Zitat von
khaja
Ist doch eigentlich jedem klar, der sich mal mit den Hintergründen zu Schulnoten befasst hat.
Denn streng genommen sind diese in der derzeitigen Form nahezu komplett unbrauchbar, um irgendeine verlässliche Aussage über die Leistungsfähigkeit eines Schülers zu treffen.
Dies fängt schon mit der Durchschnittsbildung an (ob nun gewichtet oder nicht): Nehmen wir einen Schüler mit der Abi-Note 2,5. Das kann ein Schüler sein, der:
- in den MINT-Fächern sehr gut ist, dafür bei den Sprachen, Sport, usw. nicht so gut abgeschnitten hat.
- in Sprachen, Sport sehr gut ist, dafür bei den MINT-Fächern nicht so gut
- überall im Durchschnitt auf 2,5 steht.
Sprich: Für die Eignung auf bestimmte Studienfächer kann die Abi-Note eigentlich keine Aussage treffen.
Aber es geht ja noch weiter: Schulnoten sind höchst subjektiv - dies ist in zahlreichen Studien belegt. Wurde Lehrern die gleiche Klausur zur Korrektur vorgelegt, unterschied sich die dafür gegebene Note teilweise drastisch. Eine weitere Verschiebung zum Positiven/Negativen konnte durch eine Angabe des sozio-ökonomischen Hintergrunds des (fiktiven) Schülers erreicht werden - Akademikerkinder bekommen bessere Noten als Arbeiterkinder.
Ähnliche Aussagen lassen sich zur Reliabilität und Validität treffen. Messfehler gibt es auch noch.
Um noch einmal auf den Ausgangspunkt zurück zu kehren: Die Behandlung von Schulnoten mit dem statistischen Mittel des Durchschnitts verbietet sich eigentlich gänzlich. Für die Durchschnittsbildung muss die zugehörige Skala eigentlich sowohl einen Nullpunkt als auch äquidistante Messpunkte aufweisen. Beides ist bei Schulnoten nicht der Fall.
Auch stellt sich die Frage, was Schulnoten abbilden sollen: Ist es der Ist-Zustand (Diagnose), ist es die Historie (Anamnese) oder soll es eine Aussage über zukünftig mögliche Leistungen sein (Prognose)?
Nehmen wir dafür 2 Schüler mit den folgenden Klausurnoten in zeitlicher Reihenfolge:
Schüler A: 1, 2, 3, 4, 5
Schüler B: 5, 4, 3, 2, 1
Wir sehen, dass Schüler B eine deutliche Leistungssteigerung hinlegt, Schüler A hingegen schwächer wird. Bei einer Durchschnittsbildung bekommen beide die gleiche Note...