Zitat von
AbuHaifa
Mal angenommen, der Westen und seine Freunde am Golf und in der Türkei hätten die bewaffnete syrische Opposition nicht massiv unterstützt und aufgerüstet. Welche Situation hätten wir heute?
Kein Zweifel, der blutige Aufstand gegen Assad wäre längst beendet. Viele Tausende Syrer wären noch am Leben, ganze Stadtteile stünden noch. Die Wirtschaft läge nicht am Boden. In Damaskus säßen Vertreter der zivilen Opposition innerhalb Syriens in der Regierung von Baschar al-Assad. Ein Runder Tisch würde Wahlen vorbereiten, weitere Reformen in die Wege leiten. Die Region wäre deutlich ruhiger, besonders auch im Libanon und in Kurdistan.
Assad hätte niemals Reformen eingeleitet, höre ich schon den Einwand. Die Möglichkeit will ich gar nicht abstreiten. Dennoch war es verantwortungslos, ihn nicht erst einmal beim Wort zu nehmen. Was hätten sich die Assad-Gegner vergeben? Warum etwas gewaltsam übers Knie brechen, wenn ich es vielleicht auch friedlich bekommen kann. Ich denke, die vielen Zivilisten, die nun gestorben sind, hätten diesen Weg wahrscheinlich sehr gerne ausprobiert. Auch wenn es noch zwei, drei Jahre gedauert hätte. Ich bin bis heute der Meinung, dass Baschar al-Assad diesen Weg mitgehen würde. Und wenn nicht? Dann hätten die Syrer immer noch zu den Waffen greifen können.
Was haben wir stattdessen? Eine Region, die im Chaos versinkt. Mit unabsehbaren Folgen. Im Libanon droht nun ebenfalls ein neuer Bürgerkrieg. Das ist entsetzlich, das Land hat bereits über zehn Jahre lang unter einem gelitten. Mühsam nur konnte der Konflikt beendet werden. Auch mit Hilfe der syrischen Armee, die einen Großteil des Abkommens von Taif gegen die libanesischen Milizen durchgesetzt hat. Das wird hier gerne vergessen. Syrien mag keine Demokratie sein, aber für die Stabilität in der Region, war und ist das Regime enorm wichtig.
Wie lange wird Jordanien noch einigermaßen stabil bleiben? Wie lange werden die Palästinenser in den besetzten Gebieten noch still halten? Was passiert in Kurdistan? Es gab vor über einem Jahr bereits viele Leute, die sich mit der Region auskennen und die genau dieses Szenario vorher gesagt haben. Besonders schwer, war das aber auch nicht. Nur wer keine Ahnung vom Nahen Osten und von der Bedeutung Syriens hat, konnte es für eine gute Idee halten, Öl ins Feuer zu kippen und die bewaffnete Opposition in Syrien auf den Sockel der Unfehlbarkeit zu hieven. Ich habe bis jetzt kaum eine größere diplomatische Eselei gesehen. Das wirklich Schlimme daran: Sie hat Zehntausende von Menschenleben gekostet und wie aus aussieht, werden noch viele, viele hinzukommen. Bravo!