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Subkultur-Trend "Freeganern": Konsum-Protest am Müllcontainer

Sie wühlen im Müll nach Obst, Gemüse, Drinks und Schinken - nicht unbedingt, weil sie arm sind. "Freeganer" verstehen ihre Beutezüge als Widerstand gegen den Wegwerf-Zwang der Konsumgesellschaft. Mit Tricks und Schikanen versuchen Discounter, die nächtlichen Besucher zu vergraulen.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,508838,00.html
  1. #50

    Tafeln demütigen nicht mehr als alles andere

    Zitat von *Saskia Beitrag anzeigen
    Die Lebensmittel an Tafeln zu geben ist zwar besser als sie wegzuwerfen, jedoch manifestieren sie erst recht die gesellschaftliche Schere, erziehen Kinder zu Bettlern und bringen die Eltern um ihre Verantwortung für ihre Kinder zu sorgen. Daher finde ich die Lösung nicht wirklich gelungen.
    Da Sie es ja schon erklärt haben, kann ich halbwegs nachvollziehen, was Sie damit meinen, Kinder würden zu Bettlern erzogen. Bloß ich kann Ihnen sagen: auf ein Sozialamt sollte man seine Kinder wirklich nicht mitnehmen, wenn man sie nicht dazu erziehen will, sich und ihre Familie als das Allerunterste zu empfinden. Da wird auch schonmal ein Antrag mit spitzen Fingern bei erhobener Nase entgegengenommen, obwohl man wirklich sauber und normal aussieht.

    Die einzig "gelungene Lösung" wäre Arbeit für alle Eltern, die auch so entlohnt wird, dass man sich dafür das kaufen kann, was man braucht.
  2. #51

    ...

    Zitat von Fidelma Beitrag anzeigen
    Da Sie es ja schon erklärt haben, kann ich halbwegs nachvollziehen, was Sie damit meinen, Kinder würden zu Bettlern erzogen. Bloß ich kann Ihnen sagen: auf ein Sozialamt sollte man seine Kinder wirklich .....
    Das ist natürlich richtig. Volle Zustimmung!
    Jedoch gehts aktuell hier um unsere Überflußgesellschaft und die unnötige Müllbelastung und die Frage wie kann man verwertbare Lebensmittel in der Nahrungskette belassen.

    Zumindest ist das mein Resumee aus dem Artikel. Die meisten anderen hier finden die verschwendung zwar anscheinend auch nicht so dolle, nehmen sie aber hin. Sehen keinen Handlungsbedarf. Oder sehen sie ihn nicht, mangels Alternativen oder weil die Tafeln erstrebenswerte Ziele wären? Oder weil sie glauben, sooo viele verwertbare Lebensmittel sinds ja nicht die in den Müll wandern? Leider wissen wir über die Mengen bislang nichts konkretes.

    Ich denke wir sollten die Fragestellung vertiefen, wie die Discounter dazu zu bringen sein könnten, ihre Lebensmittel effizienter zu vermarkten, damit nicht so viel übrig bleibt.
    Sei es mit positiven Anreizen oder eben erlaubtem containern als Indikator ihrer Wirtschafts- und Umweltkompetenz. Quasi zur Abschreckung. Mißwirtschaft wird mit Freeganern bestraft. Um ihr Image zu pflegen, müssen die Discounter was einfallen lassen, dann bleiben sie von Freeganern verschont.
  3. #52

    Diese Ansicht teile ich nicht

    Zitat von shakowsky Beitrag anzeigen
    das ist das traurige an den industrialisierten ländern...aus MARKTWIRTSCHAFTLICHER sicht sind alle ihre argumente überzeugend. und weil geld verdienen das einzige kriterium in den industrienationen ist folgt daraus, dass es ihnen ernsthaft gelingt, es als logisch, vernünftig und völlig in ordnung darzustellen, dass LEBENSMITTEL IM MÜLL LANDEN.
    Welches andere Wirtschaftssystem kann den verhindern, dass Waren im Müll landen? Auch in Tauschringen oder im Sozialismus kann ja niemand abstellen, dass Obst vergammelt. Und wie wir weiter oben gelesen haben, wird ja auch von den Bedürftigen, die sich bei den Tafeln etwas holen, viel weggeworfen.

    Zitat von shakowsky Beitrag anzeigen
    das muss man sich nur mal auf der zunge zergehen lassen, bis 3 zählen und dabei kurz drüber nachdenken...dann wird einem sehr, sehr klar, dass mit dieser einstellung ganz grundsätzlich was nicht stimmt... das ist traurig, denn sie ist so weit verbreitet (warum sollte ich anderen menschen etwas abgeben, davon hab ich ja nichts.
    Ich teile Ihr pessimistisches Menschenbild nicht und mir fällt auch keine Gesellschaftsform ein, in der die Menschen weniger egoistisch sind.

    Zitat von shakowsky Beitrag anzeigen
    warum sollte ich in umweltbelangen verantwortungsvoll handeln, davon habe ich ja nichts.
    Aus Vernunft.
  4. #53

    o

    Zitat von Jassu1979 Beitrag anzeigen
    Wenn die Supermärkte ihre Überschüsse konsequent an Wohltätigkeitsorganisationen abgeben würden, hätte ich nicht das Geringste einzuwenden. Unverdorbene Lebensmittel zu "entsorgen" und dann auch noch Anstoß daran zu nehmen, wenn Leute diese irrsinnige Verschwendung nicht einfach mit ansehen, sondern diese Produkte vor der sinnlosen Verschwendung bewahren, ist jedoch schlichtweg perfide: eine der wohl absurdesten Ausgeburten unserer Konsumgesellschaft.
    nein, keine ausgeburt, sondern ein "marktinstrument" um preise stabil, sprich hoch zu halten.
    lebensmittel sind schon lange keine lebensmittel mehr, sondern renditeobjekte. und je mehr die konzentration auf dem lebensmittelmarkt durch fusionen etc. voranschreitet, um so mehr dürfen wir uns auf höhere preise für lebensmittel einstellen. nicht, damit der milch- oder viehbauer etwas mehr für den liter milch oder das kilo fleisch erhält, sondern damit die quartals-rendite steigt und steigt.
  5. #54

    Effizienz für wen?

    Zitat von *Saskia Beitrag anzeigen
    Ich denke wir sollten die Fragestellung vertiefen, wie die Discounter dazu zu bringen sein könnten, ihre Lebensmittel effizienter zu vermarkten, damit nicht so viel übrig bleibt.
    Sei es mit positiven Anreizen oder eben erlaubtem containern als Indikator ihrer Wirtschafts- und Umweltkompetenz. Quasi zur Abschreckung. Mißwirtschaft wird mit Freeganern bestraft. Um ihr Image zu pflegen, müssen die Discounter was einfallen lassen, dann bleiben sie von Freeganern verschont.
    Stellt sich bloß die kurze Frage:
    Warum soll nicht so viel übrig bleiben?
    Weil so viele Leute auf der Welt bedürftig sind und nichts abbekommen, wo es woanders weggeschmissen wird.
    Ich würde sagen, es geht also noch eher um die Menschen, als um die Waren.

    Und wenn man Verkaufspsychologie anwenden will, braucht man volle Regale, sonst ist der Absatz schlecht. Wollte man vermeiden, dass etwas übrig bleibt, müsste man hellsehen können, da die Nachfrage auch lebt und sich verändert.
  6. #55

    das wurde missverstanden

    Zitat von Karendric Beitrag anzeigen
    Welches andere Wirtschaftssystem kann den verhindern, dass Waren im Müll landen? Auch in Tauschringen oder im Sozialismus kann ja niemand abstellen, dass Obst vergammelt.
    ...mir fällt auch keine Gesellschaftsform ein, in der die Menschen weniger egoistisch sind.
    da geb ich Ihnen völlig Recht, das ist m.M. nach auch kein systembedingtes sondern ein allgemein gesellschaftliches Problem in JEDEM System. Viel grösser als nur der Aspekt "Müllsammler" oder Wegwerfgesellschaft. Ums mit den Worten des ehemaligen VW Chefs Asien zu sagen (so oder ähnlich): "Man kann niemals unseren Lebensstil für alle Menschen weltweit realisieren, trotzdem wird genau dieser Lebenstil weltweit als erstrebenswert verkauft. Das kann nicht gut gehen." Mir ist klar, dass es marktwirt- (und wissen-) schaftlich nicht funktioniert, aber steigender Konsum KANN nicht die Lösung sein, in keiner Hinsicht (weder sozial noch umweltmässig) kommen wir drumrum, uns alle "runterzuschrauben". Und ein System, das mir logisch begründet weiss machen kann, es würde den Bach runter gehen, wenn wir nicht alle immer mehr konsumieren (und wegwerfen was wir nicht verfressen können), kann aus Sicht des gesunden Menschenverstandes nur falsch sein, denke ich.
    Damit wir aus 20 Fischsorten wählen können (die Hälfte davon bedrohte Arten), verkaufen die Regierungen Westafrikas die Fischereirechte vor ihren Küsten an die EU. Das entvölkert da ganze Dörfer. Kommen die dann als "Wirtschafts" Flüchtlinge zu uns, kriegen Sie den Vorwurf zu hören, sie wären nur wegen der Kohle hier. Diese Art zu denken und unfaier zu handeln (im wahrsten Sinne des Wortes) ist menschheitsweit verbreitet und die Ursache des Übels, denke ich. Und sie lässt sich nicht abstellen, fürchte ich, in keinem System.


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