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Studienplatz-Chaos: Wer will noch einen, wer hat noch keinen?

Seit Jahren grassiert das Einschreibechaos an Deutschlands Unis, die ihre Erstsemester selbst auswählen wollen und dürfen. Das System ist ein Fiasko: Noch lange nach Semesterstart blieben 18.000 Studienplätze frei - trotz x-fachem Nachrücken, wie ein noch unveröffentlichter Bericht zeigt.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...675747,00.html
  1. #1

    -

    Was spircht dagegen, der (bewährten) ZVS wieder ihre ursprünglichen Kompetenzen zu geben? Die Föderalismusreform?
  2. #2

    Interessiert keine Sau....

    Diese Entwicklung war von Anfang an absehbar und zeigt deutlich, dass Lehre und Ausbildung wirklich keine politische Sau ernsthaft interessiert. Sonst hätte man die ganzen Bildungs-Provinzfürsten mal entmachtet, die Ausbildung der nächsten Generation zur Bundesaufgabe gemacht und nicht als Joker für die Föderalismusreform benutzt. Dazu kommt noch, dass - gefödert durch die Exzellenzinitiative - auch an den Unis die Lehre keinen interessiert. So strebt die Finanzierung und damit das Niveau unaufhaltsam auseinander und führt dazu, dass an manchen Unis die Ausbildung nur noch mit Drittmitteln aufrechterhalten werden kann.
    Es ist lachhhaft, dass wir als Industrieland nicht mal gemeinsame Standards in den Schulen hinkriegen.
  3. #3

    -

    Nein.
    Ich glaube mal gelesen zu haben, dass einfach keiner die ZVS bezahlen mag. Sollt sie die Aufgabe der Verteilung wieder übernehmen, müßte irgendwer das bezahlen. Und weils keiner machen mag, doktorn sie einfach weiter herum und beschließen ineffektive (günstigere) Tauschplatzbörsen - auf den Rücken der Abiturienten.
  4. #4

    Studienplätze

    Wo soll denn bitte der Unterschied sein, ob sich ein Abiturient nach Ende seiner Schulzeit bei 10 Unis bewirbt oder ein Realschüler bei 10 Firmen?

    Das Problem ist eher, dass man sich an Hochschulen nicht bewerben kann, bevor man den entsprechenden Abschluss hat(auch wenn er vorr. erreicht wird) und die Unis nicht gerade schnell arbeiten.

    Man bewirbts sich ja auch schon auf seine erste Stelle bevor man seinen Uni Abschluss hat, oder?

    Kleines Beispiel:
    Bewerbung an der HTWG Konstanz. 15.07. ist anmeldeschluss, am 30.07. hatte ich meine Zulassung und 2 Wochen Zeit zu-oder abzusagen. Am Ende war der Studiengang mit wenigen nachrückern voll. Meinem Bruder ging es 2 Jahre später ähnlich. Es kann also funktionieren.

    Problematisch wirds natürlich, wenn manche Hochschulen vor Ende August nichts verschicken. Im Prinzip sollte es in meinen Augen so laufen: Man verschickt die Zusagen und sobald der erste Student absagt rückt automatisch der nächste auf der Liste nach. Am besten die Zusagen auch noch online machen lassen, dann braucht ein Computer nur noch den nächsten Brief drucken.

    Und wenn man nach einer funktionierenden ZVS sucht lohnt sich der Blick nach England. Die Bewerbung erfolgt 1 Jahr vor Ende der Schulzeit und man bewirbt sich trotzdem auf Plätze an bestimmten Hochschulen. Man landet also nicht ungefragt am Arsch der Welt. Alle wichtigen Deadlines müssen online eingehalten werden, was v.A. Ausländischen Studenten die Teilnahme erleichtert. Und UCAS hat trotzdem den Überblick und kann Studenten, die keinen platz an ihren Wunschhochschulen bekommen haben immer noch andere Unis vorschlagen.
  5. #5

    Deadlines für alle

    Ich denke, ein Problem, das die vielen Nachrückverfahren verursacht, ist, dass jede Uni einfach ihr eigenes Süppchen kochen darf, was die zeitliche Gestaltung der Studienplatzvergabe angeht - ich habs an der eigenen Bewerbung zu spüren bekommen, war schon an einer Hochschule eingeschrieben, bevor ich von anderen überhaupt irgendetwas gehört habe, die letzten Absagan kamen erst Mitte September;
    Was dazu führt, dass man sich erst bei A einschreibt, dann bei B im Nachrückverfahren noch einen Platz bekommt, sich wieder exmatirkuliert, wieder immatrikuliert...

    Ist auch für die Bewerber nicht schön, da so in der Luft zu hängen und keine Ahnung zu haben, wies im Leben weitergeht - wenn man nichts NC-freies studieren möchte oder zumindest als Ausweichmöglichkeit hat...

    Mein Vorschlag: Wie für die Studenten, die sich ja fristgerecht bewerben müssen, sollte man auch für die Unis feste Fristen einführen.
    Bis Anfang August die ersten Zusagen, Immatrikulation bis max. Mitte August, dann das erste Nachrückverfahren laufen lassen.

    Klar, eine Lösung, die alle Probleme beseitigt ist auch das nicht, aber es würde die Sache doch vereinfachen, weil diejenigen, die mehrere Zusagen erhalten, alle auf einmal haben und somit zumindest weitestgehend vermieden werden kann, dass sich schon immatrikulierte Studenten wieder exmatrikulieren, um an einer anderen Uni, die später zugesagt hat, zu studieren...

    Außerdem würde es die Nachrückverfahren schneller bzw. zeitnäher an der Bewerbung durchführen zu können, so dass im Idealfall Zusagen nicht erst kurz vor oder sogar schon nach Vorlesungsbeginn verschickt werden..

    Gut, eine prinzipielle Lösung für das Problem ist der Vorschlag nicht - wurde das eigentlich trotzdem mal von der Politik diskutiert und ich habs nicht mitbekommen? Ich meine, die Idee liegt ja eigentlich auf der Hand - aber immerhin eine Maßnahme, die die ganze Sache für die Studenten ein wenig erleichtert...

    In der Hoffnung darauf, dass sich die nächsten Jahrgänge etwas besser durch den Bewerbungsdschungel finden werden als meine "Studentengeneration",
    Nellas
  6. #6

    Okay, mancher Student bekommt seine Nachrück-, Los- oder was-auch-immer-Zulassung erst nach Semesterbeginn und versäumt neben den Einführungsveranstaltungen vielleicht die ersten beiden Termine. Aber immerhin schaffen es die Unis ihre Bewerber zwischen Mitte Juli und Mitte November, also innerhalb von vier Monaten unterzubringen, wohingegen die meisten Ausbildungsbetriebe, auch der öffentliche Dienst ein ganzes Jahr dazu brauchen geeignete Bewerber auszuwählen. Dort liegt die wahre Lebenszeitverschwendung. Das Gegenargument, dass man sich dort auch schon vor dem Abschlusszeugnis bewerben kann, zählt nicht, jedenfalls nicht für Abiturienten, die sich häufig erst mit den Abinoten in der Hand gegen ein Studium und für eine Ausbildung entscheiden. Und das ist auch legitim so.
  7. #7

    ...

    "Die Bildungsgewerkschaft GEW bezeichnete die Hochschulen als "überfordert" bei der Vergabe von Studienplätzen."

    Die Hochschulen sind noch mit mehr überfordert. Eigentlich mit allem, was ihre Kernkompetenz sein sollte. Und daran wird sich auch nichts ändern, solange Bildung nicht einheitlich Bundessache wird und mal richtig Geld in die Hand genommen wird, um die Auswirkungen der jahrzehntelangen Unterfinanzierung in den Griff zu bekommen.
  8. #8

    überlaufene Unis vs. freie Studienplätze

    Ich hatte vor vielmehr den Eindruck, dass gerade in diesem Wintersemester die Uni komplett überlaufen ist, da in vielen Fächern die NCs abgeschafft wurden, angeblich, um die baldige Horde an "Abi nach 12 Jahren" abzufangen. So schien es Berichten zu Folge an anderen Unis auch gewesen zu sein.
    Was mich dann ärgert ist, dass der Semesterbeitrag plus Studiengebühren (bei uns mittlerweile über 700 Euro) sofort zu leisten ist. Das war schon vor 2 Jahren bei mir so. Mit der Zusage hat die Uni sich Wochen Zeit gelassen, nachdem ich dann eingeschrieben war, kam innerhalb vin 2 Tagen der Brief, dass die Studiengebühren überwiesen werden müssen. Ich stelle mir da die Frage... wenn die Uni sich schon so lange Zeit lässt und er im November begonnen werden kann, hat man erstens keine Wohnung, zweitens kein Semesterticket, denn damit lässt man sich auch gerne Zeit, wenn erstmal das Geld auf dem Unikonto ist und drittens für einen Monat umsonst bezahlt, man konnte die Bildungseinrichtung ja nicht nutzen.

    Wie auch immer, geändert werden sollte auf jeden Fall was.
  9. #9

    Die Hochschulen richtig motivieren

    Auch in den traditionellen ZVS-Verfahren hat es an vielen Orten immer endlose Nachrückverfahren und schließlich ungenutzte Studienplätze gegeben. Wer das ändern will, muss die Interessenlage der Hochschulen ändern. Der Staat macht den Fehler, ihnen Geld zu geben und ihnen dann vorzurechnen, wie viele Bewerber sie in jedem Studiengang aufnehmen müssen. Jedes einzelne Bundesland hat es in der Hand, mit dieser Fehlsteuerung Schluss zu machen.
    Würde der Staat nur Geld für besetzte Studienplätze geben und zwar in einer Höhe, die alle Kosten deckt, dann müsste er den Hochschulen die Bewerber nicht mehr aufdrängen; sie würden alles tun, die besten Bewerber auszuwählen und an sich zu binden. Sie würden nur noch Studiengänge anbieten, die auch nachgefragt werden. Es muss nur endlich der Grundsatz gelten: Das staatliche Geld folgt den Studienbewerbern an die Hochschule, die sie aufgenommen hat. Dann kann sich der Staat sogar die gehassten Kapazitätsberechnungen sparen, mit denen er seinem Geld bisher hinterherläuft und die Hochschulen zur Aufnahme von Studenten zwingt.
    Bildungsgutscheine könnten das neue Prinzip der Kopfbeträge (die man auch staatlich bezahlte Studiengebühren nennen kann) allen Beteiligten anschaulich machen. Anfangen kann man auch ohne sie, indem man Studium und Lehre konsequent mit Kopfbeträgen finanziert. Dadurch entsteht Wettbewerb der Hochschulen um die Studienbewerber, der nur mit attraktiven Studienangeboten, also guter Lehre auf Dauer zu gewinnen ist.








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