Forum


 

Studie zur Religiosität: Wer glaubt, wird nicht unbedingt glücklich

Religion scheint ein Glücksgarant zu sein: Gläubige sind zufriedener, seltener depressiv, stabiler. Doch ist es der Glaube allein? Forscher haben*Menschen in stark religiösen und nicht religiösen Ländern verglichen. Ihr Fazit: Entscheidend ist weniger die Spiritualität als*das gesellschaftliche Umfeld.

http://www.spiegel.de/panorama/gesel...789365,00.html
  1. #120

    .

    Zitat von Idahoe Beitrag anzeigen
    Pantheismus hat damit nichts zu tun.
    Das nennt MAN Sichtweise, um zu verstehen, was andere Menschen an Aussagen treffen und warum.
    Sie sagten "Wenn wir alles was wir wahrnehmen und alles was wir nicht wahrnehmen können, als Gott bezeichnen, schafft das eine andere Sichtweise von Religion (nicht der Institutionen).
    Das Ganze als Gott. In diesem Sinne sind wir alle ein Teil Gottes (ebenso wie die Natur und das Universum)."

    Das ist eine pantheistische Sichtweise und das können sie auch gerne hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Panthei...che_Denkweisen
  2. #121

    Meine Meinung

    Wenn der Glaube glücklich machen würde, wäre ich wohl der erste, der sich von Morgens bis Abends in einer Kirchenbank rumdrücken würde.

    Leider bin ich in einem strenggläubigen Elternhaus aufgewachsen und damals mit unglaublicher Gewalt zum Besuch kirchlicher Einrichtungen und zur Annahme christlicher Lebensweisen gezwungen worden.

    Was mich seit damals beschäftigt hat: Warum war mein Großvater - ein Mensch, der im zweiten Weltkrieg als führender Eisenbahner die Transporte von 100.000 bis 200.000 Juden aus Nordfrankreich und Benelux ins KZ geplant hat und bis zu seinem Tod im hohem Alter überzeugter Judenhasser war - Zeit seines Lebens der glücklichste und beliebteste Mensch, den man sich vorstellen kann?

    Und warum waren meine Eltern, die auch als Entwicklungshelfer gearbeitet hatten, immer sozial engagiert waren und christlich bis hinter beide Ohren so unglücklich, dass sie das Leben nur mit Alkohol, Fressen, Geltungssucht und psyschicher Misshandlung Ihrer Kinder ertragen konnten?

    Und genauso verwunderlich fand ich, dass in diesem Kraft spendenden Glauben erst der Pfarrer jung an Krebs starb und später meine Mutter nach langem Leiden ebenfalls früh an Krebs.

    Ich konnte mich aus dem christlichen Glaubenswürgegriff lösen, da ich gegen eines der Putzmittel in der Kirche allergisch war und bei jedem erzwungenen Besuch körperlich gelitten habe. Davon wollte aber keiner was wissen. Hauptsache ich war dort, alles andere spielte keine Rolle.

    Letztlich war dieses aber schlimm genug, um mich trotz folgender Misshandlung und Ausschluss aus dem Familienverband offen gegen Kirche stellen zu können.

    Wenn es einen Gott geben sollte, dann hat der eine seltsame Art von schwarzem Humor, sich so etwas aus zu denken...
  3. #122

    .

    Zitat von neeanders Beitrag anzeigen
    Atheismus ist im Kern immer nur die Abwesenheit von persönlichem Glauben an Gott, mehr nicht.
    Absolut richtig. Ich wuerde sogar so weit gehen zu sagen, dass es gar keine Atheisten gibt (sondern nur Menschen, die nicht an Gott glauben). Diese Leute als Atheisten zu bezeichnen ist so absurd wie Leute, die nicht an Einhoerner glauben, als "Aunicornisten" zu bezeichen. Solch ein grosser Begriff fuer eine solch banale Sache.

    Zitat von neeanders Beitrag anzeigen
    Jede darüber hinausgehende Aussage wie "Gott existiert nicht" oder "Religiöse irren" hat mit Atheismus selbst nichts mehr zu tun, sondern ist bereits Antitheismus und damit nichts anderes als eine eigene Weltanschauung mit unbedingtem Wahrheitsanspruch.
    Man kann die Behauptung, dass Gott nicht existiert nicht beweisen (hat man ihnen schon ein mehrmals erklaert) genauso wie man nicht die Nicht-Existenz von Trollen beweisen kann. Oder von Einhoernern. Wie schon mehrmals erklaert, muss man das auch nicht.
  4. #123

    Eigentliches Ergebnis der Studie

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Religion scheint ein Glücksgarant zu sein: Gläubige sind zufriedener, seltener depressiv, stabiler. Doch ist es der Glaube allein? Forscher haben*Menschen in stark religiösen und nicht religiösen Ländern verglichen. Ihr Fazit: Entscheidend ist weniger die Spiritualität als*das gesellschaftliche Umfeld.

    http://www.spiegel.de/panorama/gesel...789365,00.html
    Eigentlich kommt bei der Studie gar nichts Aussagekräftiges über den Aspekt "Religiosität" heraus, sondern lediglich, dass ein "gemeinschaftliches Klima" glücklicher macht. Das ist nicht überraschend, da Menschen substanziell nun einmal soziale Wesen sind. Es wurde also beforscht, was ohnehin evident war.
  5. #124

    Wenig Aussagekraft

    Zitat von stevendedalus65 Beitrag anzeigen
    Was nun "Glück" betrifft so müßte man erstmal definieren was man darunter versteht. Insofern halte ich Fragen nach dem Glück immer für ziemlich fragwürdig und Zufriedenheit ist auch ein Zustand, der selten lang andauert.
    Exakt. Denke Glücks- und Religionsbegriff sind etwas unterkomplex behandelt. Die Studienergebnisse taugen so allenfals für eine kurze Schlagzeile in den Boulevardmedien. Wissenschaftlich gewinnbringend sind sie weniger.
  6. #125

    Was sehen Sie in meinem Weltbild?

    Zitat von sowosammerneger Beitrag anzeigen
    Ihre Aussage, es gebe eine Beweislast dafür, daß ein Glaube sinnvoll ist, läßt sehr tief in ihr Weltbild und ihre Persönlichkeit blicken. Sie sollten sich mal intensiv mit dem Ursprung ihrer Werte beschäftigen.
    Und inwiefern läßt das "tief" in mein Weltbilod und meine Persönlichkeit blicken. Sie kennen mich doch gar nicht, also können sie auch nicht im meine Persönlichkeit blicken, aber was glauben Sie denn da zu sehen? Und warum sollte ich mich mit dem Ursprung meiner Werte beschäftigen? Meine Werte sind diejenigen des mainstreams - mehr oder minder und sie stammen aus meiner Akzeptanz/Nichtakzeptanz bestimmter Werte, die mir von der Gesellschaft beigebracht/angeboten werden/wurden.

    Wie Ihre Werte auch und die aller Menschen. Das heißt meine Werte stammen daher, daß ich sie als Werte setze. Denn genau das sind Normen und Werte - reine Setzungen bzw. Setzungen von Setzungen, denn Normen und Werte kann man nur aus anderen Normen und Werten ableiten nicht aus der Natur, nicht aus der göttlichen Offenbarung und auch nicht aus einer allgemeinen Humanität. Man hat gewisse Normen und Werte, weil sie praktikabel sind - Punkt um.
  7. #126

    Die Hoffnung auf ein "Jenseits" blockiert Kräfte und Fantasie

    Zitat von _genießer_ Beitrag anzeigen
    Das Christentum hat den Menschen durch die Verheißung des ewigen Lebens um das zeitliche Leben, durch das Vertrauen auf Gottes Hilfe um das Vertrauen zu seinen eigenen Kräften, durch den Glauben an ein besseres Leben im Himmel um den Glauben an ein besseres Leben auf Erden und das Bestreben, ein solches zu verwirklichen, gebracht.
    (Ludwig Feuerbach: Das Wesen der Religion, Leipzig 1849)
    Das sind sehr weise Gedanken, mit denen sich ganz besonders alle Jenseits-Gläubigen auseinandersetzen sollten. Wieviel menschliche Kraft und Energie, wieviel Fantasie und Kreativität sind wohl allein dadurch blockiert oder nicht aktiviert worden, weil die Leute in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod die "diesseitigen" Probleme ohne die nötige Gegenwehr ertrugen oder "gottergeben" hinnahmen.
    Das ist übrigens auch einer der Hauptvorwürfe gegen das Hilfskonzept der "seligen" Mutter Teresa. Danach war für sie das Seelenheil (sprich: katholische Taufe) der Patienten in ihren Sterbehäusern wichtiger, als die physisch-medizinische Hilfe. Entsprechend primitiv war auch der technische und hygienische Standard in diesen Hospizen. Mutter Teresa kämpfte nicht gegen Unrecht, Elend und Ausbeutung und damit für ein besseres, gerechteres Dasein auf Erden, ihre Aktivitäten zielten auf das "Jenseits" - zum Nachteil derjenigen, die in ihrer Obhut waren.
  8. #127

    Religionsforschung und Religionsskepsis

    Zitat von neeanders Beitrag anzeigen
    Es ist ja nicht die erste Umfrage, die versucht, Religiösität mit pseudowissenschaftlichen Methoden öffentlich madig zu machen.
    Vor kurzem war noch die "Untersuchung" in aller Munde, dass Konservative und Religiöse einen geringeren IQ haben als Linke und Atheisten.
    Seit die schweren, methodischen Fehler dieser Untersuchung bekannt wurden (u.a. musste das Forschungsinstitut zugeben, den IQ der Befragten nicht getestet, sondern nur annähernd geschätzt zu haben!!), hört man nichts mehr von diesem Unfug.
    Aber die Legende von den "dummen Religiösen" ist damit in der Welt, und nur darauf kam es anscheinend an.
    Man kann diese "Legende" verstehen, wenn man bedenkt, dass die heutige Religionsforschung noch immer mit den Begriffen arbeitet, die sich im Horizont einer religionsskeptischen Aufklärungstradition Europas herausgebildet haben. Das heutige Denken von Religion ist somit - historisch kontingent - durch die hiesige religionskriegerische Geschichte vorbelastet worden. In anderen Kulturkreisen - übrigens auch in den USA - fehlt dieser historische Abschnitt. Hier kann man sich dem Religionsthema recht neutral und unbeschwert zuwenden. Hier ist Religion nichts Illegitimes, nicht nur reines Placebo für Kontingenzbewältigung.

    Jüngere Ansätze der Religionsforschung arbeiten entsprechend weniger einseitig und rücken z.B. bestimmte Werteorientierungen von gläubigen Menschen in den Vordergrund, genauso wie positive Aspekte des Glaubens wie etwa das Gefühl der Demut, ein Gefühl der Dankbarkeit und Verantwortung. Für den von Haus aus religionsskeptischen Normaleuropäer ist dies sicherlich gewöhnungsbedürftig, wissenschaftlich aber seriöser.
  9. #128

    Nee

    Zitat von thorsten_kampe Beitrag anzeigen
    Es IST keine positive Behauptung. Es ist eine Nicht-Existenz-Behauptung. Ist das so schwierig?
    ....Man hat ihnen ihn Bezug auf Nicht-Existenz-Aussagen schon mindestens ein halbes Dutzend Mal erklaert, daß Nicht-Beweisbarkeit NICHT Nicht-Wissen bedeutet, da derjenige, der eine Existenz postuliert, dies beweisen muß (es sei denn es gibt starke Indizien für die Aussage)..
    Sie drehen sich im Kreise. Insbesondere ist Ihnen der Unterschied zwischen positiver und negativer Behauptung offensichtlich nicht ganz klar.
    Deshalb noch einmal ein ganz einfacher Fall aus dem täglichen Leben für Sie persönlich:
    Ein Angeklagter vor Gericht ist entweder schuldig oder unschuldig im Sinne der Anklage. Wenn er aus Mangel an Beweisen freigesprochen wird, ist damit gleichzeitig seine völlige Unschuld bewiesen?
    Eben nicht!
    Die Behauptung, unschuldig im Sinne einer "Nichtexistenz von Schuld" zu sein, muss immer gesondert bewiesen werden, die bloße Nichtbeweisbarkeit der Schuld reicht dafür nicht.
    Den Spruch "Eine Schuld existiert nicht, weil das Gericht keine Schuld beweisen kann" entlarvt jeder klardenkende Mensch sofort als höheren Blödsinn, aber dann kann für die Behauptung "Gott existiert nicht, weil die Religiösen keinen Gott beweisen können" auch nichts anders gelten.
  10. #129

    Schöner Beitrag!

    Zitat von demut Beitrag anzeigen
    Wenn der Glaube glücklich machen würde, wäre ich wohl der erste, der sich von Morgens bis Abends in einer Kirchenbank rumdrücken würde.
    [...]
    Danke für Ihren Beitrag! Sie erinnern mich sehr an dem, was meine Mutter durchmachen musste. Sie, malayisch und muslimisch, wuchs hier in einem Dorf auf, hatte 12 Geschwister und sie war das schwarze Schaaf, das begnadet war, ein Freigeist zu sein. Einige ihrer Brüder haben sie geschlagen wenn sie unangenehme Fragen gestellt hat und sich "nicht muslimisch" verhalten hat. Dies wurde toleriert, sogar gefördert, von ihren Eltern. Auch sie, besonders meine Großmutter, haben auf meine Mutter eingedrescht. Sie hat sich den Fangen der Religion entwichen, indem sie meinen Vater, deutscher Spediteur zu der Zeit in Malaysia, kennengelernt hat und erstmal um die Welt gekommen ist.

    Anhand ihrer Familie hat sie sehr schnell erkennen können, dass gerade diejenigen, die am meisten gebetet haben, auch die waren, die am meisten gesündigt haben. Das alles ist schon mehr als 40 Jahre her. In den späten 90er ging meine Familie wieder zurück nach Malaysia. Das Resultat war lachhaft. Diejenigen, die am gläubigsten sind, haben es in ihrem Leben am wenigsten weit geschafft. Man mag das vielleicht so sehen wollen und vermutlich glauben auch diese Personen daran, dass Gott sie von Wohlstand und Liebe ferngehalten hat, weil es Teufelswerk ist, aber während sie damit beschäftigt waren, ständig zu beten und zu glauben, waren die anderen dabei Bildung anzueignen und etwas aus sich zu machen.

    Sie selber glaubt immer noch an Gott. Aber nicht so, wie die meisten hier. Wer Gott als Ausrede nimmt, faul zu sein und hofft, Hilfe und Vergebung durch Beten zu bekommen, ist ein opportun Gläubiger, der nicht, aber auch gar nichts verstanden hat. Das schlimme an solchen ist, sie fühlen sich auch noch krankhaft im Recht (aber eigentlich nicht verwunderlich - es ist das Einzige, was sie vorzuweisen haben).








TOP



TOP