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Sütterlin: Übersetzer der vergessenen Schrift

SPIEGEL ONLINEWas hat eigentlich Opa im Krieg gemacht? Seine Tagebücher würden es verraten - wenn man sie nur entziffern könnte. Sütterlin ist zur Geheimschrift geworden, Transkribierer sind weltweit gefragt. Eine Hamburger Seniorengruppe hilft: mit USB-Stick und Rollator.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...827104,00.html
  1. #20

    In Mathe

    Zitat von MichaelO Beitrag anzeigen
    Ich scheine Mitglied einer Seniorentruppe zu sein. Wenn auch ohne Rollator...

    Also, soo alt muss man nicht sein, um Sütterlin zu können. Mir, Jahrgang 58, wurde das in der Grundschule im Schönschreiben beigebracht. Zugeben, das war in Bayern, aber trotzdem.
    Wir haben das in den spaeten 80'ern in Berlin (West) im Matheunterricht gelernt. Frueher schrieb man Vektoren eben so, und unser Lehrer nahm das als Aufhaenger, uns eine halbvergessene Kulturtechnik zu lernen.

    Wir Schueler fanden das eigentlich ganz lustig.

    Etwas besonderes war das allerdings nicht ...
  2. #21

    Stolze-Schrey-Schrift

    Ob Frau Faroß oder irgendjemand hier im Forum sich mit der äußerlich dem Sütterlin verwandten Stolze-Schrey-Schrift auskennt? Es ist eine Stenografie-Schrift. Wir haben ein Tagebuch meines Schwiegervaters in dem viele Notizen in dieser Schrift geschrieben sind, die niemand lesen sollte. tatsächlich war es eine von den Nationalsozialisten verbotene Geheimschrift.


    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was hat eigentlich Opa im Krieg gemacht? Seine Tagebücher würden es verraten - wenn man sie nur entziffern könnte. Sütterlin ist zur Geheimschrift geworden, Transkribierer sind weltweit gefragt. Eine Hamburger Seniorengruppe hilft: mit USB-Stick und Rollator.

    Alte deutsche Handschrift: Senioren transkribieren Sütterlin - SPIEGEL ONLINE
  3. #22

    Sütterlin ist nichts Exotisches

    Sütterlin wird sogar noch in Schulen gelehrt, zumindest in Mönchengladbach am Berufskolleg für Medien u. Technik. Dort ist dies im Deutschunterricht Pflicht für angehende Schriftsetzer. Als ehemaliger Lehrer musste ich es mir dort selbst aneignen, und auch dafür gibt's noch aktuelle Lehrwerke...
  4. #23

    Zitat von annagisella Beitrag anzeigen
    der Sütterlin! Aber es ist eben nicht nur das (andere) Alphabet sondern die individuelle Handschrift, die das Entziffern letztendlich so schwer macht. Mein Vater schrieb Sütterlin, meine Mutter ansatzweise und während meiner Ausbildung war Sütterlin Pflicht. Eigentlich hat das Spaß gemacht - es war eine Entdeckungsreise in ansonsten verschlossen gebliebene Welten. Und ein bisschen auch so was wie ein Geheimcode - wer kann schon Sütterlin? ;-)Tempi passati!
    Ich nehme mal an Ihr Vater schrieb "Deutsch". Als Schrift eben.
    Sütterlin ist der Versuch gewesen die Individualität von Handschriften die in Deutsch verfasst waren, zu eliminieren.
    Das ist sozusagen eine recht leicht zu lernende Normierierung einer Handschrift, die auch mit damals eher als neu zu bezeichnendem Schreibgerät zu tun hat. Schreiben war mit vielen Federspitzen verbunden, die ganz und gar nicht dem entsprechen was wir Heute so von Kugelschreibern und auch Füllern gewohnt sind. Es gab aus dem Grund ganz einfach viel mehr Unterschiede in Handschriften.

    Sütterlin ist, als ein Merkmal, auf eine "Strichstärke" beschränkt. Diese Strichstärke variierte bei früheren Schreibgeräten von selbst, oder eben durch das Schreibgerät selbst, wenn man so will.

    Sütterlin lässt sich kaum brauchbar beschreiben ohne die anderen Schreibschriften auch zu beschreiben, die wiedrum alle in Deutsch geschrieben sind. Wobei diese Schrift, ganz klassisch sozusagen, ausschließlich handschriftlich existierte.
    Seit Guttenberg ist "Druckschrift" in lateinischen Buschstaben und deren Variationen zu lesen gewesen. Sütterlin taugte somit auch eher zum Druck, und so sind Drucke in Deutsch, auch nur über wenige Jahre, überhaupt entstanden und zu lesen.

    Also "Sütterlin" mußten viele lernen und es ist so ein Synonym für die "Deutsche Schrift" geworden. Ich habe sie aber schon, als mit " das ist Russisch" beschrieben gehört. ;)
  5. #24

    Noch viel später,

    Zitat von MichaelO Beitrag anzeigen
    Ich scheine Mitglied einer Seniorentruppe zu sein. Wenn auch ohne Rollator...

    Also, soo alt muss man nicht sein, um Sütterlin zu können. Mir, Jahrgang 58, wurde das in der Grundschule im Schönschreiben beigebracht. Zugeben, das war in Bayern, aber trotzdem.
    also irgendwann in der 7. Klasse, 1975/76, gab's Sütterlin im Deutschunterricht an Realschulen in Schleswig-Holstein. Ob an sämtlichen Realschulen, ist mir nicht bekannt.
  6. #25

    Sütterlin ist wohl die am wenigsten ästhetisch ansprechende Handschrift, die ich kenne. Deutschland hat mit der Auswahl der Schulschriften wohl generell Probleme. Die von mir in der Schule gelernte lateinische Ausgangsschrift ist wohl von Dreijährigen für Dreijährige geschaffen worden; so dämlich sieht sie aus.

    Ich habe mir dann Zaner-Bloser Handschrift beigebracht, die wohl (noch) am weitesten verbreitete lateinische Handschrift. Zaner-Bloser sieht nicht nur hübsch aus, sondern ist auch noch unheimlich schnell zu schreiben, besonders, wenn man in Angleichung an D'Nealian die Schleifchen wegläßt.
  7. #26

    Deutsche Kurrentschrift

    Habe es mir selber beigebracht, weil ich öfters handschriftliche Dokumente aus dem 19. Jahrhundert lese. Dabei geht es aber um die deutsche Kurrentschrift als Vorläufer der Sütterlinschrift, die erst 1911 von Sütterlin entwickelt wurde. Ca. 200 Seiten mühsames Transkribieren hat es aber gedauert, bis ich soweit war, mir einen schnelleren Überblick über den Inhalt eines Dokuments verschaffen zu können. Und selbst dann gibt es Schreiber mit einer Sauklaue, die man wohl nie komplett entziffern können wird.
  8. #27

    Zitat von box-horn Beitrag anzeigen
    Sütterlin macht Spaß. Man muß es nur ab und zu üben, damit man es nicht vergißt. Sütterlin ist aber harmlos im Vergleich zur Kurrentschrift, die sinnvoll ist, lesen zu können, will man ältere handschritliche Text, etwa aus dem 18 Jhd entziffern.
    [Klugscheißermodus]

    Da muß ich mal korrigieren, denn "Kurrentschrift" macht keinen Sinn wenn man nicht nur ein einziges, ganz bestimmtes, Schriftstück meint.
    Sowas lässt sich nur im Plural beschreiben, weil es keine vereinheitlichte Vorgabe gab, bis Sütterlin und andere.
    Also "Kurrent" meint nur "vorrherschend; üblich, verbreitet" und bezieht sich auf Deutsche Schriften also auch "Kurrentschriften" diese Schriften waren in Deutsch und somit als "Nicht-Latein" beschrieben und in Deutsch verfasst. Drum ist auch Deutsch-Kurrent eine passende Bezeichnung aber "Kurrentschriften" ist falsch weil das "Schriften in Kurrent nahelegt" aber "Kurrent" ist selber keine Schrift.

    [/Klugscheißermodus]
  9. #28

    Vektoren

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was hat eigentlich Opa im Krieg gemacht? Seine Tagebücher würden es verraten - wenn man sie nur entziffern könnte. Sütterlin ist zur Geheimschrift geworden, Transkribierer sind weltweit gefragt. Eine Hamburger Seniorengruppe hilft: mit USB-Stick und Rollator.

    Alte deutsche Handschrift: Senioren transkribieren Sütterlin - SPIEGEL ONLINE
    Wir Schiffbau-Studenten an der TU Berlin in den 80ern (als man da noch richtig Schiffbau studieren konnte, auch Schiffsfestigkeit) kamen in den Genuss der Vorlesungen von Prof. E. Wolf, in Sachen Vektor- und Tensorrechnung, lineare Algebra und Kontinuumsmechanik auf sehr hohem Niveau, und in manchen seiner Vorlesungen gebrauchte er Sütterlin-Schrift für Vektoren. Die hat er uns nebenbei beigebracht. Es war nicht weiter schwer und hat auch nicht genervt. Man konnte nur staunen, wie diszipliniert er es geschafft hat, in jeder Vorlesung eine andere Schreibweise zu gebrauchen (einmal unterstrichen, fett, Pfeil drüber) ohne sich zu vertüteln.
  10. #29

    auch ich,knapp über 50

    kann die ersten 3 Dokumente lesen, weil meine Großmutter es mit beigebracht hat, und weil ich noch Bücher lese, die in solchen Lettern gedruckt wurden. Alleine schon das, was sich in Briefen ect so findet ist ein Erfahrungsschatz, der nicht verloren gehen darf. Jetzt aber wird wohl auch klar, warum es so schwierig ist alte SChriftzeichen zu deuten, wenn Wissen schon innerhalb eines Jahrhunderts verloren gehen kann, wo doch noch Menschen aus jener Zeit unter uns leben, die dieses Wissen haben-schade eigentlich, denn damit entgeht uns auch ein Stück eigenen kulturellen Wissens, und es ist ja beileibe nicht so, dass es nicht Erkenntnisse gibt, die auch heute noch ihre Berechtigung haben, wie eben die schon genannten Rezepte, denn die sind oft gar nicht so schlecht und schmecken, so man sie kocht hervorragend.


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