Talkshow-Verflachung: Der Betroffene hat immer Recht. Oder?

Betroffenheit, das klingt nach siebziger Jahren und Sitzblockaden. Jetzt sitzt der Betroffene plötzlich wieder auf allen Stühlen - seit "Anne Will" auch in den politischen Talkshows. Die Konfrontation mit persönlichen Schicksalen entzieht jedem Diskurs die nötige Schärfe.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...512069,00.html
  1. #1

    ja, so ist es

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Betroffenheit, das klingt nach siebziger Jahren und Sitzblockaden. Jetzt sitzt der Betroffene plötzlich wieder auf allen Stühlen - seit "Anne Will" auch in den politischen Talkshows. Die Konfrontation mit persönlichen Schicksalen entzieht jedem Diskurs die nötige Schärfe.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...512069,00.html
    richtig so. betroffene in talk-shows sind so sinnvoll wie angehörige bei einer operation: störend, ablenkend und den blick aufs wesentliche verstellend
  2. #2

    Weg mit Betroffenen!

    Betroffene stören die Elite nur, wenn sie die "Erfolge ihrer Reformen" beschreibt. Die meisten Betroffenen haben ihrer Meinung nach eh keine Ahnung und sollten sich besser nicht zu dem äussern, was die Elite über ihre Köpfe hinweg beschliesst.
    Betroffene! Ein Horrorszenario! Da sehnt sich die Elite nach Christiansen zurück, als die INSM- und Versicherungsvertreter sich noch die Klinke unbetroffen in die Hand geben konnten und sicher sein konnten, dass die blonde Sabine ihnen die richtigen Stichworte zuwirft.
  3. #3

    @kowalim

    das nächste mal bitte die ironietags nicht vergessen

    betroffene müssen sein. es ist lächerlich genug, wenn politiker oder wirtschaftsbosse mit chauffeur, steuerfreibeträgen und gehältern jenseits von gut und böse über h4 diskutieren
  4. #4

    Betroffene...

    sollen dabei sein. Dann besteht zumindest ansatzweise die Chance, dass die Obermänner dieser Welt einen kleinen Einblick in die Lebenswirklichkeit ihrer outgesourcten Mitarbeiter bekommen. Gleiches gilt für die Polikerkaste.

    Und auf das Argument des Autors, dass sich dann niemand mehr traut, unpopuläre Thesen zu vertreten, kann ich nur sagen, dann hat der- oder diejenige ihr Metier verfehlt. Allerdings bedarf es natürlich mehr Courage, diese Thesen Betroffenen ins Gesicht zu sagen als sie im Raumschiff Bundestag oder Chefetage zu beschließen.
  5. #5

    Es gibt das Volk

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Betroffenheit, das klingt nach siebziger Jahren und Sitzblockaden. Jetzt sitzt der Betroffene plötzlich wieder auf allen Stühlen - seit "Anne Will" auch in den politischen Talkshows. Die Konfrontation mit persönlichen Schicksalen entzieht jedem Diskurs die nötige Schärfe.
    Was denn nu - hat der Autor Angst, dass er seine berufsmäßige persönliche Betroffenheit mit großem Trara und heißen Luftblasen der mainstream-medien-Meinung nun nicht mehr exklusiv vermarkten kann?
    Ein bisschen Rerührung mit der Realität von vielen Millionen in diesem unserem Lande und dass es tatsächlich Menschen gibt, die weniger zum Lebensunterhalt im Monat haben als zwei aus diesen Talkrunden an einem Abend auf "Geschäftskosten" steuersparend beim Nobel-Italiener ausgeben - unerträglich?
    Wenn die nicht Geld für Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen, aber um Gottes willen nicht durch ihre Anwesenheit das unerträgliche Talkshow-blabla stören?
  6. #6

    Rückgrat

    Klar, bloß nicht die "Modernisierer" und "Reformierer" mit den häufig unerträglichen Konsequenzen ihrer angeblich alternativenlosen "Realpolitik" konfrontieren. Zwar wird jeder Richter jeden Tag mit Einzelschicksalen konfrontiert, und wird dennoch fast immer die Betroffenheit ausblenden und zu einer gerechten Entscheidung gelangen können. Aber warum sollte man das Gewissen derjenigen Leute belasten, die sowieso nur an sich selbst denken. Andererseits: Haben die überhaupt eins? Oder geht es hier nur mal wieder um diese unerträgliche "political correctness"? Oder sind es doch nur die falschen Leute am falschen Ort, weil, andere können bzw. müssen mit derartigen Situationen ja tagtäglich umgehen und beherrschen das offenbar auch?
  7. #7

    Stimmungsmache durch die Medien

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Betroffenheit, das klingt nach siebziger Jahren und Sitzblockaden. Jetzt sitzt der Betroffene plötzlich wieder auf allen Stühlen - seit "Anne Will" auch in den politischen Talkshows.
    Das ist doch leider nichts wirklich neues. Das gleiche Problem ergibt sich doch auch, wenn in anderen Sendungen wie z.B. Nachrichten , Wirtschafts- oder Politmagazinen Einzelschicksale betrachtet werden und damit der Eindruck erweckt wird, sie wären allgemein gültig. Damit lässt sich jedenfalls in den Medien prima die Stimmung in die gewünschte Richtung lenken. Ganz extrem ist mir das vor ein paar Jahren aufgefallen, als die Renten-Nullrunden Thema in den Politmagazinen waren. Da kam dann ein Beitrag, in dem ein paar Rentner gezeigt wurden, die mit ihrer kleinen Rente nur schwer den Lebensunterhalt aufbringen konnten, und das als Beleg dafür dargestellt, dass die Nullrunden sozial absolut untragbar waren. Ein paar Tage später in einer anderen Sendung dann wurden reiche Rentner portraitiert, die sich ein schönes Leben am Mittelmeer machten und sehr gereizt reagierten, wenn man sie darauf ansprach, ob sie den jüngeren Generationen evtl. etwas von ihrem Wohlstand abgeben würden. Daraufhin kam dann die Schlussfolgerung, dass es den Rentnern eh viel zu gut gehe und statt Nullrunden eigentlich Negativ-Runden angebracht wären.

    Der weitaus größte Teil der Rentner lag (und liegt immer noch) wohl zwischen diesen Extremen, aber mit einem Durchschnittsfall lässt sich ja keine Stimmung lenken, also nimmt man Extremfälle. Und wer nur einen dieser Beiträge gesehen hat und sich daraufhin seine Meinung gebildet hat, ist wohl voll in die Falle getappt und mit seiner Meinung weit am Durchschnittsfall vorbei... :-(
  8. #8

    lieber ein Betroffener

    Lieber ein Betroffener, der nur einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit wiedergibt als 10 neoliberale Schwätzer,
    die von der Wirklichkeit gar keine Ahnung haben.
    (s. Christiansen)
  9. #9

    Tendenziöser Artikel

    "Die betroffene Frau, in jeder Hinsicht die Repräsentantin einer überschaubaren Minderheit, stand plötzlich für den Gesamtzustand Deutschlands mitten im konjunkturellen Aufschwung."

    Überschaubare Minderheit? Bereits Ende 2005 gab es schon ca. 1 Mio. Bezieher von ergänzendem ALG2 zu ihrem geringen Erwerbseinkommen. Da von einer überschaubaren Mindeheit zu reden ist ein Hohn.