das wars.
    Nun ist er bei einem kleineren Zeitarbeitsunternehmen, dort bekommt er via übertariflichen Zuschlägen 12€/Stunde + 6€ Nettozuschläge/Stunde. Damit verdient er in einem durchschnittlichen Monat knapp 2200€ Netto als einfacher Elektriker. Interessanterweise verlangt das Unternehmen statt 25€/Stunde "nur" 30€/Stunde vom Kunden. Sprich es fließt einfach mehr zum Zeitarbeitnehmer und der Chef dort nagt auch nicht am Hungertuch. Also es kann funktionieren... nur soll es das natürlich nicht auf breiter Ebene. Das Volk soll schließlich an der Grenze zwischen arm und Hoffnung gehalten werden um es lenkbar zu halten. Zu arm und es rebelliert, zu wohlhabend und es lässt sich nichts mehr vorschreiben...
    Auf den Abschluß der Metaller, wenn es schon % sein müssen, wären mindestens 10-15% und wenigstens 250€ mehr angemessen gewesen für das verlorene Jahrzehnt in dem Deutschland die Löhne drückte, ein Höchstpreisland aber blieb.