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Sülze vom Schweinebäckle: Lecker scheitern an*den Sternen

Seit vier Jahren werkelt der Hobbykoch vom Dienst in der "Tageskarten"-Küche vor sich hin - höchste Zeit also, ihn mal zu einem Sterne-gekrönten Kochmeister in die Lehre zu schicken. Und ihn dabei grandios scheitern zu sehen.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...799753,00.html
  1. #10

    #

    Zitat von whatfor Beitrag anzeigen
    Sowas nennt man "Kultur"? Schon mal davon gehört? Mit Ihrer "Argumentation" könnte man genauso gut sagen: Was nützt es, wenn Komponisten monatelang an einem Konzert feilen, und der Zuhörer bei dem fertigen Endprodkt nach einer Stunde schon die letzte Note hört?
    Richtig, richtig.
    Dennoch: Vor einiger Zeit war ich auf einer Vernissage. Da hat der Künstler Steine in Fensterscheiben geballert. Im bürgerlichen Leben heißt das Sachbeschädigung. Manchmal reicht es, ganz garstigen und banalen Dingen ein schickes Wortmäntelchen umzuhängen, um einen kulturellen Anspruch abzuleiten.
    Ich will das nicht direkt mit dem Schweinebäckchen vergleichen, keineswegs.
  2. #11

    Immer wieder interessant.....

    Zitat von Achim Beitrag anzeigen
    Wenn man schon für eine Vorspeise, die nach vier Bissen verputzt ist, vier Stunden (plus 24 vorher) braucht - wovon lebt man dann eigentlich? Abgesehen von dem Zeitaufwand verbraucht man doch für die Produktion mehr Kalorien als das Zeug hat.

    Aber immer wieder amüsant zu lesen, wie spätrömische Dekadenz im Jahre 2011 aussieht ...
    zu lesen dass es Menschen gibt die Essen nur als Nahrungsaufnahme bezeichnen. Teller voll und gut is:-)
  3. #12

    ...

    Zitat von whatfor Beitrag anzeigen
    Sowas nennt man "Kultur"?
    Zum Teil haben Sie recht. Zum Teil ist das Kultur. Bei Könnern. Bei der Mehrheit, die sich selbst dafür hält, ohne es zu sein, ist es nur aufgeblasenes Nichts. Ich kann persönlich auch einen guten Wein geniessen, ohne die dazugehörige Analyse der Aromen und der zeitlichen Geschmacksentwicklung. Da vertraue ich dem Gefühl. Sich darauf einzulassen, ist bei vielen anscheinend nicht möglich. Man kann aus allem eine Wissenschaft machen, früher war es nur Tabak, Whiskey, Käse und Wein, heute sind es Kaffee und Schokolade, ja sogar schon Salz und ganz absurd Wasser. Und Wasser aus unterschiedlichen Quellen mag ja unterschiedlich schmecken, aber eine "Wasserkarte" IST dekadent. Hier wird das Nutzlose zum Idol erhoben, wo man doch sehr stark bezweifeln kann, daß alle, die sich diesen Spaß leisten können und wollen, überhaupt selbst in der Lage sind, den Unterschied wahrzunehmen. Perlen vor die Säue. Insofern, man kann ohne Verluste auch alles eine Stufe tiefer kochen, im Wortsinne. Und an das Geschmackserlebnis von Mamas Küche kommt emotional sowieso kaum jemand ran. Und das ist meistens wirklich einfach und gut. Sterneküche ist dagegen oft nur einfallslos manieriert.
  4. #13

    Sagt wer?

    Zitat von Newspeak Beitrag anzeigen
    Insofern, man kann ohne Verluste auch alles eine Stufe tiefer kochen, im Wortsinne. Und an das Geschmackserlebnis von Mamas Küche kommt emotional sowieso kaum jemand ran. Und das ist meistens wirklich einfach und gut. Sterneküche ist dagegen oft nur einfallslos manieriert.
    Wenn man, wie im Artikel steht, zehn Stunden in der Küche steht, um ein Gericht möglicht perfekt hinzubekommen, dann hat das nichts mit "einfallslos mariniert" zu tun, sondern mit Herzblut.
    Und nur, weil an "Mamas Küche" geschmacklich sowieso emotional nichts rankommt, ist das noch lange kein Grund, Köche, die mit Leidenschaft bei der Sache sind, als "einfallslos mariniert" abzutun.
    Natürlich gibt es in jedem Bereich Menschen, die übers Ziel hinausschießen, aber die allermeisten sind mit Leidenschaft bei der Sache, sie lernen und probieren mit Eifer aus, weil es ihnen Spaß macht, und das schmeckt man. Aber schmecken will eben auch gelernt sein, ist auch Kultur ...
  5. #14

    :)

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Seit vier Jahren werkelt der Hobbykoch vom Dienst in der "Tageskarten"-Küche vor sich hin - höchste Zeit also, ihn mal zu einem Sterne-gekrönten Kochmeister in die Lehre zu schicken. Und ihn dabei grandios scheitern zu sehen.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...799753,00.html
    'Doch erstens stammt das Rezept von einem waschechten Badener Sternekoch...'

    Hach, bin ich stolz Badener zu sein, jetzt beruflich leider im kulinarischen Jammertal Berlin exiliert

    Das Rezept werde ich versuchen am 2ten Weihnachtstag nachzukochen. Mir als Badener wird das wohl nicht schwerfallen. Und dann lade ich preußische Eingeborene von hier ein
  6. #15

    Marinierte Manieren

    Zitat von whatfor Beitrag anzeigen
    Wenn man, wie im Artikel steht, zehn Stunden in der Küche steht, um ein Gericht möglicht perfekt hinzubekommen, dann hat das nichts mit "einfallslos mariniert" zu tun, sondern mit Herzblut.
    Und nur, weil an "Mamas Küche" geschmacklich sowieso emotional nichts rankommt, ist das noch lange kein Grund, Köche, die mit Leidenschaft bei der Sache sind, als "einfallslos mariniert" abzutun.
    Natürlich gibt es in jedem Bereich Menschen, die übers Ziel hinausschießen, aber die allermeisten sind mit Leidenschaft bei der Sache, sie lernen und probieren mit Eifer aus, weil es ihnen Spaß macht, und das schmeckt man. Aber schmecken will eben auch gelernt sein, ist auch Kultur ...
    Äh, der Forist schrieb *manieriert*.

    Bedeutungen:
    [1] bildungssprachlich, abwertend: in einer bestimmten Manier, Art und Weise erstarrt
    Sinnverwandte Wörter:
    [1] affektiert, affig, echauffiert, gekünstelt, geziert, unnatürlich

    Wenn ich eine Flasche Rotwein über ein Stück Fleisch schütte und das dann über Nacht stehenlasse, das wäre dann *einfallslos mariniert*.
  7. #16

    Erlebnis

    Zitat von SURE Beitrag anzeigen
    Schon mal was von Geschmackserlebnis gehört?? Die Sinne treiben lassen?
    Wozu brauche ich einen SUV wenn mein Mofa es auch tut, ein Navi wenn es doch Karten gibt. Oder aber Altbauten wenn es doch billiger und zweckdienlicher wäre alle in Legehennenähnlichen Plattenbauten wohnen zu lassen.
    Spätrömische Dekadenz kann in vielem liegen, es alleine an der Arbeitsintensität jemandem festzumachen, der anscheinend gerne tut was er tut, finde ich als Erklärungsversuch zu einfach.
    Dekadenz hat auch Arbeitsplätze geschaffen und zwar die Hochqualifizierten, da sich Dekadenz immer am Maximum an der Übererfüllung orientiert. Sei es in der Medizin oder in der Physik. Philosophisch ein interessanter Betrachtungspunkt.
    Knapp daneben. Ich hatte bei Herrn Wagner nicht den Eindruck, dass er die Sinne treiben lassen konnte, sondern dass er stundenlang konzentriert arbeiten musste, voll im Stress war, mehrfach das Essen wegschmeißen musste und mangels Zutaten und Ausrüstung nicht in der Lage war, das Rezept korrekt nachzukochen. Und dabei ist selbst dieser Halbprofi an den unklaren Angaben im Rezeptbuch gescheitert. (Wenn in der Wartungsanleitung eines SUV drinstehen würde: "Nehmen Sie vier Reifen und ziehen Sie die Radmuttern ein stramm an", würde das Ding vor den nächsten Baum fahren - da steht: welcher Reifentyp, welches Drehmoment für die Muttern, usw.)

    Um Ihren Vergleich aufzugreifen: es geht hier nicht um Altbau versus Platte, sondern darum, dass es offenbar Leute gibt, bei denen Kultur und Genuss erst anfangen, wenn Sie wissen, dass der Malermeister beim Kauf der Farbe für die sanierte Decke Turnschuhe einer ganz bestimmten Marke getragen hat und dass er die Farbe nur mit einem Edelstahlmixer mit der linken Hand mit einer Frequenz von drei Umdrehungen pro Sekunde umgerührt hat.
  8. #17

    Die Sache mit den Äpfeln und den Birnen

    Zitat von Achim Beitrag anzeigen
    Knapp daneben. Ich hatte bei Herrn Wagner nicht den Eindruck, dass er die Sinne treiben lassen konnte, sondern dass er stundenlang konzentriert arbeiten musste, voll im Stress war, mehrfach das Essen wegschmeißen .....
    Wenn man sich eine Plackerei freiwillig antut, nennt man das "Leidenschaft" und "Herzblut", und dann empfindet man das nicht als Stress. Ärgerlich, wenn im Kochbuch unklare Angaben stehen, allerdings vergleichen Sie Äpfel mit Birnen, da es bei einem Fahrzeug um Leben und Tod gehen kann, wenn Wartungsangaben unklar oder gar falsch sind.
  9. #18

    .......ja ja die Kunst

    Zitat von wortgewalt87 Beitrag anzeigen
    Richtig, richtig.
    Dennoch: Vor einiger Zeit war ich auf einer Vernissage. Da hat der Künstler Steine in Fensterscheiben geballert. Im bürgerlichen Leben heißt das Sachbeschädigung. Manchmal reicht es, ganz garstigen und banalen Dingen ein schickes Wortmäntelchen umzuhängen, um einen kulturellen Anspruch abzuleiten.
    Ich will das nicht direkt mit dem Schweinebäckchen vergleichen, keineswegs.
    Auch hier sehen Sie Kunst zu direkt an, im 1 zu 1 Modus sozusagen! Sehen Sie jedoch Kunst im gesellschaftlichen Kontext an, so gilt die Fettecke von Beust als eines der wichtigsten Deutschen Kunstmonumente der Gegenwart ( wäre Sie nicht weggeputzt worden!) Kunst geht einher mit der Person welche Sie ausübt, der Betrachtungsweise, der Revolte..dem nichtgesagten dem gesagten, dem Widerspruch und nimmt im optimalen Falle gesellschaftliche Kritik auf, oder warum meinen Sie hat z.B. Kinsky so polarisiert oder wieso war Kunst während der NS-Zeit entartet. Das unerwartete, der Moment des Unberechenbaren macht immer Angst, schürt Unverständnis und Unwohlsein. Manchmal im Nachhinein....siehe oben..!
  10. #19

    ..

    Zitat von frau_flora Beitrag anzeigen
    Äh, der Forist schrieb *manieriert*.
    Bedeutungen:
    [1] bildungssprachlich,.....
    Das haben Sie in einer schönen " reduzierten " Art und Weise ausgedrückt!








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