Südkoreas Vereinigungsplan: "Niemand will den Norden einfach schlucken"

AFPErlebt auch Korea irgendwann seine Wiedervereinigung? Im Süden glaubt man fest daran - und fängt schon an zu sparen, um die gewaltigen Kosten zu bewältigen. Der zuständige Minister, Yu Woo Ik, erklärt im Interview, was er von Kim Jong Un hält und was sein Land von Deutschland lernen kann.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...820295,00.html
  1. #20

    Nordkorea dürfte deutlich teurer werden als die DDR

    Der Vergleich DDR-Nordkorea hinkt eigentlich an vielen Stellen.

    1. Die DDR war im Ostblock die leistungsfähigste Wirtschaft, während Nordkorea völlig am Boden liegt
    2. Trotz Mangelwirtschaft musste niemand Hungern. In Nordkorea ist Hungern eher der Normalzustand. Das Beispiel mit der Körpergröße wurde ja schon genannt
    3. Zwischen BRD und DDR gab es relativ intensive Kontakte, sowohl auf politischer Ebene, als auch besonders im privaten Bereich. Fast jeder Ostbürger kannte doch einen Westverwandten und so wusste man doch wie es "drüben" war.
    4. In der DDR war ein Empfang von Westfernsehen weitestgehend möglich und man hat so Vorstellungen vom leben jenseits der Grenze
    5. Die DDR-Führung hat zwar deutlich besser gelebt als der Normalbürger, aber im Vergleich zur nordkoreanische Bevölkerung und dessen Führern fast schon lachhaft bodenständig.
    6. Russland stande eben einer Wiedervereinigung BRD/DDR nicht mehr im Weg.

    Zum wirklichen Leben in Nordkorea kann ich das Buch "Im Dienste des Diktators" empfehlen. Wirklich Lesenswert.
  2. #21

    Koreanische Vereinigung wäre "Gesichtsverlust" für China

    Zitat von Centurio X Beitrag anzeigen
    Eine koreanische Wiedervereinigung kann nur durch das Implodieren des Tyrannenstaates im Norden möglich werden. Und so lange China den Nordkoreanischen Erbkommunismus protegiert, ist auch keine dortige Implosion zu erwarten.
    Das ist richtig. Nordkorea gibt es als Staat nur deswegen noch, weil eine Wiedervereinigung Nordkorea aus dem chinesischen Einflußbereich entfernen würde. Dies würde für China "Gesichtsverlust" bedeuten, und "Gesichtsverlust" hat in der chinesischen Kultur eine viel zentralere und wichtigere Bedeutung als in heutigen europäischen Staaten. Ein Vorgehen wie das Rußlands zur Wendezeit wäre für China undenkbar. Man schaue sich nur das repressive Verhalten Chinas gegenüber zahlenmäßig winziger Völker (im Vergleich zu 1,3 Mrd Chinesen) wie Taiwan oder Tibet an und vergleiche dies mit dem souveränen Verhalten Großbritaniens gegenüber der schottischen Unabhängigkeitsbewegung, und man fragt sich staunend "hat China - ein Milliardenvolk mit fünftausend Jahre alter Kultur - das nötig? Aber China hat das wohl nötig - wegen des "Gesichtsverlustes" oder was China darunter versteht, und wegen der Angst der Partei vor Machtverlust durch Präzedenzfälle - und so lange wird Nordkorea das bleiben, als was wir es kennen.
  3. #22

    Korea, viel Glück!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Erlebt auch Korea irgendwann seine Wiedervereinigung? Im Süden glaubt man fest daran - und fängt schon an zu sparen, um die gewaltigen Kosten zu bewältigen. Der zuständige Minister, Yu Woo Ik, erklärt im Interview, was er von Kim Jong Un hält und was sein Land von Deutschland lernen kann.

    Südkoreas Vereinigungsplan: "Niemand will den Norden einfach schlucken" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Ich wünsche denen eine Vereinigung, ABER es geht um die Vereinigung zweier Staaten und nicht überstülpen eines Systems. Südkorea soll nich als Gewinner dastehen wie die BRD. Nur wenn diese Bedingung mit ausführlichen Verhandlungen und neuer Gesetzesausarbeitung erfüllt wird, ist das eine gute Sache. Ansonsten sollte Nordkorea seine Sache weiter machen, werden schließlich auch von China bestärkt.
  4. #23

    Vielmehr müsste sich der Norden erstmal selbst heilen und von seineem Regime befreien. Danach kann sich der Staat langsam angleichen bzw hocharbeiten, offener werden etc. Dann kann man irgendwann eine Wiedervereinigung durchführen, die bestimmt nicht so chaotisch wäre, als würde man von heut auf morgen die Grenzen eines neuen Korea zu definieren.

    Ich denke da an sowas wie Honkong und China. China ist auch viel kapitalistischer geworden, sodass mittlerweile kein grosser Unterschied zu Honkong mehr besteht und das Wiedereingliedern Honkongs wohl nicht auffallen wird.
  5. #24

    ...

    Zitat von schulkind Beitrag anzeigen
    Ich wünsche denen eine Vereinigung, ABER es geht um die Vereinigung zweier Staaten und nicht überstülpen eines Systems.
    Genau das ist unter Kohl passiert.

    Zitat von schulkind Beitrag anzeigen
    Südkorea soll nich als Gewinner dastehen wie die BRD.
    Psst, das ist parteipolitisch nicht korrekt.

    Zitat von schulkind Beitrag anzeigen
    Nur wenn diese Bedingung mit ausführlichen Verhandlungen und neuer Gesetzesausarbeitung erfüllt wird, ist das eine gute Sache. Ansonsten sollte Nordkorea seine Sache weiter machen, werden schließlich auch von China bestärkt.
    Stimmt, mit ein wenig Zeit, kann der Norden dann sich
    selbst entwickeln.
    Ein oder Zwei Zentren wie Hongkong oder Singapore
    und das Land ist auf dem besten Weg nach oben.
  6. #25

    Gewinner der Geschichte

    Zitat von schulkind Beitrag anzeigen
    Südkorea soll nich als Gewinner dastehen wie die BRD.
    Südkorea steht heute als Gewinner da, als Gewinner der Geschichte. Genaus wie damals die BRD während des kalten Krieges als Gewinner der Geschichte dastand.

    Während des kalten Krieges konnte man sich in Westdeutschland als Gewinner der Geschichte fühlen, als die Überlegenheit des westlichen Systems - was die Lebensqualität der Menschen betraf - tagtäglich offensichtlich war durch 300.000 Ostflüchtlinge jährlich, die sich dann nur durch Selbstschußanlagen, Schießbefehl und 10.000 Mark Belohnung für jeden erschossenen Flüchtling zurückhalten ließen. Somit war die Überlegenheit des westlichen Systems (die allerdings kein Verdienst der Westdeutschen sondern ein Geschenk der Geschichte war) bereits vor der Vereinigung dokumentiert und all-offensichtlich.

    Die Vereinigung selbst vollzog hingegen nur dieses bereits gemeinhin bekannte Faktum und wirkte auf den Westen eher wie der Besuch von kostspieliger Verwandtschaft, die dann nicht mehr abreisen will und auch noch unzufrieden ist. Dann wurde auch noch Merkel Kanzlerin und Gauck Präsident, so daß die Vereinigung selbst weniger einen Siegestriumph, sondern eher sehr gemischte Gefühle zurückläßt.
  7. #26

    Zitat von schulkind Beitrag anzeigen
    Ich wünsche denen eine Vereinigung, ABER es geht um die Vereinigung zweier Staaten und nicht überstülpen eines Systems. Südkorea soll nich als Gewinner dastehen wie die BRD. Nur wenn diese Bedingung mit ausführlichen Verhandlungen und neuer Gesetzesausarbeitung erfüllt wird, ist das eine gute Sache. Ansonsten sollte Nordkorea seine Sache weiter machen, werden schließlich auch von China bestärkt.
    Vor dem Koreakrieg war der Norden des Landes am weitesten entwickelt.
    Der Süden war landwirtschaftlich geprägt und arm.
    Die letzten 60 Jahre haben das Verhältnis radikal umgekrempelt.
    Der Norden ist ein bettelarmes, abgeschiedenes und rückständiges Land, das noch nicht mal seine eigene Bevölkerung ernähren kann.
    Der Süden ist durch die Marktwirtschaft zu einem der fortschrittlichsten Länder der Welt geworden. Gemessen an seiner Wirtschaftskraft liegt es auf Platz 10 weltweit (bei nur 50 Mio. Einwohnern).
    In Sachen Wohlstand trennen die Bürger der beiden Staaten WELTEN.
    Südkorea IST der Gewinner. Das Nordkoreanische System IST der Verlierer.
    Die Frage ist nur wie lange die Menschen in Nordkorea noch unter der Uneinsichtigkeit ihrer "Führer" zu leiden haben...
    Bei einer Vereinigung der beiden Koreas geht es nicht um den Zusammenschluss von zwei gleichrangigen Staaten, sondern um ein gigantisches Wiederaufbauprogramm für den Norden.

    Natürlich kann Nordkorea so weitermachen...dann werden eben noch weitere Millionen Menschen unnötig an Hunger leiden oder gar sterben.
    Ist schließlich für eine "gute" Sache.