Sven Regener zum Urheberrecht: "Man pinkelt uns ins Gesicht!"

DDPSven Regener hat eine klare Meinung zum Urheberrecht im Netz - und brachte sie in einer Radiosendung deutlich zum Ausdruck. Youtube? Piratenpartei? Beides nicht so toll. Hören Sie hier die Brandrede des Schriftstellers und Element-of-Crime-Frontmanns in voller Länge.

Sven Regener zum Urheberrecht: "Man pinkelt uns ins Gesicht!" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
  1. #60

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    Zitat von quoddeus Beitrag anzeigen
    Jean Paul Richter z.B., oder Klopstock, der hat ein ganz tolles Subskriptionsverfahren für seinen "Messias" genutzt. Die künftigen Kunden haben ihm ordentlich Geld gegeben, dann hat er geschrieben und zum Dank für das Geld hat er die Namen der Geldgeber in den Messias geschrieben. Klopstock ist 1803 gestorben. Nur gut, dass er nicht heute lebt, denn da würde er gar nichts kriegen von seinen Kunden, denn die wollen nichts mehr zahlen, denn Kunst muss man ja um der Kunst willen machen.
    Leider falsch. Das gibt es heute noch und funktioniert sehr gut:

    Kickstarter
  2. #61

    Zitat von thana Beitrag anzeigen
    Plattenfirmen sind also toll? Warum kenne ich dann mehrere kleinere Bands mit stabiler Fanbasis, die sich von den großen Firmen getrennt haben und ihre Musik nur noch selber vertreiben? Mag es sein, weil die von den Plattenfirmen beeinflußt wurden, sich gefälligst an dem auszurichten, was die meisten Verkaufszahlen verspricht, nicht an dem, was sie künstlerisch wollen? Oder daran, daß sie nur Centbeträge für jedes verkaufte Album bekommen haben, so daß sie ohne Plattenfirma mit wesentlich weniger Verkäufen die gleiche Summe verdienen? Nein, kann wohl auch nicht sein.
    Das ist alles nur die berühmte Ausnahme - Sven Regener meint da was Grundsätzliches.
  3. #62

    Man sollte nicht gegen den Wind...

    ACTA spült kein Geld in die Taschen der Urheber, sondern in die Taschen von Rechteverwertern. Wer das immer noch nicht verstanden hat, sollte sich dringend eingehend mit ACTA beschäftigen und mit den Folgen, die ACTA für das Web nach sich zieht. Die ursprüngliche Idee des Urheberrechts (der Schutz der Rechte von Urhebern) hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Finanzierungsgrundlage nutznießender Dritter gewandelt. Zitat Courtney Love: Künstler, die der Industrie Milliarden von Dollart eingebrach haben, sterben arm und unterversorgt. Und sie sind nicht etwa Darsteller oder sekundar beteiligte. Sie sind die rechtmäßigen Eigentümer, Urheber und ausführende Künstler von Originalkompositionen. Das ist Piraterie! Ich werde es Millionen von Menschen erlauben, meine Musik umsonst zu bekommen, wenn sie möchte, und wenn sie ihnen gefällt, werden sie hoffentlich so freundlich sein, ein Trinkgeld zu hinterlassen." Diese Attitude vertreten deutlich mehr Künstler als andersrum. Das sich die Content-Lobby mit Vertretern von Regierungen seit Jahren quasi "heimlich" trifft, um im stillen Kämmerchen ohne Inforamtion der Öffentlichkeit ACTA zu erarbeiten und zu versuchen ACTA im Eiltempo durchzuboxen ist ein zutiefst undemokratischer und Nicht-Transparenter-Vorgang. Das Internet verändert die Gesellschaft nachhaltig und es kann nicht sein, das die Lobby von veralteten und überholten Geschäftsmodellen sich gegen eine globale Entwicklung stellt, die die gesamten Menschheit vorantreibt, Forschung beschleunigt... etc. Das Urheberrecht muss an die heutigen Gegebenheiten angepasst werden... zum Nutzen aller und vor allem der Urheber und NICHT einigen wenigen Drittverwertern/Lobbyisten. Es gibt bereits interessante Ansätze, die bereits funktionieren... siehe Sharewareszene, dem GPL zugrunde liegt, Open Accesss CC-Lizenzen... etc. Man spricht hier auch vom Copyleft statt Copyright. CC-Lizenzen und GPL erkläre ich a der Stelle nicht.-->Google
  4. #63

    Zitat von dale_gribble Beitrag anzeigen
    Wenn man noch mehr derart substanzloses Gejammer liest dann kommen die eher auf 50 Prozent...
    Kommt darauf an - ich persönlich bin tatsächlich geneigt, den grenzenlosen "Freiheitsbegriff", der so gerne mit dem Net assoziiert wird, für durchaus fragwürdig zu halten. Um mit einer (treffenden) Plattitüde zu beginnen: es kann keine grenzenlose Freiheit geben - nicht nur, weil Anarchie die zwangsläufige Folge wäre, sondern weil innerhalb jedes Gemeinwesens die Freiheit des Einzelnen zwangsläufig Grenzen erfahren muss, sobald sie die Freiheit anderer beschränkt.

    Polemisch könnte man im diskutierten Zusammenhang natürlich einwenden, dass eine weitgehend freie Verwertung fremden geistigen Eigentums (!) der Masse nutzt. Ich würde zustimmen, sofern sich eben diese Masse in ihrer überwältigenden Mehrheit als künstlerisch aktive Bewegung herausstellen würde, die Contents untereinander so freiwillig teilt wie die Bakterien in der voll besetzten U-Bahn.

    Fakt aber ist (und das gilt erst einmal unabhängig von einer nachgeordneten Qualitätsdiskussion), dass die Zahl der Kreativen nach wie vor überschaubar ist. Das gilt in Sonderheit (und trotz der Multiplikatoren Youtube und Co) für jene Künstler, die ganz offensichtlich Produkte mit Marktchancen kreieren.

    Ah, ich höre den Schrei - Produkt, Markt und Kunst in einem Satz - ein Sakrileg. Der Künstler hat gefälligst von seinem Idealismus zu leben - eine übrigens ganz besonders sättigende Speise! Ansonsten soll sich künstlerisches Wirken ganz offensichtlich jenseits des wirtschaftlichen Systems entfalten und einem edlen, der Selbstlosigkeit verpflichteten Ethos verpflichtet sein.

    Was für'n Blödsinn! Ganz besonders fragwürdig erscheint mir aber, wie geringschätzig von einigen Wortführern der "Bewegung für kostenfreie Verwertung" mit dem Begriff des geistigen Eigentums umgegangen wird - als ob tatsächlich Krethi und Plethi singen wie Freddy Mercury, komponieren wie Richard Wagner oder schreiben wie Franz Kafka. In meiner beschränkten Weltsicht bin ich deshalb nach wie vor gerne bereit, für künstlerische Inhalte wie für die Nutzung fremden geistigen Eigentums angemessen zu bezahlen. Dass aufgrund einer solchen Überzeugung natürlich in der überwiegenden Mehrheit auch ein Haufen mediokren Mülls kostenpflichtig ist, schert mich wenig: wenn sich Schrott erfolgreich vermarkten und verkaufen lässt, ist wohl in erster Linie der Konsument dafür verantwortlich, einen Markt geschaffen zu haben!
  5. #64

    ...

    Zitat von redhead72 Beitrag anzeigen
    Man saß in versammelter Runde vor dem Ghettoblaster, und wenn dann z.B. im Radio Falcos "Jeanny" lief (u.a. von BR und NDR zensiert - das waren noch Zeiten!!), dann hat man die RECORD-Taste gedrückt und das Ganze auf MC aufgenommen.
    Leider ist das ja heute nicht mehr vernünftig möglich, da sich die Radiosender _vertraglich verpflichten_ in Musikstücke rein zu sprechen oder diese durch Jingles zu verunstalten.
  6. #65

    Zitat von onkelbenz,derechte Beitrag anzeigen

    Wo sind bloß die Künstler hin, die um der Kunst Willen Kunst machen?!
    Warum in aller Welt soll ein Künstler nur um der Kunst willen Kunst machen? Ein Künstler hat in aller Regel wesentlich mehr Zeit in die Entwicklung und Vervollkommnung seiner künstlerischen Fähigkeiten investiert als die allermeisten Leute in das Erlernen ihres Berufs, Sie eingeschlossen.
  7. #66

    so was von recht

    ... kann ich nur sagen, hat Herr Regener. Was nichts kostet, ist nichts wert. Das ist heute so. Und wer ein Produkt haben will, soll es bezahlen. Ich habe Herrn Regeners Interview gehört und möchte ihm in allen Punkten zustimmen.
  8. #67

    Zitat von schoppenhauer Beitrag anzeigen
    Dann soll er das Musikmachen doch sein lassen, wenn es ihm keinen Spaß macht.
    Wer Mukke nur wegen der Kohle macht, ist in meine Augen ein armes Würstchen, für dass ich einerseits Mitleid, andererseits Verachtung empfinde.
    [aŠÇ das nTÇ]: Offener Brief an Sven Regener
    Da gibt es ganz andere Gründe, Verachtung zu empfinden, aber nicht für Regener, der schon was geleistet hat.
  9. #68

    Zitat von georgetwon Beitrag anzeigen
    Das Urheberrecht muss an die heutigen Gegebenheiten angepasst werden... zum Nutzen aller und vor allem der Urheber und NICHT einigen wenigen Drittverwertern/Lobbyisten.
    Sie meinen nicht das Urheberrecht, sondern wohl eher die Nutzungsrechte der Vermarkter.
    Das Urheberrecht ist quasi das Arbeitsrecht der Urheber. Und das soll an was angepasst werden?

    Es gibt bereits interessante Ansätze, die bereits funktionieren... siehe Sharewareszene, dem GPL zugrunde liegt, Open Accesss CC-Lizenzen... etc. Man spricht hier auch vom Copyleft statt Copyright. CC-Lizenzen und GPL erkläre ich a der Stelle nicht.-->Google
    Können Sie denn erklären, wie man mit CC-Lizenzen eine Familie ernähren kann?
  10. #69

    Zitat von Europa! Beitrag anzeigen
    Endlich traut sich mal ein prominenter Künstler, den Mund aufzumachen, statt vor den ach so coolen Leuten zu kuschen, die alles umsonst haben wollen! Guter Mann, das.
    Echt, kennt den jemand?
    Was hat nur die Musik gemacht, bevor es Plattenfirmen gab, und man für jeden Scheiss bezahlen musste?
    Muss Madonna nun in Suppenküchen anstehen?

    Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Verdient euer Geld verdammt noch mal mit live-Auftritten. D.h. ehrlicher Arbeit. Anstatt kurz in einem Studio rumzuhampeln, und danach 15 Jahre dafür abzukassieren.