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Studienplatzvergabe-Chaos: Wie Staat und Unis Bildung verhindern

"Numerus Clausus" heißt "geschlossene Zahl" und steht für Hunderte begehrte Studiengänge mit beschränktem Zugang.*Trotz dieser Knappheit*blieben zuletzt wieder 17.000 NC-Studienplätze frei. Ein Systemfehler, sagt Hochschulexperte Wolf Wagner, und erklärt die Idiotie*des deutschen Zulassungswesens.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...807674,00.html
  1. #1

    Ist doch klar.

    Ist doch eigentlich jedem klar, der sich mal mit den Hintergründen zu Schulnoten befasst hat.
    Denn streng genommen sind diese in der derzeitigen Form nahezu komplett unbrauchbar, um irgendeine verlässliche Aussage über die Leistungsfähigkeit eines Schülers zu treffen.
    Dies fängt schon mit der Durchschnittsbildung an (ob nun gewichtet oder nicht): Nehmen wir einen Schüler mit der Abi-Note 2,5. Das kann ein Schüler sein, der:
    - in den MINT-Fächern sehr gut ist, dafür bei den Sprachen, Sport, usw. nicht so gut abgeschnitten hat.
    - in Sprachen, Sport sehr gut ist, dafür bei den MINT-Fächern nicht so gut
    - überall im Durchschnitt auf 2,5 steht.

    Sprich: Für die Eignung auf bestimmte Studienfächer kann die Abi-Note eigentlich keine Aussage treffen.

    Aber es geht ja noch weiter: Schulnoten sind höchst subjektiv - dies ist in zahlreichen Studien belegt. Wurde Lehrern die gleiche Klausur zur Korrektur vorgelegt, unterschied sich die dafür gegebene Note teilweise drastisch. Eine weitere Verschiebung zum Positiven/Negativen konnte durch eine Angabe des sozio-ökonomischen Hintergrunds des (fiktiven) Schülers erreicht werden - Akademikerkinder bekommen bessere Noten als Arbeiterkinder.

    Ähnliche Aussagen lassen sich zur Reliabilität und Validität treffen. Messfehler gibt es auch noch.

    Um noch einmal auf den Ausgangspunkt zurück zu kehren: Die Behandlung von Schulnoten mit dem statistischen Mittel des Durchschnitts verbietet sich eigentlich gänzlich. Für die Durchschnittsbildung muss die zugehörige Skala eigentlich sowohl einen Nullpunkt als auch äquidistante Messpunkte aufweisen. Beides ist bei Schulnoten nicht der Fall.
    Auch stellt sich die Frage, was Schulnoten abbilden sollen: Ist es der Ist-Zustand (Diagnose), ist es die Historie (Anamnese) oder soll es eine Aussage über zukünftig mögliche Leistungen sein (Prognose)?
    Nehmen wir dafür 2 Schüler mit den folgenden Klausurnoten in zeitlicher Reihenfolge:
    Schüler A: 1, 2, 3, 4, 5
    Schüler B: 5, 4, 3, 2, 1

    Wir sehen, dass Schüler B eine deutliche Leistungssteigerung hinlegt, Schüler A hingegen schwächer wird. Bei einer Durchschnittsbildung bekommen beide die gleiche Note...
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Numerus Clausus" heißt "geschlossene Zahl" und steht für Hunderte begehrte Studiengänge mit beschränktem Zugang.*Trotz dieser Knappheit*blieben zuletzt wieder 17.000 NC-Studienplätze frei. Ein Systemfehler, sagt Hochschulexperte Wolf Wagner, und erklärt die Idiotie*des deutschen Zulassungswesens.

    Studienplatzvergabe-Chaos: Wie Staat und Unis Bildung verhindern - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Wie so oft, wird hier einmal mehr ein bestens bekanntes Problem geschildert, ohne aber konstruktive Ansätze zur Lösung anzuregen.
  3. #3

    Zitat von khaja Beitrag anzeigen
    Ist doch eigentlich jedem klar, der sich mal mit den Hintergründen zu Schulnoten befasst hat.
    Denn streng genommen sind diese in der derzeitigen Form nahezu komplett unbrauchbar, um irgendeine verlässliche Aussage über die Leistungsfähigkeit eines Schülers zu treffen.
    Dies fängt schon mit der Durchschnittsbildung an......
    Ich gebe ihnen völlig Recht.

    Nicht umsonst gibt es in Nachbarländern wie der Schweiz (neben Medizin) keinen Notenbezogenen NC, es wird nur auf die Leistung im Studium selbst, oder auf ein "Assessment-Jahr" gesetzt. So muss jeder sich wieder beweisen, beziehungsweise jeder hat die Chance sich noch einmal zu versuchen.
  4. #4

    So ist es.

    Zitat von khaja Beitrag anzeigen
    Ist doch eigentlich jedem klar, der sich mal mit den Hintergründen zu Schulnoten befasst hat.
    Denn streng genommen sind diese in der derzeitigen Form nahezu komplett unbrauchbar, um irgendeine verlässliche Aussage über die Leistungsfähigkeit eines Schülers zu treffen.
    Dies fängt schon mit der Durchschnittsbildung an (ob nun gewichtet oder nicht): Nehmen wir einen Schüler mit der Abi-Note 2,5. Das kann ein Schüler sein, der:
    - in den MINT-Fächern sehr gut ist, dafür bei den Sprachen, Sport, usw. nicht so gut abgeschnitten hat.
    - in Sprachen, Sport sehr gut ist, dafür bei den MINT-Fächern nicht so gut
    - überall im Durchschnitt auf 2,5 steht.

    Sprich: Für die Eignung auf bestimmte Studienfächer kann die Abi-Note eigentlich keine Aussage treffen.

    Aber es geht ja noch weiter: Schulnoten sind höchst subjektiv - dies ist in zahlreichen Studien belegt. Wurde Lehrern die gleiche Klausur zur Korrektur vorgelegt, unterschied sich die dafür gegebene Note teilweise drastisch. Eine weitere Verschiebung zum Positiven/Negativen konnte durch eine Angabe des sozio-ökonomischen Hintergrunds des (fiktiven) Schülers erreicht werden - Akademikerkinder bekommen bessere Noten als Arbeiterkinder.

    Ähnliche Aussagen lassen sich zur Reliabilität und Validität treffen. Messfehler gibt es auch noch.

    Um noch einmal auf den Ausgangspunkt zurück zu kehren: Die Behandlung von Schulnoten mit dem statistischen Mittel des Durchschnitts verbietet sich eigentlich gänzlich. Für die Durchschnittsbildung muss die zugehörige Skala eigentlich sowohl einen Nullpunkt als auch äquidistante Messpunkte aufweisen. Beides ist bei Schulnoten nicht der Fall.
    Auch stellt sich die Frage, was Schulnoten abbilden sollen: Ist es der Ist-Zustand (Diagnose), ist es die Historie (Anamnese) oder soll es eine Aussage über zukünftig mögliche Leistungen sein (Prognose)?
    Nehmen wir dafür 2 Schüler mit den folgenden Klausurnoten in zeitlicher Reihenfolge:
    Schüler A: 1, 2, 3, 4, 5
    Schüler B: 5, 4, 3, 2, 1

    Wir sehen, dass Schüler B eine deutliche Leistungssteigerung hinlegt, Schüler A hingegen schwächer wird. Bei einer Durchschnittsbildung bekommen beide die gleiche Note...
    Sehr schön auf den Punkt gebracht. Seit Jahren schon ärgere ich mich über diesen willkürlichen Wahnsinn!

    Aber eines ist Konsequent, bereits bei diesem System wird man darauf vorbereitet, dass die Welt in der Summe nie gerecht ist. Das System krankt und stinkt nicht nur vom Kopf her.
  5. #5

    Die Kirche im Dorf lassen

    Dies Problem wird alle Jahre wieder durch die Medien geschleift. Dabei ist es bei näherer Betrachtung garnicht so schlimm:

    1) 17.000 unbesetzte Studienplätze hört sich nach viel an, sind aber nur etwa 0,5 % aller Studienplätze und etwa 1 % aller Studienplätze in Fächern mit Kapazitätsbegrenzung. Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen, aber es geht wohl ein Mehrfaches durch Abbrecher im 1. Semester verloren.

    2) Die, die aufgrund dieses Schwunds keinen Studienplatz in ihrem Wahlfach bekommen, sind naturgemäß die Schüler mit den schlechteren Abiturnoten. Bei aller Begrenztheit der Aussagekraft wären das wohl auch die eher schlechten Studenten. Für den Einzelnen ist es natürlich ärgerlich, aber für die Gesellschaft hält sich der Verlust doch sehr in Grenzen.

    3) Die Anzahl der verfügbaren Studienplätze wird typischerweise nicht so berechnet, daß ideale Studienbedingungen gegeben sind. Stattdessen werden so viele Studenten in die Studiengänge hineingestopft, wie es nur eben geht. Das ist politisch so gewollt, die Hochschulen selbst würden es ganz sicher anders machen. Eine leichte Untervergabe führt deswegen zu einer Verbesserung der Studienbedingungen und damit wohl zu höheren Leistungen und einer geringeren Abbrecherquote.
  6. #6

    Wo ist das Problem?

    Irgendein Wert muß Voraussetzung für ein Studium sein. Ist es nicht die Abiturnote, konnte jede Uni eine Immatrikulationsprüfung verlangen. Dann aber - das sage ich voraus - würde sich die Zahl der Studierenden mit einem Schlag drastisch verringern.
  7. #7

    Zvs

    Lösungen, bitte! Ich sehe keinen einzigen konstruktiven Ansatz in diesem Artikel.

    Als Student habe ich gegen die ZVS, die willkürliche Versendung von Abiturienten an einen Studienort ihres Grauens, gekämpft. Wer sich diesen Zustand zurückwünscht, hat weder Herz noch Verstand.
  8. #8

    Guter Artikel, einige gute Kommentare

    Solche Artikel können gar nicht genug veröffentlicht werden, auch wenn vermutlich in der Tat nur ein relativ kleiner prozentualer Anteil aller Studienplätze betroffen ist. Das eigentlich wichtige ist die implizite Haltung, die mit dieser Praxis verbunden ist: Der Stellenwert und die Absolutheit der Abinote. Einer meiner Vorposter meinte, das Chaos betreffe 'eher schlechtere Abiturienten und damit vermutlich auch schlechtere Studenten'. Diese Äußerung stimmt weder in der Prämisse (denn ein 1,5-Abiturient wird in gewissen Fächern in HD, TÜ, FR oder KN - die er anstrebt, weil er gern forschungsorientiert hochkarätig ausgebildet würde - nur schwerlich zugelassen während er in K, DO oder F vermutlich kaum Probleme hätte), noch in der Schlussfolgerung (die Korrelationen zwischen Schul-, Uni- und v.a. Berufseintrittserfolg sind mittelmäßig, außerdem kontaminiert von systematischen Verzerrungen). Eine Frage sollte sein: Warum braucht D - im Gegensatz zu vielen anderen sehr leistungsorientierten und erfolgreichen Gesellschaften (UK, SWE, NOR, CH) - überhaupt dieses ultraabgestufte Abitur? 16 Bundesländer, x Abi-Varianten, 41 Abstufungen (zw. 1,0 u. 4,0), während andere damit zurecht kommen von 'sehr gut' bis 'ausreichend' zu klassifizieren? Die Antwort könnte sein (und lautet häufig): Weil das gerechter ist. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. Ich bin mir sicher: Mein Abi wäre an manch anderer Schule deutlich schlechter ausgefallen, bei anderen ist es sicher umgekehrt........
  9. #9

    wäre das schlecht?

    Zitat von waldemar28 Beitrag anzeigen
    Irgendein Wert muß Voraussetzung für ein Studium sein. Ist es nicht die Abiturnote, konnte jede Uni eine Immatrikulationsprüfung verlangen. Dann aber - das sage ich voraus - würde sich die Zahl der Studierenden mit einem Schlag drastisch verringern.
    Wenn bei 400 zu vergebenen Studienplätzen die 400 Besten aus dem Test genommen werden, dann ist jeder Platz besetzt.

    Und wir sparen uns Unmengen von Fehlerquellen bei der Selektion wie sie Heute stattfindet.








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