Sütterlin: Übersetzer der vergessenen Schrift

SPIEGEL ONLINEWas hat eigentlich Opa im Krieg gemacht? Seine Tagebücher würden es verraten - wenn man sie nur entziffern könnte. Sütterlin ist zur Geheimschrift geworden, Transkribierer sind weltweit gefragt. Eine Hamburger Seniorengruppe hilft: mit USB-Stick und Rollator.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...827104,00.html
  1. #90

    Zitat von MichaelO Beitrag anzeigen
    Ich scheine Mitglied einer Seniorentruppe zu sein. Wenn auch ohne Rollator...

    Also, soo alt muss man nicht sein, um Sütterlin zu können. Mir, Jahrgang 58, wurde das in der Grundschule im Schönschreiben beigebracht. Zugeben, das war in Bayern, aber trotzdem.
    Inzwischen ist Bayern natürlich schon lange viel weiter ;-)

    Ich, Jahrgang 50, habe mir mit 8 oder 9 Fraktur und Sütterlin / Kurrent selbst beigebracht, weil ich die alten Bücher eben lesen wollte. Pas de problème. Kann jetzt und in Zukunft auch jeder machen, wenn er nur will.
  2. #91

    Prestlingsgsälz

    So, wie es hier steht, ist das Wort leicht zu lesen, im Norden auf den ersten Blick sicher ohne Inhalt. Inzwischen kennt es auch Wiktionary, was es noch lange nicht gab, als dieses Wort in einem Auftrag vorkam: http://de.wiktionary.org/wiki/Prestling. Hastig in Bleistift in einer sehr persönlichen "Klaue" auf eine vergilbte Banderole der Frankfurter Zeitung am Rande der zwölften Isonzoschlacht geschrieben, war es am Anfang doch sehr schwierig zu entziffern. Der Begriff hat nichts mit Krieg zu tun. Die Buchstaben sind das eine, zum lesen und transkribieren gehört das Verstehen. Das kann sich bei aller Liebe nur aus Wissen und Erfahrung entwickeln – wie bei einem Koch, einem Gärtner oder einem Restaurator.
  3. #92

    Geschmackssache 2

    Zitat von mr.ious Beitrag anzeigen
    Und seinen Neid muß man nicht dokumentieren. ;)
    warum bitte sollte ich auf Ihre "verbesserten" Revell-Modelle neidisch sein? Bis zum Beweis des Gegenteils vermute ich darunter das, was auf Börsen und Märkten gerne als "gesupert" bezeichnet wird und im Gegensatz zu dessen vermutlich gewollter Assoziation meistens das Gegenteil bedeutet - und beim anspruchsvolleren Betrachter eher Bestürzung über den Anblick und Mitleid für das Opfer erzeugt... Aber bitte, es muß Ihnen, nicht mir gefallen.

    Und wo ist nun der Zusammenhang zwischen Ihren Modellen und der Sütterlinschrift?
  4. #93

    Zitat von box-horn Beitrag anzeigen
    warum bitte sollte ich auf Ihre "verbesserten" Revell-Modelle neidisch sein? Bis zum Beweis des Gegenteils vermute ich darunter das, was auf Börsen und Märkten gerne als "gesupert" bezeichnet wird und im Gegensatz zu dessen vermutlich gewollter Assoziation meistens das Gegenteil bedeutet - und beim anspruchsvolleren Betrachter eher Bestürzung über den Anblick und Mitleid für das Opfer erzeugt... Aber bitte, es muß Ihnen, nicht mir gefallen.

    Und wo ist nun der Zusammenhang zwischen Ihren Modellen und der Sütterlinschrift?
    Da ist kein Zusammenhang, sonst hätte ich den genau so umschrieben wie den zu den Federn und der damit verbundenen "Handtechnik" des Schreibens von Kurrent mit eben verschiednen Federspitzen.
    Und ganz, ganz schlimm, daß schönste Set das ich fand, das war sogar von Parker ! aber auch mit richtigem Tintenfass zum verschrauben, also nicht nur zum ansehen gedacht.

    Und "verbessert" habe ich gar nichts an den Modellen sondern "verkompliziert". Da wo es schon sehr schwer war etwas zusammen zu fügen, wo es sogar eine Funktion gibt, da habe ich es so umgebaut, daß man das auch wieder auseinandernehmen und wieder zusammenbauen kann (das war noch das Rossi-Honda Modell mit funktionierendem Dämpfer, also in dem Fall : Feder die aussieht wie Dämpfer. Der ganze Hinterbau lässt sich zerlegen, entfernen und wieder anbringen. Eigentlich nur weil ich es schade fand das der doch ziemlich aufwendige Motorblock komplett unzugänglich wird wenn es fertig ist.)


    "Sütterlin" habe ich gekauft, wenn man so sagen will. Spielzeugmotorrad zum hinstellen. Ohne basteln.
  5. #94

    Zitat von hengels Beitrag anzeigen
    Ich habe mir im Alter von ca. 8 Jahren (muss so um 1966 gewesen sein) Sütterlin selbst beigebracht, weil ich ein paar in Sütterlin geschriebene Bücher lesen wollte (ja das gabs auch obwohl Sütterlin ja als Handschreibschrift konzipiert war). Sütterlin hat man doch in wenigen Stunden drauf. Einen Kulturverlust stellt das Aussterben von Sütterlin auch nicht dar. Paradoxerweise beendeten die Nazis den kurzen Ausflug in eine nationalistische Typographie, um mittels der lateinischen Antiqua der deutschen Sprache den Weg zu einer "Weltsprache" zu ebnen.
    Das ist, mit Verlaub Quatsch. In den germanischen Sprachräumen sind für das in der eigenen Sprache gehaltene Schriftgut seit dem Mittelalter "standardmäßig" gebrochene (= "Fraktur") Schriften verwendet worden, die aus der mittelalterlichen karolingischen Minuskel entstanden. Also auch in England, Dänemark, Schweden usw. Ist das "ein kurzer Ausflug"? Das ist jahrhundertelange Geschichte.

    Und wie kann eine Typographie "nationalistisch" sein? Vermutlich sind für Sie auch ä, ö, ü und ß "nationalistisch", nur weil's über die erlaubten 26 Buchstaben der "Weltsprache Englisch" hinausgeht.
    Im übrigen ist die Fraktur mit ihrem engeren Lauf den Spezifika der deutschen Sprache mit ihren Mitlauthäufungen und buchstabenreicheren Wörtern weitaus angepaßter als die Antiqua. Merke: Nicht alles, was sich historisch entwickelt, muß schlecht sein, und nicht alles, was neu eingeführt wird, muß besser sein.

    Die Nazis hatten ein pragmatisches, um nicht zu sagen parasitäres Verhältnis zum Nationalen. Sonst hätten sie Deutschland ja nicht in die sichere Katastrophe geführt. Sie haben (vermutlich) Fraktur als "Schwabacher Judenlettern" denunziert und Antiqua als alleinige Typographien eingeführt, um im Großraum Europa "logistisch" einfacher und besser herrschen zu können.
  6. #95

    Dank an meinen Vater

    Mein Vater kann die Sütterlinschrift lesen. Mit diesem Wissen hat er das Kriegstagebuch meines Ur-Großvaters aus dem ersten Weltkrieg "übersetzt", und mir zur Verfügung gestellt.
    Gemeinsam haben wir per Internet versucht, den Weg seines Großvaters im ersten Weltkrieg in Belgien und Frankreich nachzuvollziehen.

    Da ich mich sehr für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert interessiere, ist die "Übersetzung" dieses sehr persönlichen Zeitdokument eine bewegende Lektüre für mich.
    Dafür danke ich meinem Vater sehr herzlich!
  7. #96

    Zitat von Eberschmidt Beitrag anzeigen
    ......
    Die Nazis hatten ein pragmatisches, um nicht zu sagen parasitäres Verhältnis zum Nationalen. Sonst hätten sie Deutschland ja nicht in die sichere Katastrophe geführt. Sie haben (vermutlich) Fraktur als "Schwabacher Judenlettern" denunziert und Antiqua als alleinige Typographien eingeführt, um im Großraum Europa "logistisch" einfacher und besser herrschen zu können.
    Was dann aber schlichtweg genau andersrum ebenso gesehen wurde.
    Bis auf die Sowjetunion und deren Kyrillisch.

    Was jetzt aber auch nicht gut Rückgängig gemacht werden kann, ist der Umstand des historischen Endes, das quasi als, mit dem Ende der Naziherrschaft verbunden,aufgefasst wird, so wie ich das viellfach verstanden habe.
    Für mich war diese Schrift, also hauptsächlich wohl Sütterlin weil ich die auch in alten Filmen noch gesehen habe, die allesamt vor Nazi -Deutschland gedreht wurden, also diese Schrift war für mich früher so etwas wie die zu Schrift gewordene Vermischung aus Stechschritt und Pickelhaube, wie selbst Willhelm Busch sie nicht besser hätte erfinden können.
  8. #97

    Zitat von Eberschmidt Beitrag anzeigen
    Inzwischen ist Bayern natürlich schon lange viel weiter ;-)

    Ich, Jahrgang 50, habe mir mit 8 oder 9 Fraktur und Sütterlin / Kurrent selbst beigebracht, weil ich die alten Bücher eben lesen wollte. Pas de problème. Kann jetzt und in Zukunft auch jeder machen, wenn er nur will.
    Ich, gleicher Jahrgang, ging in Baden-Württemberg zur Schule und habe die Sütterlinschrift ebenfalls im Fach "Schönschreiben" gelernt. Es gibt im Süden der Republik also noch viele "Übersetzer".